Alle Beiträge von Helmut Melzer

Bauen wie in der Zukunft

Es besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass die Klimaänderung nicht mehr verhindert, sondern nur in ihrer Auswirkung gemindert werden kann. Höhere Temperaturen, längere Hitze- und Dürreperioden, häufigere Starkregenereignisse, Überschwemmungen und Starkwinde werden besonders einen massiven Einfluss auf die Bauwirtschaft haben. Selbst beim nachhaltigen Bauen wird in der Regel nach heutigen Maßstäben und Normen geplant und errichtet. bauXund hat gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Meteorologie) ein interaktives Beratungsdesign für Unternehmen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelt, das anhand einer Vielzahl an Daten die Klimazukunft deutlich darstellt und so Bauen wie in der Zukunft ermöglicht. Lukas Clementschitsch (bauXund) und Herbert Formayer (BOKU) präsentierten das neue Beratungsangebot und beantworten Fragen.

Gebäudelabels: für oder gegen den Klimaschutz?

Welche Verantwortung haben Zertifizierungsysteme für die Klimaschutzpolitik und wie muss sich die Gebäudebewertung verändern, damit sie CO2-Neutralität im Gebäudesektor als zentrale umweltpolitische Zielsetzung unterstützt? Welche Gebäudeausweise / Zertifikate unterstützen Klimaschutzpolitik, welche nicht? Diese Fragen behandelt Robert Lechner (ÖGNB, ÖÖI) und gibt zudem einen Überblick über die in Österreich verwendeten Systeme.

Grundsätzliches zu Gebäudelabels

Die Geschichte der Gebäudebewertungssysteme beginnt Mitte der 90er Jahre. BREEAM und LEED waren dabei Vorreiter der Entwicklung, im Rahmen der „International Green Building Challenge“ kamen bereits zur Jahrtausendwende mehrere andere Bewertungsansätze hinzu (Frankreich HQE, Japan Casbee, Österreich: TQB). In Deutschland wurde diese Entwicklung lange beobachtet, erst im Jahr 2009 kam es zur Gründung der DGNB und des gleichlautenden Bewertungssystems. Der Fokus der frühen Bewertungenssysteme lag eindeutig im Umweltbereich, wenngleich TQB und BREEAM sehr bald „umfassende“ Bewertungsansätze lieferten.

Klimaschutz als zentrale Aufgabe

Von der Immobilienwirtschaft werden Bewertungsansätze für Gebäude gerne „umfassend“ ausgerichtet, die Argumentationsbasis dafür liefert das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit aus Wirtschaft, Sozialem und Umwelt. Hinzu kommt die Prozessqualität und technische Qualität. Diesem Zugang kann auch einiges abgewonnen werden, wenn Nachhaltigkeitsbewertungssysteme nicht dazu beitragen, die großen bereits erkennbaren und vor allem die künftig erwartbaren Herausforderungen an unsere Gesellschaft durch den Klimawandel durch Komplexität auf der einen Seite, durch Marketingziele aller Systeme auf der anderen Seite zu verharmlosen. Nachhaltigkeitsbewertungssysteme im Gebäudesektor müssen darauf ausgerichtet sein, den Beitrag von Gebäuden am Klimawandel bzw. ihr Eignung zur Bewältigung der Klimakrise zu dokumentieren.
Es ist deshalb unabdingbar, dass den Themen Energieeffizienz, Energiebedarf und Treibhauspotenzial bei Entstehung und Betrieb besonderes Gewicht gegeben wird. Diese Zielsetzung erfüllen unterschiedliche am Markt vorhandene Bewertungssysteme in äußerst unterschiedlichem Ausmaß.

Gebäudebewertung
Gebäudebewertung

 

KLIMAAKTIV

Gemessen an der absoluten Zahl der bewerteten Gebäude ist klimaaktiv in Österreich eindeutiger Spitzenreiter, gefolgt von ÖGNB und DGNB. Diese Marktpräsenz ist nicht zuletzt auch dadurch erklärbar, weil klimaaktiv als „nationales System“ von der öffentlichen Hand (BMLFUW) getragen wird. Gemessen an der Klimaschutzrelevanz der Systeme ist diese Vormachtstellung auch beruhigend: klimaaktiv hat einen eindeutigen Schwerpunkt auf Energieeffizienz und CO2-Reduktion im Bewertungsansatz implementiert.

klimaaktiv
klimaaktiv

Bis zu 50 Prozent des Bewertungsergebnisses hängen direkt mit Klimaschutz und Energieeffizienz zusammen. Erfüllt ein Gebäude nicht die Mindestkriterien im Bereich Energieeffizienz, dann kann es gar nicht deklariert werden: Daraus resultiert hohe Glaubwürdigkeit im Bereich des Klimaschutzes.

ÖGNB

Das Bewertungssystem der ÖGNB ist hinsichtlich der Kriterien zu 100 Prozent mit jenem von klimaaktiv kompatibel: Daraus resultiert indirekt die inhaltlich gleichwertige Berücksichtigung von Energieeffizienz und Vermeidung der Treibhausgase in beiden Bewertungsansätzen. Aus der Geschichte des ÖGNB-Bewertungsansatzes ergibt sich aber eine andere Gewichtung der Kriterien, hinzu kommt auch eine umfassende Berücksichtigung der Standort- und Ausstattungskriterien. Die ÖGNB ist auch die einzige Organisation, die Bestandsgebäude und Neubauten mit den gleichen Bewertungskriterien (und Gewichtungen) beurteilt: Daraus soll das Augenmerk auf die Hauptaufgabe im Gebäudesektor für die Bewältigung der Klimakrise gelegt werden und diese wird in der Optimierung des Bestands sein.

ÖGNB
ÖGNB

Nur Gebäude, die mindestens 90 Prozent Erfüllungsgrad aller Beurteilungskriterien einhalten, werden gesondert mit „ÖGNB Gold“ gewürdigt. Dadurch wird gewährleistet, dass kein Gebäude unter diesem Benchmarkwert herausragende Marketing-Möglichkeiten vorfindet und das kein Gebäude mit ÖGNB-Gold nicht auch beim hochwertigen klimaaktiv-Standard zumindest in Silber-Qualität erreichen kann.

BREEAM

Ein ähnlicher Zugang wird von BREEAM gesucht: Auch hier macht die Bewertungskategorie „Energy“ 20 Prozent des Bewertungsansatzes aus. Die Benchmark-Werte sind aber weitaus weniger ambitioniert, als dies bei klimaaktiv der Fall ist. Es ist davon auszugehen, dass lediglich „Outstanding-Gebäude“ vergleichbare Qualitäten wie klimaaktiv belegen können, wenngleich damit nicht gesagt ist, dass diese Gebäude weit über die Basiskriterien von klimaaktiv hinauskommen.

LEED

LEED gewichtet die Energiekriterien zwar mit 30 Prozent: Die Benchmarks sind aber leider allzu sehr an die in Nordamerika vergleichsweise „schlechten“ Standards angepasst. Nur wenige „Platin-Gebäude“ von LEED halten die klimaaktiv Basiskriterien ein.

Leed
Leed

 

DGNB

Die geringste Bedeutung von Energieeffizienz und Vermeidung von Treibhausgasen gibt das Bewertungssystem der DGNB: Lediglich rund 13,5 Prozent fallen grundsätzlich in diese Bewertungskategorie, wobei der direkte Energieverbrauch im Betrieb und damit die direkten Treibhausgasemissionen wahrscheinlich nur bei einem Drittel des Bedeutungsgewichts im Bewertungssystem liegen werden.

In Österreich erfüllen nur wenige DGNB-Gebäude (auch höchster Auszeichnungsstufen) die Basiskriterien von klimaaktiv. Dies liegt u.a. auch daran, dass dem Thema Energie und Klimaschutz vergleichsweise wenig Bedeutung zugemessen wird.

DGNB
DGNB

Baukulturelle Leitlinien des Bundes

Baukultur braucht Tradition und Innovation, um aus den Leistungen der Vergangenheit und der Gegenwart das baukulturelle Erbe von morgen zu schaffen. Wie wir die Städte, Orte und Landschaften Österreichs gestalten und verändern, in welchen Prozessen und mit welchen Ergebnissen, ist identitätsstiftend für die Bevölkerung. Dieses Dokument enthält neben den Baukulturellen Leitlinien des Bundes die dazugehörenden Maßnahmen des Impulsprogramms.

Autor: Bundeskanzleramt, Abteilung II/4
Geschäftsstelle des Beirats für Baukultur

Auftraggeber: Bundeskanzleramt, Abteilung II/4
Geschäftsstelle des Beirats für Baukultur

Erscheinungsjahr: 2017

Baukulturelle Leitlinien des Bundes

Entwicklung beim Wohnen & ökologische Gerechtigkeit

GRAFIK: Entwicklung Wohnen

Aus ökologischer Betrachtung verursachen mehr Haushalte – einmal dahingestellt ob energieeffizient oder nicht – mehr Energie und Emissionen. Die Prognosen zeichnen ein eindeutiges Bild: So soll die Zahl der österreichischen Haushalte von 3.798.300 im Jahr 2015 auf 4.498.000 im Jahr 2050 ansteigen. Die Zahl der Bewohner jener Haushalte nimmt aber weiter ab: Während 1900 noch 4,6 Personen gemeinsam wohnten, sind es jetzt nur noch 2,2 Personen. Zugleich explodiert die Zahl der Einpersonenhaushalte: 2030 werden sie laut Statistik Austria österreichweit mit 1,66  Millionen um 25,1 Prozent mehr sein als mit 1,32 Millionen anno 2011.  Somit steigt auch die Wohnfläche pro Person – in den letzten Jahrzehnten um ein Drittel: 1971 betrug die durchschnittliche Wohnfläche eines Hauptwohnsitzes 66 Quadratmeter, 2014 bereits 99,7 Quadratmeter. In Einzelpersonen ausgedrückt: 1971 begnügten sich jeder Österreicher noch mit durchschnittlich 22,9 Quadratmeter pro Person, 2014 ist die Wohnfläche pro Person auf 44,7 Quadratmeter angewachsen. Tendenz steigend: Im Vergleich der Hauptwohnsitze nach Nutzfläche von 1991 bis 2015 zeigt sich eine starke Abnahme kleiner Wohnungen bis 45 Quadratmeter, wohingegen die Zahl großer Wohnflächen ab 130 Quadratmeter von 402.300 auf 918.000 gesprungen ist.

GRAFIK: Entwicklung Wohnen

 

Podiumsdiskussion Road to Zero V – „Wie wir die Klimaziele erreichen“

Road to Zero V – 500 Tage nach Paris

„Wie wir die Klimaziele erreichen“

Im Dezember 2015 beschlossen 195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) das völkerrechtlich bindende, sogenannte Paris-Abkommen. Experten diskutieren, wie wir die Klimaziele im heimischen Gebäudesektor erreichen können.

Am Podium (Foto):

Wolfgang Amann, IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, ÖGNB – Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, ÖÖI – Österreichisches Ökologie Institut
Moderation: Gisela Gary, Journalistin Bauwirtschaft und Architektur

Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit – Ausschreibung 2017

Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit – Ausschreibung 2017

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMFLUW) schreibt zum fünften Mal den Staatspreis „Architektur und Nachhaltigkeit“ aus. BauherrInnen, ArchitektInnen und FachplanerInnen sind eingeladen Projekte einzureichen, die anspruchsvolle Architektur mit ressourcenschonender Bauweise verbinden.

Einreichungen sind ab 01.02.2017 bis 14.04.2017 möglich.

Die Siegerprojekte werden im Herbst 2017 durch Bundesminister Andrä Rupprechter prämiert.

Weitere Information & Online-Einreichung: www.klimaaktiv.at/staatspreis

Ausschreibung_Info

StAuN2017_Flyer_Ausschreibung_barrierefrei (2)

400 Tage nach Paris: Was bedeuten die Klimaziele für den Gebäudesektor?

Fachkommentar von Franziska Trebut, ÖGUT

Das Pariser Klimaschutzabkommen vom 12.12.2015 und der Beschluss des Nationalrats vom 8.7.2016 zur Ratifizierung des „Weltklimavertrags“ geben die Klimaziele für Österreich klar und unmissverständlich vor: Minus 80% CO2 bezogen auf 1990. Für den Gebäudesektor bedeutet das eine weitgehende Dekarbonisierung, da andere Sektoren wie etwa die Landwirtschaft oder die Industrie deutlich geringere CO2-Reduktionspotenziale haben. Ein Systemumbau steht bevor.

Der Umstieg auf Erneuerbare benötigt flexible und dezentrale Vernetzung und Speicherung. Gebäude und Siedlungen werden als Energielieferanten sowie als Energieabnehmer und Energiespeicher für Energieüberschüsse fungieren. Eine Sektorkopplung, d.h. die Kopplung von Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr ist naheliegend, benötigt aber innovative Lösungsansätze in technischer und juristischer Hinsicht. Je höher der Anteil der Stromwirtschaft an der Energiewirtschaft, um so stärker werden Technologien wie power to gas und power to heat Einfluss auf Energie- und vor allem Wärmeversorgungskonzepte von Gebäuden und Siedlungen haben und bestimmte Gebäudetechnikkonzepte forcieren.

Für den Gebäudesektor braucht es jedenfalls eine Wärmewende, vor allem im Bestand. Diese bringt Energieeinsparung, Emissionsreduktion und hohe lokale Wertschöpfung. Dafür müssen Seitens des Staates klare und stabile Investitionsanreize gesetzt werden.

Mehr Effizienz im Gebäudesektor bedeutet auch eine effizientere Flächennutzung auf der Ebene von Einzelgebäuden, Siedlungen und Gemeinden. Mit einer Reduktion der Nutzflächen und einer Verkürzung der benötigten alltäglichen Wege sind hohe Energie- und Emissionsreduktionen verbunden. Das Einfamilienhaus darf grundsätzlich hinterfragt werden, jedenfalls im Neubau. Der hohe Grund- und Wohnflächenbedarf, Aufwand für Infrastruktur und die induzierte Mobilität rechtfertigen nicht die derzeitigen Investitionsanreize beispielsweise durch Förderungen. Alternativen für leistbares Wohnen und Arbeiten in Ortskernen mit unterschiedlichster Größe sind vorhanden und sollten entsprechend konsequent angereizt und weiter entwickelt werden. Dies führt im Nebeneffekt zu vitaleren, gemeinschaftlich erlebbaren Lebensräumen und nimmt auch auf die Erfordernisse einer alternden Gesellschaft Rücksicht.

Der Systemumbau hat bereits begonnen. Er bietet gesellschaftliche und wirtschaftliche Chancen. Für diesen Systemumbau braucht es sichere, langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Die Österreichische Energie- und Klimastrategie sollte darauf überzeugende Antworten geben.

Podiums-Diskussion: „Die österr. Klimastrategie – Was zu erhoffen ist!“

Road to Zero IV – 400 Tage nach Paris

„Die österreichische Klimastrategie – Was zu erhoffen ist!“

In wenigen Wochen wird die heimische Klimastrategie festgelegt. Experten diskutieren über mögliche Details und wie die Strategie für den Gebäudesektor aussehen sollte.

Am Podium:

Robert Lechner,
ÖGNB – Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
ÖÖI – Österreichisches Ökologie Institut

Jürgen Schneider,
Umweltbundesamt

Michael Pech,
ÖSW – Österreichisches Siedlungswerk
GBV – Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen

Moderation:
Gisela Gary
Journalistin Bauwirtschaft und Architektur

 

Österreichisches Wohnhandbuch 2016

Die Österreichischen Wohnhandbücher dokumentieren seit mittlerweile über zwei Jahrzehnten in acht Auflagen die Entwicklung der österreichischen Wohnbaulandschaft.
Was Klaus Lugger 1995 gemeinsam mit dem Studienverlag Innsbruck erstmals konzipiert und seither im Dreijahreszyklus auf jeweils aktuellen Stand gebracht hat, wird seit der Auflage 2013 gemeinsam mit Wolfgang Amann herausgegeben.

Autor: Wolfgang Amann und Klaus Lugger

Auftraggeber:  IIBW

Erscheinungsjahr: 2016

Österreichisches Wohnhandbuch

Raus aus den Fossilen ist volkswirtschaftliche Notwendigkeit

Stell dir vor: Die Öko-Wende findet statt und Österreich ist nicht dabei! Acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050 müssen für Ernährung und Arbeit eingesetzt werden, nicht fürs Heizen!

Im Bereich der Haushalte stellt die Raumwärme mit rund zwei Dritteln des heimischen Endenergieverbrauchs die wichtigste Energienutzung dar. Um die Klimaziele Österreichs erreichen zu können, bedarf es Maßnahmen zur Energieeffizienz und einen raschen Schenk hin zu erneuerbaren Energieträgern für die Raumwärme. Doch die heimische Klimapolitik ist aktuell von Stillstand und Rückschritten geprägt.

Robert Lechner von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen: „Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik „für den sogenannten kleinen Mann“ (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde.“

Aus einer reinen Vernunftüberlegung hat Österreich aufgrund der Klimaziele künftig allerhöchstens zehn Prozent oder acht Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung. „Die wichtigste Frage lautet – aus heutiger Perspektive – nicht: Wie schaffen wir das? Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit unseren acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050?“, erklärt Lechner.

Es ist klar, wofür wir auch im Jahr 2050 noch Treibhausgase exmittieren müssen: für Ernährung und Arbeit. Besser gesagt: Land- und Viehwirtschaft, Industrie und Produktion. Hoffentlich nicht für Verkehr oder Abfallwirtschaft. Mit Sicherheit nicht für Gebäude, denn hier gibt es längst Alternativen und technische Lösungen. Lechner: „Die einfache, volkswirtschaftlich notwendige Antwort lautet daher: Raus aus Öl- und Gasheizung, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Vereinfacht: Was ist uns lieber – öl- und erdgasbeheizte Wohnungen oder Nahrung, Produktion und Arbeitsplätze?“

Ungekürzter Fachkommentar

Hintergrunddaten

Energie-Effizienz & Energieträger für Raumwärme

Zum Thema lesen Sie bitte unbedingt auch den Fachkommentar von Robert Lechner!

Um die schlimmsten Konsequenzen des Klimawandels zu verhindern, gilt es die globale Erwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen bzw. mindestens unter zwei Grad zu halten. Mit dem Klimaschutzabkommen von Paris 2016 gibt es dazu erstmals ein weltweites Agreement. Ob entsprechende Maßnahmen noch rechtzeitig gesetzt werden können und diese auch ausreichen, steht auf einem ganz anderen Papier.

Auch in Österreich sind rasche politische Maßnahmen erforderlich, soll die Energiewende gelingen. Gefordert sind einerseits der 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger bis spätestens 2050, andererseits die Eindämmung des Heizwärmebedarf durch gesteigerte Energieeffizienz der Gebäude um mindestens 30 Prozent bis 2030 sowie 50 Prozent bis 2050.

Einsparung durch Energieffizienz

Im Bereich der Haushalte stellt die Raumwärme mit rund zwei Dritteln des heimischen Endenergieverbrauchs im Jahr 2014 die wichtigste Energienutzung dar. Zugleich ist der Gebäudesektor neben dem Verkehr jener Bereich, der überhaupt entscheidendes Handlungsspielraum bietet. Denn es stehen Österreich – wollen wir die Klimaziele erreichen – künftig insgesamt nur 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung. Von Einsparungen zeigt sich bisher jedoch nichts: Zwar blieben die Verbrauchswerte im letzten Jahrzehnt halbwegs stabil, 2014 lagen sie jedoch abermals um vier Prozent über dem Niveau von 2005.

Der wesentliche Faktor bei der Einsparung von Heizenergie ist die thermische Sanierung des Altbestandes an Gebäuden. Auch hier ist keine Bewegung erkennbar. Die Sanierungsrate der letzten Jahre lag deutlich unter einem Prozent. Das bedeutet, dass es 70 bis 100 Jahre dauert, bis alle bestehenden Gebäude thermisch saniert wurden. Politische Signale der letzten Monate lassen sogar Rückschritte beim Klimaschutz erkennen: Der Mittel des Sanierungsschecks wurden abermals gekürzt, einige Länder kehren weitgehenden ökologischen Kriterien bei der Wohnbauförderung den Rücken.

Sanierungsrate

Umstieg auf Erneuerbare

Und auch beim Energieträgermix zeigen sich nur mäßige Tendenzen weg von den fossilen Brennstoffe Öl und Gas. Zwar wird in Österreich inzwischen verstärkt klimaneutral mit Holz geheizt (27,5 Prozent im Jahr 2014, Statistik Austria), jedoch stieg die Nutzung von Gas in den letzten Jahren sogar an (22,8 Prozent) und auch Heizen mit Öl (19,9 Prozent) ist längst nicht aus den Haushalten verbannt. Im Gegenteil: Vielfach wird der Wechsel zu einer neuen Ölheizung sogar immer noch gefördert. Erst mit deutlichem Anstand folgen Fernwärme (14,6 Prozent), Pellets & Co (6,2 Prozent), Strom (5 Prozent), Wärmepumpen (2,2 Prozent) und Solarwärme (1,3 Prozent). Und selbst Kohle wird noch zum Heizen genutzt, wenn auch mit 0,6 Prozent nur noch gering.

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Energieversorgung Österreichs

Der gesamte Bruttoinlandsverbrauch Österreichs setzt sich nach aktuellsten Zahlen (Jahr 2014) wie folgt zusammen: Öl (36,6%), Gas (19,5%), sonstige Erneuerbare (19,5%), Wasserkraft (10,7%), Kohle (9,1%), brennbare Abfälle (2,1%). Die inländische Primärenergieerzeugung trägt derzeit nur mit 37,1 Prozent zur Deckung des Bruttoinlandsverbrauches bei.

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Die Grafik zeigt Primärenergieerzeugung, Energieimporte und Gesamtenergieverbrauch in Petajoule PJ, 2014 (ohne Exporte). Dies ist eine Darstellung der Gesamtsituation in Österreich – nicht zu verwechseln mit Teilbereichen wie Endkonsumenten- oder Stromerzeugungsstatistiken. Inkludiert sind hier auch Verbrauche von Industrie etc.

Energieträger im Vergleich

Eine Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestages „CO2-Bilanzen verschiedener Energieträger im Vergleich“ kommt zu folgendem Schluss: „Zusammenfassend bleibt zunächst festzuhalten, dass zuverlässige Auskunft über die „Klima-Freundlichkeit“ verschiedener Energieträger nur von vollständigen Lebenszyklus-Analysen zu erwarten sind, die neben dem Betrieb des Kraftwerks auch die Rohstoffgewinnung, den Kraftwerksbau und die Entsorgung möglicher Rückstände berücksichtigen. Doch auch im Rahmen solcher Analysen hängt die CO2-Bilanz jedes Energieträgers in gewissem Maße von den detaillierten Bedingungen der Herstellung, des Kraftwerksbetriebs und weiteren Umständen ab. Genaue (absolute) Zahlenwerte – sei es für die emittierte CO2-Menge pro erzeugter Kilowattstunde Strom oder für Energie-Rücklaufzeiten – sind daher nur begrenzt zuverlässig. Mit größerer Sicherheit lässt sich jedoch eine (relative) Rangfolge der „klimafreundlichsten“ Energieformen angeben. Diese weist einen Rest an Unsicherheit nur in der „Spitzengruppe“ auf, wo nicht immer einfach zu entscheiden ist, welche von zwei CO2-armen Energiearten tatsächlich die CO2-ärmere ist. Zu dieser Spitzengruppe zählen diverse Formen der erneuerbaren Energien, aber auch die Kernkraft.“

Die österreichische Energieagentur kommt bei Ihrer Öko-Bewertung der Heizmaterialien zu folgendem Schluss: „Eindeutig am emissionsärmsten sind die untersuchten Biomassesysteme auf Basis von Scheitholz oder Pellets. Die höchsten CO2-Emissionen weisen die auf fossilen Energieträgern basierenden Öl- und Gas-Brennwertsysteme auf. Gegenüber Scheitholz liegen die CO2–Emissionen des Öl-Brennwertsystems um bis zu 43-fach höher (bis zu 10 t CO2/a). Ähnlich wie bei den Voll- und Energiekosten spielt auch hier die thermische Qualität des Gebäudes eine wichtige Rolle. Im Vergleich zum thermisch unsanierten Gebäude liegen die jährlichen CO2-Emissionen des thermisch sanierten Einfamilienhauses im Durchschnitt um 45 % niedriger, beim Neubau sogar um 56 %.“

Aufgrund vorliegender Bewertungen können die Heizsysteme bzw. Energieträger wie folgt eingeteilt werden:

Ökologisch sinnvolle Heizsysteme

Hocheffiziente Fernwärme bzw. mit Biomasse
Wärmepumpen mit Ökostrom
Elektroheizung mit Ökostrom
Solaranlage
Holz, Pellets etc.

Ökologisch mäßig zufriedenstellende Heizsysteme
Fernwärme allg.
Wärmepumpen mit Strommix

Ökologisch abzulehnende Heizsysteme
Brennwert-Gasheizung
Ölheizung
Elektroheizung mit Strommix
Kohleofen

Hinweise zur Wahl des Heizsystems

Fernwärme
Nützen Sie einen vorhandenen Fernwärmeanschluss ans Biomasseheizwerk. Damit heizt man platzsparend und bequem zu gleichen Vollkosten wie mit einem eigenen Heizkessel. Entscheidend bei der Fernwärme sind aber die zur Energieerzeugung genutzten Materialien. Nicht immer wird in den Anlagen Biomasse verbrannt. In der Regel werden hier aber ökologisch sinnvolle Synergien mit Abfallwirtschaft oder Industrie genutzt. Zu kritisieren ist die Einschränkung eines Anbieterwechsels. Hocheffiziente Fernwärme mit Kraftwärmekopplung KWK gilt als ökologisch sinnvoll, wenn sie zur Stromproduktion bei gleichzeitiger Abwärmenutzung verwendet wird.

Holz & Co
Alle Arten von Holzheizungen sind von den Energiekosten her günstig und ökologisch empfehlenswert. Zu bedenken ist jedoch auch die Herkunft der Biomasse. Holz oder Pellets mit langen Transportwegen verursachen zusätzliche CO2-Emissionen. Zudem muss eine volkswirtschaftlich stark zunehmende Nutzung in Hinblick auf Ressourcenschonung skeptisch betrachtet werden.

Eine moderne Holzheizung kann vollautomatisch arbeiten, wenn ein Lagerraum vorhanden ist. Es gibt sie als Stückholzheizung, Pelletheizung oder Hackschnitzelheizung. Hackschnitzel sind aber nur bei Gebäuden mit hohem Energiebedarf rentabel.

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sorgen rund um die Uhr automatisch für frische, reine und angenehm temperierte Luft. Korrekt ausgeführt sind sie zugfrei und lautlos. Der Einbau qualitativ hochwertiger Anlagen bringt viel Komfort und spart Energie.

Wärmepumpen
Bei strombetriebenen Anlagen wie Wärmepumpen gilt natürlich die Nutzung von echtem Ökostrom, um entsprechen ökologisch positiv bilanzieren zu können. Strom ist die hochwertigste Energieform, die angesichts des wachsenden Verbrauchs sparsam einzusetzen ist. Wärmepumpen brauchen gerade im Winter Strom, wo er großteils aus fossilen Quellen stammt und importiert werden muss. Nur effiziente Wärmepumpen, die etwa viermal so viel Wärme erzeugen wie sie an elektrischer Energie brauchen, sind ökologisch empfehlenswert.

Auch Wärmepumpen arbeiten mit erneuerbarer Energie, da sie einen Teil der Energie aus der Umwelt beziehen, also zum Beispiel aus der Luft oder dem Erdreich. Wärmepumpen laufen nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen und deshalb nur in gut gedämmten Häusern effizient. Generell sind Erdreich- oder Wasserwärmepumpen effizienter als Luftwärmepumpen. Luftwärmepumpen sind aus diesem Grund nur für Häuser der Energieeffizienzklasse A und besser empfehlenswert.

Stromheizungen
Der Einbau von Stromheizungen als Hauptheizsystem ist etwa in Niederösterreich laut Bauordnung verboten. In jedem Fall sollte nur echter Ökostrom Anwendung finden.

Solaranlagen
Thermische Solaranlagen eignen sich besonders gut zur Warmwasserbereitung, aber auch zur Heizungsunterstützung. Dazu kann auch ein großer, thermisch isolierter Wassertank als Speicher genutzt werden.

Bauteilkativierung zum Wärmen und Kühlen
Massivbaugebäude können die Betonmasse zur Speicherung von Wärme und auch Kälte nutzen. Dazu werden vorzugsweise in der Decke Wasserleitungen verlegt, die entsprechend des gewünschten Raumklimas für anhaltende Wärme oder Kühlung sorgen. Inzwischen kann das System auch mit Wind- oder Solarkraft genutzt werden.

 

 

 

Es geht um 2050, die Gegenwart ist der steinige Weg dorthin

Kommentar von Robert Lechner, Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Wenn heute über das Paris Agreement diskutiert wird, werden in erster Linie unklare Begriffe wie „weitgehende CO2-Neutralität“ oder das „2-Grad-Ziel“ eingebracht. Was im Diskurs über die richtige Deutung dieser Begriffe gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass die in der UN versammelte Staatengemeinschaft in Paris einen für die Zukunft der gesamten Menschheit entscheidenden Beschluss gefasst hat: Die negativen Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels müssen auf ein jetzt noch mögliches, vertretbares Ausmaß eingedämmt werden.

2 Grad – na und?

Erst jetzt kommt das 2-Grad-Ziel ins Spiel, welches im Übrigen von den allermeisten ExpertInnen als zu wenig ambitioniert betrachtet wird. Im Übrigen teilt dieses Bedenken auch die Staatengemeinschaft und deshalb enthält das Paris Agreement die seltsame Formulierung „2 Grad, besser 1,5 Grad“, was die Sache nicht verständlicher macht. Schon eine Erwärmung um „nur“ 2 Grad wird weltweit umfassende Veränderungen mit sich bringen: Das Verschwinden „kleiner“ Inselstaaten in der Größe österreichischer Bundesländer von der Landkarte, die Flutung küstennaher Gebiete, die Ausweitung der Wüstenzonen oder extrem trockener, heißer Gebiete oder große Verluste an Biodiversität weltweit sind nur eine kleine Auswahl bereits feststehender Konsequenzen, welche für die direkt Betroffenen fatale Konsequenzen mit sich bringen. Diesen Menschen wird schlichtweg die Lebensgrundlage entzogen, sie müssen „woanders“ hin. Aber auch bei uns wird sich vieles einschneidend verändern: Die Häufigkeit von wetterbedingten Extremereignissen wird sich wie jetzt schon bemerkbar deutlich erhöhen, die winterliche Null-Grad-Zone in den Alpen wird deutlich nach oben wandern und den Wintertourismus in vielen Regionen ad absurdum führen.

Galt bis jetzt die Konzentration auf die Reduktion des Heizwärmebedarfs, so ist davon auszugehen, dass künftig die sommerliche Übererwärmung von Gebäuden ein großes Problem darstellen wird. Davon betroffen sind vor allem „versiegelte Hitzeinseln“, wie sie in ganz Österreich in städtischen Gebieten anzutreffen sind. Damit kein Missverständnis aufkommt: Heizen werden wir trotzdem müssen. Auch diese Liste negativer Folgen von „nur 2 Grad Erwärmung“ ließe sich noch lange fortsetzen. Da verblassen die als positiv dargestellten Folgen, wie sie gerne von Klimawandelskeptikern ins Treffen geführt werden. Was bringt uns die Tatsache, dass sich aufgrund der klimatischen Veränderungen grundsätzlich die landwirtschaftlichen Nutzzonen ausweiten können, wenn sich noch häufiger als bisher Starkregenereignisse, Überschwemmungen oder Murenabgänge auf der anderen Seite der sprichwörtlichen Medaille finden? Diese Entwicklung kann niemand wollen, diese Entwicklung ist soweit es noch möglich ist, auf ein Minimalausmaß zu reduzieren. In Anbetracht der gegenwärtigen Ausrichtung von Weltwirtschaft, Konsumverhalten und einer explodierenden Weltbevölkerung stellen die damit zusammenhängenden Maßnahmen die wahrscheinlich größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte dar.

Weitgehend CO2-neutral – das sind wir doch, dafür haben wir doch schon so viel getan?

Womit wir beim schmerzhaften Kern der Sache angelangt sind. Eine durchschnittliche weltweite Erderwärmung im Ausmaß von 2 Grad Celsius ist nur dann möglich, wenn bis allerspätestens zur Mitte des Jahrhunderts die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf „weitgehend Null“ reduziert werden.

Über den Terminus „weitgehend“ kann leidenschaftlich gestritten werden, wobei eines klar ist: Fokussiert man auf „1,5 Grad“, dann sprechen wir tatsächlich von einer „CO2-neutralen“ Welt. Bei „2 Grad“ wird – je nach Interessenslage – angenommen, dass die Treibhausgasemissionen auf ein Ausmaß von fünf bis maximal 15 Prozent der Emissionen aus dem Jahr 1990 reduziert werden müssen. Ab diesem Zeitpunkt der Erkenntnis müsste es bei der Zielbeschreibung sehr einfach werden: Österreich war im Jahr 1990 für Treibhausgasemissionen im Ausmaß von rund 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich. Fünf Prozent davon sind 4 Millionen Tonnen, 15 Prozent ergeben 12 Millionen Tonnen. Null ergibt auch in dieser Rechenübung schlichtweg „Null“.

Die österreichische CO2-Bilanz ergibt laut aktuellster Prognose des Umweltbundesamtes für das Jahr 2015 knapp 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, Österreich ist am selben Stand wie vor 25 Jahren. Und das ist schlichtweg: Schlecht, beschämend, nicht akzeptabel. Die sektorale Aufteilung der Emissionen benennt klar die Verursacher dafür. Während der Gebäudesektor seine Emissionen um rund 40 Prozent (oder 5,1 Mio t) reduzieren konnte, sind die Emissionen im Verkehrssektor um rund 60 Prozent (oder 8,3 Mio t) gestiegen. Dass überhaupt die „Netto-Null“ erreicht werden konnte, ist Einsparungen im Bereich Landwirtschaft (1,5 Mio t), in der Abfallwirtschaft (1,2 Mio t) und dem Energie- und Industriesektor (1 Mio t) zu verdanken; bei den fluorierten Gasen ist ein leichter Anstieg in der Höhe von rund 0,5 Mio t zu bilanzieren. Alle Zahlen beziehen sich auf die aktuelle Schätzung des Umweltbundesamts für das Jahr 2015 („Now-Cast 2015“).

Aus der Sicht der Gebäudewirtschaft (besser: des Raumwärmebereichs) wäre also alles in Butter, gesamthaft ganz und gar nicht. Spätestens hier beginnt der „Kampf der Sektoren“, die sich unterstützt von „ihren“ Lobbyisten gerne die Schuld für das miserable Zwischenergebnis gegenseitig in die Schuhe schieben. Die einen verweisen dabei euphorisch auf ihre unglaublichen Erfolge, die anderen argumentieren damit, dass sie nur bedingt zur Verantwortung zu ziehen sind. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik „für den sogenannten kleinen Mann“ (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde. Und überhaupt: Noch im Jahr 2005 waren die Emissionen mit mehr als 90 Mio t deutlich höher, unser Anteil an der Welt ist verschwindend gering (siehe: Nebengeräusche, Angstmache, in weiterer Folge Verharmlosung) und vor allem: Bevor die anderen nichts tun … All das führt zu nichts, ist in Österreich (auch anderswo) eine altbekannte Strategie, die vor allem eines bewirkt: Stillstand, die aktuelle CO2-Bilanz Österreichs ist der beste Beleg dafür.

Gegen den Stillstand: CO2-Neutralität als gesellschaftspolitische Leitlinie

Zwischen Null und zwölf Millionen CO2-Äquivalent liegt – oberflächlich betrachtet – nicht viel, zwischen knapp 80 und 12 Millionen eine ganze Weltanschauung, mitsamt Wirtschaftssystem und allen dafür notwendigen Systemen des Stillstands. Als Erklärungsansatz dafür muss dann schon ganz tief in die Trickkiste gegriffen werden, die Lösung ist einfach: Der (durch den Menschen verursachte) Klimawandel findet gar nicht statt, ist von der Umwelttechnologie-Lobby erfunden oder gar von China. Wem stört es, wenn es ein bisschen wärmer wird? Auch hier gilt in Anbetracht von über 97 Prozent wissenschaftlicher Übereinstimmung schlichtweg: Schlecht, beschämend, nicht akzeptabel, ergänzt durch „Schwachsinn“.

Gehen wir davon aus, dass der Klimawandel stattfindet, dass wir aus einer reinen Vernunftüberlegung allerhöchstens zehn Prozent oder 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung haben. Und dass wir alles unternehmen müssen, dass wir unsere heutigen Emissionen zumindest auf dieses Maß reduzieren müssen. Die wichtigste Frage lautet nicht – aus heutiger Perspektive – wie schaffen wir das? Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit unseren 8 Millionen Tonnen im Jahr 2050? Erst die Beantwortung dieser Frage kann uns den Weg weisen, wird die Grundlage für sämtliche Strategien und darauffolgende Maßnahmenprogramme und Investitionsentscheidungen sein. Ausgangspunkt für die Beantwortung dieser Frage sollten natürlich die vorhandenen Erkenntnisse und Analysen sein. Und da wird schnell klar, wofür wir auch im Jahr 2050 noch Treibhausgase exmittieren werden. Ernährung und Arbeit. Besser gesagt: Land- und Viehwirtschaft (Methan) und Industrie und Produktion mit prozessbedingter Notwendigkeit im Hochtemperaturbereich (Gas, Strom). Hoffentlich nicht für den Verkehr (berufsbedingt, freizeitbedingt), die Abfallwirtschaft. Mit Sicherheit nicht für den Gebäudebereich.

Ein paar Zahlenspiele mit ernstem Hintergrund dazu: Österreichs Landwirtschaftssektor ist derzeit für genauso viele Treibhausgasemissionen verantwortlich wie der Gebäudebereich; beide emittieren jeweils etwa 8 Millionen Tonnen. Das wäre also schon ein schneller Lösungsansatz: Wir lassen bei der Landwirtschaft alles wie es ist und alle anderen Sektoren müssen ihre Emissionen auf Null stellen. Oder eben beim Gebäudesektor. Bei der Landwirtschaft macht mehr als die Hälfte davon der Vergärungsprozess (Methan) bei den Wiederkäuern (Milch, Fleisch) aus. Knapp 3,5 Millionen Tonnen an Emissionen des Gebäudesektors verursachen die immer noch vorhandenen Ölheizungen. Würden wir alles so lassen, wie es jetzt ist, dann macht das in Summe genau die acht Millionen Tonnen aus, die wir vielleicht Mitte des Jahrhunderts verbrauchen dürfen. Also: Landwirtschaft und Gebäudesektor halbieren ihre Emissionen, alle anderen Sektoren müssen zur Gänze auf ihre Emissionen „verzichten“, und deshalb entweder aus dem Wirtschaftssystem genommen werden oder zu 100 Prozent auf erneuerbare Energieträger umstellen. Mit Verlaub: Das ist nicht realistisch.

Was ist ihnen lieber? 620.000 ölbeheizte Wohnungen oder Milch/Käse/Fleisch aus der österreichischen Landwirtschaft?

Die einfache Antwort auf diese schnelle Analyse lautet also: Raus aus der Ölheizung, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Im Neubau von Wohnungen / Einfamilienhäusern müsste dafür sofort ein Verbot ausgesprochen werden und spätestens bei der Notwendigkeit zum Tausch vorhandener Ölkessel dürfte auch kein neuer mehr eingebaut werden. Alternativen gibt es genug und die CO2-Bilanz des Gebäudesektors wäre nahezu halbiert. Umsetzungsdauer: Ca. 30 Jahre, wenn sofort begonnen wird. So lange hält in etwa ein Ölkessel, bevor er ausgetauscht werden muss. Und bis heute werden sie eingebaut.

Weitaus schwieriger ist der nächste Schritt: Knapp 900.000 Wohneinheiten werden mit Erdgas beheizt, welches im Gebäudesektor für rund 3,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich ist. Erdgas ist jener fossiler Energieträger, der im Vergleich zu Öl oder Kohle geringere CO2-Emissionen emittiert und gleichzeitig einen hohen Energieinhalt (Brennwert) besitzt. Und genau diese Eigenschaft macht Energieträger für alle Prozesse im Hochtemperaturbereich extrem interessant, wie sie etwa in Industrieprozessen oder in der zentralen Energiebereitstellung notwendig sind. Im Gebäudebereich ist generell von Niedertemperaturnutzung auszugehen, für deren Bereitstellung es zahlreiche Alternativen zu fossilen Brennstoffen gibt. Aktuell braucht die österreichische Industrie 6,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus dem Gasbereich. Wenn es also bis zum Jahr 2050 gelingt, im Industriesektor die gasbezogenen Emissionen um 40 Prozent effizienter zu machen und gleichzeitig im Raumwärmebereich aus der Gasnutzung auszusteigen, dann würden knapp 7 Mio t Treibhausgasemissionen eingespart werden.

Auch dazu gibt es eine klare Fragestellung für die Zukunft: Was ist ihnen lieber – 900.000 erdgasbeheizte Wohnungen oder die auf den Hochtemperaturbereich angewiesene Industrie mit ihren Arbeitsplätzen? Vorschlag: Der Gebäudesektor sollte auf Erdgas verzichten und diese für die Hochtemperaturnutzung geeignete Ressource dem Industriesektor „schenken“. Wenn dieser Überlegung Folge geleistet wird, heißt das nichts anderes, als dass in einem ersten Schritt im Neubau keine direkte (gebäudebezogene) Gasfeuerung für Raumwärmenutzung und fürs Kochen mehr zugelassen wird. In einem zweiten Schritt muss es darum gehen, die bestehenden Gebäude sukzessive aus der Gasversorgungen heraus zu nehmen und die benötigte Raumwärme mit Alternativen zu versehen.

Diese Alternativen werden nur erschließbar sein, wenn der Gebäudebestand deutlich effizienter wird, als er derzeit ist. Der thermisch-energetischen Sanierung kommt damit größte Bedeutung zu: Je weniger Energie grundsätzlich gebraucht wird, desto weniger muss durch Alternativen bereitgestellt werden. Umsetzungshorizont mit heutigem Stand: 70 bis 100 Jahre, da die Sanierungsquote von Bestandsgebäuden irgendwo um rund 1 Prozent dahin schleicht. Will man dieses Ziel aber bis 2050 erreichen, dann wäre eine Sanierungsquote von rund 3 Prozent jährlich notwendig. Wird diese erreicht und werden gleichzeitig die fossilen Energieträger aus dem Gebäudebereich zurückgedrängt, dann ist die Raumwärmeversorgung im Gebäudesektor „CO2-neutral“. Dass dafür auch die Stromproduktion in Österreich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern umgesetzt werden muss, versteht sich von selbst. Die Republik geht in aktuellen Prognosen davon aus, dass dieses Ziel in den nächsten 15 Jahren umsetzbar ist (Wind, PV, (kleine) Wasserkraft, Biomasse). Damit einhergehend wird es möglich sein, der Elektromobilität und damit dem Verkehrssektor einen entscheidenden Entwicklungsschub zu geben.

Dass unabhängig davon sämtliche Sektoren umfassende und ambitionierte Programme realisieren müssen, liegt auf der Hand. Maximal 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2050 bedeuten eine vollkommene Neuausrichtung der österreichischen Wirtschaft, des Energiesystems und letztlich auch des Ressourcenverbrauchs bei der Bevölkerung. Die aufgezeigten Verlagerungspotenziale vom Gebäudesektor in Landwirtschaft und Industrie sind exemplarischer Natur; auch bei vollständiger Umsetzung dieser Vorschläge geht die Rechnung nicht auf. Aber ohne einen CO2-neutralen Gebäudesektor fehlt jegliche Basis für die notwendige Transformation, da schon aus diesem Sektor bereits heute der Zielwert für das Jahr 2050 emittiert wird.

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Experten-Befragung: Leistbarkeit und Energie-Effizienz kein Widerspruch

Neben der heurigen Expertenbefragung „Zukunft Bauen“ bestätigt auch eine Studie des Energieinstituts Vorarlberg die Rolle der Energieeffizienz für die Leistbarkeit.

Warum steigen die Wohnungskosten? Das hat wenig mit dem Bauen selbst zu tun. Größte Kostentreiber – neben fehlender Planung – sind Grundpreise und andere marktbedingte Faktoren:

  • Die Bevölkerung wächst und braucht mehr Wohnraum.
  • Das Angebot ist nicht ausreichend groß.
  • Vorhandene Wohnungen kommen nicht auf den Markt.
  • Wegen der Zinssituation sind Vorsorgewohnungen und Immobilieninvestition zunehmend gefragt.

Wir erleben also einen typischen Verkäufermarkt: die Nachfrage ist größer als das Angebot, demnach ist das Güterangebot relativ knapp, und die Preise haben die Tendenz zu steigen.

Billiger bauen als Abhilfe?

Würde es helfen, zwecks Senkung der Baukosten bei der Energieeffizienz zu sparen? Die klare Antwort ist: Nein. Vielmehr ist Energieeffizienz ein stabilisierender Faktor, wenn man die Lebenszykluskosten betrachtet. Das bestätigen die Aussagen der Expertenbefragung „Zukunft Bauen“ nachdrücklich:

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79 Prozent der Befragten halten die Lebenszyklus-Kosten für wichtig: ‚Leistbarkeit muss alle Kosten über den ganzen Lebenszyklus erfassen: Bauen, Betrieb und Erhaltung, Renovierung (und Umgestaltung), Abriss, Wiederverwertung, Entsorgung.‘ (Note 1,66). Sogar 86 Prozent meinen, primär braucht man ein umfassendes Konzept: ‚Wird beim Gebäudekonzept gespart, etwa bei Gebäudehülle, Lüftung, Sonnenschutz, führt das langfristig zu Mehrkosten und/oder Komfortverlust.‘ (Note 1,60). Die Zweckbindung der Wohnbauförderungsmittel wünschen sich drei Viertel zurück (Note 1,79).
Letztgereiht findet sich die Frage, ob ‚heutige Ausgaben schwerer wiegen als zukünftige Ersparnisse‘. Die unentschiedene Durchschnittsnote (3,08) verbirgt eine Polarisierung, denn Zustimmung / Ablehnung sind mit 37,1 / 41,2 Prozent der Antworten etwa gleich groß.

Lieber gut investieren als später draufzahlen

Die EIV-Studie „KliNaWo“ (siehe Anhang) unterstreicht diese Ergebnisse der Expertenbefragung:

  1. Die (geringen) Mehrkosten hocheffizienter Gebäudevarianten werden im Lebenszyklus durch geringere Betriebskosten mehr als kompensiert.
  2. Die Kostenoptima des Primärenergiebedarfs liegen – auch ohne Förderung – weit unter den derzeitigen und den geplanten Grenzwerten der Bauordnungen und der Wohnbauförderungen
  3. Lebenszykluskosten sollten verstärkt als Entscheidungskriterium herangezogen werden.

Das magische Dreieck „Leistbarkeit – Energieeffizienz – Baukultur“

Auch für das Querschnittsthema Baukultur wurde vermutet, dass es zu den anderen Themen quer liegen könnte. Die Expertenbefragung hat ausdrücklich danach gefragt: Die Aussage ‚Leistbarkeit, Energieeffizienz und Baukultur gehören zu den vielfältigen Rahmenbedingungen einer guten Planung und sind zu berücksichtigen.‘ findet 87,9 Prozent Zustimmung mit Note 1,54.
69,3 Prozent der Befragten meinen, dass ‚Leistbarkeit und Energieeffizienz „gut zu vereinbaren“ sind‘ (Note 2,17). Wie immer wurden klimaaktiv-Partnerinnen/Partner und Nicht-Partner auch getrennt ausgewertet: Bei diesem Punkt ist die Zustimmung der klimaaktiv-Gruppe um eine halbe Note höher!

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Energieeffizienz ist ein Sanierungsthema

Im Neubau fallen bei frühzeitiger ganzheitlicher Planung kaum noch relevante Mehrkosten an. Die Sanierung hingegen bleibt eine Herausforderung, Planung und Ausführung sind aufwändig, und Förderung, etwa durch den Sanierungsscheck, bietet wenig Anreiz. Das meinen jedenfalls die Befragten, und sehen die Förderstellen unter Zugzwang: jeweils 76 Prozent stimmen den folgenden beiden Aussagen zu:
‚Die Sanierungsrate steigt viel zu langsam und liegt deutlich unter den Erwartungen‘ (Note 1,89) und ‚Die ‚staatliche Förderung für thermische Sanierung muss massiv ausgebaut werden, um die Sanierungsrate zu erhöhen und die Qualität zu steigern‘ (Note 1,93).

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Die drei weiteren Aussagen polarisieren stark:
‚Maßnahmen wie Dämmung im Übermaß oder zwangsweise Lüftung haben mehr Nachteile als Vorteile und rechnen sich nicht.‘ bekommt 42,8 Prozent Zustimmung und 41,4 Prozent Ablehnung (Note 3,00).
Sind nun die Anforderungen zur Energieeffizienz (im Neubau) zu gering oder zu hoch?

Um möglichst klare Antworten zu bekommen, haben wir separat gefragt:
‚Die Anforderungen … sind zu gering‘ findet mit jeweils 36,6 Prozent gleichermaßen Zustimmung und Ablehnung (Note 3,03). ‚Die Anforderungen … sind zu hoch‘ bejahen ein Drittel (33,6 Prozent), während beinahe die Hälfte (47,8 Prozent) nicht zustimmt, also höhere Anforderungen befürwortet. In Summe ergibt sich ein Übergewicht für höhere Anforderungen von 84,4 zu 70,2.
Auch bei dieser Frage zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen klimaaktiv-Partnerinnen/Partnern und Nicht-Partnern. Den Aussagen 1, 2 und 4 stimmt die klimaaktiv-Gruppe mehr zu als die übrigen Befragten, 3 und 5 hingegen weniger. Bei allen fünf Themen unterscheiden sich die Bewertungen signifikant!

Kostenoptimalität

Die Berechnung der ‚Kostenoptimalität‘ berücksichtigt Faktoren wie Lage, Gebäudetypen und Energiepreise. Laut „Zukunft Bauen“ sind die wichtigsten Einflussgrößen Politik und ‚die Märkte‘.
80 Prozent stimmen zu, dass ‚Die neuen Klimaziele – Energieverbrauch minus 40 % bis 2030 – noch konsequentere Vorgaben für Energieeffizienz und erneuerbare Energie im Gebäudebereich erfordern.‘ (Note 1,63); 73 Prozent meinen ‚Die derzeit niedrigen Energiepreise für fossile Energie verfälschen die Erwartungen und führen so zu falschen Investitionsentscheidungen.‘ (Note 1,69).

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Nur etwas weniger hoch ist die Zustimmung für ‚Bei einem Betrachtungszeitraum von 30 Jahren liegen energieeffiziente Gebäude (das sind zumindest Niedrigstenergiegebäude) im kostenoptimalen Bereich.‘ (Note 1,95) und ‚Die Förderungen für Neubauten und Sanierungen sollen sich vermehrt dem Thema Kostenoptimalität und Lebenszykluskostenbetrachtung (LCC) widmen.‘ (Note 2,02).

Klimaschutz: 84 % gegen Ölheizung im Neubau, 56 % gegen Gas

Die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2° Celsius, möglichst nur 1,5°, wurde bei der Pariser Klimakonferenz COP21 vorgegeben und von der EU am 4.11. beschlossen. Daher soll bis 2050 auch die Verwendung der fossilen Energieträger drastisch reduziert werden. Dementsprechend meinen 84 Prozent ‚Ölheizungen sollen bei Neubauten (egal ob gefördert oder freifinanziert) nicht mehr zur Anwendung kommen.‘ (Note 1,60), und auch für ‚Gasheizungen‘ meinen das bereits 56 Prozent (Note 2,50). Eine aktuelle Studie (siehe Anhang 2) unterstreicht das: „Billiges Erdgas würde dazu führen, dass bis 2050 sogar mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als heute.“

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Fast 60 Prozent der Expertinnen und Experten befürworten ‚Die energetischen Anforderungen bei Neubauförderungen sollten weiterhin deutlich (mind. 25%) über den Bauordnungsstandards liegen.‘ (Note 2,39), ebenso viele widersprechen der Aussage ‚Fossile Energieträger können vor 2050 nicht ersetzt werden, weil unsere Lebenssysteme danach ausgerichtet sind.‘ Das heißt, 57 Prozent halten Fossile Energieträger vor 2050 für ersetzbar, nur 27 Prozent nicht.

Newsletter #10 der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Liebe(r) MedienvertreterIn!
Liebe(r) FreundIn des nachhaltigen Bauens!

Am 4. November tritt das Klimaabkommen in Kraft. Passend dazu wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Road to Zero“ über die Verantwortung der öffentlichen Hand diskutiert. Wer den Event verpasst hat, kann sich jetzt trotzdem ein Bild machen: Die Statements der Podiumsteilnehmer gibt´s auch als ausführliches Video zum nachschauen.

Ganz frisch ist zudem der Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“, eine Kooperation zwischen Medienstelle und Klima- und Energiefonds, der mit den Mythen des nachhaltigen Bauens aufräumt. Den neuen Faktencheck gibt es online und als Broschüre.

Wie immer sind alle Inhalte frei zur redaktionellen Nutzung. Wir freuen uns über Ihre mediale Begleitung – ganz im Sinne von mehr Nachhaltigkeit.

Mit lieben Grüßen,
Helmut Melzer
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt


Inhalt:

Artikel & Presseinfos

  • Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand
  • Gold für Parlamentssanierung
  • Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“

Videos

  • 10 Fragen an Passivhaus-Pionier Wolfgang Feist
  • Leistbares Wohnen – der Mailand-Vergleich

Studien

  • IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand auf Ebene der Nutzungseinheit

Nachbericht

  • Facility Management-Day
  • ARC-Enquete

Infos des Netzwerkes

  • Nachhaltiges Bauen – Masterprogramm der TU Wien
  • Investor Confidence Project als globaler Standard für Energieeffizienz

save the date

  • Wege zum Fast-Nullenergie-Gebäude
  • Klimaschutz-Preis 2016
  • Passivhaus-Tage 2016
  • Blackout – Resilienz durch Innovation?
  • Kongress der IG Lebenszyklus Bau
  • BAUZ Wiener Kongress für zukunftsfähiges Bauen
  • Int. Passivhaus-Tagung in Wien

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Artikel & Presseinfos

Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand – mit Video

Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier? „300 Tage nach Paris“ befasste sich die ÖGNB Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich. Mit umfassenden Video und kurzer Zusammenfassung.

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 Gold für Parlamentssanierung

Das Parlamentsgebäude erhält von klimaaktiv und ÖGNB für die vorliegende Planung die Auszeichnung „klimaaktiv GOLD“ und „ÖGNB Gold“, welche erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben wurden.

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 Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“

Fakten statt Mythen bietet die neue Broschüre des Klima- und Energiefonds in Kooperation mit der Medienstelle. Eine interaktive Webseite wird demnächst online gehen, die gedruckte Broschüre ist in den kommenden Wochen auf zahlreichen Veranstaltungen zu ergattern. Auch ein Download einer PDF-Version wird angeboten.

Zu den PDFs
Zur Webseite


Videos

Video: 10 Fragen an Passivhaus-Pionier Wolfgang Feist

Durch sein Engagement für das Passivhaus hat Prof. Dr. Wolfgang Feist beträchtlich zu mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich beigetragen. Die 10 Fragen gibt es als Video.

Ansehen.


Video: Leistbares Wohnen – der Mailand-Vergleich

Zwischen 1980 und 2008 ging in Italien das staatliche Engagement im Wohnbau stark zurück. Die Wohnbauförderung wurde abgeschafft, der Wohnbau dem privaten Markt überlassen. Die Folgen sind dramatisch. Aus Mailand haben wir dieses Video mitgebracht – mit Eindrücken von Wohnhausanlagen von Zaha Hadid & Co.

Ansehen.


Studien

IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand

Innendämmung wird als bauphysikalisch anspruchsvoll angesehen – zu Recht. Für die Sanierung einzelner Eigentumswohnungen ist sie aber oft der einzige Weg zu mehr Komfort, Werterhalt und Energieeinsparung. Wie eine Innendämmung einwandfrei funktioniert, wurde erforscht, praktisch umgesetzt und die Zustände bis zu 2 Jahre nach Einbau überprüft.

Zum Fachkommentar
Zur Studie


Nachbericht

FM-Day 2016 – mit Video

Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Herbst, fand Ende September der zweite österreichische FM-Day der Facility Management Austria und IFMA Austria unter dem Motto „Dimensionen schaffen. Generationserfolge sichern.“ im Park Hyatt Vienna, im Zentrum von Wien, statt.

Weitersehen.


ACR-Enquete 2016

Das Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium und die ACR – Austrian Cooperative Research zeichneten wieder drei besonders innovative Forschungsprojekte von kleinen und mittleren Unternehmen mit ACR Forschungsinstituten aus. Vizekanzler und Wirtschafsminister Reinhold Mitterlehner und ACR-Präsident Martin Leitl übergaben am 3. Oktober den ACR Kooperationspreis 2016 sowie den Woman Award.

Weitere Infos


 Infos des Netzwerks

Nachhaltiges Bauen – Masterprogramm der TU Wien

Nachhaltiges Bauen ist ein wichtiger Trend in der Bauwirtschaft auf den die Technischen Universitäten in Wien und Graz mit diesem Weiterbildungsangebot reagiert haben. Ziel des gemeinsamen Universitätslehrgangs ist es, ein Bewusstsein für ganzheitliche, lebenszyklusorientierte Betrachtungen von Bauaktivitäten im Hinblick auf das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit zu schaffen.

Der Lehrgang ist berufsbegleitend organisiert und wird als Masterprogramm (4 Semester) und als Zertifikatslehrgang (2 Semester) angeboten.


Investor Confidence Project als globaler Standard für Energieeffizienz

Washington, D.C., USA – Green Business Certification Inc. (GBCI) und der Environmental Defense Fund (EDF) geben eine strategische Zusammenarbeit zur gemeinsamen Entwicklung und Etablierung von EDFs Investor Confidence Project (ICP) als weltweit führenden Underwriting Standard für Energieeffizienzprojekte bekannt. ICP wird Teil von GBCIs Portfolio an fachlichen Akkreditierungen und Zertifizierungen und beide Organisationen werden gemeinsam an einer Beschleunigung von Investitionen in Energieeffizienz arbeiten.

Mehr dazu.


save the date

Wege zum Fast-Nullenergie-Gebäude

Die FH OÖ Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaften und der FH OÖ Studiengang „Öko Energietechnik“ laden zur Tagung „klimaaktiv bauen und sanieren: Wege zum Fast-Nullenergie-Gebäude“ am 16. November ein.


Klimaschutz-Preis 2016

Die Gewinner-Projekte zum Klimaschutzpreis werden bei der Preisverleihung am 14. November in der Siemens City ausgezeichnet. Die besten Projekte von 2008 bis 2015 sind online zu sehen.

Weitere Infos.


Passivhaus Tage 2016

Vom 11. bis 13. November haben Sie die Gelegenheit weltweit Passivhäuser zu besichtigen. Einen umfangreichen Überblick liefert die Webseite der Passivhaus Austria.

Weitere Infos.


„Blackout – Resilienz durch Innovation?“

Am 3. November wird die Plattform Innovative Gebäude mit Unterstützung des BMVIT einen Event zum Thema „Blackout – Resilienz durch Innovation“ in Wien abhalten. Was tun, wenn der Strom längerfristig ausfällt? Innovative Gebäude geben die Antwort.

Weitere Infos


Kongress der IG Lebenszyklus Bau

Die Digitalisierung umfasst alle Wirtschaftszweige: In der Bauwirtschaft sehen 93 Prozent der Unternehmen einen Einfluss der Digitalisierung auf ihre Geschäfts- und Arbeitsprozesse. Doch was sind die Voraussetzungen dafür, dass das auch wirklich funktioniert? Ist die Bau- und Immobilienbranche in Österreich schon so weit, die digitalen Möglichkeiten voll auszuschöpfen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt des 6. Kongresses der IG Lebenszyklus Bau am 17. November.

Weitere Infos.


BAUZ Wiener Kongress für zukunftsfähiges Bauen

Was wird anders? Das ist das Motto des nächsten BauZ! Kongresses von 15. bis 17. Februar 2017. Das Motto bezieht sich auf das Paris Agreement von 2015, also die Vereinbarung die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2050 zu erreichen. Was muss/könnte/sollte/dürfte sich beim Planen und Bauen in den kommenden Jahren ändern, damit dieses Ziel erreicht werden kann?

Weitere Infos.


Int. Passivhaus-Tagung in Wien

Passivhaus-Experten kommen am 28. und 29. April 2017 im Messe Wien Congress Center zusammen. Das Schwerpunktthema der 21. Tagung lautet „Passivhaus für alle“.

Weitere Infos.

 

Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen ist ein unabhängiger Mediendienst und wird vom Ministerium für ein lebenswertes Österreich gefördert.

 

Fakten-Check Nachhaltiges Bauen

Die Broschüre „Nachhaltiges Bauen“ räumt mit Mythen und Vorurteilen beim nachhaltigen Bauen auf. Eine Produktion des Klima- und Energiefonds in Zusammenarbeit mit der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Autor/Auftraggeber: Klima- und Energiefonds, Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Erscheinungsjahr 2016

Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“ lang

Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“ kurz

Innendämmung – Lösungen für sofort.

Kommentar von Tobias Steiner und Barbara Bauer, IBO GmbH

Innendämmung wird als bauphysikalisch anspruchsvoll angesehen – zu Recht. Für die Sanierung einzelner Eigentumswohnungen ist sie aber oft der einzige Weg zu mehr Komfort, Werterhalt und Energieeinsparung. Wie eine Innendämmung einwandfrei funktioniert, wurde erforscht, praktisch umgesetzt und die Zustände bis zu 2 Jahre nach Einbau überprüft.

Alte Häuser haben oft einen Charme, der über so manche Unbequemlichkeit hinwegsehen lässt. Dazu gehören auch Kälte bei den relativ dünnen Feuermauern oder den anderen Außenmauern. Für so manchen Wohnungseigentümer wäre mehr Komfort mit warmen Wänden ein verlockendes Angebot. Mit dem heutigen Wissen sind Innendämmungen sicher und praktikabel, wie das Forschungsprojekt zeigt. Dennoch: jedes Bauvorhaben ist anders und eine fachgerechte Planung und Ausführung sind Pflicht, damit am Ende alle zufrieden sind.

Im Forschungsprojekt wurden 7 Objekte, darunter ein Kellerausbau in einem Haus aus den 1970erJahren und eine Wohnung in einem Gründerzeithaus über einen Zeitraum von über 2 Jahren begleitet. Ausprobiert wurden unterschiedliche Produkte bzw. Systeme für die Innendämmung, aber auch Mess-Systeme für die Langzeitbeobachtung bei kritischen Zuständen, wie das bei Sanierungen ja der Fall sein kann.

Dabei wurde festgestellt, dass zwar jedes Bauvorhaben anders ist, dennoch für einzelne Epochen und Bauweisen Mustersanierungslösungen möglich sind. Diese Lösungen lassen sich dann für das individuelle Projekt anpassen. Untersucht wurde auch die Eignung von nachwachsenden Rohstoffen als Dämmstoffen. Denn Produkte, die mit der Energie der Sonne entstehen, sparen nicht nur Heizenergie, sondern u.a. auch graue Energie, die bei der Herstellung anfällt. Beschrieben werden im Forschungsbericht die Eignung von Kork-, Stroh-, Zellulosefaser- und Holzfaserplatten als Material für die Innendämmung. Vorweg: geeignet sind alle. 19 Innendämmsysteme wurden dafür, jeweils in Kombination mit verschiedenen Energieträgern für die Heizung, nach ökologischen und ökonomischen Kriterien beurteilt.

Beruhend auf den Forschungserkenntnissen bietet das IBO an, für einen Umbau einen bauphysikalisch abgestimmten Systemvorschlag zu entwickeln.
Produktneutral werden Materialvorschläge, die passende Dimensionierung und die Verarbeitungsbesonderheiten bzw. Baudetails für das jeweilige Projekt erstellt. Damit kann eine gesunde und ökologische Innendämmung sicher durchgeführt werden.

Vorteile sind nicht nur die größere Behaglichkeit und die Vorbeugung von Schimmelbefall. Begeisterte Bauherren berichten davon, wieviel größer ihnen die Wohnung nun vorkommt, obwohl sie durch die Innendämmung eigentlich kleiner geworden ist. Denn nun können sie den gesamten Raum nutzen, auch dort, wo früher niemand sitzen wollte, weil es zu kalt und ungemütlich war.
Auch bei Räumen, die nur zeitweise genutzt werden, hilft eine Innendämmung. Beispiel ist das Wochenendhaus, das schnell warm werden soll – mit einer Innendämmung verkürzt sich die Aufheizzeit deutlich.

Neben der Verbesserung der Wohnung– Wirtschaftlichkeit, Werterhalt, Komfortgewinn, Gesundheitsförderung – leistet eine Innendämmung auch Klimaschutz bewirken. Denn es lässt sich Heizenergie einsparen und damit Treibhausgasemissionen. Mit dem heutigen Knowhow, den ausgereiften Systemen und der bauphysikalischen Absicherung z.B. durch das IBO könnten Eigentumswohnungen ohne langwierige Miteigentümerabstimmungen sinnvoll saniert werden.

IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehr-geschoßigen Gebäude-Bestand

Im Forschungsprojekt „IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand auf Ebene der Nutzungseinheit“ wurden 7 Objekte, darunter ein Kellerausbau in einem Haus aus den 1970erJahren und eine Wohnung in einem Gründerzeithaus über einen Zeitraum von über 2 Jahren begleitet. Ausprobiert wurden unterschiedliche Produkte bzw. Systeme für die Innendämmung, aber auch Mess-Systeme für die Langzeitbeobachtung bei kritischen Zuständen, wie das bei Sanierungen ja der Fall sein kann.

Autor: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH

Auftraggeber:  Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

Erscheinungsjahr: 2016

IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand auf Ebene der Nutzungseinheit

Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand

Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier?  „300 Tage nach Paris“ befasste sich die ÖGNB Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich. Am 4. November tritt das Klimaabkommen in Kraft.

 

„Vier Prozent aller österreichischen Gebäude – 22 Prozent aller Bürogebäude, 30 Prozent der Gebäude für Verkehr, Kultur, Freizeit oder Bildung sowie 2,5 Prozent der Wohngebäude – befinden sich in direktem Eigentum von Bund, Länder oder Gemeinden – ohne ausgelagerte Institutionen mitzurechnen. Aus meiner Sicht hat die öffentliche Hand größten Einfluss auf den Gebäudesektor. Das Ziel muss sein: 2050 weitestgehend CO2-neutral zu sein. Der Gebäudesektor hat beste Voraussetzungen das zu erreichen“, stellt Robert Lechner von der ÖGNB fest.

„Im Gebäudebereich passiert recht viel, es sind die Technologien und das Know-how vorhanden – und trotzdem hebt die Nachhaltigkeit im Baubereich nicht so richtig ab“, meint Monika Auer von ÖGUT, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik. Ihre Wünsche an die öffentliche Hand: „Es braucht ein Ziel und man muss auch Stimmung dafür machen. Man muss einen gesellschaftlichen Diskurs führen: Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen kostet nicht nur, es bringt auch einen Nutzen.“

„Die globale Erwärmung soll deutlich unter zwei Grad Celsius und maximal auf 1,5 Grad reduziert werden. Mit den derzeitigen Zusagen der Staaten kommen wir dort aber nicht hin, sondern etwa auf 2,7 Grad. Seit 2005 gibt es eine Reduktion der Treibhausgase in Österreich, der Trend ist aber wieder durchbrochen: 2015 hatten wir wieder 2,3 Prozent mehr Emissionen. Wir haben einfach keine wirklich funktionierende Klimaschutzpolitik. Es braucht klare Ziele“, attestiert Johannes Wahlmüller von Global 2000. Was ist zu tun? „Es gibt Emissionen, die schwer vermeidbar sind, etwa in der Landwirtschaft. Im Gebäudebereich ist dagegen viel möglich, alle Technologien sind vorhanden. Man müsste bis 2050 den gesamten Gebäudebestand durchsanieren. Dafür bräuchten wir eine Sanierungsrate von drei Prozent, von der wir aber weit entfernt sind. Beim Neubau müsste man in Richtung Passivhaus-Standard kommen. Die Heizsysteme müssen künftig auf Basis erneuerbarer Energien laufen. Außerdem braucht es steuerliche Anreizsysteme. Dann kann es auch gelingen, dass die Ziele erreicht werden.“

„Ein ganz wesentlicher Teil der Bebauungsflächen stammen von der öffentlichen Hand, vor allem von der Gemeinde“, erklärt der Vorarlberger Bauexperte Karl Torghele, Firma Spektrum, und thematisiert die Kleinstrukturierung Österreichs: „Eine Vorarlberger Gemeinde hat durchschnittlich 3.300 Bewohner und deren Bürgermeister haben im Allgemein vom Bauen keine Ahnung. Weder das rechtliche noch das technische Basiswissen ist vorhanden.“ Durch ein gemeinsames Projekt mit dem Umweltverband bei dem eine Komplett-Beratung angeboten wird, konnte erreicht werden, dass seit 2011 90 Prozent aller Gebäude diesen Qualitätssicherungsprozess durchlaufen. Torghele betont: „Der Bürgermeister ist als Konsument und Endverbraucher zu verstehen. Wenn ich dem erkläre er bekommt eine gesunde Schule, fangen bei dem die Augen an zu leuchten. Dann kann ich ihn in diesem Moment auch überzeugen, dass er eine Lüftungsanlage einbaut. Und wenn dann auch noch das Thema regionale Wertschöpfung transparent wird, haben Sie den Bürgermeister auf Ihrer Seite. So ist aus der Schwäche der Kleinstrukturierung eine Stärke entstanden.“

„China hat nicht aus Gründen eines Kommitments den Klimazielen zugesagt, sondern die haben einfach eine miese Luft, die ihnen langsam ausgeht. Die machen das aus Bedrängnis. Bei uns ist die Bedrängnis offenbar noch nicht so groß. Nach wie vor kann mit Beschneiungsanlagen das Wichtigste gerettet werden“, meint Christian Pöhn von der Stadt Wien, MA39. Er erinnert an die Komplexität der Nachhaltigkeit: „Eine Umstellung auf Erneuerbare wird niemand bestreiten, das ist das Ziel. Aber die Frage ist wie das Ganze dann funktioniert. Es braucht eine Diskussion darüber was machbar ist. Wir müssen unbedingt die Zahl der Informierten erhöhen.“ Ab 2019 darf die öffentliche Hand ausschließlich Niedrigstenergiegebäude errichten, für Pöhn ein zweischneidiges Schwert: „Man sollte darüber nachdenken, wie viele Häuser überhaupt noch errichtet werden sollen. Und: Ob das Niedrigstenergiegebäude um zwei Prozent unter- oder überboten wird, ist schnurzegal. Entscheidend ist wie viele Bestandsgebäude wir auf ein vernünftiges Niveau sanieren können. Wir sollten sanieren, aber nicht drei Prozent, sondern hoffentlich das, was zu sanieren notwendig ist. Nachhaltig ist es, wenn eine Maßnahme getroffen wird zu einem Zeitpunkt, wo sie getroffen werden muss. Wenn sowieso Kosten entstehen und Aufwände abgezogen werden können. Wir sollten die Dinge wahrnehmen, die gut funktionieren: Etwa bei Einfamilienhäusern fördern, im städtischen Bereich Kompaktheiten und günstige Energieträger nutzen sowie insgesamt über Energieraumplanung nachdenken.“

Wortmeldungen stark gekürzt.

General-Sanierung Parlament mit Gold von ÖGNB und klimaaktiv ausgezeichnet

Gold-Auszeichnung erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben. Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu Baukultur.

Bereits im Jänner 2014 wurde nach einem Hearing von der Parlamentsdirektion in Abstimmung mit der Projektsteuerung zur Generalsanierung des Parlamentsgebäudes entschieden, dass das Parlamentsgebäude sowohl nach den für Klimaschutz besonders anspruchsvollen Kriterien der Klimaschutzinitiative klimaaktiv des Umweltministeriums als auch nach den auf das Forschungsprogramm Haus der Zukunft des BMVIT zurückzuführenden umfassenden Qualitätskriterien der ÖGNB – Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen geplant und errichtet werden soll.

Im Oktober 2016 ist nun ein wichtiger Meilenstein dieser externen Qualitätssicherung und Nachhaltigkeitsbewertung umgesetzt: Das künftige Parlamentsgebäude erhält von klimaaktiv und ÖGNB für die vorliegende Planung die Auszeichnung „klimaaktiv GOLD“ und „ÖGNB Gold“, welche erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben wurden.

„Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur „Botschafterin für Nachhaltiges Bauen“ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen. Es ist mir eine Freude, dass die ÖGNB und klimaaktiv dabei gemeinsam mit allen an der Planung Beteiligten für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit sorgen.“ – Robert Lechner, ÖGNB

Es ist besonders erfreulich, dass durch das vorliegende Sanierungskonzept belegt werden kann, dass historisch-architektonische Qualitäten sehr gut auch mit strengen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können. Bei der Parlaments-Sanierung kommt dies beispielsweise durch eine spürbare Reduktion des Energieverbrauchs und eine deutliche Steigerung im Bereich des Komforts und der Behaglichkeit für die Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes zum Ausdruck. Die Basis dafür ist eine frühzeitige Einbeziehung von Nachhaltigkeitszielen in den Planungs- und Entscheidungsprozess und dafür ist in Anbetracht des herausragenden Ergebnisses allen Beteiligten großer Respekt zu zollen.

Dem Beispiel des Parlamentsgebäudes sollen möglichst viele andere historische Gebäude folgen: Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen nicht im Widerspruch zu höchsten Anforderungen an die Baukultur, sie ergänzen einander.

Folgende Qualitäten sind aus Sicht der Nachhaltigkeitsbewertung besonders hervorzuheben:

  • Energieeffizienz: Der Heizenergiebedarf kann gegenüber dem Bestand um mehr als 60 Prozent reduziert werden; für ein denkmalgeschütztes Gebäude ein herausragend guter Wert.
  • Haustechnik, Beleuchtung: Im Bereich der technischen Ausstattung werden modernste und damit besonders energieeffiziente Systeme eingesetzt. So gelingt es, dass trotz einer deutlichen Erweiterung der Nutzflächen der Energiebedarf des Gebäudes geringer sein wird als vor der Sanierung.
  • Behaglichkeit und Komfort: Die thermische Behaglichkeit wird im Sommer und im Winter deutlich besser sein als zuvor.
  • Gesundheit, Qualität der Innenraumluft: Schadstoffbegehung vor Baubeginn, Produkt- und Chemikalienmanagement samt Auswahl unbedenklicher Materialien sorgen für die Erfüllung höchster Ansprüche bei der Qualität der Innenraum.
  • Barrierefreiheit: Bislang unerschlossene Allgemeinbereiche des Parlaments werden künftig barrierefrei erreichbar sein.

Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Vorsitzender der ÖGNB anlässlich der Übergabe der Planungszertifikate an Nationalratspräsidentin Doris Buris und im Beisein der Generalplaner Jabornegg & Pálffy (Architektur) und AXIS Ingenieurleistungen ZT GmbH sowie von Umweltminister Andrä Rupprechter, der die klimaaktiv-Auszeichnung übergab: „Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur „Botschafterin für Nachhaltiges Bauen“ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen. Es ist mir eine Freude, dass die ÖGNB und klimaaktiv dabei gemeinsam mit allen an der Planung Beteiligten für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit sorgen.“

Bilder:

ÖGNB Gold Parlament

Plakette Parlament Planung

Fotos: ÖGNB

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