Alle Beiträge von Helmut Melzer

Building Inspection – Zwischenergebnis des EU-Projektes newcom

Ein Betrag von DI Johannes Fechner (17&4 Organisationsberatung GmbH)

Seit Jahren wird getrommelt: „Energieeffiziente Bauweise senkt den Energieverbrauch“. Was mit den Berechnungen für die Energieausweise auch eindrucksvoll nachgewiesen wird. Im Betrieb zeigt sich allerdings immer wieder, dass die tatsächlichen Energieverbräuche von einem Niedrigstenergie-Standard mehr oder weniger weit entfernt sind. Nicht immer ist das allein mit einem nicht normgemäßen Nutzerverhalten erklärbar. Baumängel und daraus resultierende Bauschäden gehören zum Alltag aller am Bau Beteiligten. Zur Abhilfe werden verbesserte Aus- und Weiterbildung angeboten. In der Realität finden sich auf der Baustelle viele ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte. Dies betrifft in besonderem Maß die die Gebäudehülle, also die Dämmung, den Fenstereinbau und die Bauwerksabdichtung. Das sind zudem Bereiche, die für das Qualitätsziel Niedrigstenergie-Standard mitentscheidend sind. Man könnte darauf vertrauen, dass die Bauunternehmen geeignete Mitarbeiter einsetzen. Da es in dem Bereich keine Verpflichtung für ausreichende berufliche Bildung gibt, erweist sich das aber nicht als ausreichend. Qualität muss auf andere Weise sichergestellt werden. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Genau hier, bei Überprüfungen in verschiedenen Stadien des Bauprozesses, setzt das europäische Projekt newcom im Rahmen der BUILD UP Skills Initiative an. Eine Zusatz-Qualifizierung „Building Inspection“ wurde ausgearbeitet, diese wird nun erprobt, wie diese in bestehende Aus- und Weiterbildungen, z.B. Bauleitung und Polier, integriert werden können. Mit derartigen Qualifizierungen könnte auch Energieberatung verstärkt in der Qualitätssicherung tätig werden (was die Behörde auf Grund begrenzter Ressourcen nicht leisten kann). Besonders naheliegend ist die Einbeziehung von „Building Inspection“ für Projekte, die nach klimaaktiv oder anderen Gebäudestandards realisiert werden. In Diskussion ist auch, ob „Building Inspection“ von Förderstellen genutzt werden könnte, um die Wirksamkeit von Fördermitteln in Bezug auf die Energieziele zu verbessern. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Ausweitung von „Bau Coaching“, Dienstleistungen die z.B. in Kärnten schon förderfähig sind und die zur Unterstützung insbesondere von nicht professionellen Bauherrn dienen.

Grundsätzlich können verschiedene Arten von Überprüfungen unterschieden werden:

  • Schreibtisch (Planungen) oder vor Ort
  • obligatorisch oder freiwillig
  • systematisch oder Stichproben
  • Sicht- oder Funktion
  • Selbst- oder Fremdprüfung

Am Beispiel der Luftdichtheit wird der Ansatz anschaulich:

Luftdichte ist laut Bauordnung sicherzustellen und für den Niedrigstenergie-Standard von entscheidender Bedeutung, in den üblichen Bauvollendungsanzeigen wird aber kein Nachweis verlangt. Es bleibt also dem Bauherrn überlassen, ob er oder sie diese Qualität tatsächlich einfordert oder nicht. Das Konzept „Building inspection“ sieht vor, dass (eine oder mehrere) qualifizierte Personen im Planungs- und Bauablauf auf die entscheidenden Punkte achten.

  • Luftdichtheit beginnt mit einer Planungsaufgabe: Wurde eine durchgehende Luftdichtheitsschicht in Schnitt- und Grundrissplan festgelegt und auch in den Details inkl. Durchdringungen eingearbeitet, die Materialien festgelegt?´
  • Finden sich in den Leistungsverzeichnissen die entsprechenden Positionen, sind Messungen (Verfahren 2 und 1 nach ÖNORM EN ISO 9972) vorgesehen?
  • Ist das Luftdichtekonzept den ausführenden Firmen bekannt?
  • Auf der Baustelle werden die plangemäße Ausführung sowie die Vorbereitungen und Verbesserungen im Zusammenhang mit der Überprüfungsmessung im qualifizierten Rohbauzustand überprüft.
  • Das Protokoll der Abnahmemessung bestätigt als Funktionsprüfung das Erreichen des Qualitätszieles.

Das Modell „Building Inspection“ wird von Energie Agentur Steiermark gemeinsam mit 17&4 Organisationsberatung im laufenden EU-Projekt newcom jetzt in einer Pilotphase getestet.

Welche Fähigkeiten sollen mit dieser Qualifizierung bereitgestellt werden?

Für den Niedrigstenergie-Standard stehen neben der Luftdichte auch der Feuchteschutz und die Wärmebrückenfreiheit, sowie die Innenraumluftqualität im Fokus. Die Qualifizierung „Building Inspection“

  • sorgt für Klarheit, wofür welche Qualitäten definiert sind (Gesetze, Normen, Vereinbarungen), wie die Verantwortlichkeiten verteilt sind, von wem die unterschiedlichen Qualitäten zu prüfen sind und welche Methoden anzuwenden sind.
  • befähigt zum Erkennen von Mängeln auf der Baustelle und zur Interpretation von Messprotokollen

Ein dreitägiger Pilotkurs ist für Juni 2019 in Graz vorgesehen, eine externe Teilnahme ist, allerdings nur sehr eingeschränkt, möglich.

Projekt-Homepage: https://www.newcomtraining.com

Smart Readiness Indikator SRI

Die EU-Gebäuderichtlinie sieht mit Änderungen 2018 einen neuen Indikator vor, der zeigen soll, inwieweit ein Gebäude für ein weitgehend dekarbonisiertes, erneuerbares Energiesystem vorbereitet ist. Ein Vorschlag liegt am Tisch. Wie kann die Anforderung in Österreich am besten umgesetzt werden?

Ein Diskussionsbeitrag von DI Johannes Fechner (17&4 Organisationsberatung GmbH)

Die EU hat 2018 eine Änderung der bestehenden Gebäuderichtlinie (EPBD 2010) beschlossen und einen Smart Readiness Indikator (SRI) eingeführt. Dieser Indikator soll bestimmte Ausstattungen und Eigenschaften eines Gebäudes bewerten, die für den intelligenten Betrieb in einem nachhaltigen Energiesystem vorteilhaft sind. Die grundsätzlichen Zielsetzungen eines SRI:

  1. Gewährleistung eines energieeffizienten Betriebs sowie Anpassung des Energieverbrauchs an erneuerbare Quellen
  2. Anpassung an die Bedürfnisse der Benutzer
  3. Flexibilität der Stromnachfrage in Bezug auf das Netz

Dabei sollen sowohl Anforderungen der BewohnerInnen als auch der Energienetze (smart grids) Berücksichtigung finden. Der Indikator soll einfach, transparent und leicht verständlich, aber auch kostengünstig und schnell zu ermitteln sein und von den Mitgliedsstaaten vorerst freiwillig vorzugsweise in den Energieausweis integriert werden.

Ein Konsortium um das Flemish Institute for Technological Research NV („VITO“) hat in einer ersten Studie für die EU-Kommission einen Vorschlag zur Ermittlung des SRI erarbeitet. (https://smartreadinessindicator.eu/)

Die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten werden im EPBD-Committee (für den „implementing act“) und über eine „expert group“ (für den „delegated act“) involviert. Es ist damit zu rechnen, dass ein SRI in den nächsten Jahren in den Mitgliedsstaaten eingeführt werden muss, derzeit sind wir in einer Vorbereitungsphase.

Das BMVIT hat im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft“ eine Forschungsdienstleistung ausgeschrieben um zu klären, wie ein solcher „Smart Readiness Indikator“ (SRI) für Österreich aussehen könnte. Das Konsortium AEE INTEC, Smart Grid Austria, 17&4 Organisationsberatung und FH Technikum hat den Auftrag zur Durchführung erhalten. Das Projekt läuft bis 31.10.2019. https://nachhaltigwirtschaften.at/de/sdz/projekte/sri-austria.php

Der Vorschlag zur Entwicklung eines SRI Indikators für Österreich soll unter Einbindung möglichst vieler Entscheidungsträger, Interessenvertreter, der Bundesländer und des OIB erarbeitet werden, letztere sind für die Umsetzung zuständig.

Als erste Stufe hat das österreichische Konsortium einen Online Fragebogen entwickelt, in dem Verständnis und Erwartungen an intelligente und flexible Gebäude breiter erhoben werden, wobei die Fragestellungen über das Spektrum der VITO-Studie hinausgehen: https://de.surveymonkey.com/r/2ZWSVMR. Eine Beteiligung ist noch bis Ende Mai möglich. Zusätzlich sind tiefergehende Interviews, Workshops und Diplomarbeiten vorgesehen.

Die bisherigen Ergebnisse der Befragung zeigen, dass eine große Mehrheit für die Einführung eines SRI ist, und eine aktive Teilnahme Österreichs an der Entwicklung eines SRI als sinnvoll erachtet. Eine Analyse des vorliegenden Vorschlages der EU zeigt, wo aus derzeitiger Sicht Diskussionsbedarf besteht.

Das von VITO ausgearbeitete Bewertungskonzept kurz zusammengefasst:

Es werden 10 Domains unterschieden: Heizung, Warmwasser, Kontrollierte Lüftung, Beleuchtung, dynamische Gebäudehülle, Erneuerbare Energie am Standort, Demand Side Management, Lademanagement für e-Mobile, Monitoring und Steuerung.

Jede Domain bietet verschiedene Services, z.B. im Bereich Heizung die Regelung der Wärmeabgabe.

Für jedes Service sind Funktionalitätsebenen definiert. Ein höheres Funktionalitätsniveau soll eine „intelligentere“ Implementierung des Service darstellen, wie das folgende Beispiel für die Wärmeabgabe zeigt.

Je nachdem welcher Funktionalitätslevel ausgewählt wurde, werden auf Basis der Tabellen in „heating“, „domestic hot water“, „cooling“ usw. Impact Punkte vergeben. Die Bewertung der Auswirkungen auf die acht Wirkungsbereiche („Impact Criteria“) ist hier zu erkennen.

Mithilfe von Gewichtungsfaktoren wird eine gewichtete Bewertung erstellt, wobei Kriterien, die in einem bestimmten Gebäude nicht relevant sind, ausgeblendet werden können.

In der VITO-Unterlage wird für ein neu errichtetes Beispielgebäude die Gesamtinspektionszeit mit 65 Minuten angegeben, wobei die Unterstützung des Facility Managers wesentlich dazu beigetragen hat, die Inspektionszeit so kurz zu halten.

Die Einsparungen an Endenergie Wärme werden je nach Szenario für die EU bis zum Jahr 2050 mit 150 bis 450 TWh angegeben (kumuliert). Die Investitionen in smarte Technologie würden bis 2050 für einen forcierten Ausbau 14 bis über 16 Milliarden Euro betragen.

Kommentare zum vorliegenden Konzept aus der Perspektive der bisherigen Überlegungen und Diskussionen im Projekt SRI Austria:

  1. Von den vorgeschlagenen Bewertungspunkten sind in Bezug auf das Ziel 100 % Strom aus Erneuerbaren mit der dazu erforderlichen Vervielfachung von Wind- und PV-Strom die Themen „Flexibility for the grid and storage“ sowie „Self generation“ von besonderer Relevanz. Grundsätzlich wird mit 100 % Strom aus Erneuerbaren (Österreichs Ziel 2030) der Anteil an stark schwankendem Wind- und Solarstrom weiter ansteigen, Energie wird je nach Bezugszeitpunkt unterschiedlich viel kosten. Daher ist es auch sinnvoll, darüber zu diskutieren, wie innovative Technologie (smart ready technologies SRT) nutzbringend eingesetzt werden kann.
  1. Der SRI soll vorzugweise im Energieausweis aufscheinen. Welche Angaben sind in dem Zusammenhang sinnvoll und hilfreich? Vorrangig Eigenschaften und Ausrüstungen mit Bestand, die nicht leicht und jederzeit nachgerüstet, entfernt oder verändert werden können. Es finden sich im Vorschlag aber mehrere Services, die leicht und jederzeit nachgerüstet oder auch entfernt werden können.
  1. Relevanz und Prioritäten sind in der Gewichtung derzeit nicht nachvollziehbar. Zu unterscheiden wären:
  • im allgemeinen Interesse (Smart grid spart Netzausbau, Unterstützung Energiewende, Klima …)
  • für Nutzende (Komfort, Energiekosten …)
  • für Bauträger (Kundeninformation …)
  • für Wirtschaft (Netzstabilität, Verkauf von Technologie …)

Ein Indikator reicht möglicherweise nicht, da die Ansprüche von Netzbetreibern, Nutzern, Wirtschaft und Gesellschaft durchaus widersprüchlich sind, die Effekte sich überlagern und die Aussagekraft damit verloren geht.

  1. Die Bewertung der Ausstattung sagt nichts über die Performance aus, was auch der internationale Verband REHVA angemerkt hat: „As a catalogue of smart ready services, SRI does not make an attempt to assess the performance of the building by any calculation or measurement. Therefore, there is no real performance quantification and it is quite evident that in different buildings the same service or technical feature can result in different outcomes. It is possible that quantitative, performance-based approach would be considered in next steps.“[1] Zusätzlich zur Bewertung von Ausstattungen sind für den Betrieb Kompetenzen und klare Verantwortlichkeiten erforderlich. Nur so kann ein Service wie “Report information regarding HEATING system performance” die beabsichtigte Wirkung entfalten.
  1. Die Ansprüche, die Flexibilität der Stromnachfrage in Bezug auf das Netz und die Anpassung des Energieverbrauchs an kommende „flexible“ Stromtarife sowie mehr erneuerbare Quellen zu bewerten, erscheinen bisher nicht ausreichend erfüllt. Wesentlich wäre ein Flexibilitätsindikator, der berechnet oder gemessen werden kann. Dazu wird noch ein Input aus dem Projekt IEA EBC Annex 67 erwartet. Klimaaktiv hat zum Gebäudestandard ein Kriterium zur Speicherfähigkeit entwickelt, das hier angewendet werden könnte. Bewertet wird dabei, wie lange die operativer Temperatur in einem vorgegebenen Komfortband von 22°C‐20°C aufrecht erhalten werden kann, nachdem das jeweilige Heizsystem abgeschaltet wurde. (Quelle: AEE INTEC/ Tobias Weiss). Ein laut VITO mögliches – und im Sinne der Netzdienlichkeit auch hilfreiches – Service „Heat system control according to external signal (e.g. electricity tariff, gas pricing, load shedding signal etc.) wurde zwar dargestellt, ist aber nicht Teil des vorgeschlagenen Indikators.
  1. Die Bewertung von Gesundheit, Komfort und Behaglichkeit ist stark vertreten, ist aber in der gewählten Methodik nicht ausreichend differenziert erfasst. Die Sozialforschung zeigt, dass technische Innovationen sehr unterschiedlich angenommen werden. Dabei spielen sowohl Genderaspekte als auch unterschiedliche Haltungen eine wesentliche Rolle. Smarte Technologien können von Nutzern begeistert angenommen, akzeptiert oder auch strikt abgelehnt werden, was bis zur Stilllegung oder zum Ausbau von Komponenten führen kann (Beispiel Lüftungsanlagen). Die Umweltqualität in Innenräumen im SRI zu bewerten ist unmöglich, wenn Emissionen aus Böden, Wänden, Einrichtung, Reinigung sowie das Lüften von den Bewohnern zu verantworten sind. Es wurde aber auch schon angemerkt, dass die Messung der Innenraumluftqualität die Verbreitung von kontrollierten Lüftungsanlagen vorantreiben könnte. Eine Bewertung von Ausstattungen, die ein Teil der Nutzenden voraussichtlich gar nicht will oder stark beeinflussen kann ist daher nicht zielführend. Zudem werden relevante Qualitäten für Gesundheit und Komfort wie die Sommertauglichkeit im Sinne der ÖNORM B 8110-3 nicht bewertet. 
  1. Lighting, Occupancy control (“Bewegungsmelder”) for indoor lighting – dabei wären Wohn- von Dienstleistungsgebäuden zu unterscheiden; bei Wohnbau erscheint nur die Beleuchtung der Allgemeinbereiche (z.B. Bewegungsmelder …) bewertbar. Obwohl die Tageslichtversorgung wesentlich zur Wohnqualität beiträgt, findet diese keine Berücksichtigung in der Bewertung.
  1. Die Services zu “Electric vehicle charging” bedürfen noch weiterer Klärung, im Vorschlag heißt es dazu „current absence of standards and common agreement on how to classify and attribute this capability.“
  1. Die zusätzliche Bewertung der Gebäude durch einen SRI im Energieausweis nach der vorgeschlagenen Methode verlangt eine große Anzahl an Personen mit einer speziellen Kompetenz z.B. Normenkenntnisse und würde die Erstellung des Energieausweises jedenfalls verteuern. Eine Konzentration der Domains und Services auf wenige Punkte, die für den intelligenten Betrieb in einem nachhaltigen Energiesystem besonders relevant sind wäre auch aus diesem Grund zu empfehlen (siehe auch Punkt 2. oben).

Grundsätzlich könnte auch hinterfragt werden, ob das Konzept Technology Readiness Level (TRL) für diesen Anwendungsfall optimal geeignet ist. Der Technologie-Reifegrad ist eine Skala zur Bewertung des Entwicklungsstandes von neuen Technologien auf der Basis einer systematischen Analyse. Er gibt auf einer Skala von 1 bis 9 an, wie weit entwickelt eine Technologie ist. Entwickelt wurde der TRL 1988 von der NASA für die Bewertung von Raumfahrttechnologien, davon ausgehend hat er sich als Standard in weiteren Bereichen der Zukunftstechnologien entwickelt. Bei der Raumfahrt ist klar, was die einzelnen Komponenten genau können müssen, damit der Flug gelingt. Bei unseren Gebäuden sind die Anforderungen nicht so eindeutig, da gibt, wird und soll es sicher viele unterschiedliche Konzepte geben.

Für eine readiness-Bewertung braucht es daher eine klare Zielvorstellung: „bereit wofür“?

  • Für die Wärme- und Energiewende bzw. Dekarbonisierung mit 100 % Strom aus Erneuerbaren Quellen: Flexibilität und Speicherfähigkeit, Effizienz im Betrieb, optimale Nutzung Erneuerbarer Energie am Standort

Die angeführten Punkte sollen zeigen, dass der Vorschlag der EU eine gute Basis für eine breitere Diskussion darstellt. Jetzt geht es darum, zu klären, welche Probleme mit einem SRI gelöst werden können, welche Vorteile die unterschiedlichen Anspruchsgruppen von „smarteren“ Gebäuden ziehen können, ob ein SRI als Förderkriterium brauchbar wäre – also wie die neue Anforderung der Gebäuderichtlinie in Österreich am besten umgesetzt werden kann.

Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit zum sechsten Mal ausgelobt

Bewertet werden architektonische Qualität und die Performance im Sinne der Nachhaltigkeit. Zusätzlich zu Staatspreisen in den Kategorien Sanierung und Neubau kann die Jury einen Sonderpreis ENSEMBLE / urbane Raumbildung und Vernetzung vergeben. Eine möglichst CO2-neutrale Wärmeversorgung wird im Sinne der Klima- und Energiestrategie #mission2030 vorausgesetzt. Einreichungen sind bis 24. April 2019 möglich.

Hier gehts zum Staatspreis.

Auszeichnung an 30 nachhaltige Gebäude

Bereits 720 zertifizierte Gebäude: ÖGNB und klimaaktiv sind die führenden Gebäudebewertungssysteme

Ein eindrucksvolles Bekenntnis zu Ökologie und Energieeffizienz im Gebäudesektor: Im Rahmen des Wiener Kongresses für zukunftsfähiges Bauen (BauZ) zeichnete die Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (ÖGNB) und klimaaktiv Bauen und Sanieren heuer insgesamt 30 besonders nachhaltige Gebäude aus. Beeindruckend war dabei sowohl die Dichte der gezeigten Projekte, als auch die weit über 200 anwesenden Vertreter der Bau- und Immobilienwirtschaft, die mit regem Interesse die Projektvorstellungen verfolgten.

Überreicht wurden die Zertifikate von Dr. Jürgen Schneider, Leiter der Sektion Klima im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und DI Theodor Zillner, stv. Leiter der Abteilung Energie- und Umwelttechnologien im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Für Projekte der Seestadt Aspern am Podium: DI Heinrich Kugler, Vorstand der Wien3420 Aspern Development AG.

Die ÖGNB wurde 2009 auf Initiative namhafter, unabhängiger Institutionen im Bereich des Nachhaltigen Bauens in Österreich ins Leben gerufen. Der Strukturaufbau für das Bewertungssystem findet in enger Abstimmung mit klimaaktiv Bauen und Sanieren statt. Zusätzlich werden zahlreiche Erkenntnisse aus Forschungsprojekten des F&E-Programms Stadt der Zukunft berücksichtigt. Weitere Informationen: www.oegnb.net

Den klimaaktiv Gebäudestandard gibt es für Wohngebäude und verschiedene Dienstleistungsgebäudetypen jeweils für den Bereich Neubau und Sanierung. Alle Kriterienkataloge sind nach einem 1.000- Punkte-System aufgebaut, anhand dessen die Gebäude rasch bewertet und verglichen werden können, zudem ermöglicht die Bewertung anhand standardisierter Kriterien Messbarkeit und Transparenz.  Weitere Informationen: www.klimaaktiv.at

Die Presseaussendung finden Sie hier.

Die Broschüre mit allen Projekten finden Sie in auf https://www.oegnb.net/zertifizierte_projekte.htm zum Download

Alle Fotos von der Verleihung hier nachfolgend – druckfähig und honorarfrei zur redaktionellen Verwendung.
Fotos: Alfred Arzt | www.fotoundvideografie.com 

Im Rahmen der gemeinsamen Auszeichnungsveranstaltung wurden folgende Gebäude vorgestellt:

 klimaaktiv in der Nutzung erhalten folgende Gebäude

Am Sportplatz 4 | 6912 Hörbranz

  • klimaaktiv GOLD PLUS in der Nutzung; Fertigstellung klimaaktiv Gold mit 990 von 1.000 Punkten
  • Bauherr: Errichtergemeinschaft AS4
  • Einreichplanung: Dipl. Ing. Gerhard Zweier
  • Haustechnik: e-plus, Dipl.-Ing (FH) Stephen Kaltheier

Kindergarten Wolkenschiff | 2230 Gänserndorf

  • klimaaktiv SILBER PLUS in der Nutzung; Fertigstellung klimaaktiv Gold mit 918 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Stadtgemeinde Gänserndorf
  • Architektur: Atelier für naturnahes Bauen Deubner
  • Bauphysik: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH
  • Haustechnik: TK11 Gebäudetechnik e.U.

Karl Landsteiner Privatuniversität KLPU | 3500 Krems

  • klimaaktiv GOLD PLUS in der Nutzung; Fertigstellung klimaaktiv Gold mit 988 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Amt der NÖ Landesregierung / Karl Landsteiner Privatuniversität
  • Architektur: Delugan Meissl Associated Architects
  • Bauphysik und Haustechnik: VASKO+PARTNER INGENIEURE

Volksschulsanierung Ziersdorf | 3710 Ziersdorf

  • klimaaktiv GOLD PLUS in der Nutzung; Fertigstellung klimaaktiv Gold mit 988 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Volksschulgemeinde Ziersdorf
  • Architektur: AH3 Architekten ZT GmbH
  • Bauphysik: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH
  • Haustechnik. New Energy Consulting

Sanierung Volksschule Arnoldstein

  • klimaaktiv GOLD PLUS in der Nutzung; Fertigstellung klimaaktiv Gold mit 978 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Marktgemeinde Arnoldstein
  • Architektur: ARCH+MORE ZT GmbH
  • Haustechnik: Team GMI

 

klimaaktiv Gold, die höchste Auszeichnung des Bundes für energieeffizientes Bauen, erhalten:

BOKU – Holzneubau | Peter-Jordan-Straße 82 | 1190 Wien

  • Planungsdeklaration, klimaaktiv Gold mit 986 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft. BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H, www.big.at
  • Architektur: DELTA und SWAP Architekten, swap-zt.com
  • Bauphysik: IBO Österreichisches Institut für Bauen und ÖkologieGmbH
  • Haustechnik: teamgmi Ingenieurbüro GmbH

Kundmanngasse UNH | Kundmanngasse 21-27 | 1030 Wien

  • Planungsdeklaration, klimaaktiv Gold mit 945 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger
  • Architektur: Chaix & Morel
  • Bauphysik. Schöberl & Pöll GmbH

Die drei Schwestern | Maria-Tusch-Straße 2 | 1220 Wien

  • Fertigstellung; klimaaktiv Gold mit 902 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: WBV-GPA
  • Architektur: Kirsch ZT GmbH
  • Bauphysik: Dr. Pfeiler GmbH
  • Haustechnik: BPS Engineering GmbH

Erweiterung St. Georgshaus Traunstein | 3632 Bad Traunstein

  • Fertigstellung; klimaaktiv Gold mit 942 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Bildungshaus St. Georg GmbH
  • Architektur: AH3 Architekten ZT GmbH
  • Bauphysik: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH
  • Haustechnik: Käferhaus Ingenieurbüro für intelligente Haustechnik

klimaaktiv Silber erhalten:

Wohnbau Mautner-Markhof-Gasse (Silber)

  • Fertigstellung: klimaaktiv Silber mit 819 von 1.000 Punkten
  • Bauherrschaft: Building Development Network Fleissner & Partner GmbH
  • Architektur: ss plus architektur ZT GmbH
  • Bauphysik: Dorr – Schober & Partner Ziviltechnikergesellschaft mbH
  • Investorenvertreter des „Nachhaltigen Immobilienfonds Österreich“: AURIS Immo Solutions GmbH

klimaaktiv Bronze erhalten:

Reklewskigasse 18 | Podhorezkygasse 10 | 1230 Wien

  • Fertigstellung; klimaaktiv Bronze
  • Bauherrschaft: SÜBA Bau- und Baubetreuung AG
  • Architektur: DTA duda, testor. architektur zt gmbh.
  • Bauphysik: Dorr – Schober & Partner Ziviltechnikergesellschaft mbH
  • Haustechnik: energie3consulting
  • Investorenvertreter des „Nachhaltigen Immobilienfonds Österreich“: AURIS Immo Solutions GmbH

Oskar Grissemann Strasse 11 | 1210 Wien

  • Planungsdeklaration: klimaaktiv Bronze
  • Bauherrschaft: SÜBA Bau und Projekterrichtungs GmbH, Wien.
  • Architektur: Malek Herbst Architekten Ziviltechniker GmbH.
  • Bauphysik: Allplan GmbH, Wien.
  • Haustechnik: Allplan GmbH, Wien
  • Investorenvertreter des „Nachhaltigen Immobilienfonds Österreich“: AURIS Immo Solutions GmbH

Multifunktionales Projekt Schichtgründe BPL. 4a I 1210 Wien

  • Planungsdeklaration: klimaaktiv Bronze
  • ERSTE Immobilien Kapitalanlagegesellschaft m.b.H.
  • Architektur: DELTA Projektconsult GmbH
  • Bauphysik: Vatter & Partner ZT- GmbH

 

 

VON DER ÖGNB AUSGEZEICHNETE GEBÄUDE

Wohnhausanlage Sonnenallee I 1220 Wien – 3 Bauteile

  • Fertigstellung: BT1: 835 | BT2: 802 | BT3: 810 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: Wohnbauvereinigung der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Gemeinnützige GmbH | www.wbvgfw.at
  • Architektur: Werkstatt Grinzing WGA ZT GmbH | www.wg-a.com || Freimüller Söllinger Architektur ZT GmbH | www.freimueller-soellinger.at
  • Bauphysik: Kern+Ingenieure Ziviltechniker GmbH | www.kernplus.at
  • Haustechnik: Strabag AG Zentrale Technik Direktion TGA Wien | www.strabag.at
  • ÖGNB Consultant: bauXund forschung und beratung gmbh | www.bauXund.at

Bildungscampus Aspern Nord I 1220 Wien

  • Planung: 891 von 1.000 ÖGNB Punkten (Anwärter auf ÖGNB GOLD)
  • Bauherrschaft: STADT WIEN vertreten durch MA10, MA 56 und MA13 | www.wien.gv.at
  • Architektur: Karl und Bremhorst Architekten ZT GmbH | www.kub-a.at
  • Bauphysik: Ingenieurbüro Rothbacher GmbH | www.rothbacher.com
  • Haustechnik: ARGE FIN – Future Is Now – Kuster – Energielösungen –GmbH | www.kuster.co.at
  • Energietechnik Ing. Mario Malli Planungs-GmbH | www.energie-technik.at
  • ÖGNB Consultant: Margot Grim, e7 Energie Markt Analyse GmbH | www.e-sieben.at

SeeSee Tower I 1220 Wien

  • Planung: 810 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: Buwog Seeparkquartier GmbH | www.seestadt.buwog.com
  • Architektur: Architekt Podsedensek ZT | www.podsedensek.at
  • Bauphysik: Prause iC ZT GmbH | ic-group.org
  • Haustechnik: dp- Gebäudetechnik GmbH | ic-group.org/kontakt/partner/prause-ic
  • ÖGNB Consultant: iC consulenten Ziviltechniker GesmbH | www.ic-group.org

SeeSee Home I 1220 Wien

  • Planung: 801 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: Buwog Seeparkquartier GmbH | www.seestadt.buwog.com
  • Architektur: Architekten Gerner und Partner ZT GmbH | gernergernerplus.com
  • Bauphysik: Prause iC ZT GmbH | ic-group.org
  • Haustechnik: dp- Gebäudetechnik GmbH | ic-group.org/kontakt/partner/prause-ic
  • ÖGNB Consultant: iC consulenten Ziviltechniker GesmbH | www.ic-group.org

SeeSee Living I 1220 Wien

  • Planung: 818 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: Buwog Seeparkquartier GmbH | www.seestadt.buwog.com
  • Architektur: HILLINGER MAYRHOFER ZT GMBH | www.hillinger-mayrhofer.at
  • Bauphysik: Prause iC ZT GmbH | ic-group.org
  • Haustechnik: dp- Gebäudetechnik GmbH | ic-group.org/kontakt/partner/prause-ic
  • ÖGNB Consultant: iC consulenten Ziviltechniker GesmbH | www.ic-group.org

SEEPARQ I 1220 Wien

  • Planung: 941 von 1.000 ÖGNB Punkten (Anwärter auf ÖGNB GOLD)
  • Bauherrschaft: BAUGRUPPE SEEPARQ ASPERN GmbH | www.seeparq.at
  • Architektur: pos architekten ZT GmbH | www.pos-architecture.com
  • Bauphysik und ÖGNB Consultant: IBO-Institut für Bauen und Ökologie | www.ibo.at

GRÜNDERHAUS I 1220 Wien

  • Planung: 802 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgesellschaft Schönere Zukunft Ges.m.b.H.
  • www.schoenerezukunft.at
  • Architektur: Simon & Stütz Architekten ZT GmbH | simonundstuetz.at
  • Bauphysik: Dr. Ronald Mischek ZT GmbH | www.mischek-zt.at
  • Haustechnik: Dr. Ronald Mischek ZT GmbH | www.mischek-zt.at
  • ÖGNB Consultant: RM-ENGINEERING | www.rm-e.at

magdas Küche I 1230 Wien

  • Fertigstellung: 961 von 1.000 ÖGNB Punkten | ÖGNB GOLD
  • Bauherrschaft: Caritas der Erzdiözese Wien (Caritasverband) | www.caritas-wien.at
  • Architektur: ATP Wien Planungs GmbH | www.atp.ag
  • Bauphysik: ATP Wien Planungs GmbH | www.atp.ag
  • Haustechnik: ATP Wien Planungs GmbH | www.atp.ag
  • Ausführung GU: Böhm Stadtbaumeister & Gebäudetechnik GmbH | www.strabag.com
  • ÖGNB Consultant: ATP sustain | www.atp.ag

Wolfurt InGate – ÖBB Güterterminal | 6922 Wolfurt

  • Fertigstellung: 925 von 1.000 ÖGNB Punkten | ÖGNB GOLD
  • Bauherrschaft: ÖBB-Infrastruktur AG | infrastruktur.oebb.at
  • Architektur: ostertag ARCHITECTS | www.ostertagarchitekten.at
  • Generalplaner: Werner Consult Ziviltechniker GmbH | www.wernerconsult.at
  • Bauphysik: BDT IB Bauphysik Ing. Karlheinz Wille | www.bdt-ib-bauphysik.net/
  • BHM INGENIEURE Engineering & Consulting GmbH | www.bhm-ing.com
  • Haustechnik: Werner Consult Ziviltechniker GmbH | www.wernerconsult.at
  • ÖGNB Consultant: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH | www.ibo.at

ÖBB Güterzentrum Inzersdorf | 1230 Wien

  • Fertigstellung: 900 von 1.000 ÖGNB Punkten | ÖGNB GOLD
  • Bauherrschaft: ÖBB-Infrastruktur AG | infrastruktur.oebb.at
  • Architektur: ARGE Neumann+Partner & Werner Consult Koppensteiner | www.wernerconsult.at
  • Bauphysik: iC Consulenten ZT | www.ic-group.org
  • Haustechnik: ARGE Neumann+Partner & Werner Consult Koppensteiner | www.wernerconsult.at
  • Bauleitung / ÖBA: Ingenos.Gobiet.GmbH | www.ingob.at
  • ÖGNB Consultant: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH | www.ibo.at

LZHS – Josef Rehrl Schule | 5020 Salzburg

  • Planung: 974 von 1.000 ÖGNB Punkten | Anwärter auf ÖGNB GOLD
  • Bauherrschaft: Land Salzburg, Salzburg Wohnbau GmbH (Baurechtsnehmer) | www.salzburg-wohnbau.at
  • Architektur: kofler architects | www.austria-architects.com/de/kofler-architects-salzburg
  • Bauphysik: Salzburg Wohnbau GmbH | www.salzburg-wohnbau.at
  • Haustechnik: Strabag AG | www.strabag.at
  • ÖGNB Consultant: Salzburg Wohnbau GmbH | www.salzburg-wohnbau.at

  Wohnhausanlage Handelskai | 1020 Wien

  • Planung: 756 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: Premium Bauträger GmbH | www.premium.co.at
  • Architektur: gerner°gerner plus | www.gernergernerplus.com
  • Bauphysik und Haustechnik: Mischek ZT GmbH | www.mischek-zt.at
  • ÖGNB Consultant: bauXund forschung und beratung gmbh | www.bauxund.at

SEEHUB | 1220 Wien

TZ2 – Technologiezentrum 2 | 1220 Wien

  • Planung: 932 von 1.000 ÖGNB Punkten | Anwärter ÖGNB GOLD
  • Bauherrschaft: WA Business & Service Center GmbH | www.wirtschaftsagentur.at/
  • Architektur: ATP Wien Planungs GmbH | www.atp.ag/integrale-planung
  • Haustechnik: ATP Wien Planungs GmbH | www.atp.ag/integrale-planung
  • Bauphysik und ÖGNB Consultant: ATP sustain GmbH | www.atp-sustain.ag

Wohnen am See | 1220 Wien

  • Planung: 871 von 1.000 ÖGNB Punkten | Anwärter ÖGNB GOLD
  • Bauherrschaft: Entwicklung Baufeld Omega GmbH
  • Architektur: Querkraft Architekten ZT GmbH | www.querkraft.at
  • Haustechnik: RHM GmbH | www.rhm.at
  • Bauphysik und ÖGNB Consultant: Schöberl & Pöll GmbH | www.schoeberlpoell.at

Wohnhausanlage Rüdengasse | 1030 Wien

  • Fertigstellung: 759 von 1.000 ÖGNB Punkten
  • Bauherrschaft: ALIQUA Immobilienverwertungs GmbH
  • Generalplanung / Architektur: ÖRAG – Österreichische Realitäten AG | www.oerag.at
  • Generalunternehmer: ARGE RÜDENGASSE: Dyckerhoff & Widmann GmbH, SWIETELSKY Baugesellschaft m.b.H.
  • Planungskoordination: IG-control GmbH
  • Statik: Werkraum Ingenieure ZT-GmbH
  • Bauphysik & ÖGNB Consultant: Exikon arc&dev | exikon.at

 

Hocheffiziente Kombinationen von Solarthermie, Photovoltaik und Wärmepumpenanlagen

Ziel des Projektes ist die detaillierte messtechnische Erfassung der Energieflüsse in Einfamilienhäusern in NÖ mit solar unterstützen Wärmepumpensystemen. Die Kernfrage, die beantwortet werden soll, ist: In welcher Höhe kann im zeitlichen Verlauf der Verbrauch der Wärmepumpe (Lastgang) und auch des Haushaltsstrombedarfs selbst solar gedeckt werden. Es wird vordergründig keine Bilanzbetrachtung, sondern eine kontinuierliche Lastprofilanalyse durchgeführt.

Autor: Daniel Reiterer, AEE NOW, Ewald Sarugg, Denkstatt

Auftraggeber:  Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

Erscheinungsjahr: 2017

Hocheffiziente Kombinationen von Solarthermie, Photovoltaik und Wärmepumpenanlagen

Richt- und Zielwerte für Siedlungen zur integralen Bewertung der Klimaverträglichkeit

Anhand der vorliegenden Ergebnisse ist es erstmals möglich, die Klimaverträglichkeit von Neubausiedlungen unter Berücksichtigung der Österreichischen Rahmenbedingungen zu bewerten.

Autor: diverse

Auftraggeber: Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

Erscheinungsjahr: 2017

Richt- und Zielwerte für Siedlungen zur integralen Bewertung der Klimaverträglichkeit

Bauen wie in der Zukunft

Es besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass die Klimaänderung nicht mehr verhindert, sondern nur in ihrer Auswirkung gemindert werden kann. Höhere Temperaturen, längere Hitze- und Dürreperioden, häufigere Starkregenereignisse, Überschwemmungen und Starkwinde werden besonders einen massiven Einfluss auf die Bauwirtschaft haben. Selbst beim nachhaltigen Bauen wird in der Regel nach heutigen Maßstäben und Normen geplant und errichtet. bauXund hat gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Meteorologie) ein interaktives Beratungsdesign für Unternehmen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelt, das anhand einer Vielzahl an Daten die Klimazukunft deutlich darstellt und so Bauen wie in der Zukunft ermöglicht. Lukas Clementschitsch (bauXund) und Herbert Formayer (BOKU) präsentierten das neue Beratungsangebot und beantworten Fragen.

Gebäudelabels: für oder gegen den Klimaschutz?

Welche Verantwortung haben Zertifizierungsysteme für die Klimaschutzpolitik und wie muss sich die Gebäudebewertung verändern, damit sie CO2-Neutralität im Gebäudesektor als zentrale umweltpolitische Zielsetzung unterstützt? Welche Gebäudeausweise / Zertifikate unterstützen Klimaschutzpolitik, welche nicht? Diese Fragen behandelt Robert Lechner (ÖGNB, ÖÖI) und gibt zudem einen Überblick über die in Österreich verwendeten Systeme.

Grundsätzliches zu Gebäudelabels

Die Geschichte der Gebäudebewertungssysteme beginnt Mitte der 90er Jahre. BREEAM und LEED waren dabei Vorreiter der Entwicklung, im Rahmen der „International Green Building Challenge“ kamen bereits zur Jahrtausendwende mehrere andere Bewertungsansätze hinzu (Frankreich HQE, Japan Casbee, Österreich: TQB). In Deutschland wurde diese Entwicklung lange beobachtet, erst im Jahr 2009 kam es zur Gründung der DGNB und des gleichlautenden Bewertungssystems. Der Fokus der frühen Bewertungenssysteme lag eindeutig im Umweltbereich, wenngleich TQB und BREEAM sehr bald „umfassende“ Bewertungsansätze lieferten.

Klimaschutz als zentrale Aufgabe

Von der Immobilienwirtschaft werden Bewertungsansätze für Gebäude gerne „umfassend“ ausgerichtet, die Argumentationsbasis dafür liefert das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit aus Wirtschaft, Sozialem und Umwelt. Hinzu kommt die Prozessqualität und technische Qualität. Diesem Zugang kann auch einiges abgewonnen werden, wenn Nachhaltigkeitsbewertungssysteme nicht dazu beitragen, die großen bereits erkennbaren und vor allem die künftig erwartbaren Herausforderungen an unsere Gesellschaft durch den Klimawandel durch Komplexität auf der einen Seite, durch Marketingziele aller Systeme auf der anderen Seite zu verharmlosen. Nachhaltigkeitsbewertungssysteme im Gebäudesektor müssen darauf ausgerichtet sein, den Beitrag von Gebäuden am Klimawandel bzw. ihr Eignung zur Bewältigung der Klimakrise zu dokumentieren.
Es ist deshalb unabdingbar, dass den Themen Energieeffizienz, Energiebedarf und Treibhauspotenzial bei Entstehung und Betrieb besonderes Gewicht gegeben wird. Diese Zielsetzung erfüllen unterschiedliche am Markt vorhandene Bewertungssysteme in äußerst unterschiedlichem Ausmaß.

Gebäudebewertung
Gebäudebewertung

 

KLIMAAKTIV

Gemessen an der absoluten Zahl der bewerteten Gebäude ist klimaaktiv in Österreich eindeutiger Spitzenreiter, gefolgt von ÖGNB und DGNB. Diese Marktpräsenz ist nicht zuletzt auch dadurch erklärbar, weil klimaaktiv als „nationales System“ von der öffentlichen Hand (BMLFUW) getragen wird. Gemessen an der Klimaschutzrelevanz der Systeme ist diese Vormachtstellung auch beruhigend: klimaaktiv hat einen eindeutigen Schwerpunkt auf Energieeffizienz und CO2-Reduktion im Bewertungsansatz implementiert.

klimaaktiv
klimaaktiv

Bis zu 50 Prozent des Bewertungsergebnisses hängen direkt mit Klimaschutz und Energieeffizienz zusammen. Erfüllt ein Gebäude nicht die Mindestkriterien im Bereich Energieeffizienz, dann kann es gar nicht deklariert werden: Daraus resultiert hohe Glaubwürdigkeit im Bereich des Klimaschutzes.

ÖGNB

Das Bewertungssystem der ÖGNB ist hinsichtlich der Kriterien zu 100 Prozent mit jenem von klimaaktiv kompatibel: Daraus resultiert indirekt die inhaltlich gleichwertige Berücksichtigung von Energieeffizienz und Vermeidung der Treibhausgase in beiden Bewertungsansätzen. Aus der Geschichte des ÖGNB-Bewertungsansatzes ergibt sich aber eine andere Gewichtung der Kriterien, hinzu kommt auch eine umfassende Berücksichtigung der Standort- und Ausstattungskriterien. Die ÖGNB ist auch die einzige Organisation, die Bestandsgebäude und Neubauten mit den gleichen Bewertungskriterien (und Gewichtungen) beurteilt: Daraus soll das Augenmerk auf die Hauptaufgabe im Gebäudesektor für die Bewältigung der Klimakrise gelegt werden und diese wird in der Optimierung des Bestands sein.

ÖGNB
ÖGNB

Nur Gebäude, die mindestens 90 Prozent Erfüllungsgrad aller Beurteilungskriterien einhalten, werden gesondert mit „ÖGNB Gold“ gewürdigt. Dadurch wird gewährleistet, dass kein Gebäude unter diesem Benchmarkwert herausragende Marketing-Möglichkeiten vorfindet und das kein Gebäude mit ÖGNB-Gold nicht auch beim hochwertigen klimaaktiv-Standard zumindest in Silber-Qualität erreichen kann.

BREEAM

Ein ähnlicher Zugang wird von BREEAM gesucht: Auch hier macht die Bewertungskategorie „Energy“ 20 Prozent des Bewertungsansatzes aus. Die Benchmark-Werte sind aber weitaus weniger ambitioniert, als dies bei klimaaktiv der Fall ist. Es ist davon auszugehen, dass lediglich „Outstanding-Gebäude“ vergleichbare Qualitäten wie klimaaktiv belegen können, wenngleich damit nicht gesagt ist, dass diese Gebäude weit über die Basiskriterien von klimaaktiv hinauskommen.

LEED

LEED gewichtet die Energiekriterien zwar mit 30 Prozent: Die Benchmarks sind aber leider allzu sehr an die in Nordamerika vergleichsweise „schlechten“ Standards angepasst. Nur wenige „Platin-Gebäude“ von LEED halten die klimaaktiv Basiskriterien ein.

Leed
Leed

 

DGNB

Die geringste Bedeutung von Energieeffizienz und Vermeidung von Treibhausgasen gibt das Bewertungssystem der DGNB: Lediglich rund 13,5 Prozent fallen grundsätzlich in diese Bewertungskategorie, wobei der direkte Energieverbrauch im Betrieb und damit die direkten Treibhausgasemissionen wahrscheinlich nur bei einem Drittel des Bedeutungsgewichts im Bewertungssystem liegen werden.

In Österreich erfüllen nur wenige DGNB-Gebäude (auch höchster Auszeichnungsstufen) die Basiskriterien von klimaaktiv. Dies liegt u.a. auch daran, dass dem Thema Energie und Klimaschutz vergleichsweise wenig Bedeutung zugemessen wird.

DGNB
DGNB

Baukulturelle Leitlinien des Bundes

Baukultur braucht Tradition und Innovation, um aus den Leistungen der Vergangenheit und der Gegenwart das baukulturelle Erbe von morgen zu schaffen. Wie wir die Städte, Orte und Landschaften Österreichs gestalten und verändern, in welchen Prozessen und mit welchen Ergebnissen, ist identitätsstiftend für die Bevölkerung. Dieses Dokument enthält neben den Baukulturellen Leitlinien des Bundes die dazugehörenden Maßnahmen des Impulsprogramms.

Autor: Bundeskanzleramt, Abteilung II/4
Geschäftsstelle des Beirats für Baukultur

Auftraggeber: Bundeskanzleramt, Abteilung II/4
Geschäftsstelle des Beirats für Baukultur

Erscheinungsjahr: 2017

Baukulturelle Leitlinien des Bundes

Entwicklung beim Wohnen & ökologische Gerechtigkeit

GRAFIK: Entwicklung Wohnen

Aus ökologischer Betrachtung verursachen mehr Haushalte – einmal dahingestellt ob energieeffizient oder nicht – mehr Energie und Emissionen. Die Prognosen zeichnen ein eindeutiges Bild: So soll die Zahl der österreichischen Haushalte von 3.798.300 im Jahr 2015 auf 4.498.000 im Jahr 2050 ansteigen. Die Zahl der Bewohner jener Haushalte nimmt aber weiter ab: Während 1900 noch 4,6 Personen gemeinsam wohnten, sind es jetzt nur noch 2,2 Personen. Zugleich explodiert die Zahl der Einpersonenhaushalte: 2030 werden sie laut Statistik Austria österreichweit mit 1,66  Millionen um 25,1 Prozent mehr sein als mit 1,32 Millionen anno 2011.  Somit steigt auch die Wohnfläche pro Person – in den letzten Jahrzehnten um ein Drittel: 1971 betrug die durchschnittliche Wohnfläche eines Hauptwohnsitzes 66 Quadratmeter, 2014 bereits 99,7 Quadratmeter. In Einzelpersonen ausgedrückt: 1971 begnügten sich jeder Österreicher noch mit durchschnittlich 22,9 Quadratmeter pro Person, 2014 ist die Wohnfläche pro Person auf 44,7 Quadratmeter angewachsen. Tendenz steigend: Im Vergleich der Hauptwohnsitze nach Nutzfläche von 1991 bis 2015 zeigt sich eine starke Abnahme kleiner Wohnungen bis 45 Quadratmeter, wohingegen die Zahl großer Wohnflächen ab 130 Quadratmeter von 402.300 auf 918.000 gesprungen ist.

GRAFIK: Entwicklung Wohnen

 

Podiumsdiskussion Road to Zero V – „Wie wir die Klimaziele erreichen“

Road to Zero V – 500 Tage nach Paris

„Wie wir die Klimaziele erreichen“

Im Dezember 2015 beschlossen 195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) das völkerrechtlich bindende, sogenannte Paris-Abkommen. Experten diskutieren, wie wir die Klimaziele im heimischen Gebäudesektor erreichen können.

Am Podium (Foto):

Wolfgang Amann, IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, ÖGNB – Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, ÖÖI – Österreichisches Ökologie Institut
Moderation: Gisela Gary, Journalistin Bauwirtschaft und Architektur

Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit – Ausschreibung 2017

Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit – Ausschreibung 2017

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMFLUW) schreibt zum fünften Mal den Staatspreis „Architektur und Nachhaltigkeit“ aus. BauherrInnen, ArchitektInnen und FachplanerInnen sind eingeladen Projekte einzureichen, die anspruchsvolle Architektur mit ressourcenschonender Bauweise verbinden.

Einreichungen sind ab 01.02.2017 bis 14.04.2017 möglich.

Die Siegerprojekte werden im Herbst 2017 durch Bundesminister Andrä Rupprechter prämiert.

Weitere Information & Online-Einreichung: www.klimaaktiv.at/staatspreis

Ausschreibung_Info

StAuN2017_Flyer_Ausschreibung_barrierefrei (2)

400 Tage nach Paris: Was bedeuten die Klimaziele für den Gebäudesektor?

Fachkommentar von Franziska Trebut, ÖGUT

Das Pariser Klimaschutzabkommen vom 12.12.2015 und der Beschluss des Nationalrats vom 8.7.2016 zur Ratifizierung des „Weltklimavertrags“ geben die Klimaziele für Österreich klar und unmissverständlich vor: Minus 80% CO2 bezogen auf 1990. Für den Gebäudesektor bedeutet das eine weitgehende Dekarbonisierung, da andere Sektoren wie etwa die Landwirtschaft oder die Industrie deutlich geringere CO2-Reduktionspotenziale haben. Ein Systemumbau steht bevor.

Der Umstieg auf Erneuerbare benötigt flexible und dezentrale Vernetzung und Speicherung. Gebäude und Siedlungen werden als Energielieferanten sowie als Energieabnehmer und Energiespeicher für Energieüberschüsse fungieren. Eine Sektorkopplung, d.h. die Kopplung von Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr ist naheliegend, benötigt aber innovative Lösungsansätze in technischer und juristischer Hinsicht. Je höher der Anteil der Stromwirtschaft an der Energiewirtschaft, um so stärker werden Technologien wie power to gas und power to heat Einfluss auf Energie- und vor allem Wärmeversorgungskonzepte von Gebäuden und Siedlungen haben und bestimmte Gebäudetechnikkonzepte forcieren.

Für den Gebäudesektor braucht es jedenfalls eine Wärmewende, vor allem im Bestand. Diese bringt Energieeinsparung, Emissionsreduktion und hohe lokale Wertschöpfung. Dafür müssen Seitens des Staates klare und stabile Investitionsanreize gesetzt werden.

Mehr Effizienz im Gebäudesektor bedeutet auch eine effizientere Flächennutzung auf der Ebene von Einzelgebäuden, Siedlungen und Gemeinden. Mit einer Reduktion der Nutzflächen und einer Verkürzung der benötigten alltäglichen Wege sind hohe Energie- und Emissionsreduktionen verbunden. Das Einfamilienhaus darf grundsätzlich hinterfragt werden, jedenfalls im Neubau. Der hohe Grund- und Wohnflächenbedarf, Aufwand für Infrastruktur und die induzierte Mobilität rechtfertigen nicht die derzeitigen Investitionsanreize beispielsweise durch Förderungen. Alternativen für leistbares Wohnen und Arbeiten in Ortskernen mit unterschiedlichster Größe sind vorhanden und sollten entsprechend konsequent angereizt und weiter entwickelt werden. Dies führt im Nebeneffekt zu vitaleren, gemeinschaftlich erlebbaren Lebensräumen und nimmt auch auf die Erfordernisse einer alternden Gesellschaft Rücksicht.

Der Systemumbau hat bereits begonnen. Er bietet gesellschaftliche und wirtschaftliche Chancen. Für diesen Systemumbau braucht es sichere, langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Die Österreichische Energie- und Klimastrategie sollte darauf überzeugende Antworten geben.

Podiums-Diskussion: „Die österr. Klimastrategie – Was zu erhoffen ist!“

Road to Zero IV – 400 Tage nach Paris

„Die österreichische Klimastrategie – Was zu erhoffen ist!“

In wenigen Wochen wird die heimische Klimastrategie festgelegt. Experten diskutieren über mögliche Details und wie die Strategie für den Gebäudesektor aussehen sollte.

Am Podium:

Robert Lechner,
ÖGNB – Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
ÖÖI – Österreichisches Ökologie Institut

Jürgen Schneider,
Umweltbundesamt

Michael Pech,
ÖSW – Österreichisches Siedlungswerk
GBV – Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen

Moderation:
Gisela Gary
Journalistin Bauwirtschaft und Architektur

 

Österreichisches Wohnhandbuch 2016

Die Österreichischen Wohnhandbücher dokumentieren seit mittlerweile über zwei Jahrzehnten in acht Auflagen die Entwicklung der österreichischen Wohnbaulandschaft.
Was Klaus Lugger 1995 gemeinsam mit dem Studienverlag Innsbruck erstmals konzipiert und seither im Dreijahreszyklus auf jeweils aktuellen Stand gebracht hat, wird seit der Auflage 2013 gemeinsam mit Wolfgang Amann herausgegeben.

Autor: Wolfgang Amann und Klaus Lugger

Auftraggeber:  IIBW

Erscheinungsjahr: 2016

Österreichisches Wohnhandbuch

Raus aus den Fossilen ist volkswirtschaftliche Notwendigkeit

Stell dir vor: Die Öko-Wende findet statt und Österreich ist nicht dabei! Acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050 müssen für Ernährung und Arbeit eingesetzt werden, nicht fürs Heizen!

Im Bereich der Haushalte stellt die Raumwärme mit rund zwei Dritteln des heimischen Endenergieverbrauchs die wichtigste Energienutzung dar. Um die Klimaziele Österreichs erreichen zu können, bedarf es Maßnahmen zur Energieeffizienz und einen raschen Schenk hin zu erneuerbaren Energieträgern für die Raumwärme. Doch die heimische Klimapolitik ist aktuell von Stillstand und Rückschritten geprägt.

Robert Lechner von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen: „Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik „für den sogenannten kleinen Mann“ (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde.“

Aus einer reinen Vernunftüberlegung hat Österreich aufgrund der Klimaziele künftig allerhöchstens zehn Prozent oder acht Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung. „Die wichtigste Frage lautet – aus heutiger Perspektive – nicht: Wie schaffen wir das? Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit unseren acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050?“, erklärt Lechner.

Es ist klar, wofür wir auch im Jahr 2050 noch Treibhausgase exmittieren müssen: für Ernährung und Arbeit. Besser gesagt: Land- und Viehwirtschaft, Industrie und Produktion. Hoffentlich nicht für Verkehr oder Abfallwirtschaft. Mit Sicherheit nicht für Gebäude, denn hier gibt es längst Alternativen und technische Lösungen. Lechner: „Die einfache, volkswirtschaftlich notwendige Antwort lautet daher: Raus aus Öl- und Gasheizung, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Vereinfacht: Was ist uns lieber – öl- und erdgasbeheizte Wohnungen oder Nahrung, Produktion und Arbeitsplätze?“

Ungekürzter Fachkommentar

Hintergrunddaten

Energie-Effizienz & Energieträger für Raumwärme

Zum Thema lesen Sie bitte unbedingt auch den Fachkommentar von Robert Lechner!

Um die schlimmsten Konsequenzen des Klimawandels zu verhindern, gilt es die globale Erwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen bzw. mindestens unter zwei Grad zu halten. Mit dem Klimaschutzabkommen von Paris 2016 gibt es dazu erstmals ein weltweites Agreement. Ob entsprechende Maßnahmen noch rechtzeitig gesetzt werden können und diese auch ausreichen, steht auf einem ganz anderen Papier.

Auch in Österreich sind rasche politische Maßnahmen erforderlich, soll die Energiewende gelingen. Gefordert sind einerseits der 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger bis spätestens 2050, andererseits die Eindämmung des Heizwärmebedarf durch gesteigerte Energieeffizienz der Gebäude um mindestens 30 Prozent bis 2030 sowie 50 Prozent bis 2050.

Einsparung durch Energieffizienz

Im Bereich der Haushalte stellt die Raumwärme mit rund zwei Dritteln des heimischen Endenergieverbrauchs im Jahr 2014 die wichtigste Energienutzung dar. Zugleich ist der Gebäudesektor neben dem Verkehr jener Bereich, der überhaupt entscheidendes Handlungsspielraum bietet. Denn es stehen Österreich – wollen wir die Klimaziele erreichen – künftig insgesamt nur 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung. Von Einsparungen zeigt sich bisher jedoch nichts: Zwar blieben die Verbrauchswerte im letzten Jahrzehnt halbwegs stabil, 2014 lagen sie jedoch abermals um vier Prozent über dem Niveau von 2005.

Der wesentliche Faktor bei der Einsparung von Heizenergie ist die thermische Sanierung des Altbestandes an Gebäuden. Auch hier ist keine Bewegung erkennbar. Die Sanierungsrate der letzten Jahre lag deutlich unter einem Prozent. Das bedeutet, dass es 70 bis 100 Jahre dauert, bis alle bestehenden Gebäude thermisch saniert wurden. Politische Signale der letzten Monate lassen sogar Rückschritte beim Klimaschutz erkennen: Der Mittel des Sanierungsschecks wurden abermals gekürzt, einige Länder kehren weitgehenden ökologischen Kriterien bei der Wohnbauförderung den Rücken.

Sanierungsrate

Umstieg auf Erneuerbare

Und auch beim Energieträgermix zeigen sich nur mäßige Tendenzen weg von den fossilen Brennstoffe Öl und Gas. Zwar wird in Österreich inzwischen verstärkt klimaneutral mit Holz geheizt (27,5 Prozent im Jahr 2014, Statistik Austria), jedoch stieg die Nutzung von Gas in den letzten Jahren sogar an (22,8 Prozent) und auch Heizen mit Öl (19,9 Prozent) ist längst nicht aus den Haushalten verbannt. Im Gegenteil: Vielfach wird der Wechsel zu einer neuen Ölheizung sogar immer noch gefördert. Erst mit deutlichem Anstand folgen Fernwärme (14,6 Prozent), Pellets & Co (6,2 Prozent), Strom (5 Prozent), Wärmepumpen (2,2 Prozent) und Solarwärme (1,3 Prozent). Und selbst Kohle wird noch zum Heizen genutzt, wenn auch mit 0,6 Prozent nur noch gering.

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Energieversorgung Österreichs

Der gesamte Bruttoinlandsverbrauch Österreichs setzt sich nach aktuellsten Zahlen (Jahr 2014) wie folgt zusammen: Öl (36,6%), Gas (19,5%), sonstige Erneuerbare (19,5%), Wasserkraft (10,7%), Kohle (9,1%), brennbare Abfälle (2,1%). Die inländische Primärenergieerzeugung trägt derzeit nur mit 37,1 Prozent zur Deckung des Bruttoinlandsverbrauches bei.

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Die Grafik zeigt Primärenergieerzeugung, Energieimporte und Gesamtenergieverbrauch in Petajoule PJ, 2014 (ohne Exporte). Dies ist eine Darstellung der Gesamtsituation in Österreich – nicht zu verwechseln mit Teilbereichen wie Endkonsumenten- oder Stromerzeugungsstatistiken. Inkludiert sind hier auch Verbrauche von Industrie etc.

Energieträger im Vergleich

Eine Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestages „CO2-Bilanzen verschiedener Energieträger im Vergleich“ kommt zu folgendem Schluss: „Zusammenfassend bleibt zunächst festzuhalten, dass zuverlässige Auskunft über die „Klima-Freundlichkeit“ verschiedener Energieträger nur von vollständigen Lebenszyklus-Analysen zu erwarten sind, die neben dem Betrieb des Kraftwerks auch die Rohstoffgewinnung, den Kraftwerksbau und die Entsorgung möglicher Rückstände berücksichtigen. Doch auch im Rahmen solcher Analysen hängt die CO2-Bilanz jedes Energieträgers in gewissem Maße von den detaillierten Bedingungen der Herstellung, des Kraftwerksbetriebs und weiteren Umständen ab. Genaue (absolute) Zahlenwerte – sei es für die emittierte CO2-Menge pro erzeugter Kilowattstunde Strom oder für Energie-Rücklaufzeiten – sind daher nur begrenzt zuverlässig. Mit größerer Sicherheit lässt sich jedoch eine (relative) Rangfolge der „klimafreundlichsten“ Energieformen angeben. Diese weist einen Rest an Unsicherheit nur in der „Spitzengruppe“ auf, wo nicht immer einfach zu entscheiden ist, welche von zwei CO2-armen Energiearten tatsächlich die CO2-ärmere ist. Zu dieser Spitzengruppe zählen diverse Formen der erneuerbaren Energien, aber auch die Kernkraft.“

Die österreichische Energieagentur kommt bei Ihrer Öko-Bewertung der Heizmaterialien zu folgendem Schluss: „Eindeutig am emissionsärmsten sind die untersuchten Biomassesysteme auf Basis von Scheitholz oder Pellets. Die höchsten CO2-Emissionen weisen die auf fossilen Energieträgern basierenden Öl- und Gas-Brennwertsysteme auf. Gegenüber Scheitholz liegen die CO2–Emissionen des Öl-Brennwertsystems um bis zu 43-fach höher (bis zu 10 t CO2/a). Ähnlich wie bei den Voll- und Energiekosten spielt auch hier die thermische Qualität des Gebäudes eine wichtige Rolle. Im Vergleich zum thermisch unsanierten Gebäude liegen die jährlichen CO2-Emissionen des thermisch sanierten Einfamilienhauses im Durchschnitt um 45 % niedriger, beim Neubau sogar um 56 %.“

Aufgrund vorliegender Bewertungen können die Heizsysteme bzw. Energieträger wie folgt eingeteilt werden:

Ökologisch sinnvolle Heizsysteme

Hocheffiziente Fernwärme bzw. mit Biomasse
Wärmepumpen mit Ökostrom
Elektroheizung mit Ökostrom
Solaranlage
Holz, Pellets etc.

Ökologisch mäßig zufriedenstellende Heizsysteme
Fernwärme allg.
Wärmepumpen mit Strommix

Ökologisch abzulehnende Heizsysteme
Brennwert-Gasheizung
Ölheizung
Elektroheizung mit Strommix
Kohleofen

Hinweise zur Wahl des Heizsystems

Fernwärme
Nützen Sie einen vorhandenen Fernwärmeanschluss ans Biomasseheizwerk. Damit heizt man platzsparend und bequem zu gleichen Vollkosten wie mit einem eigenen Heizkessel. Entscheidend bei der Fernwärme sind aber die zur Energieerzeugung genutzten Materialien. Nicht immer wird in den Anlagen Biomasse verbrannt. In der Regel werden hier aber ökologisch sinnvolle Synergien mit Abfallwirtschaft oder Industrie genutzt. Zu kritisieren ist die Einschränkung eines Anbieterwechsels. Hocheffiziente Fernwärme mit Kraftwärmekopplung KWK gilt als ökologisch sinnvoll, wenn sie zur Stromproduktion bei gleichzeitiger Abwärmenutzung verwendet wird.

Holz & Co
Alle Arten von Holzheizungen sind von den Energiekosten her günstig und ökologisch empfehlenswert. Zu bedenken ist jedoch auch die Herkunft der Biomasse. Holz oder Pellets mit langen Transportwegen verursachen zusätzliche CO2-Emissionen. Zudem muss eine volkswirtschaftlich stark zunehmende Nutzung in Hinblick auf Ressourcenschonung skeptisch betrachtet werden.

Eine moderne Holzheizung kann vollautomatisch arbeiten, wenn ein Lagerraum vorhanden ist. Es gibt sie als Stückholzheizung, Pelletheizung oder Hackschnitzelheizung. Hackschnitzel sind aber nur bei Gebäuden mit hohem Energiebedarf rentabel.

Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sorgen rund um die Uhr automatisch für frische, reine und angenehm temperierte Luft. Korrekt ausgeführt sind sie zugfrei und lautlos. Der Einbau qualitativ hochwertiger Anlagen bringt viel Komfort und spart Energie.

Wärmepumpen
Bei strombetriebenen Anlagen wie Wärmepumpen gilt natürlich die Nutzung von echtem Ökostrom, um entsprechen ökologisch positiv bilanzieren zu können. Strom ist die hochwertigste Energieform, die angesichts des wachsenden Verbrauchs sparsam einzusetzen ist. Wärmepumpen brauchen gerade im Winter Strom, wo er großteils aus fossilen Quellen stammt und importiert werden muss. Nur effiziente Wärmepumpen, die etwa viermal so viel Wärme erzeugen wie sie an elektrischer Energie brauchen, sind ökologisch empfehlenswert.

Auch Wärmepumpen arbeiten mit erneuerbarer Energie, da sie einen Teil der Energie aus der Umwelt beziehen, also zum Beispiel aus der Luft oder dem Erdreich. Wärmepumpen laufen nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen und deshalb nur in gut gedämmten Häusern effizient. Generell sind Erdreich- oder Wasserwärmepumpen effizienter als Luftwärmepumpen. Luftwärmepumpen sind aus diesem Grund nur für Häuser der Energieeffizienzklasse A und besser empfehlenswert.

Stromheizungen
Der Einbau von Stromheizungen als Hauptheizsystem ist etwa in Niederösterreich laut Bauordnung verboten. In jedem Fall sollte nur echter Ökostrom Anwendung finden.

Solaranlagen
Thermische Solaranlagen eignen sich besonders gut zur Warmwasserbereitung, aber auch zur Heizungsunterstützung. Dazu kann auch ein großer, thermisch isolierter Wassertank als Speicher genutzt werden.

Bauteilkativierung zum Wärmen und Kühlen
Massivbaugebäude können die Betonmasse zur Speicherung von Wärme und auch Kälte nutzen. Dazu werden vorzugsweise in der Decke Wasserleitungen verlegt, die entsprechend des gewünschten Raumklimas für anhaltende Wärme oder Kühlung sorgen. Inzwischen kann das System auch mit Wind- oder Solarkraft genutzt werden.

 

 

 

Es geht um 2050, die Gegenwart ist der steinige Weg dorthin

Kommentar von Robert Lechner, Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Wenn heute über das Paris Agreement diskutiert wird, werden in erster Linie unklare Begriffe wie „weitgehende CO2-Neutralität“ oder das „2-Grad-Ziel“ eingebracht. Was im Diskurs über die richtige Deutung dieser Begriffe gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass die in der UN versammelte Staatengemeinschaft in Paris einen für die Zukunft der gesamten Menschheit entscheidenden Beschluss gefasst hat: Die negativen Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels müssen auf ein jetzt noch mögliches, vertretbares Ausmaß eingedämmt werden.

2 Grad – na und?

Erst jetzt kommt das 2-Grad-Ziel ins Spiel, welches im Übrigen von den allermeisten ExpertInnen als zu wenig ambitioniert betrachtet wird. Im Übrigen teilt dieses Bedenken auch die Staatengemeinschaft und deshalb enthält das Paris Agreement die seltsame Formulierung „2 Grad, besser 1,5 Grad“, was die Sache nicht verständlicher macht. Schon eine Erwärmung um „nur“ 2 Grad wird weltweit umfassende Veränderungen mit sich bringen: Das Verschwinden „kleiner“ Inselstaaten in der Größe österreichischer Bundesländer von der Landkarte, die Flutung küstennaher Gebiete, die Ausweitung der Wüstenzonen oder extrem trockener, heißer Gebiete oder große Verluste an Biodiversität weltweit sind nur eine kleine Auswahl bereits feststehender Konsequenzen, welche für die direkt Betroffenen fatale Konsequenzen mit sich bringen. Diesen Menschen wird schlichtweg die Lebensgrundlage entzogen, sie müssen „woanders“ hin. Aber auch bei uns wird sich vieles einschneidend verändern: Die Häufigkeit von wetterbedingten Extremereignissen wird sich wie jetzt schon bemerkbar deutlich erhöhen, die winterliche Null-Grad-Zone in den Alpen wird deutlich nach oben wandern und den Wintertourismus in vielen Regionen ad absurdum führen.

Galt bis jetzt die Konzentration auf die Reduktion des Heizwärmebedarfs, so ist davon auszugehen, dass künftig die sommerliche Übererwärmung von Gebäuden ein großes Problem darstellen wird. Davon betroffen sind vor allem „versiegelte Hitzeinseln“, wie sie in ganz Österreich in städtischen Gebieten anzutreffen sind. Damit kein Missverständnis aufkommt: Heizen werden wir trotzdem müssen. Auch diese Liste negativer Folgen von „nur 2 Grad Erwärmung“ ließe sich noch lange fortsetzen. Da verblassen die als positiv dargestellten Folgen, wie sie gerne von Klimawandelskeptikern ins Treffen geführt werden. Was bringt uns die Tatsache, dass sich aufgrund der klimatischen Veränderungen grundsätzlich die landwirtschaftlichen Nutzzonen ausweiten können, wenn sich noch häufiger als bisher Starkregenereignisse, Überschwemmungen oder Murenabgänge auf der anderen Seite der sprichwörtlichen Medaille finden? Diese Entwicklung kann niemand wollen, diese Entwicklung ist soweit es noch möglich ist, auf ein Minimalausmaß zu reduzieren. In Anbetracht der gegenwärtigen Ausrichtung von Weltwirtschaft, Konsumverhalten und einer explodierenden Weltbevölkerung stellen die damit zusammenhängenden Maßnahmen die wahrscheinlich größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte dar.

Weitgehend CO2-neutral – das sind wir doch, dafür haben wir doch schon so viel getan?

Womit wir beim schmerzhaften Kern der Sache angelangt sind. Eine durchschnittliche weltweite Erderwärmung im Ausmaß von 2 Grad Celsius ist nur dann möglich, wenn bis allerspätestens zur Mitte des Jahrhunderts die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf „weitgehend Null“ reduziert werden.

Über den Terminus „weitgehend“ kann leidenschaftlich gestritten werden, wobei eines klar ist: Fokussiert man auf „1,5 Grad“, dann sprechen wir tatsächlich von einer „CO2-neutralen“ Welt. Bei „2 Grad“ wird – je nach Interessenslage – angenommen, dass die Treibhausgasemissionen auf ein Ausmaß von fünf bis maximal 15 Prozent der Emissionen aus dem Jahr 1990 reduziert werden müssen. Ab diesem Zeitpunkt der Erkenntnis müsste es bei der Zielbeschreibung sehr einfach werden: Österreich war im Jahr 1990 für Treibhausgasemissionen im Ausmaß von rund 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich. Fünf Prozent davon sind 4 Millionen Tonnen, 15 Prozent ergeben 12 Millionen Tonnen. Null ergibt auch in dieser Rechenübung schlichtweg „Null“.

Die österreichische CO2-Bilanz ergibt laut aktuellster Prognose des Umweltbundesamtes für das Jahr 2015 knapp 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, Österreich ist am selben Stand wie vor 25 Jahren. Und das ist schlichtweg: Schlecht, beschämend, nicht akzeptabel. Die sektorale Aufteilung der Emissionen benennt klar die Verursacher dafür. Während der Gebäudesektor seine Emissionen um rund 40 Prozent (oder 5,1 Mio t) reduzieren konnte, sind die Emissionen im Verkehrssektor um rund 60 Prozent (oder 8,3 Mio t) gestiegen. Dass überhaupt die „Netto-Null“ erreicht werden konnte, ist Einsparungen im Bereich Landwirtschaft (1,5 Mio t), in der Abfallwirtschaft (1,2 Mio t) und dem Energie- und Industriesektor (1 Mio t) zu verdanken; bei den fluorierten Gasen ist ein leichter Anstieg in der Höhe von rund 0,5 Mio t zu bilanzieren. Alle Zahlen beziehen sich auf die aktuelle Schätzung des Umweltbundesamts für das Jahr 2015 („Now-Cast 2015“).

Aus der Sicht der Gebäudewirtschaft (besser: des Raumwärmebereichs) wäre also alles in Butter, gesamthaft ganz und gar nicht. Spätestens hier beginnt der „Kampf der Sektoren“, die sich unterstützt von „ihren“ Lobbyisten gerne die Schuld für das miserable Zwischenergebnis gegenseitig in die Schuhe schieben. Die einen verweisen dabei euphorisch auf ihre unglaublichen Erfolge, die anderen argumentieren damit, dass sie nur bedingt zur Verantwortung zu ziehen sind. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik „für den sogenannten kleinen Mann“ (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde. Und überhaupt: Noch im Jahr 2005 waren die Emissionen mit mehr als 90 Mio t deutlich höher, unser Anteil an der Welt ist verschwindend gering (siehe: Nebengeräusche, Angstmache, in weiterer Folge Verharmlosung) und vor allem: Bevor die anderen nichts tun … All das führt zu nichts, ist in Österreich (auch anderswo) eine altbekannte Strategie, die vor allem eines bewirkt: Stillstand, die aktuelle CO2-Bilanz Österreichs ist der beste Beleg dafür.

Gegen den Stillstand: CO2-Neutralität als gesellschaftspolitische Leitlinie

Zwischen Null und zwölf Millionen CO2-Äquivalent liegt – oberflächlich betrachtet – nicht viel, zwischen knapp 80 und 12 Millionen eine ganze Weltanschauung, mitsamt Wirtschaftssystem und allen dafür notwendigen Systemen des Stillstands. Als Erklärungsansatz dafür muss dann schon ganz tief in die Trickkiste gegriffen werden, die Lösung ist einfach: Der (durch den Menschen verursachte) Klimawandel findet gar nicht statt, ist von der Umwelttechnologie-Lobby erfunden oder gar von China. Wem stört es, wenn es ein bisschen wärmer wird? Auch hier gilt in Anbetracht von über 97 Prozent wissenschaftlicher Übereinstimmung schlichtweg: Schlecht, beschämend, nicht akzeptabel, ergänzt durch „Schwachsinn“.

Gehen wir davon aus, dass der Klimawandel stattfindet, dass wir aus einer reinen Vernunftüberlegung allerhöchstens zehn Prozent oder 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung haben. Und dass wir alles unternehmen müssen, dass wir unsere heutigen Emissionen zumindest auf dieses Maß reduzieren müssen. Die wichtigste Frage lautet nicht – aus heutiger Perspektive – wie schaffen wir das? Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit unseren 8 Millionen Tonnen im Jahr 2050? Erst die Beantwortung dieser Frage kann uns den Weg weisen, wird die Grundlage für sämtliche Strategien und darauffolgende Maßnahmenprogramme und Investitionsentscheidungen sein. Ausgangspunkt für die Beantwortung dieser Frage sollten natürlich die vorhandenen Erkenntnisse und Analysen sein. Und da wird schnell klar, wofür wir auch im Jahr 2050 noch Treibhausgase exmittieren werden. Ernährung und Arbeit. Besser gesagt: Land- und Viehwirtschaft (Methan) und Industrie und Produktion mit prozessbedingter Notwendigkeit im Hochtemperaturbereich (Gas, Strom). Hoffentlich nicht für den Verkehr (berufsbedingt, freizeitbedingt), die Abfallwirtschaft. Mit Sicherheit nicht für den Gebäudebereich.

Ein paar Zahlenspiele mit ernstem Hintergrund dazu: Österreichs Landwirtschaftssektor ist derzeit für genauso viele Treibhausgasemissionen verantwortlich wie der Gebäudebereich; beide emittieren jeweils etwa 8 Millionen Tonnen. Das wäre also schon ein schneller Lösungsansatz: Wir lassen bei der Landwirtschaft alles wie es ist und alle anderen Sektoren müssen ihre Emissionen auf Null stellen. Oder eben beim Gebäudesektor. Bei der Landwirtschaft macht mehr als die Hälfte davon der Vergärungsprozess (Methan) bei den Wiederkäuern (Milch, Fleisch) aus. Knapp 3,5 Millionen Tonnen an Emissionen des Gebäudesektors verursachen die immer noch vorhandenen Ölheizungen. Würden wir alles so lassen, wie es jetzt ist, dann macht das in Summe genau die acht Millionen Tonnen aus, die wir vielleicht Mitte des Jahrhunderts verbrauchen dürfen. Also: Landwirtschaft und Gebäudesektor halbieren ihre Emissionen, alle anderen Sektoren müssen zur Gänze auf ihre Emissionen „verzichten“, und deshalb entweder aus dem Wirtschaftssystem genommen werden oder zu 100 Prozent auf erneuerbare Energieträger umstellen. Mit Verlaub: Das ist nicht realistisch.

Was ist ihnen lieber? 620.000 ölbeheizte Wohnungen oder Milch/Käse/Fleisch aus der österreichischen Landwirtschaft?

Die einfache Antwort auf diese schnelle Analyse lautet also: Raus aus der Ölheizung, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Im Neubau von Wohnungen / Einfamilienhäusern müsste dafür sofort ein Verbot ausgesprochen werden und spätestens bei der Notwendigkeit zum Tausch vorhandener Ölkessel dürfte auch kein neuer mehr eingebaut werden. Alternativen gibt es genug und die CO2-Bilanz des Gebäudesektors wäre nahezu halbiert. Umsetzungsdauer: Ca. 30 Jahre, wenn sofort begonnen wird. So lange hält in etwa ein Ölkessel, bevor er ausgetauscht werden muss. Und bis heute werden sie eingebaut.

Weitaus schwieriger ist der nächste Schritt: Knapp 900.000 Wohneinheiten werden mit Erdgas beheizt, welches im Gebäudesektor für rund 3,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich ist. Erdgas ist jener fossiler Energieträger, der im Vergleich zu Öl oder Kohle geringere CO2-Emissionen emittiert und gleichzeitig einen hohen Energieinhalt (Brennwert) besitzt. Und genau diese Eigenschaft macht Energieträger für alle Prozesse im Hochtemperaturbereich extrem interessant, wie sie etwa in Industrieprozessen oder in der zentralen Energiebereitstellung notwendig sind. Im Gebäudebereich ist generell von Niedertemperaturnutzung auszugehen, für deren Bereitstellung es zahlreiche Alternativen zu fossilen Brennstoffen gibt. Aktuell braucht die österreichische Industrie 6,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus dem Gasbereich. Wenn es also bis zum Jahr 2050 gelingt, im Industriesektor die gasbezogenen Emissionen um 40 Prozent effizienter zu machen und gleichzeitig im Raumwärmebereich aus der Gasnutzung auszusteigen, dann würden knapp 7 Mio t Treibhausgasemissionen eingespart werden.

Auch dazu gibt es eine klare Fragestellung für die Zukunft: Was ist ihnen lieber – 900.000 erdgasbeheizte Wohnungen oder die auf den Hochtemperaturbereich angewiesene Industrie mit ihren Arbeitsplätzen? Vorschlag: Der Gebäudesektor sollte auf Erdgas verzichten und diese für die Hochtemperaturnutzung geeignete Ressource dem Industriesektor „schenken“. Wenn dieser Überlegung Folge geleistet wird, heißt das nichts anderes, als dass in einem ersten Schritt im Neubau keine direkte (gebäudebezogene) Gasfeuerung für Raumwärmenutzung und fürs Kochen mehr zugelassen wird. In einem zweiten Schritt muss es darum gehen, die bestehenden Gebäude sukzessive aus der Gasversorgungen heraus zu nehmen und die benötigte Raumwärme mit Alternativen zu versehen.

Diese Alternativen werden nur erschließbar sein, wenn der Gebäudebestand deutlich effizienter wird, als er derzeit ist. Der thermisch-energetischen Sanierung kommt damit größte Bedeutung zu: Je weniger Energie grundsätzlich gebraucht wird, desto weniger muss durch Alternativen bereitgestellt werden. Umsetzungshorizont mit heutigem Stand: 70 bis 100 Jahre, da die Sanierungsquote von Bestandsgebäuden irgendwo um rund 1 Prozent dahin schleicht. Will man dieses Ziel aber bis 2050 erreichen, dann wäre eine Sanierungsquote von rund 3 Prozent jährlich notwendig. Wird diese erreicht und werden gleichzeitig die fossilen Energieträger aus dem Gebäudebereich zurückgedrängt, dann ist die Raumwärmeversorgung im Gebäudesektor „CO2-neutral“. Dass dafür auch die Stromproduktion in Österreich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern umgesetzt werden muss, versteht sich von selbst. Die Republik geht in aktuellen Prognosen davon aus, dass dieses Ziel in den nächsten 15 Jahren umsetzbar ist (Wind, PV, (kleine) Wasserkraft, Biomasse). Damit einhergehend wird es möglich sein, der Elektromobilität und damit dem Verkehrssektor einen entscheidenden Entwicklungsschub zu geben.

Dass unabhängig davon sämtliche Sektoren umfassende und ambitionierte Programme realisieren müssen, liegt auf der Hand. Maximal 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2050 bedeuten eine vollkommene Neuausrichtung der österreichischen Wirtschaft, des Energiesystems und letztlich auch des Ressourcenverbrauchs bei der Bevölkerung. Die aufgezeigten Verlagerungspotenziale vom Gebäudesektor in Landwirtschaft und Industrie sind exemplarischer Natur; auch bei vollständiger Umsetzung dieser Vorschläge geht die Rechnung nicht auf. Aber ohne einen CO2-neutralen Gebäudesektor fehlt jegliche Basis für die notwendige Transformation, da schon aus diesem Sektor bereits heute der Zielwert für das Jahr 2050 emittiert wird.

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