Archiv der Kategorie: Allgemein

Bauen wie in der Zukunft

Es besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass die Klimaänderung nicht mehr verhindert, sondern nur in ihrer Auswirkung gemindert werden kann. Höhere Temperaturen, längere Hitze- und Dürreperioden, häufigere Starkregenereignisse, Überschwemmungen und Starkwinde werden besonders einen massiven Einfluss auf die Bauwirtschaft haben. Selbst beim nachhaltigen Bauen wird in der Regel nach heutigen Maßstäben und Normen geplant und errichtet. bauXund hat gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (Institut für Meteorologie) ein interaktives Beratungsdesign für Unternehmen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelt, das anhand einer Vielzahl an Daten die Klimazukunft deutlich darstellt und so Bauen wie in der Zukunft ermöglicht. Lukas Clementschitsch (bauXund) und Herbert Formayer (BOKU) präsentierten das neue Beratungsangebot und beantworten Fragen.

Gebäudelabels: für oder gegen den Klimaschutz?

Welche Verantwortung haben Zertifizierungsysteme für die Klimaschutzpolitik und wie muss sich die Gebäudebewertung verändern, damit sie CO2-Neutralität im Gebäudesektor als zentrale umweltpolitische Zielsetzung unterstützt? Welche Gebäudeausweise / Zertifikate unterstützen Klimaschutzpolitik, welche nicht? Diese Fragen behandelt Robert Lechner (ÖGNB, ÖÖI) und gibt zudem einen Überblick über die in Österreich verwendeten Systeme.

Grundsätzliches zu Gebäudelabels

Die Geschichte der Gebäudebewertungssysteme beginnt Mitte der 90er Jahre. BREEAM und LEED waren dabei Vorreiter der Entwicklung, im Rahmen der „International Green Building Challenge“ kamen bereits zur Jahrtausendwende mehrere andere Bewertungsansätze hinzu (Frankreich HQE, Japan Casbee, Österreich: TQB). In Deutschland wurde diese Entwicklung lange beobachtet, erst im Jahr 2009 kam es zur Gründung der DGNB und des gleichlautenden Bewertungssystems. Der Fokus der frühen Bewertungenssysteme lag eindeutig im Umweltbereich, wenngleich TQB und BREEAM sehr bald „umfassende“ Bewertungsansätze lieferten.

Klimaschutz als zentrale Aufgabe

Von der Immobilienwirtschaft werden Bewertungsansätze für Gebäude gerne „umfassend“ ausgerichtet, die Argumentationsbasis dafür liefert das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit aus Wirtschaft, Sozialem und Umwelt. Hinzu kommt die Prozessqualität und technische Qualität. Diesem Zugang kann auch einiges abgewonnen werden, wenn Nachhaltigkeitsbewertungssysteme nicht dazu beitragen, die großen bereits erkennbaren und vor allem die künftig erwartbaren Herausforderungen an unsere Gesellschaft durch den Klimawandel durch Komplexität auf der einen Seite, durch Marketingziele aller Systeme auf der anderen Seite zu verharmlosen. Nachhaltigkeitsbewertungssysteme im Gebäudesektor müssen darauf ausgerichtet sein, den Beitrag von Gebäuden am Klimawandel bzw. ihr Eignung zur Bewältigung der Klimakrise zu dokumentieren.
Es ist deshalb unabdingbar, dass den Themen Energieeffizienz, Energiebedarf und Treibhauspotenzial bei Entstehung und Betrieb besonderes Gewicht gegeben wird. Diese Zielsetzung erfüllen unterschiedliche am Markt vorhandene Bewertungssysteme in äußerst unterschiedlichem Ausmaß.

Gebäudebewertung
Gebäudebewertung

 

KLIMAAKTIV

Gemessen an der absoluten Zahl der bewerteten Gebäude ist klimaaktiv in Österreich eindeutiger Spitzenreiter, gefolgt von ÖGNB und DGNB. Diese Marktpräsenz ist nicht zuletzt auch dadurch erklärbar, weil klimaaktiv als „nationales System“ von der öffentlichen Hand (BMLFUW) getragen wird. Gemessen an der Klimaschutzrelevanz der Systeme ist diese Vormachtstellung auch beruhigend: klimaaktiv hat einen eindeutigen Schwerpunkt auf Energieeffizienz und CO2-Reduktion im Bewertungsansatz implementiert.

klimaaktiv
klimaaktiv

Bis zu 50 Prozent des Bewertungsergebnisses hängen direkt mit Klimaschutz und Energieeffizienz zusammen. Erfüllt ein Gebäude nicht die Mindestkriterien im Bereich Energieeffizienz, dann kann es gar nicht deklariert werden: Daraus resultiert hohe Glaubwürdigkeit im Bereich des Klimaschutzes.

ÖGNB

Das Bewertungssystem der ÖGNB ist hinsichtlich der Kriterien zu 100 Prozent mit jenem von klimaaktiv kompatibel: Daraus resultiert indirekt die inhaltlich gleichwertige Berücksichtigung von Energieeffizienz und Vermeidung der Treibhausgase in beiden Bewertungsansätzen. Aus der Geschichte des ÖGNB-Bewertungsansatzes ergibt sich aber eine andere Gewichtung der Kriterien, hinzu kommt auch eine umfassende Berücksichtigung der Standort- und Ausstattungskriterien. Die ÖGNB ist auch die einzige Organisation, die Bestandsgebäude und Neubauten mit den gleichen Bewertungskriterien (und Gewichtungen) beurteilt: Daraus soll das Augenmerk auf die Hauptaufgabe im Gebäudesektor für die Bewältigung der Klimakrise gelegt werden und diese wird in der Optimierung des Bestands sein.

ÖGNB
ÖGNB

Nur Gebäude, die mindestens 90 Prozent Erfüllungsgrad aller Beurteilungskriterien einhalten, werden gesondert mit „ÖGNB Gold“ gewürdigt. Dadurch wird gewährleistet, dass kein Gebäude unter diesem Benchmarkwert herausragende Marketing-Möglichkeiten vorfindet und das kein Gebäude mit ÖGNB-Gold nicht auch beim hochwertigen klimaaktiv-Standard zumindest in Silber-Qualität erreichen kann.

BREEAM

Ein ähnlicher Zugang wird von BREEAM gesucht: Auch hier macht die Bewertungskategorie „Energy“ 20 Prozent des Bewertungsansatzes aus. Die Benchmark-Werte sind aber weitaus weniger ambitioniert, als dies bei klimaaktiv der Fall ist. Es ist davon auszugehen, dass lediglich „Outstanding-Gebäude“ vergleichbare Qualitäten wie klimaaktiv belegen können, wenngleich damit nicht gesagt ist, dass diese Gebäude weit über die Basiskriterien von klimaaktiv hinauskommen.

LEED

LEED gewichtet die Energiekriterien zwar mit 30 Prozent: Die Benchmarks sind aber leider allzu sehr an die in Nordamerika vergleichsweise „schlechten“ Standards angepasst. Nur wenige „Platin-Gebäude“ von LEED halten die klimaaktiv Basiskriterien ein.

Leed
Leed

 

DGNB

Die geringste Bedeutung von Energieeffizienz und Vermeidung von Treibhausgasen gibt das Bewertungssystem der DGNB: Lediglich rund 13,5 Prozent fallen grundsätzlich in diese Bewertungskategorie, wobei der direkte Energieverbrauch im Betrieb und damit die direkten Treibhausgasemissionen wahrscheinlich nur bei einem Drittel des Bedeutungsgewichts im Bewertungssystem liegen werden.

In Österreich erfüllen nur wenige DGNB-Gebäude (auch höchster Auszeichnungsstufen) die Basiskriterien von klimaaktiv. Dies liegt u.a. auch daran, dass dem Thema Energie und Klimaschutz vergleichsweise wenig Bedeutung zugemessen wird.

DGNB
DGNB

Entwicklung beim Wohnen & ökologische Gerechtigkeit

GRAFIK: Entwicklung Wohnen

Aus ökologischer Betrachtung verursachen mehr Haushalte – einmal dahingestellt ob energieeffizient oder nicht – mehr Energie und Emissionen. Die Prognosen zeichnen ein eindeutiges Bild: So soll die Zahl der österreichischen Haushalte von 3.798.300 im Jahr 2015 auf 4.498.000 im Jahr 2050 ansteigen. Die Zahl der Bewohner jener Haushalte nimmt aber weiter ab: Während 1900 noch 4,6 Personen gemeinsam wohnten, sind es jetzt nur noch 2,2 Personen. Zugleich explodiert die Zahl der Einpersonenhaushalte: 2030 werden sie laut Statistik Austria österreichweit mit 1,66  Millionen um 25,1 Prozent mehr sein als mit 1,32 Millionen anno 2011.  Somit steigt auch die Wohnfläche pro Person – in den letzten Jahrzehnten um ein Drittel: 1971 betrug die durchschnittliche Wohnfläche eines Hauptwohnsitzes 66 Quadratmeter, 2014 bereits 99,7 Quadratmeter. In Einzelpersonen ausgedrückt: 1971 begnügten sich jeder Österreicher noch mit durchschnittlich 22,9 Quadratmeter pro Person, 2014 ist die Wohnfläche pro Person auf 44,7 Quadratmeter angewachsen. Tendenz steigend: Im Vergleich der Hauptwohnsitze nach Nutzfläche von 1991 bis 2015 zeigt sich eine starke Abnahme kleiner Wohnungen bis 45 Quadratmeter, wohingegen die Zahl großer Wohnflächen ab 130 Quadratmeter von 402.300 auf 918.000 gesprungen ist.

GRAFIK: Entwicklung Wohnen

 

Podiumsdiskussion Road to Zero V – „Wie wir die Klimaziele erreichen“

Road to Zero V – 500 Tage nach Paris

„Wie wir die Klimaziele erreichen“

Im Dezember 2015 beschlossen 195 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) das völkerrechtlich bindende, sogenannte Paris-Abkommen. Experten diskutieren, wie wir die Klimaziele im heimischen Gebäudesektor erreichen können.

Am Podium (Foto):

Wolfgang Amann, IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, ÖGNB – Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, ÖÖI – Österreichisches Ökologie Institut
Moderation: Gisela Gary, Journalistin Bauwirtschaft und Architektur

Podiums-Diskussion: „Die österr. Klimastrategie – Was zu erhoffen ist!“

Road to Zero IV – 400 Tage nach Paris

„Die österreichische Klimastrategie – Was zu erhoffen ist!“

In wenigen Wochen wird die heimische Klimastrategie festgelegt. Experten diskutieren über mögliche Details und wie die Strategie für den Gebäudesektor aussehen sollte.

Am Podium:

Robert Lechner,
ÖGNB – Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
ÖÖI – Österreichisches Ökologie Institut

Jürgen Schneider,
Umweltbundesamt

Michael Pech,
ÖSW – Österreichisches Siedlungswerk
GBV – Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen

Moderation:
Gisela Gary
Journalistin Bauwirtschaft und Architektur

 

Raus aus den Fossilen ist volkswirtschaftliche Notwendigkeit

Stell dir vor: Die Öko-Wende findet statt und Österreich ist nicht dabei! Acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050 müssen für Ernährung und Arbeit eingesetzt werden, nicht fürs Heizen!

Im Bereich der Haushalte stellt die Raumwärme mit rund zwei Dritteln des heimischen Endenergieverbrauchs die wichtigste Energienutzung dar. Um die Klimaziele Österreichs erreichen zu können, bedarf es Maßnahmen zur Energieeffizienz und einen raschen Schenk hin zu erneuerbaren Energieträgern für die Raumwärme. Doch die heimische Klimapolitik ist aktuell von Stillstand und Rückschritten geprägt.

Robert Lechner von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen: „Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik „für den sogenannten kleinen Mann“ (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde.“

Aus einer reinen Vernunftüberlegung hat Österreich aufgrund der Klimaziele künftig allerhöchstens zehn Prozent oder acht Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung. „Die wichtigste Frage lautet – aus heutiger Perspektive – nicht: Wie schaffen wir das? Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit unseren acht Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2050?“, erklärt Lechner.

Es ist klar, wofür wir auch im Jahr 2050 noch Treibhausgase exmittieren müssen: für Ernährung und Arbeit. Besser gesagt: Land- und Viehwirtschaft, Industrie und Produktion. Hoffentlich nicht für Verkehr oder Abfallwirtschaft. Mit Sicherheit nicht für Gebäude, denn hier gibt es längst Alternativen und technische Lösungen. Lechner: „Die einfache, volkswirtschaftlich notwendige Antwort lautet daher: Raus aus Öl- und Gasheizung, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Vereinfacht: Was ist uns lieber – öl- und erdgasbeheizte Wohnungen oder Nahrung, Produktion und Arbeitsplätze?“

Ungekürzter Fachkommentar

Hintergrunddaten

Fakten-Check Nachhaltiges Bauen

Die Broschüre „Nachhaltiges Bauen“ räumt mit Mythen und Vorurteilen beim nachhaltigen Bauen auf. Eine Produktion des Klima- und Energiefonds in Zusammenarbeit mit der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Autor/Auftraggeber: Klima- und Energiefonds, Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Erscheinungsjahr 2016

Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“ lang

Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“ kurz

Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand

Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier?  „300 Tage nach Paris“ befasste sich die ÖGNB Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich. Am 4. November tritt das Klimaabkommen in Kraft.

 

„Vier Prozent aller österreichischen Gebäude – 22 Prozent aller Bürogebäude, 30 Prozent der Gebäude für Verkehr, Kultur, Freizeit oder Bildung sowie 2,5 Prozent der Wohngebäude – befinden sich in direktem Eigentum von Bund, Länder oder Gemeinden – ohne ausgelagerte Institutionen mitzurechnen. Aus meiner Sicht hat die öffentliche Hand größten Einfluss auf den Gebäudesektor. Das Ziel muss sein: 2050 weitestgehend CO2-neutral zu sein. Der Gebäudesektor hat beste Voraussetzungen das zu erreichen“, stellt Robert Lechner von der ÖGNB fest.

„Im Gebäudebereich passiert recht viel, es sind die Technologien und das Know-how vorhanden – und trotzdem hebt die Nachhaltigkeit im Baubereich nicht so richtig ab“, meint Monika Auer von ÖGUT, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik. Ihre Wünsche an die öffentliche Hand: „Es braucht ein Ziel und man muss auch Stimmung dafür machen. Man muss einen gesellschaftlichen Diskurs führen: Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen kostet nicht nur, es bringt auch einen Nutzen.“

„Die globale Erwärmung soll deutlich unter zwei Grad Celsius und maximal auf 1,5 Grad reduziert werden. Mit den derzeitigen Zusagen der Staaten kommen wir dort aber nicht hin, sondern etwa auf 2,7 Grad. Seit 2005 gibt es eine Reduktion der Treibhausgase in Österreich, der Trend ist aber wieder durchbrochen: 2015 hatten wir wieder 2,3 Prozent mehr Emissionen. Wir haben einfach keine wirklich funktionierende Klimaschutzpolitik. Es braucht klare Ziele“, attestiert Johannes Wahlmüller von Global 2000. Was ist zu tun? „Es gibt Emissionen, die schwer vermeidbar sind, etwa in der Landwirtschaft. Im Gebäudebereich ist dagegen viel möglich, alle Technologien sind vorhanden. Man müsste bis 2050 den gesamten Gebäudebestand durchsanieren. Dafür bräuchten wir eine Sanierungsrate von drei Prozent, von der wir aber weit entfernt sind. Beim Neubau müsste man in Richtung Passivhaus-Standard kommen. Die Heizsysteme müssen künftig auf Basis erneuerbarer Energien laufen. Außerdem braucht es steuerliche Anreizsysteme. Dann kann es auch gelingen, dass die Ziele erreicht werden.“

„Ein ganz wesentlicher Teil der Bebauungsflächen stammen von der öffentlichen Hand, vor allem von der Gemeinde“, erklärt der Vorarlberger Bauexperte Karl Torghele, Firma Spektrum, und thematisiert die Kleinstrukturierung Österreichs: „Eine Vorarlberger Gemeinde hat durchschnittlich 3.300 Bewohner und deren Bürgermeister haben im Allgemein vom Bauen keine Ahnung. Weder das rechtliche noch das technische Basiswissen ist vorhanden.“ Durch ein gemeinsames Projekt mit dem Umweltverband bei dem eine Komplett-Beratung angeboten wird, konnte erreicht werden, dass seit 2011 90 Prozent aller Gebäude diesen Qualitätssicherungsprozess durchlaufen. Torghele betont: „Der Bürgermeister ist als Konsument und Endverbraucher zu verstehen. Wenn ich dem erkläre er bekommt eine gesunde Schule, fangen bei dem die Augen an zu leuchten. Dann kann ich ihn in diesem Moment auch überzeugen, dass er eine Lüftungsanlage einbaut. Und wenn dann auch noch das Thema regionale Wertschöpfung transparent wird, haben Sie den Bürgermeister auf Ihrer Seite. So ist aus der Schwäche der Kleinstrukturierung eine Stärke entstanden.“

„China hat nicht aus Gründen eines Kommitments den Klimazielen zugesagt, sondern die haben einfach eine miese Luft, die ihnen langsam ausgeht. Die machen das aus Bedrängnis. Bei uns ist die Bedrängnis offenbar noch nicht so groß. Nach wie vor kann mit Beschneiungsanlagen das Wichtigste gerettet werden“, meint Christian Pöhn von der Stadt Wien, MA39. Er erinnert an die Komplexität der Nachhaltigkeit: „Eine Umstellung auf Erneuerbare wird niemand bestreiten, das ist das Ziel. Aber die Frage ist wie das Ganze dann funktioniert. Es braucht eine Diskussion darüber was machbar ist. Wir müssen unbedingt die Zahl der Informierten erhöhen.“ Ab 2019 darf die öffentliche Hand ausschließlich Niedrigstenergiegebäude errichten, für Pöhn ein zweischneidiges Schwert: „Man sollte darüber nachdenken, wie viele Häuser überhaupt noch errichtet werden sollen. Und: Ob das Niedrigstenergiegebäude um zwei Prozent unter- oder überboten wird, ist schnurzegal. Entscheidend ist wie viele Bestandsgebäude wir auf ein vernünftiges Niveau sanieren können. Wir sollten sanieren, aber nicht drei Prozent, sondern hoffentlich das, was zu sanieren notwendig ist. Nachhaltig ist es, wenn eine Maßnahme getroffen wird zu einem Zeitpunkt, wo sie getroffen werden muss. Wenn sowieso Kosten entstehen und Aufwände abgezogen werden können. Wir sollten die Dinge wahrnehmen, die gut funktionieren: Etwa bei Einfamilienhäusern fördern, im städtischen Bereich Kompaktheiten und günstige Energieträger nutzen sowie insgesamt über Energieraumplanung nachdenken.“

Wortmeldungen stark gekürzt.

General-Sanierung Parlament mit Gold von ÖGNB und klimaaktiv ausgezeichnet

Gold-Auszeichnung erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben. Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu Baukultur.

Bereits im Jänner 2014 wurde nach einem Hearing von der Parlamentsdirektion in Abstimmung mit der Projektsteuerung zur Generalsanierung des Parlamentsgebäudes entschieden, dass das Parlamentsgebäude sowohl nach den für Klimaschutz besonders anspruchsvollen Kriterien der Klimaschutzinitiative klimaaktiv des Umweltministeriums als auch nach den auf das Forschungsprogramm Haus der Zukunft des BMVIT zurückzuführenden umfassenden Qualitätskriterien der ÖGNB – Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen geplant und errichtet werden soll.

Im Oktober 2016 ist nun ein wichtiger Meilenstein dieser externen Qualitätssicherung und Nachhaltigkeitsbewertung umgesetzt: Das künftige Parlamentsgebäude erhält von klimaaktiv und ÖGNB für die vorliegende Planung die Auszeichnung „klimaaktiv GOLD“ und „ÖGNB Gold“, welche erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben wurden.

„Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur „Botschafterin für Nachhaltiges Bauen“ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen. Es ist mir eine Freude, dass die ÖGNB und klimaaktiv dabei gemeinsam mit allen an der Planung Beteiligten für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit sorgen.“ – Robert Lechner, ÖGNB

Es ist besonders erfreulich, dass durch das vorliegende Sanierungskonzept belegt werden kann, dass historisch-architektonische Qualitäten sehr gut auch mit strengen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können. Bei der Parlaments-Sanierung kommt dies beispielsweise durch eine spürbare Reduktion des Energieverbrauchs und eine deutliche Steigerung im Bereich des Komforts und der Behaglichkeit für die Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes zum Ausdruck. Die Basis dafür ist eine frühzeitige Einbeziehung von Nachhaltigkeitszielen in den Planungs- und Entscheidungsprozess und dafür ist in Anbetracht des herausragenden Ergebnisses allen Beteiligten großer Respekt zu zollen.

Dem Beispiel des Parlamentsgebäudes sollen möglichst viele andere historische Gebäude folgen: Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen nicht im Widerspruch zu höchsten Anforderungen an die Baukultur, sie ergänzen einander.

Folgende Qualitäten sind aus Sicht der Nachhaltigkeitsbewertung besonders hervorzuheben:

  • Energieeffizienz: Der Heizenergiebedarf kann gegenüber dem Bestand um mehr als 60 Prozent reduziert werden; für ein denkmalgeschütztes Gebäude ein herausragend guter Wert.
  • Haustechnik, Beleuchtung: Im Bereich der technischen Ausstattung werden modernste und damit besonders energieeffiziente Systeme eingesetzt. So gelingt es, dass trotz einer deutlichen Erweiterung der Nutzflächen der Energiebedarf des Gebäudes geringer sein wird als vor der Sanierung.
  • Behaglichkeit und Komfort: Die thermische Behaglichkeit wird im Sommer und im Winter deutlich besser sein als zuvor.
  • Gesundheit, Qualität der Innenraumluft: Schadstoffbegehung vor Baubeginn, Produkt- und Chemikalienmanagement samt Auswahl unbedenklicher Materialien sorgen für die Erfüllung höchster Ansprüche bei der Qualität der Innenraum.
  • Barrierefreiheit: Bislang unerschlossene Allgemeinbereiche des Parlaments werden künftig barrierefrei erreichbar sein.

Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Vorsitzender der ÖGNB anlässlich der Übergabe der Planungszertifikate an Nationalratspräsidentin Doris Buris und im Beisein der Generalplaner Jabornegg & Pálffy (Architektur) und AXIS Ingenieurleistungen ZT GmbH sowie von Umweltminister Andrä Rupprechter, der die klimaaktiv-Auszeichnung übergab: „Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur „Botschafterin für Nachhaltiges Bauen“ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen. Es ist mir eine Freude, dass die ÖGNB und klimaaktiv dabei gemeinsam mit allen an der Planung Beteiligten für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit sorgen.“

Bilder:

ÖGNB Gold Parlament

Plakette Parlament Planung

Fotos: ÖGNB

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EVENT „ROAD TO ZERO – 300 TAGE NACH PARIS“

Die
Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB
und die
Medienstelle für Nachhaltiges Bauen
luden ein zu

Road to Zero – 300 Tage nach Paris

„Nachhaltig Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand“

am

Freitag, 7. Oktober 2016, 14 Uhr
in den Räumlichkeiten der
IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63 B, 1060 Wien
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt

Am Podium:
Monika Auer, ÖGUT
Christian Pöhn, Stadt Wien MA39
Karl Torghele, Spektrum – Zentrum für Umwelttechnik und -management GmbH
Johannes Wahlmüller, Global 2000
Robert Lechner, ÖGNB, ÖÖI – Moderation

Nachhaltig Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand

„300 Tage nach Paris“ befasst sich die bei der ÖGNB eingerichtete Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der aus COP21 Paris resultierenden Klimaschutzziele im Gebäudebereich.

Bereits aufgrund vorhandener EU-Bestimmungen im Rahmen der EU-Gebäuderichtlinie wird der Handlungsbedarf deutlich: Spätestens ab dem 1.1.2019 müssen alle neu errichteten Gebäude grundsätzlich den Anforderungen von Niedrigstenergiegebäuden entsprechen; viel Aktivität ist hier bislang nicht zu bemerken. Unabhängig davon: Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier? Welche Strategien werden verfolgt? Welche Rolle hat der Bund, welche die Länder und Gemeinden?

„300 Tage nach Paris“ werden in gewohnt fundierter Form Hintergründe aufgezeigt, der Status Quo beschrieben und empfehlenswerte Ansätze der Öffentlichkeit vorgestellt.

Anmeldung:

Medienstelle für Nachhaltiges Bauen/ÖGNB
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt, www.nachhaltiges-bauen.jetzt/road-to-zero
Diese Information wird über mehrere Verteilerlisten ausgesendet, wir entschuldigen uns für Mehrfachzusendungen!

Zersiedelung: Auf Kosten von Umwelt, Boden und öffentlichen Mitteln

Beim Thema „Leistbares Wohnen“ werden ökologische und volkswirtschaftliche Argumente nicht immer gerne gehört. Ein Aspekt spielt aber eine wesentliche Rolle: die Siedlungsform.

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Andrea Kraft, Energie- und Umweltagentur NÖ eNu
Johannes Kislinger, Innovative Gebäude

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GESAMTFASSUNG ONLINE

Kurzfassung:

In einer Analyse des Österreichischen Institutes für Raumplanung ÖIR zeigt sich sehr deutlich die Siedlungsstruktur Österreichs: Rund 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt in Siedlungseinheiten (mindestens 500 Einwohner, Gebäude maximal 200 Meter von einander entfernt). Aber: Ohne den großen Landeshauptstädten leben nur rund 46 Prozent in Siedlungseinheiten, die Siedlungseinheiten weisen sehr unterschiedliche Dichten auf – von 600 bis 25.000 Einwohnern pro Quadratkilometer, und: 24 Prozent aller Gemeinden weist keine Siedlungseinheit auf – insgesamt 578 Gemeinden mit knapp 500.000 Einwohnern.

Die umfangreichen Verkehrsinvestitionen der letzten Jahrzehnte im Straßenbau und in den Großstadt-Ballungsräumen auch in den öffentlichen Verkehr ermöglichen einer großen Zahl von Menschen die Realisierung des Wunschbildes „Arbeiten in der Stadt – Wohnen auf dem Land“. Die Studie „Einfamilienhaus und verdichtete Wohnformen – eine Motivenanalyse“: „Der Siedlungsflächenverbrauch wird dadurch laufend erhöht, der Berufsverkehr erzwingt laufend weitere Verkehrsinvestitionen, während auf den öffentlichen Verkehr hin orientierte Gestaltung der Stadtentwicklung seitens der Umlandgemeinden unterbleibt.“ Und nicht zu vergessen: Auch die Pendlerförderungen mit rund 1,4 Mrd. Euro gehen zu Lasten des öffentliche Haushaltes.

Schon aus früheren Untersuchungen bestätigt sich die gewonnene Erkenntnis, dass die Infrastrukturkosten je Einwohner abnehmen, je dichter die Besiedlung ist. Dabei liegen die Unterschiede eher in der Gebäudetypologie (Einfamilienhaussiedlungen, Reihenhaussiedlung bis zu Geschosswohnbauten) sowie in der örtlichen Situierung der Neubaugebiete zur bestehenden Infrastruktur begründet als in der großräumigen Lage.

Es zeigt sich, so die Studie „Zu Energierelevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungsstrukturen und Wohngebäudetypen in Österreich“, dass vor allem Streusiedlungen einen hohen Einsatz an Grauer Energie erfordern und diese im Besonderen für die Errichtung von Straßen und Infrastrukturleitungen aufgewandt wird. Bei Einfamilienhäusern in Streusiedlungslage übersteigt der Energiebedarf für die Errichtung der Infrastruktur den Energiebedarf für die Errichtung des Gebäudes deutlich.
Inkludiert man den Energieaufwand für Instandhaltungsarbeiten und rechnet die Graue Energie auf 100 Jahre, werden die Unterschiede zwischen den Wohnsiedlungsformen noch deutlicher: Das Einfamilienhaus in Streulage kommt auf 1178.471 kWh/100 Jahre, Einfamilienhaus 702.331 kWh/100 Jahre. Wohnbau dreigeschoßig schlägt mit 276.295 kWh zu Buche, der siebengeschoßige mit 264.089 kWh. Mehrfamilienhäuser (drei und sieben Geschoße) benötigen demnach weniger als 25 Prozent der für Einfamilienhäuser in Streulage aufgewandten Grauen Energie.

„Ein energieeffizientes Gebäude „auf der grünen Wiese“ ist demgemäß kein positives Beispiel für Nachhaltigkeit. Die nachhaltige Gestaltung richtet sich vor allem nach den Faktoren: Lage des Gebäudes, Flächenverbrauch und Wohnform. Das freistehende Einfamilienhaus wird vielfach als erstrebenswerte Wohnform gesehen, da es für die BesitzerInnen den höchsten Individualitätsanspruch erfüllt. Gleichzeitig ist aber mit dieser Wohnform der höchste Flächen- und Ressourcenverbrauch verbunden, was sich auch in den Kosten für die Erschließung und dem erhöhten Verkehrsaufkommen niederschlägt“, hält dazu Andrea Kraft von der Energie- und Umweltagentur NÖ eNu, fest.

„In Österreich ist das Bewusstsein etwas angewachsen, die Geschwindigkeit der Versiegelung nimmt dennoch nur langsam ab. In der Zeitspanne von 2006 bis 2012 stieg der Flächenverbrauch um zehn Prozent an, hingegen wuchs die Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um zwei Prozent“, so Johannes Kislinger, Innovative Gebäude. Und, zum Beispiel Niederösterreich: „Die Bebaubarkeit eines Grundstückes wird in NÖ in der Bauordnung und im Raumordnungsgesetz geregelt. In den letzten Jahrzehnten war die zulässige Bebaubarkeit von Grund und Bauland Gegenstand zahlreicher meist emotional geführter Debatten, die auch bis zum Höchstgericht ausgefochten wurden. Der Paragraf 54 der Bauordnung regelt deshalb seit 2014 neu die Höhe und Anordnung eines Gebäudes im Falle, dass keine Bebauungsvorschriften für das Grundstück bestehen (in NÖ ist das die Mehrzahl). In diesem Paragrafen wird die offene Bauweise bis zu 2 Geschossen – entsprechend der Typologie eines freistehenden Einfamilienhauses als NICHT abweichend zur vorherrschenden Bebauungsformen definiert und zum Prinzip erklärt. Zahlreiche Studien und Rechenmethoden haben aber eben diese Siedlungsform als nicht wirtschaftlich und nachhaltig erkannt.“

Die detaillierte Gesamtfassung mit allen Texte, Grafiken, Pressefotos und Studien finden sie auf der Webseite der Medienstelle unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt.

Zersiedelung und die graue Energie

Im Rahmen der Studie „Zu EnergieRelevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungsstrukturen und Wohngebäudetypen in Österreich“ wurde die graue Energie nach Siedlungs- und Gebäudetypen analysiert und errechnet. Fazit: Ein Einfamilienhaus in Streusiedlungslage erfordert aufgrund notwendiger Infrastruktur einen enormen Einsatz grauer Energie.

Zersiedelung Graue Energie

Die Modellierung zeigte, dass vor allem Streusiedlungen einen hohen Einsatz an Grauer Energie erfordern und diese im Besonderen für die Errichtung von Straßen und Infrastrukturleitungen aufgewandt wird. Bei Einfamilienhäusern in Streusiedlungslage übersteigt der Energiebedarf für die Errichtung der Infrastruktur den Energiebedarf für die Errichtung des Gebäudes deutlich. Bei den beiden Mehrfamilienhaustypen (drei und sieben Geschoße) sind die Werte für den Bereich Straße & Leitungen in etwa gleich hoch.

Inkludiert man den Energieaufwand für Instandhaltungsarbeiten und rechnet die Graue Energie auf 100 Jahre, werden die Unterschiede zwischen den Wohnsiedlungsformen noch deutlicher: Das Einfamilienhaus in Streulage kommt auf 1178.471 kWh/100 Jahre, Einfamilienhaus 702.331 kWh / 100 Jahre. Wohnbau dreigeschoßig schlägt mit 276.295 kWh zu Buche, der siebengeschoßige mit 264.089 kWh.
Mehrfamilienhäuser (drei und sieben Geschoße) benötigen demnach weniger als 25 % der für Einfamilienhäuser in Streulage aufgewandten Grauen Energie.

Im Jahr 1970 war der Energieverbrauch im Betrieb so hoch, dass die Graue Energie zur Herstellung mit 7 bis 19 % des Gesamtenergiebedarfs vergleichsweise unbedeutend war. Dagegen betrug der Anteil an Grauer Energie im Jahr 2010 zwischen rund 24 und 48 % des Gesamtenergiebedarfs bzw. 50 % bei Gebäuden in Passivhausbauweise und ist damit nicht vernachlässigbar. Auch absolut gesehen ist die Graue Energie für alle Gebäudetypen 2010 deutlich höher als 1970. Für Einfamilienhäuser in Streulage ist der Bedarf an Grauer Energie etwa gleich hoch wie für den Betrieb. Zusätzlich dazu ist bei Einfamilien-Passivhäusern der Gesamtenergiebedarf, bedingt durch den Mehraufwand in der Erschließung (es gibt keinen „Passiv-Straßenbau“), höher als für Mehrfamilienwohnhäuser nach derzeit gefordertem Mindeststandard.

EVENT „Road to Zero – 200 Tage nach Paris“ – „Sinnvolle Förderungen – Neue Kriterien“

Road to Zero – 200 Tage nach Paris – Podiumsdiskussion am 29. Juni

 GESAMTTEXT als PDF


O-Ton der Vorträge & Diskussion:

Vortrag Robert Lechner Präsentation

      O-Ton Vortrag Lechner

Vortrag Angela Köppl Präsentation

      O-Ton Vortrag Koeppl

Diskussion Angela Köppl (WIFO), Robert Lechner (ÖGNB), Alexandra Amersdorfer (KPC) (v.l.)

      Diskussion

Gruppenfoto

Angela_KöpplRobert LechnerAlexandra_Amerstorfer

 


Pressetext:

Sinnvolle Förderungen – Neue Kriterien

Kurzfassung aus bisherigen Statements und Studien – eine Zusammenfassung der Veranstaltungen, O-Tonaufzeichnung, Bilder etc folgen auf dieser Webseite der Medienstelle.

Klimaschutz: Welche Finanzinstrumente brauchen wir? Und welche wirklich gar nicht?
200 Tage nach der Klimakonferenz in Paris weist noch wenig darauf hin, dass in Österreich Klimaschutz wirklich ernst genommen wird. Dieser Eindruck entsteht vor allem dann, wenn es ums liebe Geld geht. Ganz im Gegenteil: Eine WIFO-Studie zeigt auf, dass Förderungen von bis zu 4,7 Mrd. Euro jährlich sogar negative Klimaeffekte haben. Die Mittel des Sanierungsschecks wurden heuer wieder deutlich gekürzt. Einige Länder wenden Nachhaltigkeits-Kriterien bei Förderungen gezielt den Rücken zu. Und immer mehr Teile der Bauwirtschaft vertreten die Ansicht, dass bereits genug getan wurde. Spielt in der Wohnbauförderung Umwelt- und Klimaschutz überhaupt noch eine Rolle?

Förderkriterien zu 100 Prozent auf Klimaschutzziele ausrichten
„Zur effizienten Umsetzung der „Road to Zero“ bedarf es nicht nur der entsprechenden Rahmenbedingungen wie z.B. der Förderinstrumente wie die Wohnbauförderung oder den Sanierungschecks sondern auch Kriterien, die 100%tig auf die Klimaschutzziele ausgerichtet sind und die Innovationen in diesem Bereich beflügeln“, stellt Hildegund Mötzl, vom Institut für Bauen und Ökologie IBO sowie Leiterin des ACR-Schwerpunkts „Nachhaltig Bauen“ fest. Und: „Keinesfalls darf unter dem Deckmantel des leistbaren Wohnens am Klimaschutz gespart werden, denn dies wird, über den Lebenszyklus der Wohnung gerechnet, sehr viel teurer und verfehlt die Road to Zero.“

In Hinblick auf das Pariser Abkommen ist die aktuelle heimische Entwicklung sogar zu hinterfragen. Monika Auer und Inge Schrattenecker von der Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT: „Pünktlich zur Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens kündigen die Bundesländer an, sich bei der Wohnbauförderung zum Thema Energieeffizienz künftig an den Bauordnungen zu orientieren und keine weitergehenden Anforderungen mehr zu stellen.“ Die Argumente: Geld gibt es am freien Markt günstiger als beim Land; die Kontrollen der Einkommen über die Laufzeit mit drohenden Rückzahlungen bei Überschreitungen der Einkommenshöchstgrenze und die hohen Energieeffizienzstandards. Dazu Auer und Schrattenecker unisono: „Dass man „günstiger“ baut, wenn man keinen besonderen Wert auf Energieeffizienz legt, ist mittlerweile widerlegt. Im Paris Agreement steht zudem nicht, dass wir die Klimaerwärmung nur dann bei 2° C begrenzen wollen, wenn das billiger ist als alle Alternativen.“

„Wollen wir das Klimaziel von 1,5 Grad, das auf der Klimakonferenz in Paris 2015 ins Visier genommen wurde, erreichen, müssen Förderungen, Subventionen und Bauordnungen gleichermaßen zukünftig auch hinsichtlich ihrer Umwelt- und Klimaeffekte bewertet werden. Heute neu gebaute oder sanierte Gebäude werden frühestens 2056 wieder energetisch verbessert. Daher ist ab sofort der energetisch beste Standard erforderlich“, ist Günter Lang von Passivhaus Austria überzeugt.

„Solange es für die Sanierung in Österreich keine streng einzuhaltenden thermisch-energetischen Standards über das Ordnungsrecht gibt, hat Wohnbauförderung die zentrale Aufgabe, deutliche Anreize für den klimatauglichen und sozial verträglichen Umbau des Wohngebäudebestandes zu leisten“, fordert auch Franziska Trebut (ÖGUT) umweltrelevante Förderkriterien.

Empfehlung: sofortige Ausarbeitung eines Mehrsäulen-Modells
„Gebäude mit geringerer Dichte rutschen derzeit durch den Rost: Einfamilienhäuser dürfen beim Niedrigstenergiegebäude ebenso wie der Sanierung mehr als doppelt so viel Energie für Heizung pro Quadratmeter verbrauchen, als Geschoßwohnungsbauten. Dass muss in Zukunft heftig hinterfragt werden. Vor allem auch deshalb, weil bislang österreichweit knapp 60 Prozent der gesamten Wohnflächen im Ein- und Zweifamilienhaus realisiert wurden. Das Fördersystem der Zukunft muss hocheffiziente Wohnbauten unterstützen, gleichzeitig den Flächenverbrauch pro Kopf reduzieren und die Restenergie mit erneuerbaren Energieträgern bereitstellen“, stellt Robert Lechner von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB fest – und: „Ich empfehle die sofortige Ausarbeitung eines Mehrsäulen-Modells (Details siehe Kommentar) mit Schwerpunkten Effizienz (Passivhaus und vergleichbar), Erneuerbare Energieträger (Solar, Geothermie, Biomasse, hocheffiziente KWK) und Verdichtung (Reduktion Pro-Kopf-Verbrauch an Fläche).“
WIFO-Studie über umweltschädliche Subventionen
Die WIFO-Studie „Subventionen und Steuern mit Umwelt-Relevanz in den Bereichen Energie und Verkehr“ zeigt es auf (und konzentrierte sich allerdings auf die Förderungen auf Bundesebene): Von den bis zu 4,7 Mrd. Euro an umweltschädlichen Subventionen erhält der Bereich Wohnen ein Fördervolumen von 390 bis 790 Mio. Euro pro Jahr. Diese fördern den Neubau von Eigenheimen, Verkehrsflächen oder begünstigen die Bereitstellung bzw. Nutzung von Abstellplätzen. Doch eigentlich sind die Subventionen in diesen Bereich noch deutlich höher, werden die Förderungen aufgrund von Zersiedlung (z.B. Pendlerförderung mit rund 1,4 Mrd. Euro) mit eingerechnet.

Negative Auswirkungen v.a. durch Zersiedelung
Aus der WIFO-Studie: Trotz der zunehmenden Ökologisierung des Wohnungsneubaus – vorwiegend hinsichtlich der Energieeffizienz und Emissionsvermeidung – verursacht der Wohnungsneubau einen hohen Ressourcenverbrauch und trägt zum Flächenverbrauch bzw. der Flächenversiegelung bei. Ein wesentliches Ziel einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung sollte daher die Verringerung der Inanspruchnahme neuer Flächen sein. […] Zusätzlich zum Flächenverbrauch für den Wohnbau selbst, sind die Siedlungsstrukturen auch ein wesentlicher Einflussfaktor für das Verkehrsaufkommen und die daraus resultierenden ökologischen Effekte (Schadstoffemissionen, Einschränkung der Bodenfunktionen, Auswirkungen auf Habitate) und Lärm. Die Zersiedelung und räumliche Trennung verschiedener Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeitaktivitäten) fördert das Verkehrsvolumen. Ohne ausreichende Verfügbarkeit und Frequenz des öffentlichen Verkehrs fördert die räumliche Trennung insbesondere den motorisierten Individualverkehr. […] Die Wohnbauförderung trägt insofern zur Erhöhung der Verkehrsleistung bei, als sie einerseits nach wie vor den Fokus auf den Neubau legt. Andererseits fehlt die Verknüpfung mit der Verkehrspolitik bzw. die Koppelung der Förderungsvergabe an eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr. […] Insgesamt müssten zur Reduzierung der negativen (Umwelt-)Effekte der Zersiedelung verschiedene Maßnahmen und Regelungen, überdacht bzw. klimafreundlich reformiert werden, die zersiedelungsfördernd bzw. verkehrsinduzierend wirken. Die relevanten Regelungen umfassen neben fiskalischen Instrumenten wie der Wohnbauförderung oder dem Pendlerpauschale auch die Raumplanung in Richtung einer Energieraumplanung, wie in der Energiestrategie Österreich hervorgehoben oder andere Ansätze der aktiven Bodenpolitik auf Gemeindeebene. […] Eine Reform dieser umweltschädlichen Subventionen ist nicht nur unmittelbar aufgrund der damit verbundenen Umwelteffekte geboten. Generell sollten im Sinne einer „environmental policy integration“ alle öffentlichen Einnahmen- und Ausgabenentscheidungen auch die Wirkungen auf die Umwelt in konsistenter Weise mitberücksichtigen. Aber auch in Hinblick auf die in Österreich wie in vielen anderen Ländern erforderliche Konsolidierung des öffentlichen Budgets sind Förderungen auf ihre Effizienz und Effektivität hin zu untersuchen.

ÖGUT-Studie untersuchte Förderkriterien
Die ÖGUT-Studie „WoZuBau – Zukunft Wohnbau-Förderung Energie-Politische Effektivität der Wohnbau-Förderung und Energieberatung steigern“ (2013) hat die Lenkungseffekte im Zusammenhang mit der Wohnbauförderung untersucht und sich damit kritisch auseinandergesetzt.
Aus der Studie: Die wichtigsten energie- und umweltpolitischen Effekte der Wohnbauförderung sind die rasche Implementierung anspruchsvoller energetischer Standards im Neubau, die Erhöhung der Rate umfassender thermischer Sanierungen und die Schaffung von Marktakzeptanz für ökologische Bauprodukte. Hinsichtlich Suffizienz (Wohnflächenentwicklung, Landschaftsverbrauch) ist die Performance der Wohnbauförderung demgegenüber durchwachsen. Umfangreichen Bemühungen um verringerten Grundflächenverbrauch steht die fortschreitende, durch die Wohnbauförderung angetriebene Zersiedelung gegenüber. Die massive Zunahme der Wohnfläche pro Person ist die Kehrseite der weitgehend gewährleisteten Leistbarkeit von Wohnen.

Studien-Empfehlung zu Sanierung: dauerhafte Anreize
Die ÖGUT-Studie: Die Umsetzung des Nationalen Plans bei den baurechtlichen Vorgaben zur Energieeffizienz führen zu einer Kohärenz der energetischen Standards in Wohnbauförderung und Baurecht bis 2020. Aufgrund dieser Entwicklung stellt sich die Frage, inwieweit der energiepolitische Fokus der Wohnbauförderung aufrechterhalten bleiben soll. Es bedarf einer differenzierten Beurteilung für Neubau und Sanierung. Im Bestand sind thermische Mindeststandards viel schwerer rechtlich durchsetzbar als im Neubau. Konstitutionell geschützte Eigentumsrechte erlauben nur in beschränktem Umfang verpflichtende Sanierungsmaßnahmen. Nicht zu sanieren ist eine Option, die bei Hausherrn fest verankert ist. Bei Sanierungen werden dementsprechend finanzielle Anreize über die Wohnbauförderung einen dauerhaft großen Stellenwert haben. Es bedarf allerdings der Weiterentwicklung und Differenzierung der Instrumente.

Studien-Empfehlung zu Neubau: Öko-Kriterien
Die ÖGUT-Studie: Für den Neubau werden die energiepolitischen Lenkungseffekte wohl an Stellenwert verlieren. Die Umsetzungsstärke der Wohnbauförderung sollte allerdings weiterhin auch für energiepolitische Ziele im Neubau genutzt werden, insbesondere hinsichtlich folgender Ansätze:
Kostenoptimalität: Die EU-Gebäuderichtlinie stellt auf kostenoptimale thermische Standards unter Berücksichtigung der Baukosten und der Energiekosten auf eine bestimmte Bestandsdauer ab. Obwohl die Wohnbauförderung vom Rechenansatz der EU zur Kostenoptimalität ausdrücklich ausgenommen ist, so hat sie doch de facto in der der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, dass sich die thermisch-energetische Standards, die kostenoptimal darstellbar sind, erhöhen. Sie sollte diese Funktion weiterhin durch entsprechend über die Bauordnung hinausgehende Anforderungen ausüben.
Innovationen: Die Wohnbauförderung hat sich als effektive Innovationstreiberin erwiesen und soll diese Funktion beibehalten. In den vergangenen Jahren haben entsprechende Förderschienen deutlich zur Etablierung des Niedrigstenergie- und Passivhausstandards beigetragen. Ambitionierte Standards sollten auch weiterhin über die Förderung forciert werden um Innovationen in Richtung Plus-Energie-Standard, der unter Einbeziehung der Siedlungsebene zu denken sein wird, voranzutreiben.
Graue Energie: Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft auch die „graue Energie“, d.h. die für die Produktion von Bauprodukten eingesetzten Ressourcen, aber auch die für die Erschließung eines Grundstücks in die Energiebilanzen von Bauten einbezogen werden. Schon heute implementierte Ansätze in den Förderungsvorschriften mehrerer Bundesländer über den OI3-Index sollten weiterentwickelt werden. Dabei sind die berechtigten Interessen der Baustoffindustrie zu berücksichtigen.
Mobilität: Ähnliches trifft auf die Einbeziehung mobilitätsinduzierter Energie in die energetische Gebäudebilanzierung zu. Der Energiebedarf für Heizen, Warmwasser, und Haushaltsstrom wird bis 2020 weiter sinken, entsprechend steigt in Relation der Anteil der Energie für gebäudeinduzierte Mobilität. Es spricht vieles dafür, die Wohnbauförderung an Lagekriterien zu binden, die die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel forcieren.
Suffizienz – Landschaftsverbrauch: Damit in Verbindung steht die Forderung, den Faktor „Landschaftsverbrauch“ stärker in die Förderungssysteme einzubinden. Hier sollte die Wohnbauförderung Anreize sowohl für geringeren Grundflächen- als auch Wohnflächenverbrauch sowie für das Bauen und Sanieren im Siedlungsverband zu setzen.

Breiter Zuspruch bei Expertenbefragung
Die von der Studie thematischen Stoßrichtungen für die energiepolitischen Lenkungseffekte der Wohnbauförderung korrespondieren mit dem Votum aus der Online-Expertenbefragung von Juni 2013: 87 Prozent Zustimmung für Kostenoptimalität und Lebenszykluskostenbetrachtung als langfristiges Ziel der Wohnbauförderung, jeweils rund 75 Prozent Zustimmung für energetische Mindeststandards der Neubauförderung, die weiterhin deutlich (25Prozent) über den Bauordnungsstandards liegen sowie für die Minimierung der grauen Energie als langfristiges Förderungsziel; 64 Prozent für die Weiterentwicklung der Instrumentarien zum Plusenergiehaus.

 

Expertenkommentare zum Thema:

„Verabschiedet sich 2016 die Wohnbauförderung als Motor für Klimaschutz?“
Kommentar von Monika Auer und Inge Schrattenecker, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT

2,5 Mrd. € an Förderungen für Gebäude verfehlen Klimaschutzziele
Kommentar von Günter Lang, Passivhaus Austria

Welches Fördersystem brauchen wir für einen CO2-neutralen Gebäudesektor?
Kommentar von Robert Lechner, Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB

„Bedarf Förderinstrumente- und Kriterien, die 100-prozentig auf Klimaschutzziele ausgerichtet sind“
Kommentar von Hildegund Mötzl, Leiterin des ACR-Schwerpunkts „Nachhaltig Bauen“, IBO Institut für Bauen und Ökologie

Wohnbauförderung – Sozialpolitische Lenkungseffekte ernst nehmen
Kommentar von Franziska Trebut, ÖGUT

 

Weitere Informationsempfehlungen:

Grundverständnis: Das „Pariser Abkommen“ im kurzen Überblick

Grundverständnis: Bisherige Strategien und Richtlinien

 

Empfohlene Studien

Subventionen und Steuern mit Umwelt-Relevanz in den Bereichen Energie und Verkehr
Zu dieser Studie stellten Klima- und Energiefonds und WIFO fest: Förderungen von bis zu 4,7 Mrd. € jährlich haben negative Klimaeffekte. Die WIFO-Studie quantifiziert umweltbelastende Subventionen für Verkehr, Energie und Wohnbau für Österreich.

WoZuBau – Zukunft Wohnbau-Förderung Energie-Politische Effektivität der Wohnbau-Förderung und Energieberatung steigern

COIN: Die Auswirkungen des Klimawandels in Österreich
Die Auswirkungen des Klimawandels in Österreich, beschrieben durch die COIN-Studie (Cost of Inaction – Assessing Costs of Climate Change for Austria): eine ökonomische Bewertung für alle Bereiche und deren Interaktion.

Nachhaltiger Klimaschutz – ökologische, ökonomische und soziale Dimension von Klimaschutz-Maßnahmen
Die Studie versucht das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung mit dem Ziel des Klimaschutzes insofern in Einklang zu bringen, als sie Klimaschutz im Sinne eines „Nachhaltigen Klimaschutzes“ definiert und diesen als wesentliches Element einer nachhaltigen Entwicklung sieht.

Österreichischer Sachstands-Bericht Klimawandel
Das „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) bestätigt: Der Klimawandel findet statt und wird hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht. Die mittlere globale Temperatur ist seit 1880 um fast ein Grad Celsius angestiegen. Des weiteren schlussfolgert das IPCC, dass zukünftig unverminderte Emissionen einen Temperaturanstieg um drei bis fünf Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts verursachen würden.

Energie-Szenarien bis 2050 – Wärmebedarf der Kleinverbraucher, 2015

Sanierungs-Rate für thermische Sanierung

„Die aktuellsten Daten zu umfassenden thermisch-energetischen Sanierungen (umfassende Sanierungen) im Rahmen der Wohnbauförderung WBF. Hinzu kommen noch geringe Anteile aus dem Sanierungsscheck (ohne Kofinanzierung WBF) und ungeförderte Sanierung. Aber auch unter Hinzurechnung dessen liegt Österreich deutlich unter 1 Prozent mit rückläufiger Dynamik“ – Wolfgang Amann, Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen IIBW.

Sanierungsrate

Nachhaltig Bauen & Sanieren ist ungesund – oder doch nicht?

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation
Peter Holzer, IPJ Ingenieurbüro P. Jung
Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Hochbau
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut
Franziska Trebut, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT

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Kurzfassung:

Gesundheitsförderndes Bauen

„Wenn wir Zukunft positiv gestalten wollen, impliziert das den Beitrag des Bauens zu einer gesunden Lebensweise. Nachhaltiges Bauen und Sanieren muss gesund sein, – ansonsten würde „Etikettenschwindel“ betrieben“, stellt Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation, klar. Sie plädiert für ein gesundheitsförderndes Planen – , wie auch Peter Holzer, IPJ Ingenieurbüro P. Jung: „Bauen wir unsere Häuser unbedingt klimaschützend und ressourceneffizient, weil das die notwendige Basis für die bloße Chance auf eine wünschenswerte Zukunft der Gesellschaft ist. Und bauen wir sie mit der gleichen Empathie gesundheitsförderlich, also aus sich heraus behaglich und gleichzeitig dem Außenraum angebunden. Wenn nur eins davon fehlt, fehlt die Nachhaltigkeit ganz.“

Thermischer Komfort & Raumluft

Wer von Wohlbefinden im Wohnraum spricht, kommt am Thema thermischen Komfort nicht vorbei. Energieeffiziente Gebäude sind klar im Vorteil: In ihnen kann hoher Komfort, Behaglichkeit und angenehmes Wohnklima bei minimalem Energieaufwand erreicht werden. Die Studie „Behagliche Nachhaltigkeit – Untersuchungen zum Behaglichkeits- und Gesundheits-Wert von Passivhäusern“ analysiert die wesentlichen Faktoren für gesundes Wohnen: „Im Passivhaus bedingen die hohen Innenoberflächentemperaturen im Winter ein Strahlungsklima, welches als sehr behaglich empfunden wird. Diese hohe Behaglichkeit wird bei Häusern, die nicht mit dem Energiestandard eines Passivhauses errichtet sind, nur mit Heizkörpern unter dem Fenster, einer Wandheizung oder einer Fußbodenheizung erreicht “

Ähnliches gilt für die Raumluft: Auch sie hat starken Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Die Studienautoren: „Ohne Austausch mit der Außenluft steigt die CO2 -Konzentration in bewohnten Räumen schnell an. Ab bestimmten Konzentrationen können Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Unwohlsein und Kopfschmerzen sowie Beeinträchtigungen von Leistungsfähigkeit auftreten. Eine Zusammenschau von Studien zu gesundheitlichen Wirkungen von Kohlendioxid zeigt, dass sich mit abnehmender CO2-Konzentration die sogenannten Sick-Building- Syndrom-assozierten Beschwerden (z.B. Reizungen und Trockenheit von Schleimhäuten, Müdigkeit, Kopfschmerzen) ebenfalls verringern.“

Vorteile kontrollierte Wohnraumlüftung

„Ohne Lüftungsanlage müssten zumindest alle zwei Stunden die Fenster kurz geöffnet werden, um die CO2 -Rate auf Werte unter den hygienischen Grenzwert (1.500 ppm) zu senken, ein in der Praxis – vor allem während der Nacht – undurchführbares Unterfangen“, erklärt die Studie. Zusätzlich sorgt die manuelle Fensterlüftung im Winter für einen erhöhten Energie- und Wärmeverlust, Zugluft und Lärmbelästigung.

Trotz offensichtlich nützlicher Funktionalität wird die kontrollierte Wohnraumlüftung aber teils noch immer skeptisch beäugt. Die Studie „Lüftung 3.0: Bewohner-Gesundheit und Raumluft-Qualität in neu errichteten, energieeffizienten Wohnhäusern“ vom Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO klärt auf: „Diverse Ansichten zu „Zwangslüftungsanlagen“ wie z.B. Schimmelbefall, vermehrtes Auftreten von gesundheitlichen Beschwerden oder verstärkte Luftzugerscheinungen wurden in der vorliegenden Studie nicht bestätigt. Generell wurden in Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen verglichen mit Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung im Durchschnitt deutlich geringere Schadstoffkonzentrationen in der Innenraumluft nachgewiesen.“

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Lüftungsart – mit oder ohne Wohnraumlüftungsanlage – einen hochsignifikanten Einfluss auf die Konzentration von Flüchtigen Organische Verbindungen (VOC) in der Raumluft hat und dass in Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung häufiger Richtwertüberschreitungen vorkamen. Ein signifikanter bzw. wesentlicher Einfluss wurde in Bezug auf die Konzentration an Formaldehyd, Kohlenstoffdioxid, Radon sowie bei Schimmelpilzsporen festgestellt. Keinen Einfluss hat die Art der Wohnraumlüftung bei Staubmilbenallergenen. Das Fazit zur Wohnraumlüftung: „Behauptungen, dass in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen vergleichsweise mehr negative Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden auftreten, konnten nicht gestützt werden. Die deutlich niedrigeren Schadstoffkonzentrationen in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen lassen vermuten, dass sich diese Technologie langfristig positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirkt.“

Pro Wohnraumlüftung

Aus eigener 15-jähriger Erfahrung als Passivhaus-Bewohner berichtet Günter Lang, Passivhaus Austria: „Während wir in herkömmlichen Bauten immer das Bedürfnis haben, bei offenen Fenster zu schlafen – trotz Straßenlärm, Staubbelastung, Geruchsbelästigung von Auto- und Mopedabgasen sowie Zugerscheinungen – haben wir im Passivhaus dank der Komfortlüftung das Bedürfnis nach offenen Fenstern überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil stellen wir fest, dass wir in der Früh viel ausgeschlafener und kreativer sind – also im Passivhaus einen gesunden Schlaf im wahrsten Sinne des Wortes genießen.“ Die Vorteile der Wohnraumlüftung bestätigt auch Franziska Trebut, Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT: „Im Passivhaus kann eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sogar die konventionelle Heizung ersetzen. Diese durchaus effizienzsteigernde Tatsache verstellt in Punkto Lüftungsanlage allerdings den Blick auf das Wesentliche: Es ist dies eine Anlage, um ausreichend Frischluft in dichten Innenräumen bereitzustellen.“

Frischer Neubau: deutlich höhere Belastung

Die IBO-Studie zur Wohnraumlüftung bestätigt aber auch die Sorge vor Schadstoffen im Wohnraum. Insbesondere stellt sie ein erhöhtes Ausmaß an VOC-Emissionen bei neuerrichteten Gebäuden fest: „Gründe dafür sind einerseits vermutlich die Verwendung von Lösungsmitteln bei Bau-Chemikalien und Materialien der Innenausstattung als auch sekundär die zu niedrigen Zuluftvolumenströme in den Räumen. Mehr Gewicht muss daher auf eine Emissionsreduktion durch die Auswahl wenigemittierender, schadstoffgeprüfter Baustoffe und Materialien gelegt werden.“ Zusatz: „Nicht in allen Fällen reicht der Betrieb der Wohnraumlüftungsanlage als alleinige Maßnahme zur Expositionsreduktion aus.“

Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Hochbau, generell zu gesundem Raumklima: „Es ist eine grundlegende Aufgabe von Architekten, bei Bauherren und Nutzern ein Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen. Wichtig ist z.B. zu verstehen, welche weitreichenden Auswirkungen die Baustoffwahl darstellt. Es geht dabei um viel mehr als nur um Optik, Haptik oder den Preis. Es geht auch um die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen.“

Ungesundes Dämmen?

Für gesundheitliche Bedenken sorgten kürzlich auch das Verbot des Brandschutzmittels HBCD, das u.a. in Dämmstoffen verwendet wird, aber auch die Verwendung von künstliche Mineralfasern als Dämmstoff. Erfreulich ist, dass die meisten österreichischen EPS-Hersteller bereits mit Jänner 2015 den Umstieg auf das alternative Flammschutzmittel pFR abgeschlossen haben. Heimische EPSProdukte der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (Marken Austrotherm, Austyrol, Bachl, Modrice, Röhrnbach, Brucha, EPS Industries, Flatz, Hirsch, Steinbacher, Swisspor) sind damit HBCD-frei. Ein aktueller Prüfbericht des Umweltbundesamtes über zehn übermittelte Proben liegt der Medienstelle vor. Allerdings: Rund 15 Prozent der in Österreich erhältlichen EPS-Platten werden importiert.

Dazu Robert Lechner, Österreichisches Ökologie-Institut ÖÖI und Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB: „Auch wenn Inhaltsstoffe von Dämmstoffen wie HBCD oder die grundsätzliche physikalische-chemische Beschaffenheit von Dämmmaterialien wie Mineralwolle in der Vergangenheit für einige besorgniserregende Erkenntnisse gesorgt haben, muss festgehalten werden, dass Panikmache fehl am Platz ist. Niemand in einem mit EPS oder Mineralwolle gedämmten Haus muss sich akut Sorgen um die Gesundheit machen. Sowohl die Gesetzgebung als auch die Industrie haben reagiert; als gefährlich oder bedenklich eingestufte Materialien wurden sukzessive aus dem Verkehr genommen und durch unbedenklichere Materialien ersetzt. Grundsätzlich muss bei allem Optimismus das Vorsorgeprinzip gelten: Wichtig sind mehr denn je zur Vermeidung von unbekannten Folgen deshalb alle nur erdenklichen Maßnahmen einer objektiven Technikfolgenabschätzung. Dieses Vorsorgeprinzip sollte aber für alle Lebensbereiche gelten, von der Ernährung über die Medizin, Telekommunikation, Bekleidung bis hin zum Bauwesen – Dämmstoffe brauchen dabei keine besondere Würdigung.“

 

 

 

Nachhaltig Bauen & Sanieren ist gar nicht umweltfreundlich – oder doch?

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Andrea Kraft, Energie- und Umweltagentur NÖ eNu
Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI
Bernhard Lipp, Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO
Astrid Scharnhorst, Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO

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Kurzfassung:

Medienpaket zum großen Vorurteil Umweltverträglichkeit

Der ökologische Sinn von nachhaltigem Bauen und Sanieren steht eigentlich längst außer Zweifel. In Detailfragen halten sich jedoch einige hartnäckige Vorurteile. Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen beantwortet diese Fragen, bringt neue Erkenntnisse aktueller Studien sowie die Fachmeinung namhafter, österreichischer Experten.
Die detaillierte Gesamtfassung mit allen Texten, Grafiken, Pressefotos und Studien finden sie auf der Webseite der Medienstelle unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt.

Ökologische Notwendigkeit

Einen der wesentlichen Hebel bei ökologischen Strategien stellen Energiesparmaßnahmen dar. Gebäude verursachen 32 Prozent des Endenergiebedarfs und ca. 40 Prozent des Primärenergiebedarfs in den meisten Industrieländern. Der Großteil der Energie wird in Mittel- und Nordeuropa für Raumheizung benötigt. In Österreich trägt die Raumwärme mit 28 Prozent zum Endenergiebedarf und mit 14 Prozent zu den österreichischen Treibhausgas-Emissionen (THG) bei.

Zukunft und Potential

Die aktuelle Studie „Energieszenarien bis 2050 – Wärmebedarf der Kleinverbraucher“ der TU Wien ermöglicht nun einen Blick in die Zukunft und zeigt, dass sich nachhaltiges Bauen und Sanieren ökologisch auswirken wird – und bei weiteren Maßnahmen noch kann. In der Arbeit wurden in mehreren Szenarien alle heimischen Gebäude und künftige Errichtungen einkalkuliert. Fazit: Bei bisher beschlossenen Maßnahmen kann der Energieeinsatz von 86 Terawattstunden TWh im Jahr 2012 auf 53 TWh (2050) gesenkt werden, bei noch ambitionierteren Maßnahmen sogar auf 40 TWh im Jahr 2050.
Die Energie- und CO2-Ersparnis durch thermische Sanierung und erneuerbare Energie belegt zudem eine neue Untersuchung im Auftrag des Klima- und Energiefonds. Dabei wurden fünf österreichische Mustersanierungsobjekte vor und nach der Sanierung analysiert. Das Ergebnis des Energiemonitoring: Die CO2-Reduktion der Projekte beträgt in Summe rund 105 Tonnen pro Jahr. Vereinzelt konnte durch den Einsatz von erneuerbarer Energie der Co2-Ausstoss gar auf Null Prozent reduziert werden. Die spezifische Heizendenergie konnte mindestens auf ein Drittel gesenkt werden.

Faktor Zersiedelung

Bei Ökologie im Bauwesen gilt es aber auch den Faktor Zersiedelung zu beachten. „Ein energieeffizientes Gebäude „auf der grünen Wiese“ ist kein positives Beispiel für Nachhaltigkeit. Die nachhaltige Gestaltung richtet sich vor allem nach den Faktoren Lage des Gebäudes, Flächenverbrauch und Wohnform“, stellt Andrea Kraft von der Energie- und Umweltagentur eNu fest: „Das freistehende Einfamilienhaus wird vielfach als erstrebenswerte Wohnform gesehen, da es für die Besitzer den höchsten Individualitätsanspruch erfüllt. Gleichzeitig ist aber mit dieser Wohnform der höchste Flächen- und Ressourcenverbrauch verbunden, was sich auch in den Kosten für die Erschließung und dem erhöhten Verkehrsaufkommen niederschlägt.“

Öko-Indikatoren zeigen Umweltfreundlichkeit

In einem sehr unterschiedlichem Ausmaß beeinflussen auch Baustoffe Umwelt und Gesundheit. Die Ökobilanz und Öko-Indikatoren geben darüber Auskunft. „In österreichischen Wohnbauförderungen und Gebäudebewertungsprogrammen kommt vorwiegend der Summenindikator Ökoindex 3 (OI3-Indikator) zur Anwendung. Damit haben ökologische Gebäudekennwerte im österreichischen Bauwesen Einzug in die Bewertung von Bauvorhaben gefunden. Bei den wichtigsten österreichischen Gebäudebewertungsstandards wie klimaaktiv und ÖGNB (TQB) sind diese seit Beginn verankert. In der Planung und Umsetzung lassen sich damit wesentliche ökologische Verbesserungen erzielen“, erklärt dazu Bernhard Lipp vom Österreichischen Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO.

Graue Energie: Dämmung amortisiert sich

Insbesondere gilt es die „graue Energie“ zu beachten: Jene Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird. Bei Nachhaltigkeits-Maßnahmen stellt sich immer die Frage, wann sie sich bezogen auf graue Energie ökologisch amortisieren, sprich: jene Energie eingespart haben, die für deren Herstellung und Entsorgung benötigt wurde.
Robert Lechner vom Österreichischen Ökologie Institut: „Die energetische und ökologische Amortisierung der Dämmstoffe von Niedrigstenergiegebäuden beträgt in der Regel wenige Monate bis maximal zwei Jahre. Ein hocheffizientes Gebäude ist auch bei kritischer Bilanzierung in der Lage, gegenüber einem Standardgebäude nach Baurecht zumindest 30 kWh Wärme pro Quadratmeter und Jahr einzusparen. Die Reduktion des Energieverbrauchs durch Dämmung ist sowohl hinsichtlich des Primärenergieverbrauchs als auch der CO2-Einsparung im wahrsten Sinne des Wortes wärmstens zu empfehlen.“
Generell gilt, so auch Astrid Scharnhorst vom IBO: „Die Dämmung von Gebäuden verringert den für ihre Beheizung und Kühlung erforderlichen Energieaufwand. Der Herstellungsaufwand vieler Dämmstoffe amortisiert sich dadurch ökologisch in sehr kurzen Zeiträumen.“
Auch das Argument es würde bei der Herstellung von Dämmplatten aus Polystyrol Erdöl verschwendet, stimmt so nicht: Zwar sind Wärmedämmverbundsysteme wie EPS-Platten tatsächlich Erdölprodukte, allerdings bestehen sie zu 98 Prozent aus Luft und nur zu zwei Prozent aus Polystyrol. Der Öleinsatz in Dämmungen amortisiert sich daher deutlich, da ein Vielfaches an Heizöl oder dessen Äquivalent eingespart wird.

Recycling von Dämmung – Lösungen zu HBCD

Im Idealfall ist eine Dämmung einer Wiederverwendung, oder wenigstens dem Recycling zuzuführen. Auch bei Polystyrol ist das grundsätzlich möglich und einige Unternehmen feilen bereits an technischen Lösungen, etwa unter Verwendung von Fräsen, aber: Aufgrund der bisherigen Verwendung des ab 2017 endgültig weltweit verbotenen Flammschutzmittels HBCD ist eine Nachnutzung aktuell nicht möglich.
Die neue Studie „Rückbau, Recycling und Verwertung von WDVS“ des Fraunhofer Institut für Bauphysik und das Forschungsinstitut für Wärmeschutz FIW München stellt dazu fest: Durch die Gefahreneinstufung des verwendeten Flammschutzmittels HBCD seien die Recyclingmöglichkeiten deutlich eingeschränkt. Im Sinne der Abfallvermeidung wird deshalb die „Aufdopplung“ empfohlen: Der bestehende Wärmeschutz wird dabei nicht demontiert, sondern durch eine zusätzliche Dämmschicht ertüchtigt. Am Lebensende einer EPS-Platte ist jedenfalls aktuell nur eine energetische Verwertung möglich, sprich Energierückgewinnung durch Verbrennung. Jedoch bieten sich durchaus Verfahren zur rohstofflichen Verwertung als Lösung an, die jedoch aufwendig und damit bislang kommerziell kaum nutzbar sind. Das soll sich nun ändern. Das sogenannte CreaSolv-Verfahren etwa gewinnt das reine Polymer Polystyrol durch seine spezifische Löslichkeit wieder, wodurch auch die Möglichkeit besteht HBCD abzutrennen und daraus Brom zu gewinnen. Eine erste Großanlage ist in Holland geplant. Recycling-Kapazität: rund 3.000 Tonnen im Jahr.

Heimisches EPS ist HBCD-frei

Erfreulich ist, dass die meisten österreichischen EPS-Hersteller bereits mit Jänner 2015 den Umstieg auf das alternative Flammschutzmittel pFR abgeschlossen haben. Heimische EPS-Produkte der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (Marken Austrotherm, Austyrol, Bachl, Modrice, Röhrnbach, Brucha, EPS Industries, Flatz, Hirsch, Steinbacher, Swisspor) sind damit HBCD-frei. Ein aktueller Prüfbericht des Umweltbundesamtes über zehn übermittelte Proben liegt der Medienstelle vor. Allerdings: Rund 15 Prozent der in Österreich erhältlichen EPS-Platten werden importiert. Anzumerken ist ebenfalls, dass der Medienstelle bislang keine wissenschaftlichen Langzeit-Untersuchungen über die Bedenkenlosigkeit von pFR vorliegen. Ähnliches gilt aber auch für diverse Inhaltsstoffe alternativer Dämmmaterialien.

Nachhaltig Bauen & Sanieren ist nicht wirtschaftlich – oder doch?

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Renate Hammer, Institut of Building Research & Innovation
Johannes Kislinger, Innovative Gebäude
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI
Bernhard Lipp, Österreichisches Institut für Baubiologie und – Ökologie IBO
Martin Ploss, Energieinstitut Vorarlberg
Alfred Waschl, International Facility Management Association (IFMA) Austria

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Kurzfassung

 

Medienpaket zum größten Vorurteil Wirtschaftlichkeit

Trotz zahlreicher positiver Studien und Fachmeinungen bleibt es eine vieldiskutierte Frage beim nachhaltigen Bauen und Sanieren: Rechnen sich die baulichen Maßnahmen in Hinblick auf Ökologie und Energieeffizienz auch wirtschaftlich? Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen hat sich diesem Thema im Detail angenommen und bietet Medienvertretern und Interessierten ein umfangreiches, breit recherchiertes Paket an grundlegenden Informationen, Fachkommentaren von namhaften, österreichischen Experten und den wesentlichsten Fakten aus brandaktuellen Studien – frei zur redaktionellen Verarbeitung zu unterschiedlichsten Teilthemen.
Die detaillierte Gesamtfassung mit allen Texte, Grafiken (Rohdaten auf Wunsch), Pressefotos und allen Studien finden Sie auf der Webseite der Medienstelle unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt.

Volkswirtschaftliche Notwendigkeit

Wer denkt, der Energieverbrauch in den heimischen Haushalten sinkt aufgrund von Krise und Umweltbewusstsein, irrt: Der klimabereinigte Endenergieverbrauch je Österreicher steigt seit 2012 wieder und lag nach aktuellen Energieberichten 2013 um rund 26 Prozent höher als im Jahr 1995. 2,2 Millionen sanierungsbedürftige Wohnungen oder rund 60 Prozent des gesamten Wohnungsbestands bräuchten eine energieeffiziente Sanierung. Die Sanierungsrate liegt in Österreich seit Jahrzehnten bei etwa einem Prozent, sprich es dauert 100 Jahre, bis der Gebäudebestand komplett durchsaniert ist. Noch dazu machen die thermischen Sanierungen nur einen Teil der Gesamtsanierungen aus. Was ist also wirtschaftlich (und nachhaltig)? Impulse zu nachhaltigem Bauen wie ein Sanierungsscheck der Bundes, der 2013 mit 132,2 Millionen Euro Fördermittel nachhaltige Investitionen von 847 Millionen Euro unterstützt hat und 12.715 Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen hat? Oder durch den Klimawandel drohende Schäden in Höhe von bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich – alleine in Österreich?

Aktuelle Studien belegen Wirtschaftlichkeit

Dass nachhaltiges Bauen und Sanieren zwar eventuell geringfügig mehr kostet, aber sich langfristig rechnen kann, belegen neue Studien. Da in den nächsten Jahrzehnten mit höheren Energiepreisen jeder Art zu rechnen ist, sind Gebäudekonzepte mit Schwerpunkt auf Energieeffizienz im Vorteil.

Kosten für nachhaltiges Bauen sinken

Eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien hat zudem die Herstellungskosten im Vergleich zum Baustandard Niedrigenergiehaus gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die Kosten für nachhaltiges Bauen sinken aufgrund technischer Entwicklungen, zumindest im mehrgeschossigen Wohnbau. Die Autoren einer weiteren Studie „Preisentwicklung Gebäudeenergieeffizienz“ stellen fest, dass in den letzten Jahrzehnten viele Bauteile günstiger und hochwertiger geworden sind: „Angesichts der Ergebnisse dieser Initialstudie scheint die These von der „steigenden Energieeffizienz als natürlicher Feind des kostengünstigen Bauens“ nicht haltbar zu sein.“

Bekenntnis zu Nachhaltigkeit gefordert

„Fakt ist: Ohne Energieeffizienz gibt es kein nachhaltiges Bauen. Es geht nicht mehr darum, ob der Klimawandel stattfindet, sondern nur mehr darum, wie stark oder unvorteilhaft die Konsequenzen daraus sind. Wer CO2 sparen will, baut und betreibt seine Häuser energieeffizient und mit einem möglichst vorteilhaften Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Bereitstellung des Restenergiebedarfs. Wer Gegenteiliges behauptet, stellt sich auf die Seite derer, die schon an der mittelfristigen Zukunft kein allzu großes Interesse zeigen und denen es möglicherweise – wirtschaftlich betrachtet – eher um eine vorteilhafte Gegenwart geht“, meint dazu Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI in seinem Fachkommentar.

Geringe Mehrkosten bei nachhaltigem Bauen

Aktuelle Studien und jahrzehntelange Baupraxis belegen die Wirtschaftlichkeit bei nachhaltigem Bauen. Lechner: „Im Rahmen zahlreicher von uns und ganz vielen anderen Expertinnen und Experten begleiteter Neubauten und Sanierungen kommen wir zu Investitionsmehrkosten von keinem bis wenigen Prozentpunkten für nachhaltiges, besonders energieeffizientes Bauen. Dabei spielen die verwendeten Materialien für den Hochbau eine weniger wichtige Rolle, als der technische Gebäudestandard. Vereinfacht: Null- und Plusenergie braucht heute (noch!) mehr Geld als Energieeffizienz; Energieeffizienz kostet unmerklich mehr als herkömmliche Stangenware.“ Und Günter Lang von Passivhaus Austria: „Im Idealfall kann der Passivhaus-Standard zu den gleichen Baukosten errichtet werden, die der Mindeststandard an Baukosten verursachen würde. Es kommt nur auf das Verhältnis zwischen Ausgaben für die thermische Gebäudequalität und für die Haustechnik an. Aber selbst bei Mehrkosten von zwei bis vier Prozent haben sich die eingesparten Energiekosten in wenigen Jahren mehrfach eingespielt. Und dabei sind die volkswirtschaftlichen Einsparungen noch gar nicht in Betracht gezogen.“

Neues Online-Tool belegt Wirtschaftlichkeit bei Dämmung

„Immer wieder wird in den Medien auf nicht ganz sachliche Weise gegen Wärmedämmung mobil gemacht: Teuer, nur für die Dämmstoffindustrie vorteilhaft, ineffizient, umweltschädlich, problematisch in der Entsorgung. baubook hat einen ökologischen Amortisations- und Wirtschaftlichkeitsrechner für Bauteile entwickelt, mit dem man selbst transparent überprüfen kann, ob sich eine Dämmmaßnahme rentiert und wie sie sich auf die Umwelt auswirkt. Klar ersichtlich ist aus den vielen Ergebnissen, dass sich Dämmen ökologisch und ökonomisch auszahlt“, präsentiert aktuell Bernhard Lipp, Österreichisches Institut für Baubiologie und – Ökologie (IBO), das AWR-Tool. Mit dem Rechner können verschiedene Dämmstärken, Baustoffe, Konstruktionen und Energieträger miteinander verglichen werden. http://www.baubook.at/awr/

Wirtschaftlich optimale Dämmstärke errechnet

Und noch eines zeigt der Rechner: die ideale Dämmstärke je nach Dämmstoff. Die ökologisch optimalen Dämmstoffstärken liegen meist im Bereich von 50 bis 120 Zentimeter. Ökonomisch betrachtet liegt der Optimalwert zwischen etwa 25 und 50 Zentimeter. Ein Beispiel: Bei mineralischen Wärmedämmplatten betragen die genaueren Optimalwerte ab mindestens 85 Zentimeter (ökologisch) für nicht erneuerbare Primärenergie und 23 Zentimeter (ökonomisch).

Ökologische Transformation

Johannes Kislinger, Innovative Gebäude: „Intelligent eingesetzte innovative Konzepte nutzen, um nachhaltige Lösungen zu finden ist das Ziel. Nicht mehr das Gebäude allein, sein Lebenszyklus und seine Nachnutzung stehen im Mittelpunkt, sondern der gesamte Kontext: Über das Gebäude hinausdenken heißt, globale Zusammenhänge mit seiner persönlichen Einstellung zum Miteinander in Einklang bringen, über die Nachbarschaft und Siedlung hinaus bis hin zu politischen Entscheidungen. Der Konsument bestimmt letzten Endes den Markt und macht damit Politik.“ Und Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation: „Es geht um einen Transformations-Prozess unseres Wirtschaftssystems weg vom Anspruch auf kontinuierlich mehr, hin zur Identifikation echter Bedürfnisse.“

COIN: Die Auswirkungen des Klimawandels in Österreich (Überblick)

Die Auswirkungen des Klimawandels in Österreich, beschrieben durch die COIN-Studie (Cost of Inaction – Assessing Costs of Climate Change for Austria): eine ökonomische Bewertung für alle Bereiche und deren Interaktion.

Autor: Institut für Volkswirtschaftslehre, Universität Graz

Auftraggeber: Klima- und Energiefonds

Erscheinungsjahr: 2015

COIN Die Auswirkungen des Klimawandels in Österreich

 

Wärme-Dämmung

Wärmedämmung ist ein wesentlicher Bestandteil für die Verminderung des Energieverbrauchs sowie der Energiekosten von Gebäuden und damit ein unverzichtbarer Baustein der Energiewende. Bis zu 85 Prozent der in einem Wohngebäude eingesetzten Energie wird für Raumwärme benötigt. Über eine nicht oder schlecht gedämmte Gebäudehülle geht ein Teil dieser Heizwärme wieder verloren. Durch den Einsatz von Dämmstoffen kann eine wesentliche Minderung dieser Verluste erreicht werden. Dämmstoffe schützen die Bauteile und auch die Behaglichkeit von Gebäuden wird erheblich verbessert.

Dämmstoffe sind im Hinblick auf das Kriterium Wärmedämmung nach den geltenden harmonisierten europäischen Normen DIN EN 13162 bis 13171 sowie der ÖNORM B 8110 „Wärmeschutz im Hochbaubewertbar. Als Faktor für die Wärmedämmung dient vor allem der Wärmedurchgangskoeffizient (Einheit: W/(m²·K)), auch U-Wert genannt. Je niedriger der Wärmedurchgangskoeffizient, desto besser ist die Wärmedämmeigenschaft des Dämmstoffes. Ebenso wird die Wärmeleitfähigkeit (Lambda λ, Einheit: W/(m·K)) herangezogen: Je kleiner der Wert, desto besser ist die wärmedämmende Wirkung. Weitere Faktoren: Die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl (µ) gibt den Widerstand gegen die Wasserdampfdiffusion im Verhältnis zur Luft an. Die Rohdichte (kg/m3) gibt das Gewicht von einem Kubikmeter Dämmstoff an. Das Brandverhalten zeigt die Baustoffklasse nach Norm 13501-1 an – von A1 (nicht entflammbar) bis E (normal entflammbar).

Gedämmt werden sollte die Fassade sowie die oberste (zum Dach) und unterste Geschossdecke (zum Keller), zudem sollte auf wärmedämmende Fenster und Türen geachtet werden. Es gibt Außen- wie Innendämmung.

Die Vorteile von Wärmedämmung sind umfangreich: Richtig eingesetzt schützt eine Dämmung die Bausubstanz. Der Wert eines Altbaus erhöht sich, bei einem Neubau bleibt der Wert länger erhalten. Aufgrund der Energieeffizienz sinken Betriebs- und Energiekosten. Durch Wärmedämmung herrscht ganzjährig ein ausgeglichenes Wohnklima, was die Wohnqualität erhöht. Die Gefahr von Schimmelbildung wird deutlich vermindert, Schwachpunkte in Hinblick auf Wärmebrücken werden eliminiert. Zu guter Letzt trägt Wärmedämmung zum Umweltschutz bei.

Wärmedämmung kann auf unterschiedliche Weise eingebracht werden. Am Gebräuchlichsten sind Dämmplatten, aber auch Matten, Schütt- und Einblasdämmstoffe finden häufig Anwendung.

Nachhaltiger Klimaschutz – ökologische, ökonomische und soziale Dimension von Klimaschutz-Maßnahmen

Die Studie der „Nachhaltiger Klimaschutz – ökologische, ökonomische und soziale Dimension von Klimaschutzmaßnahmen“ untersuchte die heimischen Klimaschutzmaßnahmen.

Autor: ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik

Auftraggeber: Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien

Nachhaltiger Klimaschutz – ökologische, ökonomische und soziale Dimension von Klimaschutzmaßnahmen, ÖGUT