Ökobilanz und Öko-Indikatoren

Kommentar von Bernhard Lipp,   Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO

„Eine Ökobilanz liefert Entscheidungsgrundlagen für die Optimierung umweltfreundlicher Produkt- und Gebäudelösungen, indem die Auswirkungen während der gesamten Lebensdauer des Gebäudes berücksichtigt werden. So kann die Gebäudequalität langfristig verbessert und Entscheidungshilfen für folgende Fragen zur Verfügung gestellt werden:

Was sind die besten Baumaterialkombinationen für ein Gebäude?
Welche Tragkonstruktion ist für das Gebäude am umweltfreundlichsten?
Welche Energieträger sollten für das Gebäude gewählt werden?
Was ist die optimale Dämmstärke?
Wie hoch ist die Recyclingfähigkeit einer bestimmten technischen Lösung?
Welche Umweltziele sind für ein Bauprojekt sinnvoll?

Damit Baustoffe, Konstruktionen und Gebäude ökologisch vergleichbar werden, werden die Aufwände für Herstellung, Nutzung und Entsorgung mit Ökobilanzen erfasst. Ökobilanzen sind auch Bestandteil von Umweltdeklarationen von Bauprodukten (Environmental Product Declarations, EPD). Die Ökobilanzierung (auch Life Cycle Assessment, LCA) ist eine wissenschaftliche, standardisierte Methode mit der Umweltauswirkungen von Produkten mit Zahlen (quantitativ) ausgedrückt. Zunächst wird eine Sachbilanz erstellt, in der sämtliche Materialien, Transporte und Prozesse sowie die Emissionen in Wasser, Boden und Luft und die Abfälle erhoben werden. In der darauf basierenden Wirkbilanz werden die Auswirkungen auf verschiedene Umweltkategorien abgeschätzt.
Die gebräuchlichsten Werte sind diejenigen für Primärenergieinhalt als Ressourcenindikator bzw. Treibhauspotenzial und Versäuerungspotenzial, als Emissionswirkungen. Als Ressourcenindikator wird oft der Gesamteinsatz nicht erneuerbarer Primärenergieinhalt PENRT, also die Primärenergie die energetisch als auch stofflich zur Herstellung des Bauproduktes genutzt wird, verwendet. Das Treibhauspotential (Global Warming Potential, GWP) beschreibt den Beitrag einer Substanz zum Treibhauseffekt relativ zum Beitrag einer gleichen Menge Kohlendioxid (CO2). Treibhauswirksame Gase können durch die Verwendung von XPS-und PU-Platten, die mit Luft geschäumt werden, vermieden werden. Auch das Montieren von Fenster- oder Türrahmen mithilfe von z.B. Stopfwolle hilft: 1 Dose PU-Montageschaum mit 85 g HFKW entspricht 280 g CO2-Äquivalenten (und enthält gesundheitsgefährdende Isocyanate). Versäuerung (Acidification Potential) wird hauptsächlich durch die Wechselwirkung von Stickoxid- (NOx) und Schwefeldioxidgasen (SO2) mit anderen Bestandteilen der Luft verursacht. Es ist dient als Maß für die lokale Emissonen bzw. saubere Luft im Umfeld der Produktionsstätten bzw. der Gebäude in der Betriebsphase.
In österreichischen Wohnbauförderungen und Gebäudebewertungsprogrammen kommt vorwiegend der Summenindikator Ökoindex 3 (OI3-Indikator) zur Anwendung. Der OI3 Indikator ist eine dimensionslose ökologische Kennzahl für das Gebäude, die aus den drei Indikatoren Primärenergiebedarf nicht erneuerbar, Treibhauspotenzial und Versauerungspotenzial gebildet wird.
Damit haben ökologische Gebäudekennwerte im österreichischen Bauwesen Einzug in die Bewertung von Bauvorhaben gefunden. Bei den wichtigsten österreichischen Gebäudebewertungsstandards wie klimaaktiv und ÖGNB (TQB) sind diese seit Beginn verankert. In der Planung und Umsetzung lassen sich damit wesentliche ökologische Verbesserungen erzielen.“

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