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Es geht um 2050, die Gegenwart ist der steinige Weg dorthin

Kommentar von Robert Lechner, Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Wenn heute über das Paris Agreement diskutiert wird, werden in erster Linie unklare Begriffe wie „weitgehende CO2-Neutralität“ oder das „2-Grad-Ziel“ eingebracht. Was im Diskurs über die richtige Deutung dieser Begriffe gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass die in der UN versammelte Staatengemeinschaft in Paris einen für die Zukunft der gesamten Menschheit entscheidenden Beschluss gefasst hat: Die negativen Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels müssen auf ein jetzt noch mögliches, vertretbares Ausmaß eingedämmt werden.

2 Grad – na und?

Erst jetzt kommt das 2-Grad-Ziel ins Spiel, welches im Übrigen von den allermeisten ExpertInnen als zu wenig ambitioniert betrachtet wird. Im Übrigen teilt dieses Bedenken auch die Staatengemeinschaft und deshalb enthält das Paris Agreement die seltsame Formulierung „2 Grad, besser 1,5 Grad“, was die Sache nicht verständlicher macht. Schon eine Erwärmung um „nur“ 2 Grad wird weltweit umfassende Veränderungen mit sich bringen: Das Verschwinden „kleiner“ Inselstaaten in der Größe österreichischer Bundesländer von der Landkarte, die Flutung küstennaher Gebiete, die Ausweitung der Wüstenzonen oder extrem trockener, heißer Gebiete oder große Verluste an Biodiversität weltweit sind nur eine kleine Auswahl bereits feststehender Konsequenzen, welche für die direkt Betroffenen fatale Konsequenzen mit sich bringen. Diesen Menschen wird schlichtweg die Lebensgrundlage entzogen, sie müssen „woanders“ hin. Aber auch bei uns wird sich vieles einschneidend verändern: Die Häufigkeit von wetterbedingten Extremereignissen wird sich wie jetzt schon bemerkbar deutlich erhöhen, die winterliche Null-Grad-Zone in den Alpen wird deutlich nach oben wandern und den Wintertourismus in vielen Regionen ad absurdum führen.

Galt bis jetzt die Konzentration auf die Reduktion des Heizwärmebedarfs, so ist davon auszugehen, dass künftig die sommerliche Übererwärmung von Gebäuden ein großes Problem darstellen wird. Davon betroffen sind vor allem „versiegelte Hitzeinseln“, wie sie in ganz Österreich in städtischen Gebieten anzutreffen sind. Damit kein Missverständnis aufkommt: Heizen werden wir trotzdem müssen. Auch diese Liste negativer Folgen von „nur 2 Grad Erwärmung“ ließe sich noch lange fortsetzen. Da verblassen die als positiv dargestellten Folgen, wie sie gerne von Klimawandelskeptikern ins Treffen geführt werden. Was bringt uns die Tatsache, dass sich aufgrund der klimatischen Veränderungen grundsätzlich die landwirtschaftlichen Nutzzonen ausweiten können, wenn sich noch häufiger als bisher Starkregenereignisse, Überschwemmungen oder Murenabgänge auf der anderen Seite der sprichwörtlichen Medaille finden? Diese Entwicklung kann niemand wollen, diese Entwicklung ist soweit es noch möglich ist, auf ein Minimalausmaß zu reduzieren. In Anbetracht der gegenwärtigen Ausrichtung von Weltwirtschaft, Konsumverhalten und einer explodierenden Weltbevölkerung stellen die damit zusammenhängenden Maßnahmen die wahrscheinlich größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte dar.

Weitgehend CO2-neutral – das sind wir doch, dafür haben wir doch schon so viel getan?

Womit wir beim schmerzhaften Kern der Sache angelangt sind. Eine durchschnittliche weltweite Erderwärmung im Ausmaß von 2 Grad Celsius ist nur dann möglich, wenn bis allerspätestens zur Mitte des Jahrhunderts die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf „weitgehend Null“ reduziert werden.

Über den Terminus „weitgehend“ kann leidenschaftlich gestritten werden, wobei eines klar ist: Fokussiert man auf „1,5 Grad“, dann sprechen wir tatsächlich von einer „CO2-neutralen“ Welt. Bei „2 Grad“ wird – je nach Interessenslage – angenommen, dass die Treibhausgasemissionen auf ein Ausmaß von fünf bis maximal 15 Prozent der Emissionen aus dem Jahr 1990 reduziert werden müssen. Ab diesem Zeitpunkt der Erkenntnis müsste es bei der Zielbeschreibung sehr einfach werden: Österreich war im Jahr 1990 für Treibhausgasemissionen im Ausmaß von rund 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich. Fünf Prozent davon sind 4 Millionen Tonnen, 15 Prozent ergeben 12 Millionen Tonnen. Null ergibt auch in dieser Rechenübung schlichtweg „Null“.

Die österreichische CO2-Bilanz ergibt laut aktuellster Prognose des Umweltbundesamtes für das Jahr 2015 knapp 78,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, Österreich ist am selben Stand wie vor 25 Jahren. Und das ist schlichtweg: Schlecht, beschämend, nicht akzeptabel. Die sektorale Aufteilung der Emissionen benennt klar die Verursacher dafür. Während der Gebäudesektor seine Emissionen um rund 40 Prozent (oder 5,1 Mio t) reduzieren konnte, sind die Emissionen im Verkehrssektor um rund 60 Prozent (oder 8,3 Mio t) gestiegen. Dass überhaupt die „Netto-Null“ erreicht werden konnte, ist Einsparungen im Bereich Landwirtschaft (1,5 Mio t), in der Abfallwirtschaft (1,2 Mio t) und dem Energie- und Industriesektor (1 Mio t) zu verdanken; bei den fluorierten Gasen ist ein leichter Anstieg in der Höhe von rund 0,5 Mio t zu bilanzieren. Alle Zahlen beziehen sich auf die aktuelle Schätzung des Umweltbundesamts für das Jahr 2015 („Now-Cast 2015“).

Aus der Sicht der Gebäudewirtschaft (besser: des Raumwärmebereichs) wäre also alles in Butter, gesamthaft ganz und gar nicht. Spätestens hier beginnt der „Kampf der Sektoren“, die sich unterstützt von „ihren“ Lobbyisten gerne die Schuld für das miserable Zwischenergebnis gegenseitig in die Schuhe schieben. Die einen verweisen dabei euphorisch auf ihre unglaublichen Erfolge, die anderen argumentieren damit, dass sie nur bedingt zur Verantwortung zu ziehen sind. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird jede noch so überzeugende Analyse zum Klimawandel und ihren Ursachen gezielt in Zweifel gezogen; jeder Versuch, ambitionierte und den Notwendigkeiten angemessene Maßnahmenprogramme zu entwickeln, wird durch eine ungewohnte Allianz aus extrem wirtschaftsliberaler Grundhaltung (Wachstum! Wachstum! Wachstum!) samt Nebengeräuschen (Weg mit den Reglementierungen!) und sozialpolitisch argumentierter Klientelpolitik „für den sogenannten kleinen Mann“ (Wir nicht – die anderen sind schuld!) samt gezielter Angstmache (Ausländer! Sozialschmarotzer!) torpediert und auf gut österreichisch: abgeschossen, bevor es noch ernsthaft diskutiert wurde. Und überhaupt: Noch im Jahr 2005 waren die Emissionen mit mehr als 90 Mio t deutlich höher, unser Anteil an der Welt ist verschwindend gering (siehe: Nebengeräusche, Angstmache, in weiterer Folge Verharmlosung) und vor allem: Bevor die anderen nichts tun … All das führt zu nichts, ist in Österreich (auch anderswo) eine altbekannte Strategie, die vor allem eines bewirkt: Stillstand, die aktuelle CO2-Bilanz Österreichs ist der beste Beleg dafür.

Gegen den Stillstand: CO2-Neutralität als gesellschaftspolitische Leitlinie

Zwischen Null und zwölf Millionen CO2-Äquivalent liegt – oberflächlich betrachtet – nicht viel, zwischen knapp 80 und 12 Millionen eine ganze Weltanschauung, mitsamt Wirtschaftssystem und allen dafür notwendigen Systemen des Stillstands. Als Erklärungsansatz dafür muss dann schon ganz tief in die Trickkiste gegriffen werden, die Lösung ist einfach: Der (durch den Menschen verursachte) Klimawandel findet gar nicht statt, ist von der Umwelttechnologie-Lobby erfunden oder gar von China. Wem stört es, wenn es ein bisschen wärmer wird? Auch hier gilt in Anbetracht von über 97 Prozent wissenschaftlicher Übereinstimmung schlichtweg: Schlecht, beschämend, nicht akzeptabel, ergänzt durch „Schwachsinn“.

Gehen wir davon aus, dass der Klimawandel stattfindet, dass wir aus einer reinen Vernunftüberlegung allerhöchstens zehn Prozent oder 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent zur Verfügung haben. Und dass wir alles unternehmen müssen, dass wir unsere heutigen Emissionen zumindest auf dieses Maß reduzieren müssen. Die wichtigste Frage lautet nicht – aus heutiger Perspektive – wie schaffen wir das? Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit unseren 8 Millionen Tonnen im Jahr 2050? Erst die Beantwortung dieser Frage kann uns den Weg weisen, wird die Grundlage für sämtliche Strategien und darauffolgende Maßnahmenprogramme und Investitionsentscheidungen sein. Ausgangspunkt für die Beantwortung dieser Frage sollten natürlich die vorhandenen Erkenntnisse und Analysen sein. Und da wird schnell klar, wofür wir auch im Jahr 2050 noch Treibhausgase exmittieren werden. Ernährung und Arbeit. Besser gesagt: Land- und Viehwirtschaft (Methan) und Industrie und Produktion mit prozessbedingter Notwendigkeit im Hochtemperaturbereich (Gas, Strom). Hoffentlich nicht für den Verkehr (berufsbedingt, freizeitbedingt), die Abfallwirtschaft. Mit Sicherheit nicht für den Gebäudebereich.

Ein paar Zahlenspiele mit ernstem Hintergrund dazu: Österreichs Landwirtschaftssektor ist derzeit für genauso viele Treibhausgasemissionen verantwortlich wie der Gebäudebereich; beide emittieren jeweils etwa 8 Millionen Tonnen. Das wäre also schon ein schneller Lösungsansatz: Wir lassen bei der Landwirtschaft alles wie es ist und alle anderen Sektoren müssen ihre Emissionen auf Null stellen. Oder eben beim Gebäudesektor. Bei der Landwirtschaft macht mehr als die Hälfte davon der Vergärungsprozess (Methan) bei den Wiederkäuern (Milch, Fleisch) aus. Knapp 3,5 Millionen Tonnen an Emissionen des Gebäudesektors verursachen die immer noch vorhandenen Ölheizungen. Würden wir alles so lassen, wie es jetzt ist, dann macht das in Summe genau die acht Millionen Tonnen aus, die wir vielleicht Mitte des Jahrhunderts verbrauchen dürfen. Also: Landwirtschaft und Gebäudesektor halbieren ihre Emissionen, alle anderen Sektoren müssen zur Gänze auf ihre Emissionen „verzichten“, und deshalb entweder aus dem Wirtschaftssystem genommen werden oder zu 100 Prozent auf erneuerbare Energieträger umstellen. Mit Verlaub: Das ist nicht realistisch.

Was ist ihnen lieber? 620.000 ölbeheizte Wohnungen oder Milch/Käse/Fleisch aus der österreichischen Landwirtschaft?

Die einfache Antwort auf diese schnelle Analyse lautet also: Raus aus der Ölheizung, und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Im Neubau von Wohnungen / Einfamilienhäusern müsste dafür sofort ein Verbot ausgesprochen werden und spätestens bei der Notwendigkeit zum Tausch vorhandener Ölkessel dürfte auch kein neuer mehr eingebaut werden. Alternativen gibt es genug und die CO2-Bilanz des Gebäudesektors wäre nahezu halbiert. Umsetzungsdauer: Ca. 30 Jahre, wenn sofort begonnen wird. So lange hält in etwa ein Ölkessel, bevor er ausgetauscht werden muss. Und bis heute werden sie eingebaut.

Weitaus schwieriger ist der nächste Schritt: Knapp 900.000 Wohneinheiten werden mit Erdgas beheizt, welches im Gebäudesektor für rund 3,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verantwortlich ist. Erdgas ist jener fossiler Energieträger, der im Vergleich zu Öl oder Kohle geringere CO2-Emissionen emittiert und gleichzeitig einen hohen Energieinhalt (Brennwert) besitzt. Und genau diese Eigenschaft macht Energieträger für alle Prozesse im Hochtemperaturbereich extrem interessant, wie sie etwa in Industrieprozessen oder in der zentralen Energiebereitstellung notwendig sind. Im Gebäudebereich ist generell von Niedertemperaturnutzung auszugehen, für deren Bereitstellung es zahlreiche Alternativen zu fossilen Brennstoffen gibt. Aktuell braucht die österreichische Industrie 6,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus dem Gasbereich. Wenn es also bis zum Jahr 2050 gelingt, im Industriesektor die gasbezogenen Emissionen um 40 Prozent effizienter zu machen und gleichzeitig im Raumwärmebereich aus der Gasnutzung auszusteigen, dann würden knapp 7 Mio t Treibhausgasemissionen eingespart werden.

Auch dazu gibt es eine klare Fragestellung für die Zukunft: Was ist ihnen lieber – 900.000 erdgasbeheizte Wohnungen oder die auf den Hochtemperaturbereich angewiesene Industrie mit ihren Arbeitsplätzen? Vorschlag: Der Gebäudesektor sollte auf Erdgas verzichten und diese für die Hochtemperaturnutzung geeignete Ressource dem Industriesektor „schenken“. Wenn dieser Überlegung Folge geleistet wird, heißt das nichts anderes, als dass in einem ersten Schritt im Neubau keine direkte (gebäudebezogene) Gasfeuerung für Raumwärmenutzung und fürs Kochen mehr zugelassen wird. In einem zweiten Schritt muss es darum gehen, die bestehenden Gebäude sukzessive aus der Gasversorgungen heraus zu nehmen und die benötigte Raumwärme mit Alternativen zu versehen.

Diese Alternativen werden nur erschließbar sein, wenn der Gebäudebestand deutlich effizienter wird, als er derzeit ist. Der thermisch-energetischen Sanierung kommt damit größte Bedeutung zu: Je weniger Energie grundsätzlich gebraucht wird, desto weniger muss durch Alternativen bereitgestellt werden. Umsetzungshorizont mit heutigem Stand: 70 bis 100 Jahre, da die Sanierungsquote von Bestandsgebäuden irgendwo um rund 1 Prozent dahin schleicht. Will man dieses Ziel aber bis 2050 erreichen, dann wäre eine Sanierungsquote von rund 3 Prozent jährlich notwendig. Wird diese erreicht und werden gleichzeitig die fossilen Energieträger aus dem Gebäudebereich zurückgedrängt, dann ist die Raumwärmeversorgung im Gebäudesektor „CO2-neutral“. Dass dafür auch die Stromproduktion in Österreich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern umgesetzt werden muss, versteht sich von selbst. Die Republik geht in aktuellen Prognosen davon aus, dass dieses Ziel in den nächsten 15 Jahren umsetzbar ist (Wind, PV, (kleine) Wasserkraft, Biomasse). Damit einhergehend wird es möglich sein, der Elektromobilität und damit dem Verkehrssektor einen entscheidenden Entwicklungsschub zu geben.

Dass unabhängig davon sämtliche Sektoren umfassende und ambitionierte Programme realisieren müssen, liegt auf der Hand. Maximal 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2050 bedeuten eine vollkommene Neuausrichtung der österreichischen Wirtschaft, des Energiesystems und letztlich auch des Ressourcenverbrauchs bei der Bevölkerung. Die aufgezeigten Verlagerungspotenziale vom Gebäudesektor in Landwirtschaft und Industrie sind exemplarischer Natur; auch bei vollständiger Umsetzung dieser Vorschläge geht die Rechnung nicht auf. Aber ohne einen CO2-neutralen Gebäudesektor fehlt jegliche Basis für die notwendige Transformation, da schon aus diesem Sektor bereits heute der Zielwert für das Jahr 2050 emittiert wird.

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Experten-Befragung: Leistbarkeit und Energie-Effizienz kein Widerspruch

Neben der heurigen Expertenbefragung „Zukunft Bauen“ bestätigt auch eine Studie des Energieinstituts Vorarlberg die Rolle der Energieeffizienz für die Leistbarkeit.

Warum steigen die Wohnungskosten? Das hat wenig mit dem Bauen selbst zu tun. Größte Kostentreiber – neben fehlender Planung – sind Grundpreise und andere marktbedingte Faktoren:

  • Die Bevölkerung wächst und braucht mehr Wohnraum.
  • Das Angebot ist nicht ausreichend groß.
  • Vorhandene Wohnungen kommen nicht auf den Markt.
  • Wegen der Zinssituation sind Vorsorgewohnungen und Immobilieninvestition zunehmend gefragt.

Wir erleben also einen typischen Verkäufermarkt: die Nachfrage ist größer als das Angebot, demnach ist das Güterangebot relativ knapp, und die Preise haben die Tendenz zu steigen.

Billiger bauen als Abhilfe?

Würde es helfen, zwecks Senkung der Baukosten bei der Energieeffizienz zu sparen? Die klare Antwort ist: Nein. Vielmehr ist Energieeffizienz ein stabilisierender Faktor, wenn man die Lebenszykluskosten betrachtet. Das bestätigen die Aussagen der Expertenbefragung „Zukunft Bauen“ nachdrücklich:

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79 Prozent der Befragten halten die Lebenszyklus-Kosten für wichtig: ‚Leistbarkeit muss alle Kosten über den ganzen Lebenszyklus erfassen: Bauen, Betrieb und Erhaltung, Renovierung (und Umgestaltung), Abriss, Wiederverwertung, Entsorgung.‘ (Note 1,66). Sogar 86 Prozent meinen, primär braucht man ein umfassendes Konzept: ‚Wird beim Gebäudekonzept gespart, etwa bei Gebäudehülle, Lüftung, Sonnenschutz, führt das langfristig zu Mehrkosten und/oder Komfortverlust.‘ (Note 1,60). Die Zweckbindung der Wohnbauförderungsmittel wünschen sich drei Viertel zurück (Note 1,79).
Letztgereiht findet sich die Frage, ob ‚heutige Ausgaben schwerer wiegen als zukünftige Ersparnisse‘. Die unentschiedene Durchschnittsnote (3,08) verbirgt eine Polarisierung, denn Zustimmung / Ablehnung sind mit 37,1 / 41,2 Prozent der Antworten etwa gleich groß.

Lieber gut investieren als später draufzahlen

Die EIV-Studie „KliNaWo“ (siehe Anhang) unterstreicht diese Ergebnisse der Expertenbefragung:

  1. Die (geringen) Mehrkosten hocheffizienter Gebäudevarianten werden im Lebenszyklus durch geringere Betriebskosten mehr als kompensiert.
  2. Die Kostenoptima des Primärenergiebedarfs liegen – auch ohne Förderung – weit unter den derzeitigen und den geplanten Grenzwerten der Bauordnungen und der Wohnbauförderungen
  3. Lebenszykluskosten sollten verstärkt als Entscheidungskriterium herangezogen werden.

Das magische Dreieck „Leistbarkeit – Energieeffizienz – Baukultur“

Auch für das Querschnittsthema Baukultur wurde vermutet, dass es zu den anderen Themen quer liegen könnte. Die Expertenbefragung hat ausdrücklich danach gefragt: Die Aussage ‚Leistbarkeit, Energieeffizienz und Baukultur gehören zu den vielfältigen Rahmenbedingungen einer guten Planung und sind zu berücksichtigen.‘ findet 87,9 Prozent Zustimmung mit Note 1,54.
69,3 Prozent der Befragten meinen, dass ‚Leistbarkeit und Energieeffizienz „gut zu vereinbaren“ sind‘ (Note 2,17). Wie immer wurden klimaaktiv-Partnerinnen/Partner und Nicht-Partner auch getrennt ausgewertet: Bei diesem Punkt ist die Zustimmung der klimaaktiv-Gruppe um eine halbe Note höher!

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Energieeffizienz ist ein Sanierungsthema

Im Neubau fallen bei frühzeitiger ganzheitlicher Planung kaum noch relevante Mehrkosten an. Die Sanierung hingegen bleibt eine Herausforderung, Planung und Ausführung sind aufwändig, und Förderung, etwa durch den Sanierungsscheck, bietet wenig Anreiz. Das meinen jedenfalls die Befragten, und sehen die Förderstellen unter Zugzwang: jeweils 76 Prozent stimmen den folgenden beiden Aussagen zu:
‚Die Sanierungsrate steigt viel zu langsam und liegt deutlich unter den Erwartungen‘ (Note 1,89) und ‚Die ‚staatliche Förderung für thermische Sanierung muss massiv ausgebaut werden, um die Sanierungsrate zu erhöhen und die Qualität zu steigern‘ (Note 1,93).

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Die drei weiteren Aussagen polarisieren stark:
‚Maßnahmen wie Dämmung im Übermaß oder zwangsweise Lüftung haben mehr Nachteile als Vorteile und rechnen sich nicht.‘ bekommt 42,8 Prozent Zustimmung und 41,4 Prozent Ablehnung (Note 3,00).
Sind nun die Anforderungen zur Energieeffizienz (im Neubau) zu gering oder zu hoch?

Um möglichst klare Antworten zu bekommen, haben wir separat gefragt:
‚Die Anforderungen … sind zu gering‘ findet mit jeweils 36,6 Prozent gleichermaßen Zustimmung und Ablehnung (Note 3,03). ‚Die Anforderungen … sind zu hoch‘ bejahen ein Drittel (33,6 Prozent), während beinahe die Hälfte (47,8 Prozent) nicht zustimmt, also höhere Anforderungen befürwortet. In Summe ergibt sich ein Übergewicht für höhere Anforderungen von 84,4 zu 70,2.
Auch bei dieser Frage zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen klimaaktiv-Partnerinnen/Partnern und Nicht-Partnern. Den Aussagen 1, 2 und 4 stimmt die klimaaktiv-Gruppe mehr zu als die übrigen Befragten, 3 und 5 hingegen weniger. Bei allen fünf Themen unterscheiden sich die Bewertungen signifikant!

Kostenoptimalität

Die Berechnung der ‚Kostenoptimalität‘ berücksichtigt Faktoren wie Lage, Gebäudetypen und Energiepreise. Laut „Zukunft Bauen“ sind die wichtigsten Einflussgrößen Politik und ‚die Märkte‘.
80 Prozent stimmen zu, dass ‚Die neuen Klimaziele – Energieverbrauch minus 40 % bis 2030 – noch konsequentere Vorgaben für Energieeffizienz und erneuerbare Energie im Gebäudebereich erfordern.‘ (Note 1,63); 73 Prozent meinen ‚Die derzeit niedrigen Energiepreise für fossile Energie verfälschen die Erwartungen und führen so zu falschen Investitionsentscheidungen.‘ (Note 1,69).

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Nur etwas weniger hoch ist die Zustimmung für ‚Bei einem Betrachtungszeitraum von 30 Jahren liegen energieeffiziente Gebäude (das sind zumindest Niedrigstenergiegebäude) im kostenoptimalen Bereich.‘ (Note 1,95) und ‚Die Förderungen für Neubauten und Sanierungen sollen sich vermehrt dem Thema Kostenoptimalität und Lebenszykluskostenbetrachtung (LCC) widmen.‘ (Note 2,02).

Klimaschutz: 84 % gegen Ölheizung im Neubau, 56 % gegen Gas

Die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2° Celsius, möglichst nur 1,5°, wurde bei der Pariser Klimakonferenz COP21 vorgegeben und von der EU am 4.11. beschlossen. Daher soll bis 2050 auch die Verwendung der fossilen Energieträger drastisch reduziert werden. Dementsprechend meinen 84 Prozent ‚Ölheizungen sollen bei Neubauten (egal ob gefördert oder freifinanziert) nicht mehr zur Anwendung kommen.‘ (Note 1,60), und auch für ‚Gasheizungen‘ meinen das bereits 56 Prozent (Note 2,50). Eine aktuelle Studie (siehe Anhang 2) unterstreicht das: „Billiges Erdgas würde dazu führen, dass bis 2050 sogar mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als heute.“

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Fast 60 Prozent der Expertinnen und Experten befürworten ‚Die energetischen Anforderungen bei Neubauförderungen sollten weiterhin deutlich (mind. 25%) über den Bauordnungsstandards liegen.‘ (Note 2,39), ebenso viele widersprechen der Aussage ‚Fossile Energieträger können vor 2050 nicht ersetzt werden, weil unsere Lebenssysteme danach ausgerichtet sind.‘ Das heißt, 57 Prozent halten Fossile Energieträger vor 2050 für ersetzbar, nur 27 Prozent nicht.

Newsletter #10 der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Liebe(r) MedienvertreterIn!
Liebe(r) FreundIn des nachhaltigen Bauens!

Am 4. November tritt das Klimaabkommen in Kraft. Passend dazu wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Road to Zero“ über die Verantwortung der öffentlichen Hand diskutiert. Wer den Event verpasst hat, kann sich jetzt trotzdem ein Bild machen: Die Statements der Podiumsteilnehmer gibt´s auch als ausführliches Video zum nachschauen.

Ganz frisch ist zudem der Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“, eine Kooperation zwischen Medienstelle und Klima- und Energiefonds, der mit den Mythen des nachhaltigen Bauens aufräumt. Den neuen Faktencheck gibt es online und als Broschüre.

Wie immer sind alle Inhalte frei zur redaktionellen Nutzung. Wir freuen uns über Ihre mediale Begleitung – ganz im Sinne von mehr Nachhaltigkeit.

Mit lieben Grüßen,
Helmut Melzer
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt


Inhalt:

Artikel & Presseinfos

  • Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand
  • Gold für Parlamentssanierung
  • Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“

Videos

  • 10 Fragen an Passivhaus-Pionier Wolfgang Feist
  • Leistbares Wohnen – der Mailand-Vergleich

Studien

  • IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand auf Ebene der Nutzungseinheit

Nachbericht

  • Facility Management-Day
  • ARC-Enquete

Infos des Netzwerkes

  • Nachhaltiges Bauen – Masterprogramm der TU Wien
  • Investor Confidence Project als globaler Standard für Energieeffizienz

save the date

  • Wege zum Fast-Nullenergie-Gebäude
  • Klimaschutz-Preis 2016
  • Passivhaus-Tage 2016
  • Blackout – Resilienz durch Innovation?
  • Kongress der IG Lebenszyklus Bau
  • BAUZ Wiener Kongress für zukunftsfähiges Bauen
  • Int. Passivhaus-Tagung in Wien

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Artikel & Presseinfos

Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand – mit Video

Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier? „300 Tage nach Paris“ befasste sich die ÖGNB Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich. Mit umfassenden Video und kurzer Zusammenfassung.

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 Gold für Parlamentssanierung

Das Parlamentsgebäude erhält von klimaaktiv und ÖGNB für die vorliegende Planung die Auszeichnung „klimaaktiv GOLD“ und „ÖGNB Gold“, welche erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben wurden.

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 Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“

Fakten statt Mythen bietet die neue Broschüre des Klima- und Energiefonds in Kooperation mit der Medienstelle. Eine interaktive Webseite wird demnächst online gehen, die gedruckte Broschüre ist in den kommenden Wochen auf zahlreichen Veranstaltungen zu ergattern. Auch ein Download einer PDF-Version wird angeboten.

Zu den PDFs
Zur Webseite


Videos

Video: 10 Fragen an Passivhaus-Pionier Wolfgang Feist

Durch sein Engagement für das Passivhaus hat Prof. Dr. Wolfgang Feist beträchtlich zu mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich beigetragen. Die 10 Fragen gibt es als Video.

Ansehen.


Video: Leistbares Wohnen – der Mailand-Vergleich

Zwischen 1980 und 2008 ging in Italien das staatliche Engagement im Wohnbau stark zurück. Die Wohnbauförderung wurde abgeschafft, der Wohnbau dem privaten Markt überlassen. Die Folgen sind dramatisch. Aus Mailand haben wir dieses Video mitgebracht – mit Eindrücken von Wohnhausanlagen von Zaha Hadid & Co.

Ansehen.


Studien

IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand

Innendämmung wird als bauphysikalisch anspruchsvoll angesehen – zu Recht. Für die Sanierung einzelner Eigentumswohnungen ist sie aber oft der einzige Weg zu mehr Komfort, Werterhalt und Energieeinsparung. Wie eine Innendämmung einwandfrei funktioniert, wurde erforscht, praktisch umgesetzt und die Zustände bis zu 2 Jahre nach Einbau überprüft.

Zum Fachkommentar
Zur Studie


Nachbericht

FM-Day 2016 – mit Video

Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Herbst, fand Ende September der zweite österreichische FM-Day der Facility Management Austria und IFMA Austria unter dem Motto „Dimensionen schaffen. Generationserfolge sichern.“ im Park Hyatt Vienna, im Zentrum von Wien, statt.

Weitersehen.


ACR-Enquete 2016

Das Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium und die ACR – Austrian Cooperative Research zeichneten wieder drei besonders innovative Forschungsprojekte von kleinen und mittleren Unternehmen mit ACR Forschungsinstituten aus. Vizekanzler und Wirtschafsminister Reinhold Mitterlehner und ACR-Präsident Martin Leitl übergaben am 3. Oktober den ACR Kooperationspreis 2016 sowie den Woman Award.

Weitere Infos


 Infos des Netzwerks

Nachhaltiges Bauen – Masterprogramm der TU Wien

Nachhaltiges Bauen ist ein wichtiger Trend in der Bauwirtschaft auf den die Technischen Universitäten in Wien und Graz mit diesem Weiterbildungsangebot reagiert haben. Ziel des gemeinsamen Universitätslehrgangs ist es, ein Bewusstsein für ganzheitliche, lebenszyklusorientierte Betrachtungen von Bauaktivitäten im Hinblick auf das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit zu schaffen.

Der Lehrgang ist berufsbegleitend organisiert und wird als Masterprogramm (4 Semester) und als Zertifikatslehrgang (2 Semester) angeboten.


Investor Confidence Project als globaler Standard für Energieeffizienz

Washington, D.C., USA – Green Business Certification Inc. (GBCI) und der Environmental Defense Fund (EDF) geben eine strategische Zusammenarbeit zur gemeinsamen Entwicklung und Etablierung von EDFs Investor Confidence Project (ICP) als weltweit führenden Underwriting Standard für Energieeffizienzprojekte bekannt. ICP wird Teil von GBCIs Portfolio an fachlichen Akkreditierungen und Zertifizierungen und beide Organisationen werden gemeinsam an einer Beschleunigung von Investitionen in Energieeffizienz arbeiten.

Mehr dazu.


save the date

Wege zum Fast-Nullenergie-Gebäude

Die FH OÖ Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaften und der FH OÖ Studiengang „Öko Energietechnik“ laden zur Tagung „klimaaktiv bauen und sanieren: Wege zum Fast-Nullenergie-Gebäude“ am 16. November ein.


Klimaschutz-Preis 2016

Die Gewinner-Projekte zum Klimaschutzpreis werden bei der Preisverleihung am 14. November in der Siemens City ausgezeichnet. Die besten Projekte von 2008 bis 2015 sind online zu sehen.

Weitere Infos.


Passivhaus Tage 2016

Vom 11. bis 13. November haben Sie die Gelegenheit weltweit Passivhäuser zu besichtigen. Einen umfangreichen Überblick liefert die Webseite der Passivhaus Austria.

Weitere Infos.


„Blackout – Resilienz durch Innovation?“

Am 3. November wird die Plattform Innovative Gebäude mit Unterstützung des BMVIT einen Event zum Thema „Blackout – Resilienz durch Innovation“ in Wien abhalten. Was tun, wenn der Strom längerfristig ausfällt? Innovative Gebäude geben die Antwort.

Weitere Infos


Kongress der IG Lebenszyklus Bau

Die Digitalisierung umfasst alle Wirtschaftszweige: In der Bauwirtschaft sehen 93 Prozent der Unternehmen einen Einfluss der Digitalisierung auf ihre Geschäfts- und Arbeitsprozesse. Doch was sind die Voraussetzungen dafür, dass das auch wirklich funktioniert? Ist die Bau- und Immobilienbranche in Österreich schon so weit, die digitalen Möglichkeiten voll auszuschöpfen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt des 6. Kongresses der IG Lebenszyklus Bau am 17. November.

Weitere Infos.


BAUZ Wiener Kongress für zukunftsfähiges Bauen

Was wird anders? Das ist das Motto des nächsten BauZ! Kongresses von 15. bis 17. Februar 2017. Das Motto bezieht sich auf das Paris Agreement von 2015, also die Vereinbarung die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2050 zu erreichen. Was muss/könnte/sollte/dürfte sich beim Planen und Bauen in den kommenden Jahren ändern, damit dieses Ziel erreicht werden kann?

Weitere Infos.


Int. Passivhaus-Tagung in Wien

Passivhaus-Experten kommen am 28. und 29. April 2017 im Messe Wien Congress Center zusammen. Das Schwerpunktthema der 21. Tagung lautet „Passivhaus für alle“.

Weitere Infos.

 

Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen ist ein unabhängiger Mediendienst und wird vom Ministerium für ein lebenswertes Österreich gefördert.

 

Fakten-Check Nachhaltiges Bauen

Die Broschüre „Nachhaltiges Bauen“ räumt mit Mythen und Vorurteilen beim nachhaltigen Bauen auf. Eine Produktion des Klima- und Energiefonds in Zusammenarbeit mit der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Autor/Auftraggeber: Klima- und Energiefonds, Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Erscheinungsjahr 2016

Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“ lang

Faktencheck „Nachhaltiges Bauen“ kurz

Innendämmung – Lösungen für sofort.

Kommentar von Tobias Steiner und Barbara Bauer, IBO GmbH

Innendämmung wird als bauphysikalisch anspruchsvoll angesehen – zu Recht. Für die Sanierung einzelner Eigentumswohnungen ist sie aber oft der einzige Weg zu mehr Komfort, Werterhalt und Energieeinsparung. Wie eine Innendämmung einwandfrei funktioniert, wurde erforscht, praktisch umgesetzt und die Zustände bis zu 2 Jahre nach Einbau überprüft.

Alte Häuser haben oft einen Charme, der über so manche Unbequemlichkeit hinwegsehen lässt. Dazu gehören auch Kälte bei den relativ dünnen Feuermauern oder den anderen Außenmauern. Für so manchen Wohnungseigentümer wäre mehr Komfort mit warmen Wänden ein verlockendes Angebot. Mit dem heutigen Wissen sind Innendämmungen sicher und praktikabel, wie das Forschungsprojekt zeigt. Dennoch: jedes Bauvorhaben ist anders und eine fachgerechte Planung und Ausführung sind Pflicht, damit am Ende alle zufrieden sind.

Im Forschungsprojekt wurden 7 Objekte, darunter ein Kellerausbau in einem Haus aus den 1970erJahren und eine Wohnung in einem Gründerzeithaus über einen Zeitraum von über 2 Jahren begleitet. Ausprobiert wurden unterschiedliche Produkte bzw. Systeme für die Innendämmung, aber auch Mess-Systeme für die Langzeitbeobachtung bei kritischen Zuständen, wie das bei Sanierungen ja der Fall sein kann.

Dabei wurde festgestellt, dass zwar jedes Bauvorhaben anders ist, dennoch für einzelne Epochen und Bauweisen Mustersanierungslösungen möglich sind. Diese Lösungen lassen sich dann für das individuelle Projekt anpassen. Untersucht wurde auch die Eignung von nachwachsenden Rohstoffen als Dämmstoffen. Denn Produkte, die mit der Energie der Sonne entstehen, sparen nicht nur Heizenergie, sondern u.a. auch graue Energie, die bei der Herstellung anfällt. Beschrieben werden im Forschungsbericht die Eignung von Kork-, Stroh-, Zellulosefaser- und Holzfaserplatten als Material für die Innendämmung. Vorweg: geeignet sind alle. 19 Innendämmsysteme wurden dafür, jeweils in Kombination mit verschiedenen Energieträgern für die Heizung, nach ökologischen und ökonomischen Kriterien beurteilt.

Beruhend auf den Forschungserkenntnissen bietet das IBO an, für einen Umbau einen bauphysikalisch abgestimmten Systemvorschlag zu entwickeln.
Produktneutral werden Materialvorschläge, die passende Dimensionierung und die Verarbeitungsbesonderheiten bzw. Baudetails für das jeweilige Projekt erstellt. Damit kann eine gesunde und ökologische Innendämmung sicher durchgeführt werden.

Vorteile sind nicht nur die größere Behaglichkeit und die Vorbeugung von Schimmelbefall. Begeisterte Bauherren berichten davon, wieviel größer ihnen die Wohnung nun vorkommt, obwohl sie durch die Innendämmung eigentlich kleiner geworden ist. Denn nun können sie den gesamten Raum nutzen, auch dort, wo früher niemand sitzen wollte, weil es zu kalt und ungemütlich war.
Auch bei Räumen, die nur zeitweise genutzt werden, hilft eine Innendämmung. Beispiel ist das Wochenendhaus, das schnell warm werden soll – mit einer Innendämmung verkürzt sich die Aufheizzeit deutlich.

Neben der Verbesserung der Wohnung– Wirtschaftlichkeit, Werterhalt, Komfortgewinn, Gesundheitsförderung – leistet eine Innendämmung auch Klimaschutz bewirken. Denn es lässt sich Heizenergie einsparen und damit Treibhausgasemissionen. Mit dem heutigen Knowhow, den ausgereiften Systemen und der bauphysikalischen Absicherung z.B. durch das IBO könnten Eigentumswohnungen ohne langwierige Miteigentümerabstimmungen sinnvoll saniert werden.

IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehr-geschoßigen Gebäude-Bestand

Im Forschungsprojekt „IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand auf Ebene der Nutzungseinheit“ wurden 7 Objekte, darunter ein Kellerausbau in einem Haus aus den 1970erJahren und eine Wohnung in einem Gründerzeithaus über einen Zeitraum von über 2 Jahren begleitet. Ausprobiert wurden unterschiedliche Produkte bzw. Systeme für die Innendämmung, aber auch Mess-Systeme für die Langzeitbeobachtung bei kritischen Zuständen, wie das bei Sanierungen ja der Fall sein kann.

Autor: IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH

Auftraggeber:  Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

Erscheinungsjahr: 2016

IDsolutions – Lösungen für die Sanierung mit Innendämmung im mehrgeschoßigen Gebäudebestand auf Ebene der Nutzungseinheit

Nachhaltige Wünsche an die öffentliche Hand

Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier?  „300 Tage nach Paris“ befasste sich die ÖGNB Österreichische Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der Klimaschutzziele im Gebäudebereich. Am 4. November tritt das Klimaabkommen in Kraft.

 

„Vier Prozent aller österreichischen Gebäude – 22 Prozent aller Bürogebäude, 30 Prozent der Gebäude für Verkehr, Kultur, Freizeit oder Bildung sowie 2,5 Prozent der Wohngebäude – befinden sich in direktem Eigentum von Bund, Länder oder Gemeinden – ohne ausgelagerte Institutionen mitzurechnen. Aus meiner Sicht hat die öffentliche Hand größten Einfluss auf den Gebäudesektor. Das Ziel muss sein: 2050 weitestgehend CO2-neutral zu sein. Der Gebäudesektor hat beste Voraussetzungen das zu erreichen“, stellt Robert Lechner von der ÖGNB fest.

„Im Gebäudebereich passiert recht viel, es sind die Technologien und das Know-how vorhanden – und trotzdem hebt die Nachhaltigkeit im Baubereich nicht so richtig ab“, meint Monika Auer von ÖGUT, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik. Ihre Wünsche an die öffentliche Hand: „Es braucht ein Ziel und man muss auch Stimmung dafür machen. Man muss einen gesellschaftlichen Diskurs führen: Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen kostet nicht nur, es bringt auch einen Nutzen.“

„Die globale Erwärmung soll deutlich unter zwei Grad Celsius und maximal auf 1,5 Grad reduziert werden. Mit den derzeitigen Zusagen der Staaten kommen wir dort aber nicht hin, sondern etwa auf 2,7 Grad. Seit 2005 gibt es eine Reduktion der Treibhausgase in Österreich, der Trend ist aber wieder durchbrochen: 2015 hatten wir wieder 2,3 Prozent mehr Emissionen. Wir haben einfach keine wirklich funktionierende Klimaschutzpolitik. Es braucht klare Ziele“, attestiert Johannes Wahlmüller von Global 2000. Was ist zu tun? „Es gibt Emissionen, die schwer vermeidbar sind, etwa in der Landwirtschaft. Im Gebäudebereich ist dagegen viel möglich, alle Technologien sind vorhanden. Man müsste bis 2050 den gesamten Gebäudebestand durchsanieren. Dafür bräuchten wir eine Sanierungsrate von drei Prozent, von der wir aber weit entfernt sind. Beim Neubau müsste man in Richtung Passivhaus-Standard kommen. Die Heizsysteme müssen künftig auf Basis erneuerbarer Energien laufen. Außerdem braucht es steuerliche Anreizsysteme. Dann kann es auch gelingen, dass die Ziele erreicht werden.“

„Ein ganz wesentlicher Teil der Bebauungsflächen stammen von der öffentlichen Hand, vor allem von der Gemeinde“, erklärt der Vorarlberger Bauexperte Karl Torghele, Firma Spektrum, und thematisiert die Kleinstrukturierung Österreichs: „Eine Vorarlberger Gemeinde hat durchschnittlich 3.300 Bewohner und deren Bürgermeister haben im Allgemein vom Bauen keine Ahnung. Weder das rechtliche noch das technische Basiswissen ist vorhanden.“ Durch ein gemeinsames Projekt mit dem Umweltverband bei dem eine Komplett-Beratung angeboten wird, konnte erreicht werden, dass seit 2011 90 Prozent aller Gebäude diesen Qualitätssicherungsprozess durchlaufen. Torghele betont: „Der Bürgermeister ist als Konsument und Endverbraucher zu verstehen. Wenn ich dem erkläre er bekommt eine gesunde Schule, fangen bei dem die Augen an zu leuchten. Dann kann ich ihn in diesem Moment auch überzeugen, dass er eine Lüftungsanlage einbaut. Und wenn dann auch noch das Thema regionale Wertschöpfung transparent wird, haben Sie den Bürgermeister auf Ihrer Seite. So ist aus der Schwäche der Kleinstrukturierung eine Stärke entstanden.“

„China hat nicht aus Gründen eines Kommitments den Klimazielen zugesagt, sondern die haben einfach eine miese Luft, die ihnen langsam ausgeht. Die machen das aus Bedrängnis. Bei uns ist die Bedrängnis offenbar noch nicht so groß. Nach wie vor kann mit Beschneiungsanlagen das Wichtigste gerettet werden“, meint Christian Pöhn von der Stadt Wien, MA39. Er erinnert an die Komplexität der Nachhaltigkeit: „Eine Umstellung auf Erneuerbare wird niemand bestreiten, das ist das Ziel. Aber die Frage ist wie das Ganze dann funktioniert. Es braucht eine Diskussion darüber was machbar ist. Wir müssen unbedingt die Zahl der Informierten erhöhen.“ Ab 2019 darf die öffentliche Hand ausschließlich Niedrigstenergiegebäude errichten, für Pöhn ein zweischneidiges Schwert: „Man sollte darüber nachdenken, wie viele Häuser überhaupt noch errichtet werden sollen. Und: Ob das Niedrigstenergiegebäude um zwei Prozent unter- oder überboten wird, ist schnurzegal. Entscheidend ist wie viele Bestandsgebäude wir auf ein vernünftiges Niveau sanieren können. Wir sollten sanieren, aber nicht drei Prozent, sondern hoffentlich das, was zu sanieren notwendig ist. Nachhaltig ist es, wenn eine Maßnahme getroffen wird zu einem Zeitpunkt, wo sie getroffen werden muss. Wenn sowieso Kosten entstehen und Aufwände abgezogen werden können. Wir sollten die Dinge wahrnehmen, die gut funktionieren: Etwa bei Einfamilienhäusern fördern, im städtischen Bereich Kompaktheiten und günstige Energieträger nutzen sowie insgesamt über Energieraumplanung nachdenken.“

Wortmeldungen stark gekürzt.

General-Sanierung Parlament mit Gold von ÖGNB und klimaaktiv ausgezeichnet

Gold-Auszeichnung erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben. Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu Baukultur.

Bereits im Jänner 2014 wurde nach einem Hearing von der Parlamentsdirektion in Abstimmung mit der Projektsteuerung zur Generalsanierung des Parlamentsgebäudes entschieden, dass das Parlamentsgebäude sowohl nach den für Klimaschutz besonders anspruchsvollen Kriterien der Klimaschutzinitiative klimaaktiv des Umweltministeriums als auch nach den auf das Forschungsprogramm Haus der Zukunft des BMVIT zurückzuführenden umfassenden Qualitätskriterien der ÖGNB – Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen geplant und errichtet werden soll.

Im Oktober 2016 ist nun ein wichtiger Meilenstein dieser externen Qualitätssicherung und Nachhaltigkeitsbewertung umgesetzt: Das künftige Parlamentsgebäude erhält von klimaaktiv und ÖGNB für die vorliegende Planung die Auszeichnung „klimaaktiv GOLD“ und „ÖGNB Gold“, welche erstmals für ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben wurden.

„Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur „Botschafterin für Nachhaltiges Bauen“ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen. Es ist mir eine Freude, dass die ÖGNB und klimaaktiv dabei gemeinsam mit allen an der Planung Beteiligten für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit sorgen.“ – Robert Lechner, ÖGNB

Es ist besonders erfreulich, dass durch das vorliegende Sanierungskonzept belegt werden kann, dass historisch-architektonische Qualitäten sehr gut auch mit strengen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können. Bei der Parlaments-Sanierung kommt dies beispielsweise durch eine spürbare Reduktion des Energieverbrauchs und eine deutliche Steigerung im Bereich des Komforts und der Behaglichkeit für die Nutzerinnen und Nutzer des Gebäudes zum Ausdruck. Die Basis dafür ist eine frühzeitige Einbeziehung von Nachhaltigkeitszielen in den Planungs- und Entscheidungsprozess und dafür ist in Anbetracht des herausragenden Ergebnisses allen Beteiligten großer Respekt zu zollen.

Dem Beispiel des Parlamentsgebäudes sollen möglichst viele andere historische Gebäude folgen: Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen nicht im Widerspruch zu höchsten Anforderungen an die Baukultur, sie ergänzen einander.

Folgende Qualitäten sind aus Sicht der Nachhaltigkeitsbewertung besonders hervorzuheben:

  • Energieeffizienz: Der Heizenergiebedarf kann gegenüber dem Bestand um mehr als 60 Prozent reduziert werden; für ein denkmalgeschütztes Gebäude ein herausragend guter Wert.
  • Haustechnik, Beleuchtung: Im Bereich der technischen Ausstattung werden modernste und damit besonders energieeffiziente Systeme eingesetzt. So gelingt es, dass trotz einer deutlichen Erweiterung der Nutzflächen der Energiebedarf des Gebäudes geringer sein wird als vor der Sanierung.
  • Behaglichkeit und Komfort: Die thermische Behaglichkeit wird im Sommer und im Winter deutlich besser sein als zuvor.
  • Gesundheit, Qualität der Innenraumluft: Schadstoffbegehung vor Baubeginn, Produkt- und Chemikalienmanagement samt Auswahl unbedenklicher Materialien sorgen für die Erfüllung höchster Ansprüche bei der Qualität der Innenraum.
  • Barrierefreiheit: Bislang unerschlossene Allgemeinbereiche des Parlaments werden künftig barrierefrei erreichbar sein.

Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Vorsitzender der ÖGNB anlässlich der Übergabe der Planungszertifikate an Nationalratspräsidentin Doris Buris und im Beisein der Generalplaner Jabornegg & Pálffy (Architektur) und AXIS Ingenieurleistungen ZT GmbH sowie von Umweltminister Andrä Rupprechter, der die klimaaktiv-Auszeichnung übergab: „Gerade in Tagen wie diesen zeigt die Sanierung des Parlamentsgebäudes, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Das Parlament wird dadurch zur „Botschafterin für Nachhaltiges Bauen“ und sendet ein wichtiges Signal an jene, die am Pariser Klimaschutzabkommen Zweifel anbringen. Es ist mir eine Freude, dass die ÖGNB und klimaaktiv dabei gemeinsam mit allen an der Planung Beteiligten für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit sorgen.“

Bilder:

ÖGNB Gold Parlament

Plakette Parlament Planung

Fotos: ÖGNB

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Newsletter #9 der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Liebe(r) MedienvertreterIn!
Liebe(r) FreundIn des nachhaltigen Bauens!

Bitte halten Sie sich den 7. Oktober ab 14 Uhr frei: Da veranstaltet die Medienstelle für nachhaltiges Bauen gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen ÖGNB die bereits dritte Podiumsdiskussion zum Thema „Road to Zero“. Diesmal lautet das Thema „Nachhaltiges Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand“. Weiter Infos in diesem Newsletter.

Dazu ebenfalls passend widmet sich der Newsletter der Medienstelle diesmal dem Thema Zersiedelung. Insbesondere in der Diskussion um leistbares Wohnen kein unerheblicher Aspekt. Denn, es steht fest: Aufgrund ihres enormen Bedarfs an „Grauer Energie“ geht die Zersiedelung auf Kosten von Umwelt, dem limitierten Gut „Boden“ und öffentlichen Budgets.

Mit lieben Grüßen,

Helmut Melzer
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt


Die
Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB
und die
Medienstelle für Nachhaltiges Bauen
laden ein zu

Road to Zero – 300 Tage nach Paris

Nachhaltig Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand

am
Freitag, 7. Oktober 2016, 14 Uhr
in den Räumlichkeiten der
IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63 B, 1060 Wien
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt

Am Podium:
Monika Auer, ÖGUT
Christian Pöhn, Stadt Wien MA39
Karl Torghele, Spektrum – Zentrum für Umwelttechnik und -management GmbH
Johannes Wahlmüller, Global 2000
Robert Lechner, ÖGNB, ÖÖI – Moderation

Nachhaltig Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand
„300 Tage nach Paris“ befasst sich die bei der ÖGNB eingerichtete Medienstelle für Nachhaltiges
Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der aus COP21
Paris resultierenden Klimaschutzziele im Gebäudebereich.

Bereits aufgrund vorhandener EU-Bestimmungen im Rahmen der EU-Gebäuderichtlinie wird der
Handlungsbedarf deutlich: Spätestens ab dem 1.1.2019 müssen alle neu errichteten Gebäude
grundsätzlich den Anforderungen von Niedrigstenergiegebäuden entsprechen; viel Aktivität ist hier
bislang nicht zu bemerken. Unabhängig davon: Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem
Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo
steht Österreich hier? Welche Strategien werden verfolgt? Welche Rolle hat der Bund, welche die
Länder und Gemeinden?

„300 Tage nach Paris“ werden in gewohnt fundierter Form Hintergründe aufgezeigt, der Status Quo
beschrieben und empfehlenswerte Ansätze der Öffentlichkeit vorgestellt.

Anmeldung:
Medienstelle für Nachhaltiges Bauen/ÖGNB
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt, www.nachhaltiges-bauen.jetzt/road-to-zero
Diese Information wird über mehrere Verteilerlisten ausgesendet, wir entschuldigen uns für Mehrfachzusendungen!


Inhalt:

Artikel & Presseinfos

  • Die ökologische & ökonomische Dimension von Zersiedelung
  • Grafik: Anteil an Wohnungen in Einfamilienhäusern nach Bundesländern
  • Grafik: Zersiedelung und die graue Energie

Studien

  • Projekt Zersiedelt – Zu Energie-Relevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungs-Strukturen und Wohngebäude-Typen in Österreich
  • Einfamilien-Haus und verdichtete Wohnformen – eine Motiven-Analyse
  • Auswirkungen der Raumplanung – Szenarien der Siedlungsentwicklung
  • Heimwert – Ökologisch-ökonomische Bewertung von Siedlungs-Formen

Meinungen

  • „Zersiedelung & Beispiel NÖ“
  • „Der Gebäude-Standort als ökologischer Faktor“

Infos des Netzwerkes

  • Nachhaltiges Bauen – Masterprogramm der TU Wien
  • Eine Million Passivhaus-Quadratmeter in Österreich dokumentiert

save the date

  • Road to Zero III – Nachhaltiges Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand
  • ​Facility Management-Day
  • ACR-Enquete
  • Lebenszyklus-Award
  • Int. Passivhaus-Tagung in Wien
  • Blackout – Resilienz durch Innovation?

Laufend relevante News zu Nachhaltigkeit im Bauwesen bekommen?

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Artikel & Presseinfos

Die ökologische & ökonomische Dimension von Zersiedelung

Leistbares Wohnen ist ein vieldiskutiertes Thema. Ökologische und volkswirtschaftliche Argumente werden dabei nicht immer gerne gehört. Jedoch spielt im Diskurs insbesondere ein Aspekt eine wesentliche Rolle: die Zersiedelung, die aufgrund ihres enormen Bedarfs an „Grauer Energie“ auf Kosten von Umwelt, dem limitierten Gut „Boden“ und öffentlichen Budgets geht.

Weiterlesen


 

Grafik: Anteil an Wohnungen in Einfamilienhäusern nach Bundesländern

Aktueller Stand Daten der Statistik Austria (Registerzählung 2011): In 1.973.979 heimischen Wohngebäuden und insgesamt 4.300.049 Wohnungen finden sich 2.012.192 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern (1.727.129 Gebäude) und damit rund 46 Prozent. Der mehrgeschossige Wohnbau beschränkt sich auf 175.910 Gebäude (3-10 Wohnungen) und 961.237 Wohneinheiten sowie 70.940 Gebäude (11+ Wohnungen) und 1.326.620 Wohneinheiten.

Von 2001 bis 2014 – so die Präsentation „Wie geht’s Österreich 2015“ der Statistik Austria – nahm die allgemeine Flächeninanspruchnahme um 22 Prozent zu, Bevölkerung um 6,1 Prozent.

Hier gehts zur Online-Seite


Grafik: Zersiedelung und die graue Energie

Die Modellierung zeigte, dass vor allem Streusiedlungen einen hohen Einsatz an Grauer Energie erfordern und diese im Besonderen für die Errichtung von Straßen und Infrastrukturleitungen aufgewandt wird. Bei Einfamilienhäusern in Streusiedlungslage übersteigt der Energiebedarf für die Errichtung der Infrastruktur den Energiebedarf für die Errichtung des Gebäudes deutlich. Bei den beiden Mehrfamilienhaustypen (drei und sieben Geschoße) sind die Werte für den Bereich Straße & Leitungen in etwa gleich hoch.

Hier gehts zur Online-Seite


 

Studien

Projekt Zersiedelt – Zu Energie-Relevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungs-Strukturen und Wohngebäude-Typen in Österreich

Die Studie „Zu EnergieRelevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungsstrukturen und Wohngebäudetypen in Österreich“ hat die graue Energie nach Siedlungstypen analysiert und errechnet.

Hier gehts zur Studie.


Einfamilien-Haus und verdichtete Wohnformen – eine Motiven-Analyse

Für sparsamen, haushälterischen Umgang mit dem nicht vermehrbaren Gut „Boden“, insbesondere auch mit dem für Wohnnutzungen bebauten Land, gibt es eine Vielzahl ökologischer und volkswirtschaftlicher Argumente. Dennoch finden diese Argumente nur sehr dürftigen Niederschlag in der gesellschaftlichen Praxis. Das Forschungsprojekt ist als ein Beitrag zu verstehen, mit dem die Akzeptanz und die Attraktivität verdichteter Wohnformen in der Gesellschaft verstärkt werden sollen.

Hier gehts zur Studie


Auswirkungen der Raumplanung – Szenarien der Siedlungsentwicklung

Eine Analyse des Österreichischen institutes für Raumplanung ÖIR inklusive dreier Szenarien für die Zukunft.

Hier gehts zur Studie


Heimwert – Ökologisch-ökonomische Bewertung von Siedlungs-Formen

Das Öko-Haus am Waldesrand, ganz nahe der Natur: Wer wünscht sich das nicht? Ist diese Siedlungsform tatsächlich ökonomisch und ökologisch verträglich? Oder hat sie höhere Folgekosten für die Allgemeinheit als eine Wohnung alten Typs im dichten Stadtumfeld?

Hier gehts zur Studie


 

Eine umfangreiche, thematisch geordnete Sammlung der wesentlichsten Studien rund ums nachhaltige Bauen und Sanieren finden Sie im Studienverzeichnis der Medienstelle.


Meinungen

„Zersiedelung & das Beispiel NÖ“

Johannes Kislinger, Innovative Gebäude: „Die Bebaubarkeit eines Grundstückes wird in NÖ in der Bauordnung und im Raumordnungsgesetz geregelt. In den letzten Jahrzehnten war die zulässige Bebaubarkeit von Grund und Bauland Gegenstand zahlreicher meist emotional geführter Debatten, die auch bis zum Höchstgericht ausgefochten wurden. Der Paragraf 54 der Bauordnung regelt deshalb seit 2014 neu die Höhe und Anordnung eines Gebäudes im Falle, dass keine Bebauungsvorschriften für das Grundstück bestehen (in NÖ ist das die Mehrzahl). In diesem Paragrafen wird die offene Bauweise bis zu 2 Geschossen – entsprechend der Typologie eines freistehenden Einfamilienhauses als NICHT abweichend zur vorherrschenden Bebauungsformen definiert und zum Prinzip erklärt. Zahlreiche Studien und Rechenmethoden haben aber eben diese Siedlungsform als nicht wirtschaftlich und nachhaltig erkannt.“

Zum Fachkommentar


„Der Gebäude-Standort als ökologischer Faktor“

Andrea Kraft, Energie und Umweltagentur NÖ eNu: „Ein energieeffizientes Gebäude „auf der grünen Wiese“ ist kein positives Beispiel für Nachhaltigkeit. Die nachhaltige Gestaltung richtet sich vor allem nach den Faktoren: Lage des Gebäudes, Flächenverbrauch und Wohnform. Das freistehende Einfamilienhaus wird vielfach als erstrebenswerte Wohnform gesehen, da es für die BesitzerInnen den höchsten Individualitätsanspruch erfüllt. Gleichzeitig ist aber mit dieser Wohnform der höchste Flächen- und Ressourcenverbrauch verbunden, was sich auch in den Kosten für die Erschließung und dem erhöhten Verkehrsaufkommen niederschlägt.“

Zum Fachkommentar


Weitere Fachkommentare – selbstverständlich auch zur redaktionellen Nutzung für Artikel oder Gastkommentare – finden Sie im Kommentarverzeichnis der Medienstelle.


Infos des Netzwerks

Nachhaltiges Bauen – Masterprogramm der TU Wien

Nachhaltiges Bauen ist ein wichtiger Trend in der Bauwirtschaft auf den die Technischen Universitäten in Wien und Graz mit diesem Weiterbildungsangebot reagiert haben. Ziel des gemeinsamen Universitätslehrgangs ist es, ein Bewusstsein für ganzheitliche, lebenszyklusorientierte Betrachtungen von Bauaktivitäten im Hinblick auf das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit zu schaffen.

Der Lehrgang ist berufsbegleitend organisiert und wird als Masterprogramm (4 Semester) und als Zertifikatslehrgang (2 Semester) angeboten.

Mehr dazu.


Eine Million Passivhaus-Quadratmeter in Österreich dokumentiert

Die dokumentierten Passivhaus-Objekte in der internationalen Datenbank sind in diesem Jahr stark angestiegen. So wurden in Österreich heuer mit 86 Objekteinträgen bereits mehr Passivhäuser dokumentiert als jeweils 2014 und 2015 über das ganze Jahr. Damit konnte nun auch die Marke von 1.000.000 Quadratmeter dokumentierter Fläche an Passivhäusern in Österreich überschritten werden. Jedes siebte Objekt wird heuer bei den 13. Internationalen Tagen des Passivhauses im November zu besichtigen sein – ein deutliches Zeichen der hohen Bewohner Zufriedenheit.

Mehr dazu.


save the date

FM-Day der Facility Management Austria und IFMA Austria

Nach der gelungenen Premiere im vergangenen Herbst, findet am 28. September 2016 der zweite österreichische FM-Day der Facility Management Austria und IFMA Austria unter dem Motto „Dimensionen schaffen. Generationserfolge sichern.“ im Park Hyatt Vienna, im Zentrum von Wien statt.

Weitere Infos


 

ACR-Enquete

Im Rahmen der ACR-Enquete am 3. Oktober 2016 (WKO Sky-Lounge) werden auch heuer wieder die ACR-Preise verliehen. Der „ACR Kooperationspreis“ für ein erfolgreiches Forschungsprojekt eines ACR-Instituts mit einem KMU und der „ACR Woman Award“ für eine besonders engagierte Forscherin aus dem Verband.

Weitere Infos


 

Lebenszyklus-Award

Der Special Award wird im Rahmen des 6. Kommunalwirtschaftsforums am 20. und 21. Oktober 2016 in Graz verliehen. Erstmals zeichnet der Lebenszyklus-Award Bauherren, Institutionen und Gemeinden für eine hohe Organisations-, Kultur und Prozessqualität bei der Planung, Finanzierung, Errichtung und Bewirtschaftung ihrer Gebäude aus.

Weitere Infos.


„Blackout – Resilienz durch Innovation?“

Am 3. November wird die Plattform Innovative Gebäude mit Unterstützung des BMVIT ein Event zum Thema „Blackout – Resilienz durch Innovation“ in 1090 Wien abhalten. Was tun, wenn der Strom längerfristig ausfällt? Innovative Gebäude geben die Antwort.

Weitere infos


 

Int. Passivhaus-Tagung in Wien

Nun stehen Datum und Veranstaltungsort für die Tagung fest: Die Experten zum energieeffizienten Bauen kommen am 28. und 29. April 2017 im Messe Wien Congress Center zusammen. Das Schwerpunktthema der 21. Tagung lautet „Passivhaus für alle“. Der Call for Papers hat begonnen.

Weitere Infos.


Zahlreiche Veranstaltungen rund ums nachhaltige Bauen und Sanieren finden Sie im Kalender der Medienstelle.


 

Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen ist ein unabhängiger Mediendienst und wird vom Ministerium für ein lebenswertes Österreich gefördert.

 

 

 

 

 

Thermische Bauteil-Aktivierung

Dieser Planungsleitfaden liefert nicht nur Argumente und Erklärungen zur Thermischen Bauteilaktivierung, er zeigt auch die praktische Umsetzung auf.

Autor: Felix Friembichler, Simon Handler, Klaus Krec, Harald Kuster

Auftraggeber/Förderer: Bundesministerium f. Verkehr, Innovation und Technologie, Verband Österreichischer Zementindustrie, Wirtschaftskammer Österreich etc.

Erscheinungsjahr: 2016

Thermische Bauteilaktivierung

Vergleich von Prüf-Kennzeichen für Baumaterialien nach Nachhaltigkeits-Merkmalen in Europa

Für Baustoffe existieren alleine in Europa 42 Gütezeichen, davon 21 Umweltzeichen, mit über 100 Merkmalen für die Nachhaltigkeit. diese studie hat die unterschiedlichen Öko-Labels analysiert.

Autor: natureplus, IBO etc

Auftraggeber/Förderer:   Deutsches Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Erscheinungsjahr: 2016

Vergleich von Prüfkennzeichen für Baumaterialien nach Nachhaltigkeitsmerkmalen in Europa

EVENT „ROAD TO ZERO – 300 TAGE NACH PARIS“

Die
Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB
und die
Medienstelle für Nachhaltiges Bauen
luden ein zu

Road to Zero – 300 Tage nach Paris

„Nachhaltig Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand“

am

Freitag, 7. Oktober 2016, 14 Uhr
in den Räumlichkeiten der
IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63 B, 1060 Wien
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt

Am Podium:
Monika Auer, ÖGUT
Christian Pöhn, Stadt Wien MA39
Karl Torghele, Spektrum – Zentrum für Umwelttechnik und -management GmbH
Johannes Wahlmüller, Global 2000
Robert Lechner, ÖGNB, ÖÖI – Moderation

Nachhaltig Bauen – Verantwortung der öffentlichen Hand

„300 Tage nach Paris“ befasst sich die bei der ÖGNB eingerichtete Medienstelle für Nachhaltiges Bauen mit der Rolle und Verantwortung der öffentlichen Hand für die Umsetzung der aus COP21 Paris resultierenden Klimaschutzziele im Gebäudebereich.

Bereits aufgrund vorhandener EU-Bestimmungen im Rahmen der EU-Gebäuderichtlinie wird der Handlungsbedarf deutlich: Spätestens ab dem 1.1.2019 müssen alle neu errichteten Gebäude grundsätzlich den Anforderungen von Niedrigstenergiegebäuden entsprechen; viel Aktivität ist hier bislang nicht zu bemerken. Unabhängig davon: Grundsätzlich sollten Bund und Länder mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen geht. Wo steht Österreich hier? Welche Strategien werden verfolgt? Welche Rolle hat der Bund, welche die Länder und Gemeinden?

„300 Tage nach Paris“ werden in gewohnt fundierter Form Hintergründe aufgezeigt, der Status Quo beschrieben und empfehlenswerte Ansätze der Öffentlichkeit vorgestellt.

Anmeldung:

Medienstelle für Nachhaltiges Bauen/ÖGNB
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt, www.nachhaltiges-bauen.jetzt/road-to-zero
Diese Information wird über mehrere Verteilerlisten ausgesendet, wir entschuldigen uns für Mehrfachzusendungen!

Zersiedelung: Auf Kosten von Umwelt, Boden und öffentlichen Mitteln

Beim Thema „Leistbares Wohnen“ werden ökologische und volkswirtschaftliche Argumente nicht immer gerne gehört. Ein Aspekt spielt aber eine wesentliche Rolle: die Siedlungsform.

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Andrea Kraft, Energie- und Umweltagentur NÖ eNu
Johannes Kislinger, Innovative Gebäude

GESAMTFASSUNG als PDF

GESAMTFASSUNG ONLINE

Kurzfassung:

In einer Analyse des Österreichischen Institutes für Raumplanung ÖIR zeigt sich sehr deutlich die Siedlungsstruktur Österreichs: Rund 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt in Siedlungseinheiten (mindestens 500 Einwohner, Gebäude maximal 200 Meter von einander entfernt). Aber: Ohne den großen Landeshauptstädten leben nur rund 46 Prozent in Siedlungseinheiten, die Siedlungseinheiten weisen sehr unterschiedliche Dichten auf – von 600 bis 25.000 Einwohnern pro Quadratkilometer, und: 24 Prozent aller Gemeinden weist keine Siedlungseinheit auf – insgesamt 578 Gemeinden mit knapp 500.000 Einwohnern.

Die umfangreichen Verkehrsinvestitionen der letzten Jahrzehnte im Straßenbau und in den Großstadt-Ballungsräumen auch in den öffentlichen Verkehr ermöglichen einer großen Zahl von Menschen die Realisierung des Wunschbildes „Arbeiten in der Stadt – Wohnen auf dem Land“. Die Studie „Einfamilienhaus und verdichtete Wohnformen – eine Motivenanalyse“: „Der Siedlungsflächenverbrauch wird dadurch laufend erhöht, der Berufsverkehr erzwingt laufend weitere Verkehrsinvestitionen, während auf den öffentlichen Verkehr hin orientierte Gestaltung der Stadtentwicklung seitens der Umlandgemeinden unterbleibt.“ Und nicht zu vergessen: Auch die Pendlerförderungen mit rund 1,4 Mrd. Euro gehen zu Lasten des öffentliche Haushaltes.

Schon aus früheren Untersuchungen bestätigt sich die gewonnene Erkenntnis, dass die Infrastrukturkosten je Einwohner abnehmen, je dichter die Besiedlung ist. Dabei liegen die Unterschiede eher in der Gebäudetypologie (Einfamilienhaussiedlungen, Reihenhaussiedlung bis zu Geschosswohnbauten) sowie in der örtlichen Situierung der Neubaugebiete zur bestehenden Infrastruktur begründet als in der großräumigen Lage.

Es zeigt sich, so die Studie „Zu Energierelevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungsstrukturen und Wohngebäudetypen in Österreich“, dass vor allem Streusiedlungen einen hohen Einsatz an Grauer Energie erfordern und diese im Besonderen für die Errichtung von Straßen und Infrastrukturleitungen aufgewandt wird. Bei Einfamilienhäusern in Streusiedlungslage übersteigt der Energiebedarf für die Errichtung der Infrastruktur den Energiebedarf für die Errichtung des Gebäudes deutlich.
Inkludiert man den Energieaufwand für Instandhaltungsarbeiten und rechnet die Graue Energie auf 100 Jahre, werden die Unterschiede zwischen den Wohnsiedlungsformen noch deutlicher: Das Einfamilienhaus in Streulage kommt auf 1178.471 kWh/100 Jahre, Einfamilienhaus 702.331 kWh/100 Jahre. Wohnbau dreigeschoßig schlägt mit 276.295 kWh zu Buche, der siebengeschoßige mit 264.089 kWh. Mehrfamilienhäuser (drei und sieben Geschoße) benötigen demnach weniger als 25 Prozent der für Einfamilienhäuser in Streulage aufgewandten Grauen Energie.

„Ein energieeffizientes Gebäude „auf der grünen Wiese“ ist demgemäß kein positives Beispiel für Nachhaltigkeit. Die nachhaltige Gestaltung richtet sich vor allem nach den Faktoren: Lage des Gebäudes, Flächenverbrauch und Wohnform. Das freistehende Einfamilienhaus wird vielfach als erstrebenswerte Wohnform gesehen, da es für die BesitzerInnen den höchsten Individualitätsanspruch erfüllt. Gleichzeitig ist aber mit dieser Wohnform der höchste Flächen- und Ressourcenverbrauch verbunden, was sich auch in den Kosten für die Erschließung und dem erhöhten Verkehrsaufkommen niederschlägt“, hält dazu Andrea Kraft von der Energie- und Umweltagentur NÖ eNu, fest.

„In Österreich ist das Bewusstsein etwas angewachsen, die Geschwindigkeit der Versiegelung nimmt dennoch nur langsam ab. In der Zeitspanne von 2006 bis 2012 stieg der Flächenverbrauch um zehn Prozent an, hingegen wuchs die Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um zwei Prozent“, so Johannes Kislinger, Innovative Gebäude. Und, zum Beispiel Niederösterreich: „Die Bebaubarkeit eines Grundstückes wird in NÖ in der Bauordnung und im Raumordnungsgesetz geregelt. In den letzten Jahrzehnten war die zulässige Bebaubarkeit von Grund und Bauland Gegenstand zahlreicher meist emotional geführter Debatten, die auch bis zum Höchstgericht ausgefochten wurden. Der Paragraf 54 der Bauordnung regelt deshalb seit 2014 neu die Höhe und Anordnung eines Gebäudes im Falle, dass keine Bebauungsvorschriften für das Grundstück bestehen (in NÖ ist das die Mehrzahl). In diesem Paragrafen wird die offene Bauweise bis zu 2 Geschossen – entsprechend der Typologie eines freistehenden Einfamilienhauses als NICHT abweichend zur vorherrschenden Bebauungsformen definiert und zum Prinzip erklärt. Zahlreiche Studien und Rechenmethoden haben aber eben diese Siedlungsform als nicht wirtschaftlich und nachhaltig erkannt.“

Die detaillierte Gesamtfassung mit allen Texte, Grafiken, Pressefotos und Studien finden sie auf der Webseite der Medienstelle unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt.

Die ökologische & ökonomische Dimension von Zersiedelung

Entwicklung seit 1971

Die Studie „Einfamilienhaus und verdichtete Wohnformen – eine Motivenanalyse“ zeigt die bevorzugte Wohnform der Österreicher auf: Zwischen 1971 und 1980 wurden 87 Prozent des für Wohnzwecke verbauten Landes in Österreich für rund 260.000 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern in offener und gekuppelter Bauweise verbraucht. Das waren 49 Prozent aller in dieser Zeit errichteten Wohnungen in Österreich. Im selben Zeitraum entstanden nur 32.000 Wohnungen im verdichteten Flachbau. Das entspricht nur 6 Prozent aller Wohnungen und nur 3 Prozent des gesamten Baulandverbrauchs.
1991 machten die Ein- und Zweifamilienhäuser 45 Prozent sämtlicher Wohnungen (49 Prozent einschließlich der landwirtschaftlichen Gebäude) aus. Ihr Flächenanteil betrug hingegen fast das Doppelte: 83 Prozent, bzw. 85 Prozent des Nettobaulandes für Wohngebäude werden von Ein- und Zweifamilienhäusern beansprucht.

Aktuelle Situation

Daran hat sich auch nach aktuellsten Daten der Statistik Austria (Stand 2011) nicht viel geändert: In 1.973.979 heimischen Wohngebäuden und insgesamt 4.300.049 Wohnungen finden sich 2.012.192 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern (1.727.129 Gebäude) und damit rund 46 Prozent. Der mehrgeschossige Wohnbau beschränkt sich auf 175.910 Gebäude (3-10 Wohnungen) und 961.237 Wohneinheiten sowie 70.940 Gebäude (11+ Wohnungen) und 1.326.620 Wohneinheiten.
Von 2001 bis 2014 – so die Präsentation „Wie geht’s Österreich 2015“ der Statistik Austria – nahm die allgemeine Flächeninanspruchnahme um 22 Prozent zu, Bevölkerung um 6,1 Prozent.

 

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Stand der Zersiedelung

In einer Analyse des Österreichischen Institutes für Raumplanung ÖIR 2011 zeigt sich sehr deutlich die Siedlungsstruktur Österreichs: Rund 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt in Siedlungseinheiten (mindestens 500 Einwohner, Gebäude maximal 200 Meter von einander entfernt). Aber: Ohne den großen Landeshauptstädten leben nur rund 46 Prozent in Siedlungseinheiten, die Siedlungseinheiten weisen sehr unterschiedliche Dichten auf – von 600 bis 25.000 Einwohnern pro Quadratkilometer, und: 24 Prozent aller Gemeinden weist keine Siedlungseinheit auf – insgesamt 578 Gemeinden mit knapp 500.000 Einwohnern.
Anhand der Grafik des ÖIR lassen sich die Zersiedelungszonen Österreichs ausmachen: Besonders betroffen sind Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und das Burgenland.

siedlungsenwicklung

 

 

 

 

 

Entstandene Probleme

Die umfangreichen Verkehrsinvestitionen der letzten Jahrzehnte im Straßenbau und in den Großstadt-Ballungsräumen auch in den öffentlichen Verkehr ermöglichen einer großen Zahl von Menschen die Realisierung des Wunschbildes „Arbeiten in der Stadt – Wohnen auf dem Land“. Die Studie „Einfamilienhaus und verdichtete Wohnformen – eine Motivenanalyse“: Der Siedlungsflächenverbrauch wird dadurch laufend erhöht, der Berufsverkehr erzwingt laufend weitere Verkehrsinvestitionen, während auf den öffentlichen Verkehr hin orientierte Gestaltung der Stadtentwicklung seitens der Umlandgemeinden unterbleibt.
Die Fortführung dieser thesenartigen Kausalkette zeigt auf einen Boom an flächenfressenden und verkehrserzeugenden Einkaufszentren am Stadtrand, auf unerfüllbare Ansprüche an das öffentliche Verkehrssystem, einen kollabierenden Individualverkehr mit hohen Schadstoffbelastungen der Umwelt und eine Vergeudung öffentlicher Mittel durch eine unökonomische Nutzung der Infrastruktur.

Ökologische und ökonomische Bewertung

Schon aus früheren Untersuchungen bestätigt sich die gewonnene Erkenntnis, dass die Infrastrukturkosten je Einwohner abnehmen, je dichter die Besiedlung ist. Dabei liegen die Unterschiede eher in der Gebäudetypologie (Einfamilienhaussiedlungen, Reihenhaussiedlung bis zu Geschosswohnbauten) sowie in der örtlichen Situierung der Neubaugebiete zur bestehenden Infrastruktur begründet als in der großräumigen Lage (Agglomeration – Kleinzentrum – Ländliche Gemeinde).

 

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Es zeigt sich, so die Studie „Zu EnergieRelevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungsstrukturen und Wohngebäudetypen in Österreich“, dass vor allem Streusiedlungen einen hohen Einsatz an Grauer Energie erfordern und diese im Besonderen für die Errichtung von Straßen und Infrastrukturleitungen aufgewandt wird. Bei Einfamilienhäusern in Streusiedlungslage
übersteigt der Energiebedarf für die Errichtung der Infrastruktur den Energiebedarf für die Errichtung des Gebäudes deutlich. Bei den beiden Mehrfamilienhaustypen (drei und sieben Geschoße) sind die Werte für den Bereich Straße & Leitungen in etwa gleich hoch.
Inkludiert man den Energieaufwand für Instandhaltungsarbeiten und rechnet die Graue Energie auf 100 Jahre, werden die Unterschiede zwischen den Wohnsiedlungsformen noch deutlicher: Das Einfamilienhaus in Streulage kommt auf 1178.471 kWh/100 Jahre, Einfamilienhaus 702.331 kWh / 100 Jahre. Wohnbau dreigeschoßig schlägt mit 276.295 kWh zu Buche, der siebengeschoßige mit 264.089 kWh. Mehrfamilienhäuser (drei und sieben Geschoße) benötigen demnach weniger als 25 Prozent der für Einfamilienhäuser in Streulage aufgewandten Grauen Energie.

Im Jahr 1970 war der Energieverbrauch im Betrieb so hoch, dass die Graue Energie zur Herstellung mit 7 bis 19 Prozent des Gesamtenergiebedarfs vergleichsweise unbedeutend war. Dagegen betrug der Anteil an Grauer Energie im Jahr 2010 zwischen rund 24 und 48 Prozent des Gesamtenergiebedarfs bzw. 50 Prozent bei Gebäuden in Passivhausbauweise und ist damit nicht vernachlässigbar. Auch absolut gesehen ist die Graue Energie für alle Gebäudetypen 2010 deutlich höher als 1970. Für Einfamilienhäuser in Streulage ist der Bedarf an Grauer Energie etwa gleich hoch wie für den Betrieb. Zusätzlich dazu ist bei Einfamilien-Passivhäusern der Gesamtenergiebedarf, bedingt durch den Mehraufwand in der Erschließung (es gibt keinen „Passiv-Straßenbau“), höher als für Mehrfamilienwohnhäuser nach derzeit gefordertem Mindeststandard.

Drei Szenarien für 2050

Zurück zum Österreichischen Institutes für Raumplanung ÖIR: Dieses hat in drei Szenarien Prognosen bis 2050 angestellt. Szenario 1 behält den Status quo bei, mit Ansiedelung auch außerhalb der Siedlungseinheit, gleichbleibenden Flächenverbrauch für neue Einwohner sowie schleichende Entkernung der Ortsgebiete. Bei einem ambitionierten Szenario 2 wird Zersiedelung vermieden, der Flächenverbrauch leicht reduziert und die Ortskerne entwickeln sich durchschnittlich. Das sehr ambitionierte Szenario 3 bietet Nachverdichtung bei keiner weiteren Zersiedelung, reduzierten Flächenverbrauch sowie Stärkung der Ortskerne auch in schrumpfenden Gemeinden.
Fazit: Im Vergleich zum Beibehalten der gegenwärtigen Entwicklung des Szenario 1 bringt Szenario 2 bis 2050 160.000 Einwohner weniger außerhalb von Siedlungseinheiten, Szenario 2 bringt 200.000 weniger. Das mag nun nicht nach viel klingen, betrachtet man jedoch die erheblichen volkswirtschaftlichen Mehrkosten für Einfamilienhäuser in Streusiedelungen durch Infrastrukturkosten – rund 140.000 Euro alleine für Straßenbau und Leitungen – ergeben sich bei vier Bewohnern pro Einfamilienhaus mindestens 5,6 bis 7 Milliarden Euro Ersparnis – ohne Investitionen in öffentlichen Verkehr und langfristige Umweltschäden durch erhöhtes Verkehrsaufkommen einzukalkulieren.
Gefordert sind laut ÖIR politische Maßnahmen wie ein Stopp für Streusiedlungen, strenge Siedlungsgrenzen, Rückwidmungen, verdichtete Wohnformen, keine Ausweisung von Verkaufsflächen am Ortsrand, eine Attraktivierung der Ortskerne sowie Vorgaben der Erdgeschossnutzung.

WIFO-Studie: umweltschädliche Förderungen

Die WIFO-Studie „Subventionen und Steuern mit Umwelt-Relevanz in den Bereichen Energie und Verkehr“ zeigt es auf: Von den bis zu 4,7 Mrd. Euro an umweltschädlichen Subventionen erhält der Bereich Wohnen ein Fördervolumen von 390 bis 790 Mio. Euro pro Jahr. Diese fördern den Neubau von Eigenheimen, Verkehrsflächen oder begünstigen die Bereitstellung bzw. Nutzung von Abstellplätzen. Doch eigentlich sind die Subventionen in diesen Bereich noch deutlich höher, werden die Förderungen aufgrund von Zersiedelung (z.B. Pendlerförderung mit rund 1,4 Mrd. Euro) mit eingerechnet.

Negative Auswirkungen v.a. durch Zersiedelung

Aus der WIFO-Studie: Trotz der zunehmenden Ökologisierung des Wohnungsneubaus – vorwiegend hinsichtlich der Energieeffizienz und Emissionsvermeidung – verursacht der Wohnungsneubau einen hohen Ressourcenverbrauch und trägt zum Flächenverbrauch bzw. der Flächenversiegelung bei. Ein wesentliches Ziel einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung sollte daher die Verringerung der Inanspruchnahme neuer Flächen sein. […] Zusätzlich zum Flächenverbrauch für den Wohnbau selbst, sind die Siedlungsstrukturen auch ein wesentlicher Einflussfaktor für das Verkehrsaufkommen und die daraus resultierenden ökologischen Effekte (Schadstoffemissionen, Einschränkung der Bodenfunktionen, Auswirkungen auf Habitate) und Lärm. Die Zersiedelung und räumliche Trennung verschiedener Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeitaktivitäten) fördert das Verkehrsvolumen. Ohne ausreichende Verfügbarkeit und Frequenz des öffentlichen Verkehrs fördert die räumliche Trennung insbesondere den motorisierten Individualverkehr. […] Die Wohnbauförderung trägt insofern zur Erhöhung der Verkehrsleistung bei, als sie einerseits nach wie vor den Fokus auf den Neubau legt. Andererseits fehlt die Verknüpfung mit der Verkehrspolitik bzw. die Koppelung der Förderungsvergabe an eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr. […] Insgesamt müssten zur Reduzierung der negativen (Umwelt-)Effekte der Zersiedelung verschiedene Maßnahmen und Regelungen, überdacht bzw. klimafreundlich reformiert werden, die zersiedelungsfördernd bzw. verkehrsinduzierend wirken. Die relevanten Regelungen umfassen neben fiskalischen Instrumenten wie der Wohnbauförderung oder dem Pendlerpauschale auch die Raumplanung in Richtung einer Energieraumplanung, wie in der Energiestrategie Österreich hervorgehoben oder andere Ansätze der aktiven Bodenpolitik auf Gemeindeebene.

Zersiedelung

Kommentar von Johannes Kislinger, Innovative Gebäude

„Zersiedelung bedeutet wuchern urbaner Kernzonen mangels eines großen Plans, der künftige Entwicklungen berücksichtigen sollte. Das LEBEN hat keinen WERT mehr, sondern einen PREIS. Und den leisten wir uns. Sind wir uns bewusst, dass das Leben endlich ist, wie der Boden auf dem wir stehen?

Die Vereinten Nationen haben 2015 das Jahr zum Jahr des Bodens erklärt und in diesem Zusammenhang den ersten Bodenatlas herausgebracht. Die Weltgemeinschaft hat sich neben der Reduktion der Klimaerwärmung um 2° Celsius auch das Recht auf ausgewogene Nahrung und den Stopp des Verlustes der Biodiversität zum Ziel gesetzt. Alle diese Ziele sind nur über den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden zu erreichen.

„Wir nutzen die Böden der Welt, als wären sie unerschöpflich. Doch sie sind in menschlichen Zeiträumen nicht erneuerbar.“

Das Land der Berge, Land der Äcker hat mit 84 000 km2 eine Fläche, die zu 37 Prozent unveränderbar benutz- und besiedelbar ist. Die Warnung, dass pro Tag 22 Hektar verbaut und zubetoniert werden, hat das Umdenken nicht beschleunigt. Die Auswirkungen sind seit Jahren die gleichen – Agrarflächen weichen den Siedlungserweiterungen. Reduzierte Agrarflächen führen in weiterer Konsequenz zu gesteigerten Importen von Agrarprodukten.

Die einfache Frage nach der Bemessung von Zersiedelung ist durch den föderalistischen Verwaltungsapparat nicht vergleich- und daher quantifizierbar. Bundesländer haben unterschiedliche Bemessungsmodelle, die erhobenen Flächenangaben sind zum Teil auch nicht vergleichbar. Auch ist Raumplanung nach wie vor in der Hand von lokalen Gemeindestrukturen.

Die Landwirtschaft ist selbst von guten Böden abhängig und trägt somit auch Verantwortung für die großen Verluste. Industrielle Methoden der Bewirtschaftung führen zu Erosion und reduzieren die Biodiversität. Der weltweite Vergleich erklärt das Anwachsen von politischen Konflikten durch ungleich verteilten Bodenbesitz. Durchschnittlich braucht ein Europäer 1.3 Hektar für die Konsumprodukte. Das ist in etwa sechsmal so viel wie für eine Person in Bangladesch. Zudem liegen 60 Prozent der für den europäischen Konsum außerhalb der EU.

2015 wollte die UN für den sorgsamen Umgang mit der Ressource Boden werben. Klimaschutz und Nachhaltigkeit beginnt zu aller erst beim Bodenschutz. Erst nachrangig sind Fragen nach Effizienz der Gebäude oder Mobilität zu beantworten.

In Österreich ist das Bewusstsein etwas angewachsen, die Geschwindigkeit der Versiegelung nimmt dennoch nur langsam ab. In der Zeitspanne von 2006 bis 2012 stieg der Flächenverbrauch um zehn Prozent an, hingegen wuchs die Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um zwei Prozent. Dies führt zu den Angaben, dass pro Tag ca. 22 Hektar oder 30 Fußballfelder verbraucht wurden. Dagegen wurde 2001 in der ÖROK (österreichische Raumordnungskonferenz) beschlossen, bis 2012 den Flächenverbrauch auf 1 ha/ Tag zu begrenzen.

Die Mehrkosten von Siedlungserweiterungen beinhalten die Errichtung und Erhaltung von Erschließung und Infrastruktur, 51% aller Handels- und Verkaufsflächen befinden sich außerhalb von Ballungsräumen auf der grünen Wiese. Alleine dieser Umstand erklärt die Zunahme von Verkehrsaufkommen in diese Gebiete. Somit wird Raumordnung zum wesentlichen Bestandteil von Klimapolitik und nachhaltigem Wirtschaften. Entscheidungen für Siedlungsräume beeinflussen Stoffflüsse (Acker wird zur Straße, Straßen generieren Verkehr, Verkehr erzeugt Emissionen etc.) über weit größere Zeiträume als Lebenszyklen von Gebäuden oder deren Bewohner.

Für die Energieversorgung von Haushalt und Mobilität werden Biokraftstoff und nachwachsende Rohstoffe vor allem im nicht-städtischen Bereich gewonnen. Böden bergen Energieressourcen. Auf den Böden wächst Biomasse, sie sind Lagerstätten fossiler Reserven und schließlich werden sie für Wind- und PV-Anlagen benötigt. Die Verwendung von Biomasse für Energieerzeugung erscheint vordergründig als klimaneutral. Dabei bleiben jedoch Faktoren wie die Erzeugungsenergie der Biomasse, die Umwidmung von vorher anders genutzten Böden und die graue Energie die durch Herstellung, Handelsströme oder Konsum verursacht werden unberücksichtigt.

Fallbeispiel aus NÖ:
NÖ benötigt mit 58.6% seiner Landesfläche Dauersiedlungsraum, das liegt über dem österreichischen Durchschnitt von 37.4%. Bei einem Gebäudestand von 591.000 Wohngebäuden sind 507.000 Ein- und Zweifamilienhäuser. Das sind immerhin 85.8% der Wohngebäude und 79.2% aller Gebäude in NÖ. Somit ist die Anordnung und Größe dieser Gebäude das entscheidende Kriterium für die Bewirtschaftung von Bauland und Siedlungsstruktur.

Die Bebaubarkeit eines Grundstückes wird in NÖ in der Bauordnung und im Raumordnungsgesetz geregelt. In den letzten Jahrzehnten war die zulässige Bebaubarkeit von Grund und Bauland Gegenstand zahlreicher meist emotional geführter Debatten, die auch bis zum Höchstgericht ausgefochten wurden.
Der Paragraf 54 der Bauordnung regelt deshalb seit 2014 neu die Höhe und Anordnung eines Gebäudes im Falle, dass keine Bebauungsvorschriften für das Grundstück bestehen (in NÖ ist das die Mehrzahl). In diesem Paragrafen wird die offene Bauweise bis zu 2 Geschossen – entsprechend der Typologie eines freistehenden Einfamilienhauses als NICHT abweichend zur vorherrschenden Bebauungsformen definiert und zum Prinzip erklärt. Zahlreiche Studien und Rechenmethoden haben aber eben diese Siedlungsform als nicht wirtschaftlich und nachhaltig erkannt. Das online Tool elas-Rechner –Energieausweis für Siedlungen zeigt in überschaubarer Art auch Laien den Zusammenhang zwischen der Siedlungsform und dem ökologischen Fußabdruck. http://www.elas-calculator.eu/
Porträtfoto: http://www.nachhaltiges-bauen.jetzt/wp-content/uploads/2015/06/Johannes-Kislinger_Wilke.jpg

Quellen:
Regionalinformation der Grundstücksdatenbank (Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen) aufbereitet durch Umweltbundesamt, 1.1.2012
Statistik Austria Wohnungs- und Gebäudestand 2011
Bodenatlas 2015 https://www.global2000.at/sites/global/files/Bodenatlas2015.pdf

Anteil an Wohnungen in Einfamilien-Häusern nach Bundesländern

Aktueller Stand Daten der Statistik Austria (Registerzählung 2011): In 1.973.979 heimischen Wohngebäuden und insgesamt 4.300.049 Wohnungen finden sich 2.012.192 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern (1.727.129 Gebäude) und damit rund 46 Prozent. Der mehrgeschossige Wohnbau beschränkt sich auf 175.910 Gebäude (3-10 Wohnungen) und 961.237 Wohneinheiten sowie 70.940 Gebäude (11+ Wohnungen) und 1.326.620 Wohneinheiten.
Von 2001 bis 2014 – so die Präsentation „Wie geht’s Österreich 2015“ der Statistik Austria – nahm die allgemeine Flächeninanspruchnahme um 22 Prozent zu, Bevölkerung um 6,1 Prozent.

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Newsletter #8 der Medienstelle für Nachhaltiges Bauen

Liebe(r) MedienvertreterIn!
Liebe(r) FreundIn des nachhaltigen Bauens!

Kürzlich wurde das Pariser Klimaabkommen vom Nationalrat ratifiziert. Alle Fraktionen mit Ausnahme der Freiheitlichen stimmten dem internationalen Abkommen zu.

200 Tage nach Paris stehen die Zeichen aber keineswegs in Richtung „Road to Zero“, wie auch bei unserer gleichnamigen Veranstaltungsreihe diskutiert wurde. Zwei Vorträge und die Podiumsdiskussion können sie auf der Webseite der Medienstelle „nachhören“.

Ich möchte Ihnen aber auch die Vorschläge zu einem neuen Strategie- und Fördermodell im Hochbau von Robert Lechner (ÖGNB) ans Herz legen. Dieses soll uns die „Road to Zero“ ebnen.

Mit lieben Grüßen,

Helmut Melzer
medienstelle@nachhaltiges-bauen.jetzt


Inhalt:

Artikel & Presseinfos

  • 200 Tage nach Paris – Podiums-Diskussion im O-Ton, Fotos etc
  • Sanierungs-Rate für thermische Sanierung

Studien

  • Vergleich Wärme-Versorgungs-Systeme
  • Subventionen und Steuern mit Umweltrelevanz in den Bereichen Energie und Verkehr

Meinungen

  • „Verabschiedet sich 2016 die Wohnbauförderung als Motor für Klimaschutz?“
  • „2,5 Mrd. € an Förderungen für Gebäude verfehlen Klimaschutzziele“
  • „Welches Fördersystem brauchen wir für einen CO2-neutralen Gebäudesektor?“
  • „Bedarf Förderinstrumente- und Kriterien, die 100-prozentig auf Klimaschutzziele ausgerichtet sind“
  • „Wohnbauförderung – Sozialpolitische Lenkungseffekte ernst nehmen“
  • „Das Haus mit Speicher am grünen Strom“

Infos des Netzwerkes

  • Hagelfestes Holz
  • Der Energiebericht Online (EBO)
  • Brand ist neue e5-Gemeinde
  • Innendämmung – Lösungen für sofort
  • Mehr Vertrauen durch Investor-Ready-Zertifizierung
  • Neuer Leitfaden inkl. Checkliste „Dokumentation bei Objektübergabe“

Rückblick

  • Preisverleihung Innovatives Gebäude 2016

save the date

  • Holzbau-Weltkonferenz in Wien
  • ACR-Enquete
  • Lebenszyklus-Award
  • Int. Passivhaus-Tagung in Wien

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Artikel & Presseinfos

Road To Zero – 200 Tage nach Paris: Podiumsdiskussion zum Nachhören

200 Tage nach der Klimakonferenz in Paris weist noch wenig darauf hin, dass in Österreich Klimaschutz wirklich ernst genommen wird. Dieser Eindruck entsteht vor allem dann, wenn es ums liebe Geld geht. Ganz im Gegenteil: Eine WIFO-Studie zeigt auf, dass Förderungen von bis zu 4,7 Mrd. Euro jährlich sogar negative Klimaeffekte haben. Die Mittel des Sanierungsschecks wurden heuer wieder deutlich gekürzt. Einige Länder wenden Nachhaltigkeits-Kriterien bei Förderungen gezielt den Rücken zu. Und immer mehr Teile der Bauwirtschaft vertreten die Ansicht, dass bereits genug getan wurde. Spielt in der Wohnbauförderung Umwelt- und Klimaschutz überhaupt noch eine Rolle?

Mehr darüber hier inkl O-Ton.

Sanierungs-Rate für thermische Sanierung

„Die aktuellsten Daten zu umfassenden thermisch-energetischen Sanierungen (umfassende Sanierungen) im Rahmen der Wohnbauförderung WBF. Hinzu kommen noch geringe Anteile aus dem Sanierungsscheck (ohne Kofinanzierung WBF) und ungeförderte Sanierung. Aber auch unter Hinzurechnung dessen liegt Österreich deutlich unter 1 Prozent mit rückläufiger Dynamik“ – Wolfgang Amann, Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen IIBW.

Hier gehts zur Online-Seite.


Studien

Vergleich Wärme-Versorgungs-Systeme

Eine von der MA 20 – Energieplanung beauftragte Studie „Vergleich Wärmeversorgungssysteme“ vergleicht die Kosten von unterschiedlichen Wärmebereitstellungssystemen für großvolumige Wohnbauten. Eine zentrale Erkenntnis der Analyse ist, dass ökologisch sinnvolle Systeme auch leistbar sind.

Hier gehts zur Studie.

Subventionen und Steuern mit Umweltrelevanz in Energie und Verkehr

Zu dieser Studie stellten Klima- und Energiefonds und WIFO fest: Förderungen von bis zu 4,7 Mrd. € jährlich haben negative Klimaeffekte. Die WIFO-Studie quantifiziert umweltbelastende Subventionen für Verkehr, Energie und Wohnbau für Österreich.
Hier gehts zur Studie

Eine umfangreiche, thematisch geordnete Sammlung der wesentlichsten Studien rund ums nachhaltige Bauen und Sanieren finden Sie im Studienverzeichnis der Medienstelle.


Meinungen

„Verabschiedet sich 2016 die Wohnbauförderung als Motor für Klimaschutz?“

Monika Auer und Inge Schrattenecker, ÖGUT: „Pünktlich zur Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens kündigen die Bundesländer an, sich bei der Wohnbauförderung zum Thema Energieeffizienz künftig an den Bauordnungen zu orientieren und keine weitergehenden Anforderungen mehr zu stellen. Dass man „günstiger“ baut, wenn man keinen besonderen Wert auf Energieeffizienz legt, ist mittlerweile widerlegt. Im Paris Agreement steht zudem nicht, dass wir die Klimaerwärmung nur dann bei 2° C begrenzen wollen, wenn das billiger ist als alle Alternativen.“

Zum Fachkommentar

„2,5 Mrd. € an Förderungen für Gebäude verfehlen Klimaschutzziele“

Günter Lang, Passivhaus Austria: „Wollen wir das Klimaziel von 1,5 Grad, das auf der Klimakonferenz in Paris 2015 ins Visier genommen wurde, erreichen, müssen Förderungen, Subventionen und Bauordnungen gleichermaßen zukünftig auch hinsichtlich ihrer Umwelt- und Klimaeffekte bewertet werden. Heute neu gebaute oder sanierte Gebäude werden frühestens 2056 wieder energetisch verbessert. Daher ist ab sofort der energetisch beste Standard erforderlich.“
Zum Fachkommentar

„Welches Fördersystem brauchen wir für einen CO2-neutralen Gebäudesektor?“

Robert Lechner, ÖGNB: „Gebäude mit geringerer Dichte rutschen derzeit durch den Rost: Einfamilienhäuser dürfen beim Niedrigstenergiegebäude ebenso wie der Sanierung mehr als doppelt so viel Energie für Heizung pro Quadratmeter verbrauchen, als Geschoßwohnungsbauten. Dass muss in Zukunft heftig hinterfragt werden. Vor allem auch deshalb, weil bislang österreichweit knapp 60 Prozent der gesamten Wohnflächen im Ein- und Zweifamilienhaus realisiert wurden. Das Fördersystem der Zukunft muss hocheffiziente Wohnbauten unterstützen, gleichzeitig den Flächenverbrauch pro Kopf reduzieren und die Restenergie mit erneuerbaren Energieträgern bereitstellen.“
Zum Fachkommentar

„Bedarf Förderinstrumente- und Kriterien, die 100-prozentig auf Klimaschutzziele ausgerichtet sind“

Hildegund Mötzl, IBO: „Zur effizienten Umsetzung der „Road to Zero“ bedarf es nicht nur der entsprechenden Rahmenbedingungen wie z.B. der Förderinstrumente wie die Wohnbauförderung oder den Sanierungschecks sondern auch Kriterien, die 100%tig auf die Klimaschutzziele ausgerichtet sind und die Innovationen in diesem Bereich beflügeln. Keinesfalls darf unter dem Deckmantel des leistbaren Wohnens am Klimaschutz gespart werden, denn dies wird, über den Lebenszyklus der Wohnung gerechnet, sehr viel teurer und verfehlt die Road to Zero.“
Zum Fachkommentar

„Wohnbauförderung – Sozialpolitische Lenkungseffekte ernst nehmen“

Franziska Trebut, ÖGUT: „Solange es für die Sanierung in Österreich keine streng einzuhaltenden thermisch-energetischen Standards über das Ordnungsrecht gibt, hat Wohnbauförderung die zentrale Aufgabe, deutliche Anreize für den klimatauglichen und sozial verträglichen Umbau des Wohngebäudebestandes zu leisten.“
Zum Fachkommentar

Das Haus mit Speicher am grünen Strom

Johannes Fenchner, klimaaktiv Bildungskoordination: „Bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll die Dekarbonisierung der industrialisierten Volkswirtschaften geschafft sein. Mehrere Bundesländer haben den Ausstieg aus der fossilen Raumwärme sogar bereits fixiert, z.B. Kärnten: 100 % erneuerbare Raumwärme bis 2025, Oberösterreich bis 2030. Photovoltaik und Wind werden global gesehen in den kommenden Jahrzehnten die Hauptlast der Ökologisierung des Energiesystems tragen. Grund dafür sind die Potentiale, die erreichten Kostenstrukturen und die relative Ausgereiftheit beider Technologien, stellte die Internationale Energieagentur fest. Mit welchen erneuerbaren Energien werden Gebäude, die wir heute bauen, dann betrieben werden? Ein Blick ins Jahr 2050 zeigt, wie sich die Energieerzeugung nach der Dekarbonisierung darstellen könnte.“
Zum Fachkommentar


Infos des Netzwerks

Hagelfestes Holz

Gemeinsam mit mehreren Unternehmens- und Forschungspartnern untersucht die Holzforschung Austria nun, wie die Beschichtung besser an die Eigenschaften des Holzes angepasst werden kann, um eine bessere Hagelresistenz zu erreichen.
Mehr dazu vom ACR.

Der Energiebericht Online (EBO)

Das Energieinstitut Vorarlberg hat mit dem Energiebericht Online (EBO) einen Energiebericht als Bilanz- und Steuerungsinstrument für Kommunen entwickelt.
Mehr dazu vom Energieinstitut Vorarlberg

Brand ist neue e5-Gemeinde

Die Gemeinde Brand ist dem e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden beigetreten. e5-Gemeinden sind Vorreiter beim Vorantreiben und Umsetzen der Energieautonomie in Vorarlberg.
Mehr dazu vom Energieinstitut Vorarlberg.

Innendämmung – Lösungen für sofort

Eine Innendämmung bringt Komfort und Energieeffizienz und lässt sich zu jeder Jahreszeit anbringen. Was dabei zu beachten ist, wurde vom IBO im Forschungsprojekt ID-Solutions bei sieben Sanierungen herausgearbeitet.
Mehr dazu vom ACR.

Mehr Vertrauen durch Investor-Ready-Zertifizierung

ICP Europe standardisiert mit seinen Energieeffizienz Protokollen den Gebäudesanierungsprozess und will dadurch Energieeffizienzprojekte markttauglicher und attraktiver für Investoren machen. Nationaler Projektpartner in Österreich ist die denkstatt GmbH.
Mehr dazu.

Neuer Leitfaden inkl. Checkliste „Dokumentation bei Objektübergabe“

Facility Management Austria (FMA) veröffentlicht Leitfaden inkl. Checkliste „Dokumentation bei Objektübergabe“ und schafft damit einen wesentlichen Beitrag zur Klarheit betreffend Objektdokumentation mit integrierter Datenübergabe.
Mehr dazu.


Rückblick

Preisverleihung Innovatives Gebäude 2016

Die Plattform Innovative Gebäude hat am 28. April 2016 zum 2. Mal den Preis für das innovative Gebäude des Jahres verliehen.
Mehr dazu.


save the date

World Conference on Timber Engineering in Wien

Die Holzbau-Weltkonferenz findet heuer in Wien statt – von 22. bis 24. August 2016. Heuriger Organisator ist die TU Wien.
Weitere Infos.

ACR-Enquete

Im Rahmen der ACR-Enquete am 3. Oktober 2016 (WKO Sky-Lounge) werden auch heuer wieder die ACR-Preise verliehen. Der „ACR Kooperationspreis“ für ein erfolgreiches Forschungsprojekt eines ACR-Instituts mit einem KMU und der „ACR Woman Award“ für eine besonders engagierte Forscherin aus dem Verband.

Lebenszyklus-Award

Der Special Award wird im Rahmen des 6. Kommunalwirtschaftsforums am 20. und 21. Oktober 2016 in Graz verliehen. Erstmals zeichnet der Lebenszyklus-Award Bauherren, Institutionen und Gemeinden für eine hohe Organisations-, Kultur und Prozessqualität bei der Planung, Finanzierung, Errichtung und Bewirtschaftung ihrer Gebäude aus.
Weitere Infos.

Int. Passivhaus-Tagung in Wien

Nun stehen Datum und Veranstaltungsort für die Tagung fest: Die Experten zum energieeffizienten Bauen kommen am 28. und 29. April 2017 im Messe Wien Congress Center zusammen. Das Schwerpunktthema der 21. Tagung lautet „Passivhaus für alle“. Der Call for Papers hat begonnen.
Weitere Infos.

Zahlreiche Veranstaltungen rund ums nachhaltige Bauen und Sanieren finden Sie im Kalender der Medienstelle.


Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen ist ein unabhängiger Mediendienst und wird vom Ministerium für ein lebenswertes Österreich gefördert.

 

 

 

Zersiedelung und die graue Energie

Im Rahmen der Studie „Zu EnergieRelevanten Aspekten der Entstehung und Zukunft von Siedlungsstrukturen und Wohngebäudetypen in Österreich“ wurde die graue Energie nach Siedlungs- und Gebäudetypen analysiert und errechnet. Fazit: Ein Einfamilienhaus in Streusiedlungslage erfordert aufgrund notwendiger Infrastruktur einen enormen Einsatz grauer Energie.

Zersiedelung Graue Energie

Die Modellierung zeigte, dass vor allem Streusiedlungen einen hohen Einsatz an Grauer Energie erfordern und diese im Besonderen für die Errichtung von Straßen und Infrastrukturleitungen aufgewandt wird. Bei Einfamilienhäusern in Streusiedlungslage übersteigt der Energiebedarf für die Errichtung der Infrastruktur den Energiebedarf für die Errichtung des Gebäudes deutlich. Bei den beiden Mehrfamilienhaustypen (drei und sieben Geschoße) sind die Werte für den Bereich Straße & Leitungen in etwa gleich hoch.

Inkludiert man den Energieaufwand für Instandhaltungsarbeiten und rechnet die Graue Energie auf 100 Jahre, werden die Unterschiede zwischen den Wohnsiedlungsformen noch deutlicher: Das Einfamilienhaus in Streulage kommt auf 1178.471 kWh/100 Jahre, Einfamilienhaus 702.331 kWh / 100 Jahre. Wohnbau dreigeschoßig schlägt mit 276.295 kWh zu Buche, der siebengeschoßige mit 264.089 kWh.
Mehrfamilienhäuser (drei und sieben Geschoße) benötigen demnach weniger als 25 % der für Einfamilienhäuser in Streulage aufgewandten Grauen Energie.

Im Jahr 1970 war der Energieverbrauch im Betrieb so hoch, dass die Graue Energie zur Herstellung mit 7 bis 19 % des Gesamtenergiebedarfs vergleichsweise unbedeutend war. Dagegen betrug der Anteil an Grauer Energie im Jahr 2010 zwischen rund 24 und 48 % des Gesamtenergiebedarfs bzw. 50 % bei Gebäuden in Passivhausbauweise und ist damit nicht vernachlässigbar. Auch absolut gesehen ist die Graue Energie für alle Gebäudetypen 2010 deutlich höher als 1970. Für Einfamilienhäuser in Streulage ist der Bedarf an Grauer Energie etwa gleich hoch wie für den Betrieb. Zusätzlich dazu ist bei Einfamilien-Passivhäusern der Gesamtenergiebedarf, bedingt durch den Mehraufwand in der Erschließung (es gibt keinen „Passiv-Straßenbau“), höher als für Mehrfamilienwohnhäuser nach derzeit gefordertem Mindeststandard.

Das Haus mit Speicher am grünen Strom

Kommentar von Johannes Fechner, klimaaktiv Bildungskoordination, 17&4

Bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll die Dekarbonisierung der industrialisierten Volkswirtschaften geschafft sein. Mehrere Bundesländer haben den Ausstieg aus der fossilen Raumwärme sogar bereits fixiert, z.B. Kärnten: 100 % erneuerbare Raumwärme bis 2025, Oberösterreich bis 2030. Photovoltaik und Wind werden global gesehen in den kommenden Jahrzehnten die Hauptlast der Ökologisierung des Energiesystems tragen. Grund dafür sind die Potentiale, die erreichten Kostenstrukturen und die relative Ausgereiftheit beider Technologien, stellte die Internationale Energieagentur fest. Mit welchen erneuerbaren Energien werden Gebäude, die wir heute bauen, dann betrieben werden? Ein Blick ins Jahr 2050 zeigt, wie sich die Energieerzeugung nach der Dekarbonisierung darstellen könnte.
Für die Wärmeanwendung sind im Österreich-Szenario vor allem die Technologien Solarthermie, Wärmepumpe sowie „noch offen/Geothermie“ mit erforderlichen Steigerungsraten um ca. das 8-fache voranzutreiben, biogene Energieträger steigen nur moderat an, PV ist erst am Beginn.(1) Wesentlich dabei ist, dass eine erfolgreiche Energie- und Klimastrategie jedenfalls einen massiven Rückgang des Gesamtenergiebedarfes um etwa 40 % als Basis erfordert. Dies wird vorrangig über Wärmeschutzmaßnahmen im Gebäudesektor zu erreichen sein.

Gebäude – fit zum Betrieb im System der erneuerbaren Energien?
Zusätzlich zu biogenen Brennstoffe werden vor allem Power-to-Heat-Technologien in großem Stil eingesetzt werden. Heizen mit Strom – das was bisher eher verpönt war soll nun die Rettung bedeuten? Unter bestimmten Voraussetzungen: ja! Wenn der oben gezeigte Energiemix 2050 Realität wird, dann wird es Zeiten mit noch weit größeren Stromüberschüssen geben als heute, aber auch Zeiten, wo Sonne und Wind zu wenig bringen. In Österreich wissen wir die Bedeutung von Speicherkraftwerken wie Kaprun zu schätzen, will man nun aber Wärme auch in großem Ausmaß elektrisch produzieren, dann braucht es zusätzlich Speicherkapazitäten und dafür gibt es sicher nicht mehr ausreichend flutbare Alpentäler. Für Wärme kann das eine Saisonspeicherung im Untergrund unter Gebäuden sein, die thermische Nutzung von Betonteilen oder auch Wasserspeicher. Es sollte eigentlich im Interesse der Energieversorger und Netzbetreiber liegen, dass diese Speicherkapazitäten bei jedem Bauvorhaben nutzbar gemacht werden.

Energiespeichersysteme – Überforderung für Bauträger?
Bei den meisten Bauträgern wird das Ansinnen, nun auch komplexe Energiespeichersysteme zu errichten, wenig Begeisterung hervorrufen. Dazu gibt es aber bereits eigene Unternehmen wie z.B. die Kraftwerk Krieau GmbH, die am Standort Energie aus erneuerbaren Quellen – Geothermie, Grundwasser, Abwärme, Abwasser, Solarenergie – produzieren. Der Kunde bezieht diese am Standort produzierte grüne Energie für Wärme und Kälte zu einem marktgerechten Preis. Im Viertel Zwei im Wiener Prater werden so demnächst rund 1.500 Arbeitsplätze, ca. 500 Wohnungen, 350 Studenten Apartments mit grüner Energie versorgt.

Wärmepumpe – hilfreich für die Energiewende?
Eines scheint bereits festzustehen. Die Wärmepumpe wird zum bedeutendsten Heizungssystem. Der Marktanteil der Wärmepumpe im Neubau beträgt zurzeit bereits 75 % – 80 %, bei einem Bestand von 158.000 Gebäuden mit Wärmepumpenheizung im Jahr 2015. Die aktuelle Roadmap sieht Szenarien für 2030 mit 266.000 bis 624.000 Gebäuden mit Wärmepumpenheizung. Nun macht es aber einen großen Unterschied, wie diese vielen Anlagen betrieben werden. Können sie dann eingeschaltet werden, wenn ein Stromüberangebot vorhanden ist und Wärme speichern? Wenn sie das nicht können werden sie an vielen Stunden des Jahres genau dann betrieben, wo Strom nicht aus erneuerbaren Quellen produziert werden kann. Ein Resultat wäre mehr importierter Kohle-Strom.
In Deutschland gibt es bereits eine spezielle Wärmepumpenförderung für „Smart Grid“ taugliche Produkte (SG Label) wenn diese in Kombination mit einem Speicher installiert werden.(2) Eine Studie des AIT bestätigt, Wärmepumpen können Flexibilität sehr effizient bereitstellen, wobei das Flex-Potential der Wärmepumpen stark von Use Case und Jahreszeit abhängig ist. (3)

Wer dirigiert den Schwarm?
Bleibt die Frage, wer optimiert den Betrieb? Der deutsche Energieversorger LichtBlick zeigt mit seinem Geschäftsmodell interessante Ansätze, wie sauberer Strom verfügbar gemacht wird und vernetzt dazu dezentrale Erzeuger, Speicher und steuerbare Lasten zu einem intelligenten Schwarm. Die entsprechende IT, genannt Schwarmdirigent, erlaubt die technische Einbindung dezentraler Kraftwerke oder Batteriespeicher in allen relevanten Energiemärkten – zum Beispiel an der Strombörse oder im Markt für Regelenergie. Speziell für Wärmepumpenbesitzer bietet der Wiener Stromanbieter Awattar eine Webschnittstelle namens „Syncer“, damit sich die Heizung automatisch zum jeweils günstigsten Zeitpunkt Strom bezieht.

Spätestens an diesem Punkt ist das Argument der höheren Investitionskosten zu behandeln. Wir können dazu einerseits das Vermächtnis des Rechnungshofpräsidenten Moser zitieren, wo verbindliche energetische Planungsvorschriften und Lebenszykluskostenanalysen gefordert werden (4) und andererseits auf Energiedienstleistungen setzen wie oben beschrieben und dafür sorgen, dass sich derartige Angebote am Markt verbreiten.

Schlussfolgerung
Nachhaltiges Bauen ist um eine Facette reicher geworden. Waren die Kennwerte bisher vor allem darauf ausgelegt, die Betriebsenergie zu minimieren, so geht es jetzt auch mehr um die tatsächliche Erneuerbarkeit dieser Energie. Das Passivhaus Institut hat mit seinen neuen Klassen Classic, Plus und Premium bereits neue Anforderung gesetzt. Im klimaaktiv Gebäudestandard ist CO2 seit Beginn an ein Kriterium, die Berechnung mit den OIB Faktoren gibt zumindest einen ungefähren Anhaltspunkt zu den Klimabelastungen. Speichermöglichkeiten gibt es in und um jedes Gebäude, mit guter Planung können sie für Jahrzehnte nutzbar gemacht werden. Effiziente Wärmepumpen brauchen Niedertemperaturheizungen und sollten „netzdienlich“ betrieben werden können. Die Dekarbonisierung sollte zumindest im Neubau kurzfristig zu schaffen sein!

 

Quellen:
(1) Energiezukunft Österreich, Szenario für 2030 und 2050 [Veigl, 2015].
(2) http://www.bafa.de/bafa/de/energie/erneuerbare_energien/waermepumpen/basis_und_zusatzfoerderung/lastmanagement.html
(3) iWPP-Flex: Intelligentes Wärmepumpen-Pooling als Virtueller Baustein in Smart Grids zur Flexibilisierung des Energieeinsatzes Tara Esterl, AIT Austrian Institute of Technology GmbH; VERBUND, http://www.nachhaltigwirtschaften.at/iea_pdf/events/20160622_highlights_der_energieforschung_2016_vortrag_esterl.pdf
(4) http://diepresse.com/mediadb/Positionen_2016_02.pdf

Welches Fördersystem brauchen wir für einen CO2-neutralen Gebäudesektor?

Kommentar von Robert Lechner, Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB

Im Jahr 1990 wurden in Österreich im Gebäudebereich 13,13 Mio Tonnen CO2-Äquivalente emittiert; in der aktuellen Klimaschutzbilanz werden nur mehr 7,6 Mio Tonnen ausgewiesen. Dies entspricht einer aktuellen Reduktion von 42 Prozent gegenüber 1990. Noch im Vorjahr hatte die Einsparung „nur“ 34 Prozent ausgemacht: Schon diese deutliche Steigerung in nur einem Jahr macht deutlich, dass vor allem die Temperaturschwankungen (kalte Winter) kurzfristig deutlich Einfluss auf die Klimaschutzbilanz des Gebäudesektors nimmt. Die Zielvorstellung bis 2050 ist jedoch klar definiert: Mit Ratifizierung des Paris-Abkommens zum Klimaschutz ist bis spätestens 2050 der Gebäudesektor „weitgehend“ CO2-neutral zu stellen. Werden dem Sektor bis dahin noch 10 Prozent der Emissionen aus dem Jahr 1990 zugestanden, dann verbleiben 1,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Vereinfacht kann festgehalten werden: Bis ins Jahr 2020 werden wir ein starkes Drittel der notwendigen Einsparungen umgesetzt haben. Dafür haben wir leider aber dann schon die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit beansprucht. Hinsichtlich der aktuellen Anforderungsniveaus des „Nationalen Plans“ zur Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor wird dem als kostenoptimal deklarierten Niedrigstenergiegebäude („10er-Linie“ der aktuellen OIB-Anforderungen) bis zur mittleren Kompaktheit von Gebäuden (verdichteter Flachbau, kleinerer Mehrgeschoßwohnungsbau) an sich gute Qualität beschieden. Diese Gebäude sind hinsichtlich des zulässigen Heizwärmbedarfs dann mit den hochwertigen Anforderungen von Passivhäusern vergleichbar, wenn mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut wird. Gebäude mit geringerer Dichte rutschen derzeit aber durch den Rost: Einfamilienhäuser dürfen beim Niedrigstenergiegebäude ebenso wie der Sanierung mehr als doppelt so viel Energie für Heizung pro Quadratmeter verbrauchen, als Geschoßwohnungsbauten. Dass muss in Zukunft heftig hinterfragt werden. Vor allem auch deshalb, weil bislang österreichweit knapp 60 Prozent der gesamten Wohnflächen im Ein- und Zweifamilienhaus realisiert wurden.
Das Fördersystem der Zukunft muss hocheffiziente Wohnbauten unterstützen, gleichzeitig den Flächenverbrauch pro Kopf reduzieren und die Restenergie mit erneuerbaren Energieträgern bereitstellen. Ich empfiehle die sofortige Ausarbeitung eines Mehrsäulen-Modells mit Schwerpunkten Effizienz (Passivhaus und vergleichbar), Erneuerbare Energieträger (Solar, Geothermie, Biomasse, hocheffiziente KWK) und Verdichtung (Reduktion Pro-Kopf-Verbrauch an Fläche). Besonders der letztgenannte Aspekt wird generell unterschätzt und viel zu wenig beachtet: Wenn es möglich ist, von heute knapp 44 Quadratmeter Wohnnutzfläche pro Person in Österreich auf ca. 30 Quadratmeter zu reduzieren (Wert der 90er Jahre), dann wird dadurch ein ganz wesentlicher Beitrag zur Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und damit auch Zukunftsfähigkeit geleistet. Denkbar ist, dass die Errichtung von Einfamilienhäusern nur mehr dort gefördert wird, wo es sich um Nachverdichtungen, Bestandssanierungen oder Flächenrecycling handelt.
In diesem Zusammenhang schlage ich auch die Einrichtung personifizierter CO2-Konten vor. Nur wenn es uns gelingt, den Menschen klarzumachen, dass sie selbst die Verantwortung für den Klimawandel mittragen, wird ein nachhaltiger Wandel im Sinne einer CO2-neutralen Gesellschaft möglich sein.

Eckpunkte für ein neues Strategie- und Fördermodell im Hochbau

Übergang vom „Wohnbauförderprogramm“ zu einem gesamthaften „Impulsprogramm Hochbau“ in Kompetenz des Bundes und in Abstimmung mit den Ländern (15a B-VG) und unter Einbeziehung aller relevanter Stakeholder

  • Definition von klaren Anforderungen und Nachhaltigkeitszielen für unterschiedliche Gebäudenutzungen 2050: Umwelt, Wirtschaft, Soziales
  • Umweltspezifisches Kernziel: CO2-freier Gebäudesektor Österreich 2050
  • Abstimmung von Wohnbau & Nichtwohnungsbau: Rechtsmaterien, Förderinstrumentarium auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene
  • Besondere Schwerpunktsetzung: Die öffentliche Hand als Nutzerin
  • Benennung von Schwerpunktaktivitäten für die einzelnen Aktivitätsbereiche
  • Unterteilung der Zielvorgaben in kurzfristig einzulösende Maßnahmen mit verpflichtender Anpassung im Berichtsmodus von maximal fünf Jahren (Paris Agreement Reporting Scheme)

Generelle Aspekte / Rahmenbedingungen

  • Reduktion der CO2-Emissionen aus dem Gebäudebereich (Raumwärme, elektrischer Strom) für das Jahr 2050 auf maximal 10 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Jahr 1990. Das entspricht maximal 1,3 Mio Tonnen CO2-Äquivalente. Zu prüfen ist hier eine möglicherweise notwendige Anpassung auf Basis eines absehbaren Bevölkerungswachstums.
  • Entwicklung eines Dokumentations- und Monitoringsystems unter Einbeziehung aller relevanten Aktivitätsbereiche auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene sowie ggf. auch privater TrägerInnen. Hier ist auch gezielt auf das in Entwicklung befindliche Berichts-System im Sinne des Weltklimavertrags Rücksicht zu nehmen.
  • Übergang / Ergänzung des bestehenden Indikatorensystems von meist flächenbezogenen Zielvorgaben auf Pro-Kopf-Zielwerte im Einklang mit internationalen Indikatorensystemen. Neue Zielwerte für CO2-Emissionen pro Kopf, Ressourcenverbrauch pro Kopf (z.B. Primärenergie, Fläche).
  • Definition von Zielvorgaben für die Objekt- und Siedlungsebene. Sukzessiver Ersatz konservativer (und meist wirkungsloser) Raum- und Stadtentwicklungsinstrumente durch systemische Monitoring- und Planungsinstrumente auf Quartiers-, Siedlungs- und Raumebene unter strikter Einbeziehung der gebauten Infrastruktur.
  • Zweckwidmung von Wohnbaufördermitteln und vergleichbaren Förderinstrumenten für den ausschließlichen Zweck des Hochbaus; ergänzend können siedlungsbezogene Infrastrukturen dann gefördert werden, wenn diese nachweislich das Erreichen der Kernzielsetzung „CO2-freier Gebäudesektor Österreich 2050“ unterstützen. Verbot sämtlicher direkter und indirekter Förderung / Finanzierung mit öffentlichen Mitteln für divergierende Zielvorstellungen.
  • Grundsätzlich sind verbindliche Zielvorgaben für die Weiterentwicklung des Gebäudebestands auszuarbeiten: Zu prüfen ist ein „Sanierungsgebot“ mit verbindlicher Umsetzungsfrist für all jene Gebäude, welche deutlich hinter die generellen Zielsetzungen zurück fallen
  • Verbindliche Zweckwidmung von 1 Prozent der relevanten Fördermittel / öffentlichen Mittel für die sektorspezifische Forschung und Entwicklung auf Bundes- und Landesebene. Daraus resultiert nach vorsichtiger Schätzung ein sektorspezifisches (öffentliches) FTI-Volumen von 30 bis 40 Millionen Euro jährlich.

Wohnbauförderung NEU – 15a B-VG zwischen Bund und Ländern

  • Bereitstellung von Wohnbaufördermitteln im Rahmen des Finanzausgleichs mit einem Volumen von 3 Mrd Euro jährlich
  • Entwicklung eines landesweit verbindlichen und vor allem einheitlichen Förderinstrumentariums zur gezielten Umsetzung der zentralen Zielsetzung „CO2-freier Gebäudesektor Österreich 2050“. Sozialpolitische Zielvorgaben sind dabei ebenso enthalten wie gesamtwirtschaftliche Impulse.
  • Sozialpolitisch relevante Fördersätze sind in Form von „Sockelfördersätzen“ für die soziale Dimension des Hochbaus zu definieren.
  • Neubau von Wohnbauten – mittel- bis großvolumige Gebäude: Kurzfristig (mit sofortiger Gültigkeit einer neuen 15a Vereinbarung im Jahr 2017) muss als Mindestvoraussetzung für die Inanspruchnahme von über die Sockelbeträge hinausgehenden Fördermitteln das im Nationalen Plan formulierte Ziel des Niedrigstenergiegebäudes (10er-Linie) gemäß einschlägiger normativer Vorgaben für Gebäude mittlerer und hoher Kompaktheit herangezogen werden. Das bedeutet ein Vorziehen der Neubauanforderungen (01.01.2021) auf spätestens 01.01.2018 für sämtliche Bauwerke. Die höchsten Förderzuschläge sind für Bauwerke in hocheffizienter Bauweise (Passivhaus, Null- / Plusenergiegebäude oder Gebäude mit nachweislich höchster CO2-Effizienz unter Beachtung volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen) zu leisten.
  • Neubau von Wohnbauten – kleinvolumige Gebäude / Einfamilienhäuser: Grundsätzlich ist zu prüfen, inwieweit nach erfolgter gesamthafter Bewertung der Siedlungsstrukturen einerseits (Infrastruktur, Mobilität) und der sozialen Treffersicherheit andererseits (Argumentierbarkeit der Einfamilienhausförderung hinsichtlich Kapitaleinsatz, Flächeninanspruchnahme, Förderfähigkeit der FördernehmerInnen) Wohnbaufördermittel ausgeschüttet werden sollen / können. Grundsätzlich förderfähig soll die Nachverdichtung, das Flächenrecycling in bestehenden Einfamilienhausgebieten und generell die Wiederbelebung bereits vorhandener Siedlungsgebiete sein. Hinsichtlich der Effizienzanforderungen sind vergleichbare Effizienzniveaus wie beim Geschoßwohnbau anzustreben: Das bedeutet konkret, dass die normative Definition des Niedrigstenergiegebäudes im Bereich der kleinvolumigen Wohnbauten einer Nachbesserung bedarf. Höchste Fördervolumina dürfen künftig nur mehr Gebäude in hocheffizienter Bauweise (Passivhaus, Null- / Plusenergiegebäude oder Gebäude mit nachweislich höchster CO2-Effizienz unter Beachtung volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen) erhalten.
  • Sanierung von Wohnbauten: Analog zur sofortigen Umsetzung des Niedrigstenergiestandards für Neubauten sind auch im Sanierungsbereich die kostenoptimalen Anforderungen des „Nationalen Plans“ für das Jahr 2021 sofort als Mindestvoraussetzung für die Inanspruchnahme von Fördermitteln zu definieren. Förderhöchstsätze sind dort auszuschütten, wo die Reduktion des Energieverbrauchs dazu beiträgt, dass im Vergleich zum Bestandsverbrauch nur mehr 10 Prozent CO2 emittiert werden. Zwischen bereits jetzt ambitionierten Anforderungen bei mittelgroßen und großen Wohnbauten (übertreffen die Neubauanforderungen von Einfamilienhäusern!) und den weniger ambitionierten Anforderungen bei Einfamilienhäusern ist ein Ausgleich zu schaffen (Anhebung der Mindestvoraussetzungen für EFH)
  • Ausschluss Öl- / Kohle- / Koksfeuerung

Porträtfoto