Archiv der Kategorie: Kommentare

Gute Lüftung für Alle

Kommentar von Franziska Trebut, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT

„Die Diskussion um mehr oder weniger Energieeffizienz im Gebäudesektor ist von einer latenten Skepsis gegenüber den eingesetzten Materialien und technischen Komponenten geprägt. Verständlicherweise gibt es hohes Interesse daran, dass Räume, in denen Menschen sich viele Stunden am Tag wohnend und arbeitend aufhalten, neutral oder sogar förderlich auf Gesundheit und Wohlbefinden wirken. Hinsichtlich der Raumluft zeigt sich besondere Verunsicherung. Hat doch der Mensch selber sehr beschränkte Sensorik, um deren Qualität differenziert zu beurteilen: „Wohlgerüche“ sagen meist wenig über die gesundheitlich relevante „Qualität“ der Luft aus, gefährdende Substanzen nehmen wir vielfach erst wahr, wenn sie das Verträgliche um ein beträchtliches Maß überschritten haben. In modernen Gebäuden gibt es neben der weit verbreiteten manuellen Lüftung (NutzerInnen öffnen und schließen die Fenster) daher auch technische Komponenten, verschiedene Formen der mechanischen Lüftung, die im Idealfall entsprechend regelmäßiger Messwerte aus dem Innenraum die verbrauchte Luft absaugt und die erforderliche Frischluftmenge bereitstellen. Ist das Gebäude mit nachhaltigen Baumaterialien errichtet, geht es bei der Abluft vor allem um den CO2 Gehalt aus der Atemluft des Menschen und um Feuchtigkeit, die in den Räumen durch verschiedenste Nutzungen entsteht.

Im Passivhaus kann eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sogar die konventionelle Heizung ersetzen. Diese durchaus effizienzsteigernde Tatsache verstellt in Punkto Lüftungsanlage allerdings den Blick auf das Wesentliche: Es ist dies eine Anlage, um ausreichend Frischluft in dichten Innenräumen bereitzustellen. Da die Räume in einem hochenergieeffizienten Gebäude zusätzlich über sehr gut gedämmte Fenster, Wände, Decken und Böden verfügen, kann durch Wärmerückgewinnung aus der Abluft und Vorwärmung der Frischluft die Komfortlüftung auch als Heizung ausreichend sein.

Dichte Gebäudehüllen sind am Bau seit Jahren State of the Art. Auch von Kritikern des energieefizienten Bauens werden Qualitäten ausgeführt, die zwar nicht den Anforderungen hochenergieeffizienter Gebäude entsprechen aber es faktisch kaum möglich machen, beispielsweise in kleinen Schlafräumen im Winter durch mechanisches Lüften für ausreichend gute Luft zu sorgen. Es sei denn, das Fenster bleibt dauerhaft geöffnet, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Raumtemperatur. Tirols größter gemeinnütziger Bauträger, die Neue Heimat Tirol, hat vor einigen Jahren in einer breit angelegten Studie bei zwei eigenen Wohnhausanlagen (mit und ohne Komfortlüftung) im Winter die Raumluftqualitäten gemessen. In der Wohnanlage ohne Komfortlüftung wurden unbedenkliche CO2 Werte nur in Räumen gemessen, in denen die Fenster dauerhaft geöffnet waren, bei gleichzeitigen Raumtemperaturen von unter 15 Grad Celsius.

Jahrhunderte lang hat der Mensch Räume mit Einzelöfen beheizt, die für den Verbrennungsprozess den Sauerstoff aus der Raumluft benötigten und einen Sog erzeugten, der neuen Sauerstoff durch die sehr undichten Fenster nachströmen lies. Aus Komfortgründen haben wir uns bereits vor Jahrzehnten von diesem System verabschiedet, zugunsten einer thermostatgeregelten Zentralheizung. Die Zentrallüftung ist lediglich deren konsequente Entsprechung, auch aber nicht nur aus Gründen der Energieeffizienz.

Es gibt einen Gebäudetyp, dem Komfortlüftungsanlagen unabhängig von jeglicher Energieeffizienzdebatte jedenfalls anzuraten sind: Schulen. In Klassenräumen übersteigt bereits nach 15 Minuten der CO2-Gehalt der Luft die empfohlenen Grenzwerte, Konzentration und Leistungsfähigkeit lassen nach. Ich würde beispielsweise SchülerInnen der 7. Klassen ermutigen, bei der Zentralmatura entsprechende Messgeräte in den Klassenräumen aufzustellen und die Aufsichtspersonen bitten, durch mechanisches Lüften für eine Raumqualität zu sorgen, die hohe Leistungsfähigkeit gewährleistet. Im Sinne der Chancengleichheit zu MaturantInnen an Schulen mit Komfortlüftung.“

Gute Luft für Alle.

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Links:
http://www.hausderzukunft.at/hdz_pdf/events/20140219_hdz_tws_muss_guter_standard_teuer_sein_vortrag_7_oberhuber.pdf
https://www.energie-tirol.at/fileadmin/static/sonstiges/51800_Lodenareal_Endbericht_2013.03.13_mb.pdf

Krebsgefahr durch Dämmen?

Kommentar von Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut

„Immer wieder tauchen Gerüchte auf, dass die Verwendung bestimmter Dämmstoffe das Risiko zur Krebserkrankung wesentlich erhöht wird und dass damit „quasi pauschal“ beim Dämmen von erhöhter Gefährdung der Gesundheit auszugehen ist. Auch wenn Begrifflichkeiten wie „Gefährdung der Gesundheit“ und „krebserregend“ grundsätzlich zwei sehr vorsichtig und vor allem differenziert zu beurteilende Aspekte sind, kann eines vorweggenommen werden: Das pauschale Vorurteil „Krebs durch Dämmen“ stimmt definitiv nicht.

Schreckgespenst Asbest

Wo aber abseits bewusster Panikmache oder Unwissenheit kommen derartige Vorwürfe tatsächlich her? Uns allen ist insbesondere ein Baumaterial mit nachgewiesen extrem gesundheitsgefährdender Wirkung bei der Verarbeitung und vor allem Sanierung bekannt: Asbest gilt bis heute als Schreckgespenst der Bauwirtschaft und das zurecht. Asbest wurde eigentlich seit dem Altertum vor allem im Brandschutz, als Dach- und Fassadenbaustoff und eingeschränkt auch als Dämmstoff verwendet. Der bei der Verarbeitung, zunehmender Verwitterung und vor allem beim Abbruch anfallende Asbeststaub ist aufgrund der entstehenden Feinstäube wegen seiner Fasergröße gefährlich. Wenn hier von „Größe“ die Rede ist, sollten die Dimensionen verdeutlicht werden: Als gefährlich werden Fasern eingestuft, deren Länge größer als 5 Mikrometer und deren Durchmesser kleiner als 3 Mikrometer ist. Ein Mikrometer ist übrigens ein Tausendstel eines Millimeters – also ganz schön klein. Wie auch immer: Derartige Fasern werden als „lungengängig“ bezeichnet. Zusätzlich dazu ist die biologische Abbaubarkeit – die Biolöslichkeit oder Halbwertszeit – im Körper schlecht. Die Folge daraus können Krebserkrankungen sein; Hauptbetroffene sind BauarbeiterInnen, die mit Asbest in Kontakt kommen. Aus diesen Gründen ist Asbest in der Europäischen Union seit 2005 generell verboten; in einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bereits seit mehr als zwanzig Jahren. Österreich hat im Jahr 1990 ein generelles Asbestverbot gesetzlich verankert und war mit dieser Maßnahme damals eine Vorreiternation im Umwelt- und Arbeitsschutz. Eines ist aber auch klar: Mitunter gefährlich kann bei Bauwerkssanierungen der Ausbau von Asbest sein, sofern dieses Material überhaupt im Altbau vorhanden ist. Deshalb gibt es strenge arbeitsrechtliche Vorschriften, wie mit diesem gefährlichen Material umzugehen ist. Werden diese eingehalten, so kann das Gefährdungspotential auf ein Minimum reduziert werden. So weit so gut: Asbest ist Geschichte und hierzulande nicht die schlechteste.

Alte und neue Mineral- und Glaswolle

Was aber hat die Asbestproblematik mit bis heute gültigen Vorwürfen wie „Dämmen ist krebserregend“ zu tun? Nun, gesundheitsgefährdend ist bei Asbest die beschriebene Fasergröße und geringe Biolöslichkeit des Materials im Körper. Der Faserstaub bei Verarbeitung oder Abbruch ist „lungengängig“, er kann somit tief in den menschlichen Organismus eindringen. Fehlende oder geringe Biolöslichkeit führt dazu, dass ein Material im menschlichen (oder biologischen) Organismus gar nicht oder nur wenig abbaubar ist. Und derartige Eigenschaften trafen bis zur Mitte der 90er Jahre auch auf andere Materialien zu. Allen voran sind hier einzelne Mineralfaserprodukte zu nennen. Mit dem insbesondere in Österreich und Deutschland gestiegenen Bewusstsein zum Gefährdungspotential von Asbest bzw. Materialien mit asbestähnlichen Eigenschaften (richtig: Fasergröße, Biolöslichkeit!) wurden deshalb für Mineral- und Glaswolle bereits Mitte der 90er Jahrestrenge Vorgaben entwickelt, deren Einhaltung dafür sorgt, dass die Verwendung dieser Materialien hinsichtlich ihrer Krebswirkung mit geringen Risikos verbunden ist. Und nochmals ein mahnendes Vorsicht mit Ausrufezeichen: Wenn bei Asbestfasern die Biolöslichkeit oder Halbwertszeit im menschlichen Organismus bei mehr als 100 Jahren liegt, so liegt diese bei „alten“ Mineralwollen (Glaswolle) bei mehreren Monaten. Und als „alte“ Produkte sind Glaswollen einzustufen, die vor dem Jahr 1996 in Europa produziert bzw. in Verkehr gebracht wurden. Seither gelten strenge Anforderungen an die Biolöslichkeit sogenannter „KMF – Künstliche Mineralfasern“, unter die alle Mineral- und Glaswollprodukte fallen. Ähnlich wie bei Asbest ab dem Jahr 1990 kann somit für Mineral- und Glaswolle für Österreich ab Mitte der 90er Jahre festgehalten werden: Die karzinogene Wirkung dieser Produkte wurde aufgrund strenger Vorgaben für die Produktion extrem reduziert und ist keinesfalls mit jener der ohnehin verbotenen Asbestprodukte vergleichbar. Seit dem Jahr 2005 gilt übrigens EU-weit ein Verbot der Produktion und des Inverkehrbringens von Produkten mit KMF, die hinsichtlich ihrer physischen oder chemischen Beschaffenheit (schon wieder: Fasergröße, Biolöslichkeit!) bedenklich sind. Gütesiegel wie natureplus, Österreichisches Umweltzeichen oder Blauer Engel bestätigen die Unbedenklichkeit ebenso wie das „RAL-Gütesiegel“ der Gütegemeinschaft Mineralwolle, welche mit ihren Produkten mittlerweile mehr oder minder praktisch 100 Prozent des Marktes abdeckt. Und wie bei Asbest gilt: Vorsicht ist beim Ausbau bzw. bei der Sanierung von Gebäuden mit „alten“ Mineralfasern geboten, deren Einbau also vor dem Jahr 1996 erfolgte. Und nochmals: Im Vergleich mit Asbest kann bei Mineralwolle grundsätzlich von geringerer Gesundheitsgefährdung ausgegangen werden. Wichtig ist auch hier die Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen bei der Sanierung bzw. beim Umgang mit derartigen Produkten; wenngleich bei „neuen“ KMF-Produkten in erster Linie der Juckreiz auf der ungeschützten Haut ein mit entsprechender Arbeitsbekleidung ärgerliches aber zu bewältigendes Übel darstellt. Oberstes Gebot für die Gebäudesanierung, aber auch den Neubau: Eine möglichst staubfreie Verarbeitung von KMF-Produkten reduziert das Gesundheitsrisiko auf ein Mindestmaß.

HBCD

Bleibt in dieser Analyse noch ein aktuell bekanntes Thema, welches in erster Linie in Verbindung mit EPS oder expandiertem Polystyrol kommuniziert wird: Die Rede ist von HBCD, dem Kürzel für das fast unaussprechliche Hexabromcyclododecan, welches zumindest bis in die jüngste Vergangenheit einen häufig als Flammschutzmittel eingesetzten Stoff bezeichnet. HBCD hat laut Umweltbundesamt Deutschland in Übereinstimmung mit der Mehrzahl aller ExpertInnen vier problematische Eigenschaften: Es ist giftig für Gewässerorganismen, zum Beispiel für Algen. Der Stoff ist persistent oder langlebig – er kann in der Umwelt nur sehr schlecht abgebaut werden. HBCD reichert sich zudem in Lebewesen an, die Fachwelt spricht benennt diese Eigenschaft als „bioakkumulierend“. Beispielsweise kann in Lebewesen in arktischen Regionen gegenwärtig schon eine merkbare Konzentration von HBCD nachgewiesen werden, wodurch auch das „Ferntransportpotenzial“ von HBCD als vierte negative Eigenschaft, benannt wird. Wegen dieser Eigenschaften wird HBCD als „besonders besorgniserregender Stoff“ nach den Kriterien der Europäischen Chemikalienverordnung REACH und als persistenter organischer Schadstoff unter der Internationalen Stockholm-Konvention geführt. Beide Einstufungen führten wie bei Asbest und KMF in den 90er Jahren dazu, dass das Inverkehrbringen (und damit die Produktion) von Stoffen mit HBCD spätestens seit August 2015 verboten ist. Die österreichische EPS-Dämmstoffindustrie in Form der „Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum“ legt Wert auf die Feststellung, dass bereits seit Mitte 2014 die Produktion von EPS-Dämmplatten bei den Mitgliedsbetrieben frei von HBCD erfolgt und statt dessen ein alternatives Flammschutzmittel verwendet wird. Wichtig: HBCD wird nicht als krebserregend oder „akut toxisch“ eingestuft. Das bedeutet laut Ansicht desUmweltbundesamtes in Deutschland, dass die Gefahr einer akuten Gesundheitsgefährdung für Menschen in Häusern mit EPS-Dämmung bzw. HBCD als Flammschutzmittel eigentlich nicht gegeben ist. Bedenklich ist wie bereits dargestellt die grundsätzliche Verbreitung und Anreicherung im Organismus, deren langfristige Auswirkungen nicht bekannt sind. Das HBCD-Verbot ist deshalb eine Vorsorgemaßnahme zur bestmöglichen Vermeidung künftiger Gesundheitsrisikos. Bei der Entsorgung von EPS in Form der thermischen Verwertung als Brennstoff (welche im Übrigen bei nahezu allen Dämmstoffen mit Ausnahme jener auf mineralischer Basis anzuwenden ist) wird das im EPS enthaltende HBCD zur Gänze vernichtet und das enthaltene Brom als Salz in der Abgasreinigung aufgefangen.

Fazit

Die gesundheitsgefährdende Wirkung von künstlichen Mineralfasern (KMF) oder HBCD als Flammschutzmittel bei der EPS-Produktion kann zwar nicht zur Gänze ausgeschlossen werden. Sie wurde aber aufgrund gesetzlicher Vorgaben, die teilweise schon vor mehr als einem Jahrzehnt in Kraft getreten sind extrem reduziert. Gegenwärtig in Österreich produzierte Dämmstoffe halten dabei strenge Kriterien ein, welche in Form von Gütesiegeln wie natureplus, Österreichisches Umweltzeichen oder Blauer Engel durch unabhängige Organisationen bestätigt werden. Für KMFProdukte ist in diesem Zusammenhang auch das RAL-Gütesiegel für Mineralwolle zu nennen. Vorsicht ist im Umgang mit „alten“ Mineralwollen, deren Produktion vor dem Jahr 1996 erfolgte gegeben: Hier sind bei der Sanierung alter Bauten gesonderte Vorsichtmaßnahmen (Arbeitsbekleidung, gute Durchlüftung, möglichst staubfreies Arbeiten, etc.) notwendig. Deren Einhaltung reduziert die Gesundheitsgefährdung auf ein nach heute gegebenen Standards vertretbares Maß. Von EPS oder besser HBCD als bis vor kurzem häufig verwendetes Flammschutzmittel in EPS geht keine direkte und akute Gefährdung für die Gesundheit von Menschen in EPS-gedämmten Bauwerken aus. Bedenklich sind möglicherweise noch nicht gänzlich bekannte Langzeitwirkungen von HBCD: Deshalb wurde dieser Stoff in der EU (bzw. weltweit) mittlerweile verboten; in Österreich erfüllen nach Prüfung des Umweltbundesamtes Produkte der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol Hartschaum dieses Verbot spätestens seit Jänner 2015.

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Quellen:
Zum Thema Asbest als Krebsrisiko: Deutsches Krebsforschungszentrum – Krebsinformationsdienst.
Aufgesucht im Internet am 3.11.2015: https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/asbest.php#inhalt2
Zum Thema Künstliche Mineralfasern KMF: Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz. Projekt „Künstliche
Mineralfasern“. Endbericht 2012. Durchgeführt von: AETAS Ziviltechniker GmbH. Eine ausführliche Darstellung der Geschichte,
Problematik und rechtlichen Situation zum Umgang mit KMF in Europa und Österreich.
http://www.nachhaltiges-bauen.jetzt/kuenstliche-mineralfasern/
Zum Thema HBCD: Umweltbundesamt Deutschland. Hexabromcyclododecan (HBCD) – Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Schriftenreihe „Hintergrund // Februar 2014“ des Umweltbundesamts Berlin, Berlin 2014.
http://www.nachhaltiges-bauen.jetzt/hbcd-haeufig-gestellte-fragen/

Erfahrungen mit dem Passivhaus

Kommentar von Günter Lang, Passivhaus Austria

„Nachhaltig Bauen und Sanieren ist nicht gesund – oder doch? Diese Frage wird immer wieder sehr kontrovers diskutiert. Dabei klaffen die Meinungen zwischen Theoretikern – also Menschen die darüber sprechen ohne selbst es erlebt zu haben – und Praktikern, die selbst in solchen Gebäuden wohnen, sehr stark auseinander. Die besten Antworten gibt dazu das selbst Erlebte. Bei meinen unzähligen Begegnungen mit Passivhaus-Bewohnern bekomme ich gerade zum Thema Wohngesundheit viele Rückmeldungen.

Martin Caldonazzi, Grafiker und Österreichs erster Passivhaus-Bewohner berichtet seit 19 Jahren: Als Allergiker fühlt er sich in seinem Wohnhaus und Atelier in Passivhaus-Standard besonders wohl, da er auf Grund der Pollenfilter der Komfortlüftungsanlage keine Medikamente benötigt und unbelastet durchatmen kann. Außerdem berichtet er, dass der Ventilator seines Computers nicht wie sonst verstaubt ist.

Die gleichen Erfahrungen hat in Linz eine der Bewohnerin der ersten österreichischen Altbausanierung eines Mehrfamilienwohnhauses auf Passivhaus-Standard wiedergegeben. Seit dem das Wohnhaus auf Passivhaus-Standard saniert wurde, benötigt sie die Medikamente für Allergiker kaum noch. Und während sie früher täglich Staub wischen musste, braucht sie es jetzt nur noch einmal pro Woche machen.

Im laufenden Vergleich seit 15 Jahren zwischen dem Leben im eigenen Passivhaus und Aufenthalten in herkömmlichen Bauten stellt unsere Familie ebenfalls fest: Während wir in herkömmlichen Bauten immer das Bedürfnis haben, bei offenen Fenster zu schlafen – trotz Straßenlärm, Staubbelastung, Geruchsbelästigung von Auto- und Mopedabgasen sowie Zugerscheinungen – haben wir im Passivhaus dank der Komfortlüftung das Bedürfnis nach offenen Fenstern überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil stellen wir fest, dass wir in der Früh viel ausgeschlafener und kreativer sind – also im Passivhaus einen gesunden Schlaf im wahrsten Sinne des Wortes genießen.

Was mittlerweile unzählige Studien bewiesen haben, können wir als Passivhaus-Bewohner täglich selbst genießen und wollen diesen Vorteil an mehr Gesundheit auch nicht mehr missen.“

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Gesundes Raumklima erfordert Planung

Kommentar von Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Hochbau

Gesundes Raumklima erfordert Planung

„Ein Großteil der Menschen verbringt über 90 Prozent des Tages in geschlossenen Räumen. Sei es in den eigenen vier Wänden, im Büro oder unterwegs im Auto, im Bus oder in der Bahn. Dabei ist den wenigsten bewusst, welchen Schadstoffen und den damit verbunden gesundheitlichen Auswirkungen man dabei häufig ausgesetzt ist. Der uns umgebende Raum beeinflusst unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit maßgeblich. So können schadstoffbelastete Baustoffe, geringe Luftfeuchte und unzureichende Frischluftzufuhr unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Reizung der Schleimhäute, Schnupfen, Asthma, Schlafstörungen, Ekzeme und Allergien hervorrufen.

Frühzeitig vorausdenken für ein „gesundes“ Gebäude

Es ist eine grundlegende Aufgabe von Architekten, bei Bauherren und Nutzern ein Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen. Wichtig ist z.B. zu verstehen, welche weitreichenden Auswirkungen die Baustoffwahl darstellt. Es geht dabei um viel mehr als nur um Optik, Haptik oder den Preis. Es geht auch um die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen. Denn auch heute noch beinhalten viele Baustoffe schädliche Bestandteile in gesundheitsgefährdenden Ausmaßen.

Dabei geht es nicht allein um die Baustoffe mit denen der Nutzer im Betrieb unmittelbar in Berührung kommt, wie z.B. Wand-, Decken- und Bodenbeläge, sondern etwa auch um Grundierungen oder Klebstoffe. Viele handelsüblichen Klebstoffe für Bodenbeläge enthalten flüchtige organische Verbindungen, sogenannte VOCs. Was viele Menschen nicht wissen ist, dass diese über Jahre stetig ausdampfen und vielfach körperliche Beschwerden hervorrufen. Zudem stehen einige dieser Stoffe sogar im Verdacht krebserregend und hormonell wirksam zu sein. Eine Möglichkeit zur Vermeidung dieser Klebstoffe ist es, frühzeitig in der Planung alternative Verlegetechniken für Böden – wie z.B. die schwimmende Verlegung – zu diskutieren. Sollte das nicht möglich sein, ist auf einen emissionsarmen und geprüften Klebstoff zurückzugreifen.

Natürliche Materialien für ein besonderes Raumklima

Die Innenraumluft kann aber auch ganz bewusst bereits in der Planung positiv beeinflusst werden, indem natürliche, schadstofffreie Materialien, wie Holz, Schafwolle und Lehm verwendet werden. Viele natürliche Baustoffe haben zudem die Eigenschaft raumluftregulierend zu wirken und Schadstoffe, wie zum Beispiel Formaldehyd oder Feinstaub, zu binden.

Diese Beispiele machen deutlich, dass eine lebenszyklusorientierte Planung, die über die Betrachtung von Errichtungskosten hinausgeht und sich auch mit der Nutzung sowie der Weiterverwertung von Gebäude- oder Bauteilen beschäftigt enorm von Bedeutung ist, um ein gesundes Wohn- und Arbeitsumfeld zu schaffen. Das wird durch einen integralen Planungsprozess sichergestellt, in dem von Anfang an alle wichtigen Experten der verschiedenen Lebenszyklusphasen am Prozess beteiligt sind.“

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Gesundes Bauen: Plädoyer für den Außenraum

Kommentar von Peter Holzer, IPJ Ingenieurbüro P. Jung

„Nachhaltig“ bezeichnet die Qualität, auf lange Sicht gut und förderlich zu sein, Möglichkeiten zu erweitern statt zu verengen. Allein daraus fällt die Antwort eindeutig aus: Nachhaltiges Bauen und Sanieren ist per se gesund, weil umgekehrt nur gesundes Bauen und Sanieren auf lange Sicht förderlich und gut ist und Möglichkeiten – persönlich wie gesellschaftlich – erweitert. Wenn ein Baustandard also ungesund ist, dann kann er gar nicht nachhaltig sein. Soweit, so einfach.

Die Frage kann allenfalls lauten, ob sich Widersprüche innerhalb des nachhaltigen Bauens auftun zwischen der Qualität der Gesundheit und anderen Zielen: Luftdichtigkeit etwa. Ist die ungesund? Sicher nicht, solange für ausreichend Frischluft gesorgt wird. Denn dass die Frischluft gesünder ist, wenn sie durch Spalten in den Bauteilen anstatt durch Fenster oder Lüftungsöffnungen ins Innere gelangt, ist blanker Unsinn. Unbeherrschbare Zugluft kann ungesund sein. Bauteile, die aus Feuchteschädigung ihre statische Funktion einbüßen sind sogar lebensbedrohlich. Beides spricht für Luftdichtheit. Nachhaltig.

Hochwertiger Wärmeschutz etwa? Auch er kann auch nur mit allergrößtem Mutwillen in das Eck der Gesundheitsgefährdung gedrängt werden. Ob mit der warmen Decke oder mit einer warmen Gebäudehülle: Wenn’s draußen kalt ist, sind sie beide höchst gesundheitsförderlich. Gegenüber bloß der warmen Decke im kalten Haus hat die warme Hülle den unschätzbaren Vorteil, dass sie ein starker Beitrag wider die Gefahr feuchter und schimmliger Wände ist. Beide sind nämlich verlässlich gesundheitsgefährdend und sind häufige Begleiter in allen Kategorien von Gebäuden, neuen wie alten, bloß nicht in nachhaltigen.

Was aber tatsächlich ungesund sein kann, sind die Folgen einer leichtfertigen Gleichsetzung von Komfort mit Gesundheit. Basis für gesundes Leben ist mit Sicherheit eine angemessene Vielfalt der Einflüsse, an die wir evolutionär angepasst sind, von der Ebene der Sinneseindrücke bis hinunter zu intrazellulären Prozessen. Im biologischen Sinn ist es gesund, sich bisweilen, und angesichts unseres Innenraum dominierten Lebensstils eher öfter, dem Außenraum zu exponieren, mit seiner vollspektralen Sonnenstrahlung, mit seinen wechselnden Temperaturen, mit seinem Luftzug und auch mit seinen Sporen, Pollen und Aerosolen. Bauen und Sanieren, welches das nicht unterstützt, ist jedenfalls nicht nachhaltig, und sei es noch so komfortabel oder energieeffizient. Und sollte der Außenraum schon so kaputt sein, dass man ihn weder hören noch sehen noch riechen will, dann ist dringend am dessen Verbesserung zu arbeiten, statt am Grad der Abschottung. Im sozialen Sinn ist es gut, einander wahrzunehmen. Abschottung führt, vielfach erwiesen, zu den sozialen Massenphänomenen wie Vereinsamung, Egoismus oder Xenophobie. Ich erneuere also das Plädoyer für Häuser, die einen Teil des Lebensraums in den Außenraum bringen, oder in einen gut gestalteten Zwischenraum. Und ich hinterfrage etwa das Maß der Schallschutzanforderungen innerhalb und zwischen Wohneinheiten. Denn nur mit Menschen, die ich wahrnehme, trete ich in sozialen Austausch. Den Nachbarn nicht mehr zu hören und zu sehen, mag ich als komfortabel empfinden, im sozialen Sinn gesund ist es verlässlich nicht. Also auch nicht nachhaltig. Bauen wir unsere Häuser also unbedingt klimaschützend und ressourceneffizient, weil das die notwendige Basis für die bloße Chance auf eine wünschenswerte Zukunft der Gesellschaft ist. Und bauen wir sie mit der gleichen Empathie gesundheitsförderlich, also aus sich heraus behaglich und gleichzeitig dem Außenraum angebunden. Wenn nur eins davon fehlt, fehlt die Nachhaltigkeit ganz.“

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Gesundheits-förderlich planen

Kommentar von Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation

Das österreichische Institut für Bautechnik legt Vorgaben zur Erreichung von Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz, verbindlich für das Baugeschehen auch abseits der speziellen Ambition der Nachhaltigkeit fest. Was also eine allgemein verbindliche Grundlage schafft, sollte im Sinne langfristiger Zukunftsfähigkeit besonders und ernsthaft berücksichtigt und aktiv weiter entwickelt werden. Bauen, das die Gesundheit der Bewohner nicht fokussiert, konterkariert die Idee der Erhaltung und Erweiterung von Handlungsspielräumen und damit einen Grundgedanken der Nachhaltigkeit. Wenn wir Zukunft positiv gestalten wollen, impliziert das den Beitrag des Bauens zu einer gesunden Lebensweise. Nachhaltiges Bauen und Sanieren muss gesund sein, – ansonsten würde „Etikettenschwindel“ betrieben.

Umso erstaunlicher ist die oftmalige Nachordnung der menschlichen Gesundheit gegenüber anderer Aspekte, etwa wenn Gebäude vom Straßenraum abgeschottet werden und dadurch Potentiale an natürlicher Belichtung und Belüftung ungenutzt bleiben müssen, um Bewohner vor Lärm und Feinstaub zu schützen. Einzig gangbar im Sinne von Gesundheit, Zusammenleben und Energieeffizienz wäre eine grundlegende Neuorganisation des Verkehrs, um Außenräume vollwertig und gleichberechtigt nutzbar für alle zu machen.

Aber auch eine Professionalisierung des Erkenntnisaustauschs zwischen Medizin und Bauwesen, wäre speziell notwendig. Architektur und Bauphysik sind hier gefordert, sich mit mehr zu befassen als der Verhinderung des Auftretens des Sickbuildingsyndroms. Gebautes darf nicht nur nicht krank machen sondern kann auch bewusst gesundheitsförderlich geplant werden. Vielfach medizinisch nachgewiesene Aspekte der gesundheitlichen Prävention, wie die Gewährleistung nächtlicher Temperaturabsenkung, die Versorgung mit ausreichend vollspektraler solarer Strahlung oder die Möglichkeit Ausblick auf einen Baum zu haben, werden aber immer noch negiert, als halbwissenschaftlich und deshalb vernachlässigbarer diffamiert oder als Luxus abgetan, der weiterer Effizienzsteigerung im Wege steht. In dieser Hinsicht müssen wir Planer besonders, wenn wir eine umfassend nachhaltige Entwicklung vorantreiben wollen, aktiv Neues lernen.

Vielleicht ist im Sinne der Gesundheit auch einiges an innenräumlicher Komfortoptimierung zu hinterfragen, beispielsweise, wenn nicht mehr fixe nummerische Vorgaben sondern humanadaptive und klimasensitive Modelle zur Zieldefinition von Temperaturniveaus herangezogen werden. Hier ließen sich Synergien zwischen Gesundheitsprävention und energetischer Optimierung entsprechend der Idee umfassender Nachhaltigkeit finden, und auch hier liegt bereits genug Grundlagenwissen und der entsprechende legislative Rahmen vor.

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Ökobilanz und Öko-Indikatoren

Kommentar von Bernhard Lipp,   Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO

„Eine Ökobilanz liefert Entscheidungsgrundlagen für die Optimierung umweltfreundlicher Produkt- und Gebäudelösungen, indem die Auswirkungen während der gesamten Lebensdauer des Gebäudes berücksichtigt werden. So kann die Gebäudequalität langfristig verbessert und Entscheidungshilfen für folgende Fragen zur Verfügung gestellt werden:

Was sind die besten Baumaterialkombinationen für ein Gebäude?
Welche Tragkonstruktion ist für das Gebäude am umweltfreundlichsten?
Welche Energieträger sollten für das Gebäude gewählt werden?
Was ist die optimale Dämmstärke?
Wie hoch ist die Recyclingfähigkeit einer bestimmten technischen Lösung?
Welche Umweltziele sind für ein Bauprojekt sinnvoll?

Damit Baustoffe, Konstruktionen und Gebäude ökologisch vergleichbar werden, werden die Aufwände für Herstellung, Nutzung und Entsorgung mit Ökobilanzen erfasst. Ökobilanzen sind auch Bestandteil von Umweltdeklarationen von Bauprodukten (Environmental Product Declarations, EPD). Die Ökobilanzierung (auch Life Cycle Assessment, LCA) ist eine wissenschaftliche, standardisierte Methode mit der Umweltauswirkungen von Produkten mit Zahlen (quantitativ) ausgedrückt. Zunächst wird eine Sachbilanz erstellt, in der sämtliche Materialien, Transporte und Prozesse sowie die Emissionen in Wasser, Boden und Luft und die Abfälle erhoben werden. In der darauf basierenden Wirkbilanz werden die Auswirkungen auf verschiedene Umweltkategorien abgeschätzt.
Die gebräuchlichsten Werte sind diejenigen für Primärenergieinhalt als Ressourcenindikator bzw. Treibhauspotenzial und Versäuerungspotenzial, als Emissionswirkungen. Als Ressourcenindikator wird oft der Gesamteinsatz nicht erneuerbarer Primärenergieinhalt PENRT, also die Primärenergie die energetisch als auch stofflich zur Herstellung des Bauproduktes genutzt wird, verwendet. Das Treibhauspotential (Global Warming Potential, GWP) beschreibt den Beitrag einer Substanz zum Treibhauseffekt relativ zum Beitrag einer gleichen Menge Kohlendioxid (CO2). Treibhauswirksame Gase können durch die Verwendung von XPS-und PU-Platten, die mit Luft geschäumt werden, vermieden werden. Auch das Montieren von Fenster- oder Türrahmen mithilfe von z.B. Stopfwolle hilft: 1 Dose PU-Montageschaum mit 85 g HFKW entspricht 280 g CO2-Äquivalenten (und enthält gesundheitsgefährdende Isocyanate). Versäuerung (Acidification Potential) wird hauptsächlich durch die Wechselwirkung von Stickoxid- (NOx) und Schwefeldioxidgasen (SO2) mit anderen Bestandteilen der Luft verursacht. Es ist dient als Maß für die lokale Emissonen bzw. saubere Luft im Umfeld der Produktionsstätten bzw. der Gebäude in der Betriebsphase.
In österreichischen Wohnbauförderungen und Gebäudebewertungsprogrammen kommt vorwiegend der Summenindikator Ökoindex 3 (OI3-Indikator) zur Anwendung. Der OI3 Indikator ist eine dimensionslose ökologische Kennzahl für das Gebäude, die aus den drei Indikatoren Primärenergiebedarf nicht erneuerbar, Treibhauspotenzial und Versauerungspotenzial gebildet wird.
Damit haben ökologische Gebäudekennwerte im österreichischen Bauwesen Einzug in die Bewertung von Bauvorhaben gefunden. Bei den wichtigsten österreichischen Gebäudebewertungsstandards wie klimaaktiv und ÖGNB (TQB) sind diese seit Beginn verankert. In der Planung und Umsetzung lassen sich damit wesentliche ökologische Verbesserungen erzielen.“

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Der Gebäude-Standort als ökologischer Faktor

Kommentar von Andrea Kraft,  Energie und Umweltagentur NÖ eNu

„Wenn heute vom „nachhaltigen Bauen“ gesprochen wird, bezieht man sich in vielen Fällen auf energieeffiziente Gebäude, ökologische Dämmstoffe oder auch regenerative Energie für die Raumwärme. Nachhaltiges Bauen setzt aber bereits bei einer wesentlich früheren Stufe – bei der Entscheidung über die Art und Lage der „eigenen vier Wände“ – an. Grob gesprochen lässt sich somit die Entscheidung für ein nachhaltiges Gebäude mit drei Begriffen zusammenfassen: gut gedämmt, erneuerbar beheizt und nachhaltig gestaltet. Wobei gerade dem letzten Begriff, der nachhaltigen Gestaltung, eben der Art und Lage des Gebäudes, noch immer zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Gut gedämmt

Unwidersprochen ist die Nachhaltigkeit eines Gebäudes stark von der Qualität der umschließenden Flächen abhängig. Beim Neubau, wie auch bei der Sanierung eines bestehenden Gebäudes, ist somit auf ausreichende Wärmedämmwerte der Außenmauern und Fensterflächen zu achten. Wärmebrückenfreiheit und geringe Lüftungswärmeverluste durch eine dichte Hülle sind neben der Planung vor allem in der Ausführung wesentliche Parameter. Ökologische Dämmstoffe aus natürlichen Quellen wie Wolle, Flachs, Holzfaser oder Zellulose erfüllen auch hier den Anspruch auf Nachhaltigkeit.

Erneuerbar beheizt

Der zweite wesentliche Faktor bezieht sich auf die Wärmebereitstellung. Wärme, die einem Gebäude zur Beheizung und für die Warmwasserbereitung zugeführt werden muss, sollte jedenfalls aus regenerativen Quellen erfolgen. Eine breite Palette an Systemen, von Holz über Wärmepumpen und Solarthermie ist für diesen Bereich entwickelt worden und steht auf dem Markt zur Verfügung.

Nachhaltig gestaltet

Während die technischen Bereiche – Gebäudehülle und Haustechnik – bereits in unserem Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie – weitgehend – verankert sind, hinkt die nachhaltige Gestaltung noch immer hinterher, obwohl dieser Bereich in der Priorität vorrangig zu behandeln ist: Ein energieeffizientes Gebäude „auf der grünen Wiese“ ist demgemäß kein positives Beispiel für Nachhaltigkeit. Die nachhaltige Gestaltung richtet sich vor allem nach den Faktoren: Lage des Gebäudes, Flächenverbrauch und Wohnform.

Die passende Wohnform

Eine grundsätzliche Frage setzt sich mit den Überlegungen der eigentlichen Wohnform auseinander.
Die Entscheidungsmöglichkeit reicht vom freistehenden Einfamilienhaus, über den verdichteten Flachbau, individuelle Gemeinschaftsprojekte, innovative Neubausiedlungen bis zur weitgehend anonymen „Zelle“ in einer Wohnbauanlage. Es macht sich durchaus bezahlt, zu Beginn der Überlegungen diese Frage eingehend zu erörtern.
Das freistehende Einfamilienhaus wird vielfach als erstrebenswerte Wohnform gesehen, da es für den Besitzer/ die Besitzerin den höchsten Individualitätsanspruch erfüllt. Gleichzeitig ist aber mit dieser Wohnform der höchste Flächen- und Ressourcenverbrauch verbunden, was sich auch in den Kosten für die Erschließung und dem erhöhten Verkehrsaufkommen niederschlägt.
Der verdichtete Flachbau und auch viele individuelle Gemeinschaftsprojekte setzen dem Einfamilienhaus Raumkonzepte gegenüber, die dem individuellen Anspruch der BewohnerInnen auf konzentriertem Raum entsprechen, und zudem von der Eigenverantwortung bezüglich Wartung und Instandhaltung entlasten. Innovative Neubausiedlungen ermöglichen vielerorts individuelle Gestaltung der Wohnräume und bieten zudem unterschiedliche gemeinschaftlich nutzbare Flächen und Außenräume.

Flächenverbrauch – Quadratmeter sinnvoll nutzen

Neben der Frage der Wohnform ist auch die Frage der Menge an versiegelter Fläche entscheidend für die nachhaltige Gestaltung unseres Wohnraums. Der Begriff „Wohnnutzfläche“ an sich setzt die Bedingung der „Nutzbarkeit“ als Wohnraum voraus. Sinnvolle und durchdachte Planung erspart hier unnötige Quadratmeter, die eigentlich gar nicht der tatsächlichen Wohnnutzfläche dienen, sondern Schwachstellen der Planung durch leere Verbindungsflächen füllen.
Der Grund, warum sich unsere Wohnflächen seit 1980 beinahe verdoppelt haben, mag somit auch an der mangelnden sinnvollen Planung unserer Wohnräume liegen. Jeder Quadratmeter „mehr“ muss aber erschlossen, errichtet, beheizt, gewartet und auch wieder entsorgt werden. Gleiches gilt auch für Nebengebäude, Garagen, etc.
Der Faktor Fläche ist aus dem Grund entscheidend, da der zur Verfügung stehende Boden dafür eine endliche Ressource darstellt. Die Fläche für Bauland steht in Konkurrenz mit der für Nahrungsmittelproduktion, Verkehr, zu Produktion von Energie, und auch als Rückhaltefläche bei Unwettern.

Die Lage entscheidet

Mit der Lage des Gebäudes – im Zentrum oder auf der grünen Wiese – entscheidet der Bewohner/ die Bewohnerin grundlegend über die Nachhaltigkeit des Gebäudes.
Der Verkehr stellt neben der Raumwärme die größte Umweltbelastung gemessen am CO2 Ausstoß dar. Gute Erreichbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln, fußläufige Anbindungen und kurze Wege für die tägliche Versorgung stellen somit ein wesentliches Qualitätskriterium eines nachhaltigen Gebäudes dar.
Das Bundesland NÖ hat auf diese Verknappung mit einem eigenen „Energieausweis für Siedlungen“ reagiert, der die Gesamtenergieeffizienz von Siedlungen deutlich macht. Lage und Größe der Gebäude sind hier entscheidende Faktoren. Der Vorteil für die BewohnerInnen wird schnell deutlich: geringe Aufschließungskosten, kurze Wege, geringe Instandhaltungskosten.

Nachhaltiges Bauen ist somit die Auseinandersetzung mit einer Summe an Faktoren, das bereits vor der ersten Entwurfsplanung oder der Entscheidung über Dämmstandard beginnt. Verschiedene Nachweise, wie der „klimaaktiv Standard“, oder auch die Initiative „ausgezeichnet gebaut in NÖ“ haben das Thema der nachhaltigen Gestaltung bereits aufgenommen, und versuchen, diesen Aspekt auch sichtbar zu machen.

Tatsächlich liegt es an uns – als private Entscheidungsträger – unseren Wunsch nach Wohnraum nachhaltig zu gestalten. In dem Bewusstsein, dass wir mit der Entscheidung, wo und in welcher Qualität wir wohnen, auch über die Lebensqualität zukünftiger Generationen entscheiden.“

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Recycling und Entsorgungs-Eigenschaften von Dämmstoffen

Kommentar von Astrid Scharnhorst,  Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie

„Die Dämmung von Gebäuden verringert den für ihre Beheizung und Kühlung erforderlichen Energieaufwand. Der Herstellungsaufwand vieler Dämmstoffe amortisiert sich dadurch ökologisch in sehr kurzen Zeiträumen. Gedämmt wird erst seit wenigen Jahrzehnten. Über Recycling und Entsorgung von Dämmstoffen wird nachgedacht, in der Praxis werden jedoch Dämmstoffe aus dem Rückbau in Österreich nicht rezykliert: Dammstoffe aus mineralischen Rohstoffen werden für die Verfüllung z.B. im Straßenbau verwendet bzw. problemlos und vergleichsweise kostengünstig deponiert. Dammstoffe aus synthetischen und aus organischen/ nachwachsenden Rohstoffen werden zumeist verbrannt, damit einerseits eine Verringerung des Abfallaufkommens erfolgt und andererseits deren Heizwert genutzt werden kann.
Die Rückbau- und damit Recyclingfähigkeit ist zunächst und vor allem von der Einbauart abhängig. Schüttungen, Einblasdämmungen sowie zwischen Gefache eingeklemmte, in Hohlräume eingelegte Dämmmatten oder –filze, aber auch mechanisch befestigte Dämmplatten können leicht abgesaugt bzw. ausgebaut werden. Wird das Dämmmaterial mit dem Untergrund verklebt oder im Materialverbund z.B. mit Putzmörteln als Wärmedämmverbundsystem, eingesetzt, erschwert dies den zerstörungsfreien und sortenreinen Rückbau erheblich und der Aufwand für ein Recycling steigt.

Dämmstoffe aus biogenen Rohstoffen

Zu den Dämmstoffen aus biogenen Materialien zählen u.a. Holzfaser-Dämmplatten, Zelluloseflocken und –dämmplatten, Hanf- und Flachsdämmstoffe, Korkdämmplatten, Stroh- und Schafwolledämmung. Die Dämmstoffe werden zumeist lose verlegt oder mechanisch befestigt und sind daher gut rückbaubar. Wenn sie während der Nutzungsdauer keiner erhöhten Feuchte ausgesetzt wurden, ist mit einem guten Materialzustand zu rechnen, sodass sie auch wiederverwendet werden könnten. Dämmstoffe aus biogenen Rohstoffen können gemeinsam mit anderen Abfällen aus brennbaren Baumaterialien in Abfallverbrennungsanlagen thermisch verwertet oder beseitigt werden. Den Vorgaben der Deponieverordnung zufolge sind alle biogenen Dämmstoffabfälle von der direkten Deponierung ausgeschlossen. Auch wenn einige Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Strohballen für die Kompostierung bzw. zumindest als Kompostzugabe geeignet wären, ist aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich von einer Kompostierung nicht auszugehen. Aus Gründen der Gebrauchstauglichkeit und Funktion notwendige Produktkomponenten wie Flammschutz- oder Hydrophobierungsmittel, Mottenschutzmittel oder synthetische Stützfasern können Störstoffe darstellen und die Verwertung oder das Recycling erschweren.
Einige Dämmstoffe aus biogenen Rohstoffen können auch als Wärmedämmverbundsysteme eingesetzt werden. Hier sind vor allem die mineralischen Verunreinigungen mit Putzen und Klebern störend. Von einem stofflichen Recycling ist aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Motivation nicht auszugehen.

Dämmstoffe auf Basis mineralischer Rohstoffe

Mineralische Dämmstoffe sind in Form von Platten oder Schüttungen verfügbar.
Mineralische Ausgleichs- oder Dämmschüttungen z.B. aus Perlite oder Blähglas können aus Wänden, Decken und Dächern dann problemlos rückgewonnen werden, wenn sie in ungebundener Form und leicht zugänglich eingebaut wurden. Sie lassen sich nach Reinigung und Trocknung als Schüttmaterial oder Zuschlagstoff wiederverwenden. Mineralische Schüttdämmstoffe können auf Baurestmassendeponien deponiert werden. Bei bitumierten Produkten ist u. U. eine thermische Vorbehandlung erforderlich.
Mineralische Dämmplatten aus Schaumglas werden zur Außendämmung erdberührter Bauteile, in Flachdächern sowie für druckbelastete Nutzdecken oder –dächer verwendet. Im Sandbett verlegte Platten können bei gutem Zustand wieder- bzw. als Schüttmaterial weiterverwendet werden. Bei sortenreiner Trennung können die Platten wieder in die Produktion zurückgeführt werden. In Heißbitumen verlegte oder vollflächig mit Kaltkleber angebrachte Schaumglasplatten können nicht zerstörungsfrei ausgebaut werden. Mit Bitumen versehene Schaumglasabfälle können als Grabenfüllmaterial im Tiefbau oder z.B. für Lärmschutzwände eingesetzt werden. Schaumglasplatten können auf Baurestmassendeponien entsorgt werden. Bei hohem Bitumenanteil ist u. U. eine thermische Vorbehandlung der Produkte erforderlich.
Mineralische Dämmplatten aus Mineralschaum werden als Wärmedämmverbundsystem oder als verputzte Innendämmung eingesetzt. Die Platte und die Deckschicht sind sortenrein trennbar. Die Trennung des Klebers von der Wand ist schwieriger, da dieser fest am Produkt anhaftet. Die mineralischen Abfälle des Dämmsystem sind als Granulat für Schüttungen oder als Verfüllmaterial, jedoch nicht als Zuschlagstoff für zementgebundene Baustoffe geeignet. Ein hochwertiges Recyclingkonzept für Mineralschaumplatten gibt es derzeit noch nicht. Das Dämmsystem besteht fast vollständig aus mineralischen Rohstoffen und kann auf Baurestmassendeponien entsorgt werden.
Dämmstoffe aus künstlichen Mineralfasern werden für praktisch jeden Anwendungsbereich in der Gebäude- und Haustechnikisolierung mit Ausnahme von Perimeter- und Umkehrdachdämmung eingesetzt. Unterschieden wird im Gebäudebereich zwischen Glaswolle- und Steinwolle-Dämmstoffen. Nicht verklebte und saubere Mineralwolle lässt sich prinzipiell wiederverwenden oder als Stopfwolle weiterverwerten. Das stoffliche Recyclingpotenzial von Mineralwolle ist derzeit noch niedrig: Für reine Produktions- und Baustellenabfälle aus Steinwolle sind in einzelnen Steinwolle-Werken Verwertungsanlagen in Betrieb. Für Glaswolle-Abfälle ist derzeit kein Rücknahme- und Verwertungskonzept bekannt. Eine energetische Verwertung der nicht-brennbaren Mineralwolle-Dämmstoffe ist nicht möglich. Dennoch werden Mineralfasern häufig gemeinsam mit anderen brennbaren Baumaterialien in der Abfallverbrennungsanlage beseitigt. Mineralwolle-Dämmstoffe dürfen laut Deponieverordnung auf Baurestmassendeponien abgelagert werden.
Dämmstoffe aus künstlichen Mineralfasern mit Herstellungsdatum vor 2000 sind als krebsverdächtig eingestuft, müssen daher sachgerecht ausgebaut und als gefährlicher Abfall entsorgt werden. Ein Wiedereinbau dieser sogenannten alten Mineralwolle ist lediglich für im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten demontierte Materialien zulässig und unter der Voraussetzung, dass dabei keine oder nur eine geringe Faserbelastung zu erwarten ist. Abbruch, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit alter Mineralwolle sind in Deutschland zum Schutz der Beschäftigten und anderer Personen in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 521 geregelt. Sie sind aus Vorsorgegründen auch als Handlungsanweisung für entsprechende Bauaufgaben in Österreich zu empfehlen.

Polystyrol-Dämmplatten

Lose verlegte Polystyrol-, genauer EPS- oder XPS-Dämmplatten, können zerstörungsfrei ausgebaut und theoretisch für den gleichen Einsatzzweck wiederverwendet oder als Aussparungskörper für die Betonindustrie weiterverwendet werden. Dies ist z.B. bei EPS-Trittschalldämmung oder XPS-Umkehrdachdämmung der Fall. Saubere, sortenrein gesammelte Polystyrol-Dämmstoffe können zu Granulat verarbeitet werden, das u.a. als Dämmschüttung, Porosierungsmittel bei der Ziegelherstellung oder Zuschlagstoff zu Mörtel und Beton wiederverwendet wird. Letzteres ist zwar bauphysikalisch vorteilhaft, sollte aber aus bauökologischer Sicht vermieden werden, da mit dem Materialverbund aus Polystyrol und Mörtel bzw. Beton eine verminderte Recyclingfähigkeit einhergeht. Das Recycling von Wärmedämmverbundsystemen mit EPS ist wegen des Verbunds aus Putz und Dämmstoff sehr aufwändig und wird i.d.R. nicht realisiert. Aus heutiger Sicht stellt sich außerdem als problematisch dar, dass in Zukunft XPS-Dämmplatten mit unterschiedlichsten Treibmitteln (FCKW, HFCKW, HFKW aus Altbestand und HFKW oder CO2 nach heutigem Stand) anfallen werden, womit ein Recycling für die nächsten Jahre praktisch ausgeschlossen werden kann. Polystyrol kann thermisch sehr gut verwertet werden.“

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Quellenangabe

Die oben stehenden Informationen zu Recycling- und Entsorgungseigenschaften von Dämmstoffen beruhen auf: Entsorgungswege der Baustoffe, Anhang 2 zu ABC-Disposal – Assessment of Buildings and Constructions – Disposal. Mötzl Hildegund (IBO), Pladerer Christian (Ökologie-Institut) et al. „Haus der Zukunft“ (BMVIT), FFG-Nr: 813974. Der Gesamtbericht ist unter http://www.nachhaltigwirtschaften.at/results.html/id5278 abrufbar (zuletzt geprüft am 03.09.2015).

Ökologische Amortisation von Dämmung bei hocheffizienten Gebäuden

Kommentar von Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI

Im gedämmten Haus ist mehr Öl in der Fassade, als jemals eingespart werden kann! Ein Satz, der in den letzten Jahren in der Architekturszene und der Bauwirtschaft zum Kultklassiker heranwachsen durfte. Fast so gut wie: Im Spinat ist ganz besonders viel Eisen. Sager wie diese haben eine gemeinsame Eigenschaft: Einmal markig gesagt, gut für die Zielgruppe aufbereitet und vielfach danach verbreitet tragen sie wesentlich dazu bei, dass sie Teil der Alltagsmeinung werden. Und geben wir das doch zu: Für die meisten von uns irrt die Mehrheit nicht; und „irgendwas“ muss da schon dran sein. Hinsichtlich des Energieinhalts in Dämmstoffen jeglicher Art, also vom nicht gerade populärem EPS (umgangssprachlich: Styropor) über die schon weniger angefeindete Mineral- oder Glaswolle (das hört sich zumindest natürlicher an) bis hin zu den immer stärker verbreiteten Dämmstoffen auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen oder Recyclingprodukten (quasi sicher „öko“) darf eines festgehalten werden: Die für die Rohstoffgewinnung, Produktion, dazwischen liegende Transportwege, den Ein- und Ausbau und die Entsorgung am Ende des Lebenszyklus benötigte „graue“ Energie ist bei weitem geringer, als die Energie, die durch die Verwendung dieser Dämmstoffe im Gebäudebereich in der Regel eingespart wird. Die energetische und ökologische Amortisierung der Dämmstoffe von Niedrigstenergiegebäuden beträgt in der Regel wenige Monate bis maximal zwei Jahre. Wie ist das aber bei hocheffizienten Gebäuden, wie sie durch das Passivhaus definiert werden?

Wird ein gesamtes Gebäude (also mit der thermischen Hülle, allen Innenwänden, Erschließungen und Decken) für eine Lebensdauer von 100 Jahren bilanziert, so beträgt der Primärenergieinhalt je nach Konstruktion zwischen 15 und 40 kWh pro Quadratmeter Bruttogrundfläche und Lebensjahr – alle dazwischen notwendigen Instandhaltungsarbeiten und Erneuerungen inklusive. Das CO2-Potential (Global Warming Potential – GWP100) für dieses Bauwerk macht rund drei bis fünf Kilogramm CO2 pro Quadratmeter BGF und Jahr aus. Die Dämmung für ein derartiges Bauwerk hat bei strenger Bewertung in einer solchen Bilanzierung einen Anteil von 10 bis 25 Prozent (CO2) – alle Erneuerungszyklen inkludiert. Ein hocheffizientes Gebäude ist auch bei kritischer Bilanzierung in der Lage, gegenüber einem Standardgebäude nach Baurecht zumindest 30 kWh Wärme pro Quadratmeter und Jahr einzusparen. Je nach verwendeten Energieträger entspricht dieser Mehrverbrauch einem Primärenergieinhalt (gesamt) von etwa 30 kWh (Fernwärme mit hocheffizienter Kraftwärmekopplung Standard) bis knapp unter 60 kWh (Strommix Österreich). Hinsichtlich der CO2-Bilanz könnte nur die Biomasse mit der Energieeinsparung konkurrenzfähig sein. Hier ist kritisch zu hinterfragen, inwieweit eine flächendeckende Abdeckung des Wärmebedarfs Österreichs mit Biomasse realistisch ist, ohne dass hier Versorgungsengpässe oder Belastungen der Umwelt aufgrund erhöhter Holzentnahme fürs Heizen auftreten würden.
Insgesamt bleibt festzuhalten: Die Reduktion des Energieverbrauchs durch Dämmung ist sowohl hinsichtlich des Primärenergieverbrauchs als auch der CO2-Einsparung im wahrsten Sinne des Wortes wärmstens zu empfehlen.

PS: Der Eisengehalt von Spinat ist nicht höher als in den meisten anderen Lebensmitteln.

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Vertrauen ins nachhaltige Bauen

Kommentar von Alfred Waschl,  International Facility Management Association (IFMA) Austria

„Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes beginnt am Reißbrett, d.h. Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Energieeffizienz. Das ist eine weit verbreitete falsche Ansicht. Der wesentlichste Punkt für einen Investor ist die hohe Wertbeständigkeit auf lange Sicht. Die ist von der Lage und der Verbrauchseffizienz, auch in energetischer Sicht, abhängig. Doch es gibt hier noch andere Einflussfaktoren wie das Gebäudelayout und das Betreiber/Betriebskonzept. Beides sollte in einer sehr frühen Planungsphase auf die „Full Costs of Occupancy“ geprüft und optimiert werden, da sie später nur mehr sehr bedingt veränderbar sind. Es wird in der Praxis viel zu wenig darüber nachgedacht, unter welchen Bedingungen ein Gebäude tatsächlich eine Chance hat, auch in 10 Jahren mit neueren Gebäuden konkurrieren zu können. Gerade wenn man den Blick auf langfristige Wertbeständigkeit und erfolgreiche Wiedervermietbarkeit richtet, genügt es nicht, sich auf technische Energiekennziffern (eines Zertifikates) zum Zeitpunkt der Fertigstellung zu konzentrieren. Dass ein Neubau spezifische Kriterien mit dem aktuellen Stand der Technik erfüllt, ist naheliegend oder genauer gesagt eine Minimalvoraussetzung für einen Investor. Mit gleicher Wichtigkeit ist jedoch die Effizienz und Flexibilität der Flächennutzung, wofür vor allem die Effizienz der Strukturelemente, vor allem der Transport- und Kommunikationswege verantwortlich zeichnen. Darunter sind Themen wie Anzahl der Erschließungskerne, Position des Eingangs, Geschosshüllen, Zuschnitt der Nutzflächen, Orientierung der Fassade zu nennen. Im gleichen Atemzug sollte auch die Verwendung von wiederverwertbaren Materialien erwähnt werden, deren Zusammensetzung detailgenau dokumentiert wird, damit beim Abriss bzw. Umbau die Qualität des Bauschutts definiert ist. All das ist am Reißbrett zu klären, und der Investor muss darauf vertrauen können, dass die ausgewählten Spezialisten die Flexibilität für Umbaumaßnahmen, die in X Jahren stattfinden vorhersehen.

Das eben gesagte gilt auch für die technische Gebäudeausstattung, die Betreiberverantwortung und den resultierenden Betriebskosten. Die müssen auch am Reißbrett planungsbegleitend optimiert werden, denn diese Kosten werden in der Regel zu den im Gebäude Beschäftigten in Relation gesetzt. Diese Verhältniszahl ist heute in vielen Fällen wichtiger, als eindimensionale Mieten oder Energiekennzahlen. Um als Investor ein zufrieden stellendes Gesamtergebnis im Sinne der Lebenszykluskosten zu bekommen, werden, im Sinne der Industrie 4.0, brain groups in der Planungsphase zusammen gestellt, die alle Aspekte – Energie, Facility Management, Vermarktung, Rechtskonformität des Betriebs, Kostentransparenz, Datenbestand (Stammdaten und Bewegungsdaten) schon in der Planungsphase offen legt und in einem Zirkelprozess während der Errichtung, immer wieder nachschärft, damit im Betrieb (der meist 25 mal länger dauert als die Errichtung) die geplanten Nachhaltigkeitskriterien in Euro auch wirklich erreicht werden. Dafür bezahlt der Investor und kann auch darauf vertrauen, wenn er das richtige Team zeitnahe nach der Idee zusammengestellt hat.

Aktuell werden auch immer mehr Datenbanken verfügbar, die Ansatzpunkte für 4.0 Teams zeigen, welche verbauten Materialien bzw. welche Luft- oder Klimaqualitäten die Leistungsfähigkeit der in den Gebäuden arbeitenden Flächen oder die Krankenstandsrate beeinflussen. Die IFMA Austria hat in ihrer Veranstaltungsreihe „Spotlight“ dazu schon Impulse geliefert.“

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Darf es auch die Hälfte sein?

Kommentar von Martin Ploss,  Energieinstitut Vorarlberg

„Eine Studie des Energieinstitut Vorarlberg mit der e7 Energie Markt Analyse GmbH zur Wirtschaftlichkeit von neu errichteten Wohnbauten zeigte auf, dass das Kostenoptimum über 30 Jahre schon heute bei Gebäuden liegt, deren Primärenergiebedarf (PEB) deutlich unter dem im Nationalen Plan für Ende 2020 vorgesehenen Höchstwert von 160 kWh/m2BGF.a (Bruttogeschossfläche und Jahr) liegt. Während der Schwerpunkt der Studie auf Gebäuden lag, die eine Verringerung des PEB vor allem durch eine Reduktion der Verluste und kleine Solaranlagen zur Warmwasserbereitung erreichen (Passivhauskonzept), wurden in einer aktuellen Studie auch Gebäude untersucht, die niedrige PEB-Werte durch große thermische Solaranlagen erreichen („Sonnenhaus“).
Derartige Gebäude waren in der Kostenoptimalitätsstudie nicht berücksichtigt worden, da sie nicht nach den Rechenalgorithmen der OIB Richtlinie 6 ausgelegt werden können: Diese kann nur zur Berechnung von Gebäuden mit solaren Deckungsgraden von maximal 20 Prozent eingesetzt werden, für Gebäude mit höheren Deckungsgraden müssen die Solaranlagen oder die gesamte Haustechnik mit geeigneten Programmen berechnet werden.
Ziele der aktuellen Studie waren der Vergleich der Konzepte Passivhaus und Sonnenhaus in energetischer und wirtschaftlicher Hinsicht sowie der Vergleich verschiedener Berechnungsverfahren für Passiv- und Sonnenhäuser.

Wichtigstes Ergebnis der Studie ist die Tatsache, dass mit beiden untersuchten Energiekonzepten Primärenergiebedarfswerte von deutlich unter 60 kWh/m2BGF.a erreicht werden können und dass die kostenoptimale Variante – Passivhaus-Gebäudehülle und 6 m2 Kollektorfläche – einen PEB von 76 kWh/m2BGF.a hat. Ebenso wichtig ist, dass das Kostenoptimum sehr flach ausgeprägt ist, so dass zahlreiche Varianten mit PEB-Werten von 55 bis 90 kWh/m2BGF.a zu gleichen Jahresgesamtkosten betrieben werden können wie die Referenzvariante nach Mindestanforderungen der OIB Richtlinie 6 mit einem PEB von 130 kWh/m2BGF.a.
Das Kostenoptimum liegt in einem Bereich, der in etwa der Hälfte des Wertes von 160 kWh/m2BGF.a entspricht, der im Nationalen Plan als Mindestanforderung für das Jahr 2020 vorgesehenen ist. Gebäude mit diesem Primärenergiekennwert bezeichnet der nationale Plan als „Niedrigstenergiegebäude“. Die englische Bezeichnung dieses Begriffs in der Gebäuderichtlinie lautet „Nearly zero energy building“. Ob ein Gebäude mit einem PEB von 160 kWh/m2BGF.a als „Fast-Nullenergie-Gebäude“ bezeichnet werden kann, darf bezweifelt werden, zumal andere Staaten in ihren nationalen Plänen deutlich strengere Vorgaben festgelegt haben.“

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Ökologische und wirtschaftliche Amortisation von Dämmen

Kommentar von Bernhard Lipp, Österreichisches Institut für Baubiologie und – Ökologie (IBO)

„Der baubook Ökologische Amortisations- und Wirtschaftlichkeitsrechner für Bauteile ist letzten Monat online gegangen. Dieses Tool gibt kurze und prägnante Informationen darüber, ob sich Wärmedämmung ökologisch und ökonomisch auszahlt. Entwickelt wurde der Rechner im Auftrag des Amtes der Vorarlberger Landesregierung und von klimaaktiv Bauen und Sanieren.

Immer wieder wird in den Medien auf nicht ganz sachliche Weise gegen Wärmedämmung mobil gemacht: Teuer, nur für die Dämmstoffindustrie vorteilhaft, ineffizient, umweltschädlich, problematisch in der Entsorgung. baubook hat einen Ökologischen Amortisations- und Wirtschaftlichkeitsrechner für Bauteile entwickelt, mit dem man selbst transparent überprüfen kann, ob sich eine Dämmmaßnahme rentiert und wie sie sich auf die Umwelt auswirkt.

Für die bestehende Wand oder Decke stehen einige typische Konstruktionen zur Auswahl. Danach gibt man für bis zu vier Varianten den gewünschten Dämmstoff und Energieträger an. Vorschlagswerte, etwa für die Kosten, können individuell angepasst werden. Mit einem Klick werden die jährlichen Umweltwirkungen und Kosten in übersichtlichen Diagrammen dargestellt. Wählbar sind verschiedene Wirkungskategorien wie Primärenergieinhalt (erneuerbar/nicht erneuerbar), Treibhaus- und Versäuerungspotenzial sowie der Ökoindikator OI3. Bei den Kosten kann auch die Bauteilsanierung der Wohnbauförderung Vorarlberg mit berücksichtigt werden. Die Ergebnisse werden jeweils pro Quadratmeter Konstruktion und Jahr ausgegeben.

Klar ersichtlich aus den vielen Ergebnissen die schnell und einfach berechnet werden können ist, dass sich Dämmen ökologisch und ökonomisch auszahlt. Die ökologisch optimalen Dämmstoffstärken liegen meist im Bereich von 50 cm bis 120 cm. Geht man von der kostenoptimalen Dämmstärke aus, Minimum der Herstellungskosten und der Betriebskosten über 30 Jahre, so sollte man auf Grund der Unsicherheit der Energiepreisentwicklung immer Dämmstoffstärken wählen die höher als das Minimum sind. Dieser Bereich, in dem die Kosten max. 20 Prozent über dem berechneten Optimum liegen, ist in den Graphiken hervorgehoben. Weiters kann die rein wirtschaftliche Entscheidung durch die Eingabe einer höheren Energiepreissteigerung oder höherer Heizgradtage auf Grund höherer Innentemperaturen abgesichert werden.

Hintergrund der Bewertung ist die Berechnung des Energieverlustes durch das Bauteil und der ökologische und ökonomische Herstellungs- und Wartungsaufwand für diesen. Die ökologische Bewertung der Baumaterialien, z.B. der Primärenergieinhalt der Konstruktion, basiert auf baubook-Daten, die der Energieträger auf den Konversionsfaktoren des IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie. Die Darstellung der Kosten erfolgt anhand der Annuitätenmethode. Eine Dokumentation der methodischen Annahmen steht natürlich auf der Website zur Verfügung.“
http://www.baubook.at/awr/

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Unbestritten wirtschaftlich

Kommentar von Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI

„Vorweg: Ich kann die Ausreden zur Unwirtschaftlichkeit von höchsten Ansprüchen an die Nachhaltigkeit und damit natürlich auch Energieeffizienz von Gebäuden nicht mehr hören. Mit Allgemeinplätzen wie „Umweltschutz ist nicht alles, es geht auch um die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit“ oder gar Werbeslogans wie „Blue is more than green“ kann ich genauso wenig anfangen.

Fakt ist – und das bleibt auch nach der Lektüre allzu wirtschaftskonservativer Studien und Untersuchungen unbestritten: Ohne Energieeffizienz gibt es kein nachhaltiges Bauen. Nicht in Zeiten des weltweit anerkannten Klimawandels, der nun sogar für die G7 und den Papst in Rom unausweichlich ist. Und die haben sich ja in den letzten Jahren nicht als die größten Umweltschützer geoutet.

Es geht also nicht mehr darum, ob der Klimawandel stattfindet, sondern nur mehr darum, wie stark oder unvorteilhaft die Konsequenzen daraus sind. Wer CO2 sparen will, baut und betreibt seine Häuser energieeffizient und mit einem möglichst vorteilhaften Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Bereitstellung des Restenergiebedarfs. Wer Gegenteiliges behauptet, stellt sich auf die Seite derer, die schon an der mittelfristigen Zukunft kein allzu großes Interesse zeigen und denen es möglicherweise – wirtschaftlich betrachtet – eher um eine vorteilhafte Gegenwart geht.

Im Rahmen zahlreicher von uns und ganz vielen anderen Expertinnen und Experten begleiteter Neubauten und Sanierungen kommen wir zu Investitionsmehrkosten von keinem bis wenigen Prozentpunkten für nachhaltiges, besonders energieeffizientes Bauen. Dabei spielen die verwendeten Materialien für den Hochbau eine weniger wichtige Rolle, als der technische Gebäudestandard. Vereinfacht: Null- und Plusenergie braucht heute (noch!) mehr Geld als Energieeffizienz; Energieeffizienz kostet unmerklich mehr als herkömmliche Stangenware.

Entscheidend ist, wie frühzeitig und ernsthaft Nachhaltigkeit in der Gebäudeplanung berücksichtigt wird. Oder ob sie vielleicht gar nur als behübschendes Beiwerk verstanden wird. Aus meiner Sicht wird bei der Beurteilung von Gebäuden gerne die schnelle Rendite oder die Sehnsucht nach kurzer Amortisation mit Wirtschaftlichkeit im umfassenden Verständnis verwechselt. Wird Wirtschaftlichkeit aber als Maß für den rationalen Umgang mit – meist knappen – Ressourcen verstanden, dann stellt Geld (und vor allem: monetärer Gewinn) nur eine von vielen Ressourcen dar. In diesem Sinne ist den G7 und dem Papst in den nächsten Monaten und Jahren alles Gute zu wünschen.“

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Wirtschaftlichkeit des Passivhauses

Kommentar von Günter Lang,  Passivhaus Austria

„Seit 1991 war das Grundcredo des Passivhaus Institutes immer, einen kostengünstigen Baustandard zu entwickeln. Dank einer Vielzahl von Studien und Praxisbeispielen ist mittlerweile eindeutig nachgewiesen, dass das Passivhaus zu den kostenoptimalsten Baustandards zählt. „Die Investitionskosten für verbesserte Effizienz bei ohnehin benötigten Bauteilen sind heute außerordentlich gering, die Kostendifferenz wird über die eingesparten Energiekosten mehr als ausgeglichen“, betont Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Instituts. Für den Nutzer sei die Verwendung von Passivhaus-Komponenten daher auch aus ökonomischer Sicht ein Gewinn.

Im Idealfall kann der Passivhaus-Standard sogar zu den gleichen Baukosten errichtet werden, die der Mindeststandard an Baukosten verursachen würde. Es kommt nur auf das Verhältnis zwischen Ausgaben für die thermische Gebäudequalität und für die Haustechnik an. „Energie die nicht verloren geht, braucht auch nicht erzeugt werden“ ist die Grundregel höchster Energieeffizienz und dem Passivhaus. Aber selbst bei Mehrkosten von 2 – 4 Prozent haben sich die eingesparten Energiekosten in wenigen Jahren mehrfach eingespielt. Und dabei sind die volkswirtschaftlichen Einsparungen noch gar nicht in Betracht gezogen.

Diese Kostenoptimalität trifft allerdings nicht nur auf Neubauten in Passivhaus-Standard zu, sondern ebenso bei thermisch optimierten Sanierungen, wie er mit dem EnerPHit-Standard vom Passivhaus-Institut festgelegt wurde. Gemäß dem Motto „Wenn schon denn schon“, zahlt es sich gleichermaßen in der Sanierung aus, diese gleich konsequent umzusetzen anstatt halbherzig.
Während ein einzelner Garagenplatz weit mehr kostet als jegliche Mehrkosten für den Passivhaus-Standard, kommt das investierte Geld für den Garagenplatz nie zurück, während die thermisch energetische Topqualität eines Gebäudes sich in jedem Fall rechnet.

Zudem sind Investitionen eine absolut sichere und kalkulierbare Investition. Einmal investiert, kommt es niemals mehr zu Preiserhöhungen, und auch durch die Bauschadensfreiheit der Gebäudehülle werden unerwartete Kosten hinten angehalten. Investitionen in beste Energieeffizienz sind heute beste und dauerhafte Wertanlagen.

Wollen wir aus der internationalen Wirtschaftskrise herauskommen und unseren Kindern möglichst wenig Schulden hinterlassen, sollten wir allergrößten Wert auf beste thermische Qualität achten – eben auf den kostengünstigen Passivhaus-Standard.“

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Vieles, was uns Menschen das Leben einfacher macht, hat sich durchgesetzt

Kommentar von Johannes Kislinger, Innovative Gebäude IG

„Energiesparen, Wassersparen, Geldsparen – Sparen wird mit Einschränkung und Verlust gleichgesetzt, sparen ist langweilig und macht keinen Spaß. Aber es geht auch ganz anders. Wenn innovative Produkte uns Freiheit geben – wie ein E-Bike den Aktionsradius erweitert – ganz einfach, ohne Anstrengung, ohne Mühe, auch ohne Technikbegeisterung, oder neue Geräte Energie sparen ohne dass wir es merken, oder innovative Gebäudekonzepte die Energie, die sie benötigen selbst erzeugen und damit die Kosten ganz nebenbei minimieren…

Intelligent eingesetzte innovative Konzepte nutzen, um nachhaltige Lösungen zu finden ist das Ziel. Für mich als Planer zählt es zu den schönsten Momenten, wenn der Auftraggeber diesen Faden aufnimmt und wir gemeinsam Ziele formulieren können, die das Projekt zu einem bedeutenden werden lassen. Durch integrale Planung schaffen wir die oft maßgeschneiderten Lösungen für Aufgaben, die es bisher noch nie gab – das ist gelebte Innovation! Die Zufriedenheit der Nutzer, das Interesse der Wirtschaft geben uns Recht .

Es bleibt zu hoffen, dass auch die Politik die Möglichkeiten der Innovation in der Baubranche für sich entdeckt: Nach aktuellen Zahlen werden in Österreich ca. 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben, während für F&E im Baubereich nur magere 0,35 Prozent investiert werden.

Das gute alte Passivhaus war vor 10 Jahren noch Ausdruck für einen modernen und zukunftsweisenden Lebensstil. Nachhaltigkeit wurde zum heute schon abgenutzten Schlagwort. Doch mittlerweile ist eine Fülle neuer Themen entstanden, es geht um weit mehr als um reine Energieeffizienz: Nicht mehr das Gebäude allein, sein Lebenszyklus und seine Nachnutzung stehen im Mittelpunkt, sondern der gesamte Kontext: Über das Gebäude hinausdenken heißt, globale Zusammenhänge mit seiner persönlichen Einstellung zum Miteinander in Einklang bringen, über die Nachbarschaft und Siedlung hinaus bis hin zu politischen Entscheidungen. Der Konsument bestimmt letzten Endes den Markt und macht damit Politik.

Einmalige und spannende Leuchtturmprojekte aus österreichischer Hand reüssieren im weltweiten Vergleich. Die Formel „Innovation + gutes Design + Technologie + Haltung der Benutzer“ ist Gold wert – auch auf lange Sicht, und die zählt, wenn man über den Tellerrand schaut.“

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Von der Ökonomie des nachhaltigen Bauen – oder was kostet die Zukunft?

Kommentar von Renate Hammer, Institut of Building Research & Innovation

„Allgemein beschreibt die ökonomische Nachhaltigkeit die Maximierung des monetär bewerteten Ertrags bei aufrechtem Eingang benötigter Ressourcen. Die ökologische Nachhaltigkeit befasst sich hingegen mit dem langfristigen Erhalt natürlicher Ressourcen.

Das Bauen gehört zu jenen Wirtschaftsbranchen, die unmittelbar vom Vorhandensein dieser natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser oder Material abhängig sind und dadurch in der Maximierung des monetär erzielbaren Ertrags limitiert bleiben. Die preisbereinigte Wertschöpfung, also die erzielte Steigerung monetärer Wertigkeit durch Transformation eingegangener Ressourcen in Endprodukte, stagniert im Sektor Bau seit gut 25 Jahren. Die Steigerung der Wertschöpfung ist nicht mit wirtschaftlichem Wachstums zu verwechseln, sie galt in dieser Hinsicht aber neben der Erhöhung der Nachfrage als treffliche Strategie. Eine Strategie die der Sektor Bau auf Grund seiner unmittelbaren und umfassenden Rückbindung an natürliche und begrenzte Ressourcen nur bedingt umsetzen kann. Hinsicht der Wertschöpfung agiert Bauen mit einer nach wie vor beträchtlichen Wirtschaftsleistung auf einem Plateau.

Damit liefert die Branche aber vielleicht einen allerersten Ansatz, wie Wirtschaft in Zukunft unter begrenztem Ressourceneingang funktionieren kann. Denn dadurch, dass wir endliche Ressourcen aufbrauchen und selbst für die Produktion und Nutzung erneuerbarer Rohstoffe und Energieträger bis dato vielfach auch endliche Ressourcen benötigen, wird sich die Frage des verknappten Eingangs endlich für alle stellen.

Die Ökonomie des nachhaltigen Bauens kann nichts mit Wachstum zu tun haben und hat es in mancher Hinsicht auch bereits nicht mehr. Nachhaltige Wirtschaft beruht auf einer Plateau-, zeitweilig wohl auch auf einer Kontraktionsökonomie, denn sämtlichen Versuche, Ressourcenverbrauch oder auch Emissionsausstoß vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln, war bisher kein Erfolg beschieden. Nicht länger auf dies Abkopplung warten zu wollen, hat wenig mit Kulturpessimismus, sondern vielmehr mit dem Blick auf den Stand der Entwicklungen zu tun, etwa des Biodiversitätsverlusts, des Klimawandels und um ein einziges Mal den Aspekt des Sozialen zu bemühen, mit der Vergrößerung der Kluft zwischen arm und reich. Auch die Zeit ist in dieser Hinsicht eine enden wollende Ressource.

Es geht um einen Transformationsprozess unseres Wirtschaftssystems weg vom Anspruch auf kontinuierlich mehr, hin zur Identifikation echter Bedürfnisse. Um sozialromatischen Vorstellungen betreffend den notwendigen Transformationsprozess entgegen zu wirken: Weniger Nachfrage bedeutet zumindest für einige Branchen auch weniger Arbeit und damit weniger Einkommen. Auch hier wird die Frage zu stellen sein, was wir wirklich brauchen und wie das was vorhanden ist zu verteilen ist. Die Entwicklung suffizienter Wohnungen, orientiert nicht an Quadratmeterzahlen sondern an funktionaler Entsprechung, könnte hier ein möglicher Schritt sein. Die Aufwertung eines lebenswerten Außenraums als Alternative zu Funktionsleerständen im Innenraum ein anderer, adaptiver Innenraumkomfort ein weiterer, die Erhöhung der Mobilität durch Verkürzung von Wegen ein weiterer, …“

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