Archiv der Kategorie: Thema Gesundheit

Wohnraum-Lüftung: Vorteile erwiesen

Abseits von regelmäßigem Lüften schafft insbesondere eine hochwertige kontrollierte Wohnraumlüftung Abhilfe: Mit der kontrollierten Wohnraumlüftung wird kalte Frischluft angesaugt und gefiltert. Im Erdwärmetauscher und im Lüftungsgerät erfolgt die Erwärmung der Frischluft. Die Luft strömt über ein Rohrsystem in die Wohn- und Schlafräume ein und gelangt über Stiegenhaus und Flur in Küche, Bad und WC. Dort wird die verbrauchte Luft über das Rohrsystem abgesaugt und zum Lüftungsgerät geführt. Die Wärme wird im Wärmetauscher auf die Zuluft übertragen, die Abluft ins Freie geblasen. Selbstverständlich kann auch trotz Wohnraumlüftung manuell gelüftet und dürfen Fenster geöffnet werden. „Ohne Lüftungsanlage müssten zumindest alle zwei Stunden die Fenster kurz geöffnet werden, um die CO2 -Rate auf Werte unter den hygienischen Grenzwert (1.500 ppm) zu senken, ein in der Praxis – vor allem während der Nacht – undurchführbares Unterfangen“, erklärt die Studie „Behagliche Nachhaltigkeit – Untersuchungen zum Behaglichkeits- und Gesundheits-Wert von Passivhäusern“. Zusätzlich sorgt die Fensterlüftung im Winter für einen erhöhten Energie- und Wärmeverlust, Zugluft und Lärmbelästigung.

Studie: Geringere Schadstoffe durch Wohnraumlüftung

Die Studie „Lüftung 3.0: Bewohner-Gesundheit und Raumluft-Qualität in neu errichteten, energieeffizienten Wohnhäusern“ vom Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO hat sich zum Ziel gesetzt die Einflüsse der Raumluftqualität auf Wohlbefinden sowie die Wohnzufriedenheit von BewohnerInnen von Ein- und Mehrfamilienhäusern (123 österreichische Haushalte) mit und ohne Wohnraumlüftungsanlage zu untersuchen. Dabei wurden u.a. die Wohnräume auf Schadstoffe untersucht. In der gegenständlichen Studie wurden Daten drei Monate nach Bezug und ein Jahr danach erhoben.

Fazit: „Die Ergebnisse der Raumluftuntersuchungen, die Daten zur Nutzerzufriedenheit und -gesundheit sowie zur subjektiv empfundenen Raumluftqualität zeigen, dass das Konzept von Gebäuden mit Wohnraumlüftungsanlagen gegenüber dem „herkömmlichen“ Konzept des Niedrigenergiehauses mit reiner Fensterlüftung deutliche Vorteile aufweist. Der Einsatz einer Wohnraumlüftungsanlage in Wohngebäuden erscheint daher, wenn die Planung, Errichtung, Inbetriebsetzung und Wartung dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, grundsätzlich empfehlenswert.“

Insbesondere gilt die Empfehlung die raumlufthygienischen Vorteile hochwertiger Lüftungsanlagen mit maximaler Energieeffizienz zu verbinden. Und, so die Studie zu Vorurteilen: „Diverse Ansichten zu „Zwangslüftungsanlagen“ wie z.B. Schimmelbefall, vermehrtes Auftreten von gesundheitlichen Beschwerden oder verstärkte Luftzugerscheinungen wurden in der vorliegenden Studie nicht bestätigt. Andererseits ist anzumerken, dass in Bezug auf die niedrige Luftfeuchte in Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen definitiv Handlungsbedarf bestehen kann. Technische Lösungen dafür stehen bei höherwertigen Lüftungskonzepten zur Verfügung.“

Und die Studie weiter: „Generell wurden sowohl beim Erst- als auch beim Folgetermin in Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen verglichen mit Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung im Durchschnitt deutlich geringere Schadstoffkonzentrationen in der Innenraumluft nachgewiesen. [] Die Ergebnisse zeigen, dass durch den Einsatz einer Wohnraumlüftungsanlage im Schnitt eine deutlich bessere Raumluft in Hinblick auf gesundheitlich relevante Luftinhaltsstoffe erreicht wird, die Streuung der Werte ist jedoch in beiden Haustypen hoch.“

Einfluss auf Schadstoff-Konzentration

Im Detail wurden die Belastungen durch diverse Flüchtige Organische Verbindungen (VOC) und andere Schadstoffe im Vergleich zu herkömmlicher Fensterlüftung untersucht. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Lüftungsart (mit oder ohne Wohnraumlüftungsanlage) einen hochsignifikanten Einfluss auf die VOC-Konzentration in der Raumluft hatte und dass in Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung bei beiden Messterminen häufiger Richtwertüberschreitungen vorkamen. Ein signifikanter bzw. wesentlicher Einfluss wurde in Bezug auf die Konzentration an Formaldehyd, Kohlenstoffdioxid, Radon sowie bei Schimmelpilzsporen, festgestellt. Keinen Einfluss hat die Art der Wohnraumlüftung bei Staubmilbenallergenen.

Frischer Neubau: deutlich höhere Belastung

„Aufgrund der Ergebnisse der Schadstoffmessungen der Raumluft kann auch gesagt werden, dass vor allem am Beginn der Nutzung in beiden Objekttypen in zahlreichen Fällen in erhöhtem Ausmaß VOC-Emissionen von Baustoffen und Materialien der Innenausstattung stattfanden, was eine hygienisch unbefriedigende Situation darstellt. Nicht in allen Fällen reicht der Betrieb der Wohnraumlüftungsanlage als alleinige Maßnahme zur Expositionsreduktion aus. Die VOC-Werte lagen zu einem großen Teil (auch in Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen) über den Ergebnissen von qualitätsgesichert mittels Chemikalienmanagement errichteten Objekten. Gründe dafür sind einerseits vermutlich die Verwendung von Lösungsmitteln bei Bauchemikalien und Materialien der Innenausstattung als auch sekundär die zu niedrigen Zuluftvolumenströme in den Räumen. Mehr Gewicht muss daher auf eine Emissionsreduktion durch die Auswahl wenig emittierender, schadstoffgeprüfter Baustoffe und Materialien gelegt werden. Ein Chemikalienmanagement bei Planung und Errichtung ist in Hinblick auf die Studienergebnisse eine unbedingte Notwendigkeit und sollte zum Standard bei Bauprojekten werden. Diese Aussage gilt auf Grund der großen Streuung der Ergebnisse auch bei Passivhäusern und Niedrigstenergieobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen.“

Wohnraumlüftung: Vorurteile geprüft

Die Studie „Lüftung 3.0: Bewohner-Gesundheit und Raumluft-Qualität in neu errichteten, energieeffizienten Wohnhäusern“ hat sich auch ganz besonders den wichtigsten Vorurteilen gegenüber der kontrollierten Wohnraumlüftung angenommen. Das allgemeine Studienfazit: „Behauptungen, dass in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen vergleichsweise mehr negative Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden auftreten, konnten nicht gestützt werden. Die deutlich niedrigeren Schadstoffkonzentrationen in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen lassen vermuten, dass sich diese Technologie langfristig positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirkt.“

Raumtemperatur & Luftzug

„Hinsichtlich des Raumklimas wurden beispielsweise Raumtemperatur und Luftbewegung von den Bewohnern von Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen signifikant angenehmer eingeschätzt als von den Bewohnern von Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung. Die Meinung in Bezug auf häufig so genannte „Zwangslüftungsanlagen für Wohnobjekte“, dass die Raumtemperatur als unangenehmer eingeschätzt wird und Luftzugerscheinungen auftreten, kann auf Grund der Ergebnisse der Studie nicht aufrecht erhalten werden.“

Allergie & Keime

„Auch die Meinung, dass Lüftungsanlagen „Keimschleudern“ sind, konnte nicht bestätigt werden; es ist demgegenüber davon auszugehen, dass Lüftungsanlagen sogar als Senke für Schimmelsporen fungieren. Es ist umgekehrt davon auszugehen, dass Wohnraumlüftungsanlagen die Konzentration von von außen eintretenden Allergenen (Sporen, Pollen etc.) und Feinstaub deutlich senken können. Zur effizienten Senkung sind allerdings die Wahl eines möglichst hochwertigen Zuluftfilters sowie die Wartung der Anlage von herausragender Bedeutung.“

Luftfeuchtigkeit

„Bestätigt hat sich allerdings die Meinung, dass die Luft in Lüftungsanlagen tendenziell zu trocken ist, dies ist auf die erhöhten durch das Gesamtsystem transportierten Luftvolumina zurückzuführen, die in der kalten Jahreszeit zu einer Entfeuchtung aller Materialien und in der Folge der Raumluft führen. Würde in ausschließlich über Fenster gelüfteten Objekten gleich viel gelüftet, würden auch dort vergleichbar niedrige Luftfeuchten auftreten. Technische Lösung für eine Verbesserung der Situation (Bedarfsregelung und Feuchterückgewinnung) sind bekannt und werden in modernen Anlagen schon installiert.“

Schimmel

Richtig ist, dass in allen Nutzgebäuden, egal ob gedämmt oder nicht gedämmt, Feuchtigkeit entsteht, die auf irgendeine Weise nach draußen gelangen muss. Schimmel bildet sich auch in Neubauten, die nach der Errichtung noch nicht vollständig ausgetrocknet sind, und ganz besonders bei sanierungsbedürftigen Gebäuden. Eine äußere Wärmedämmung – eine fachgerechte Planung und Durchführung der baulichen Maßnahmen vorausgesetzt – verringert die Wärmeverluste nach außen sehr stark und erhöht so die Oberflächentemperaturen der inneren Wände. Damit reduziert sie das Risiko der Schimmelbildung erheblich. Häufig ist Schimmelbildung auch auf das Nutzerverhalten zurückzuführen: Besonders bei neuen, dichteren Fenstern gilt es den Luftfeuchtegehalt zu beobachten und entsprechend zu lüften bzw. eine vorhandene Wohnraumlüftung zu nutzen.

Die Studie: „Sowohl zu hohe und zu niedrige Werte für die relativer Luftfeuchte sollten vermieden werden. Die Studie zeigte, dass niedrige Werte unter 30 Prozent relativer Luftfeuchte nahezu ausschließlich in Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen, hohe Werte über 55 Prozent nahezu ausschließlich in Objekten mit reiner Fensterlüftung gefunden wurden. Es ist daher davon auszugehen, dass mittels einer Wohnraumlüftungsanlage eine effiziente Schimmelprävention möglich ist.“

Radonbelastung

Radonbelastung und ein damit verbundenes Krebsrisiko werden des öfteren der Dämmung zugeschrieben. Richtig ist jedoch, dass die radioaktive Strahlung durch das Edelgas Radon (Messeinheit Bequerel Bq) nicht durch Dämmung verursacht wird, sondern aufgrund natürlicher Vorkommen aus dem Erdboden in die Luft entweicht. Radonkonzentrationen werden jedoch auch in geschlossenen Gebäuden beobachtet, da sich das Gas hier anreichern kann. Schon vermehrtes Lüften des Raumes bzw. eine Wohnraumlüftung bringt im Normalfall eine ausreichende Wirkung. In Österreich gelten als Grenzwerte 200 Bq/m³ für den Neubau und 400 Bq/m³ für bestehende Gebäude. Man schätzt, dass österreichweit etwa fünf Prozent aller Wohnungen Radon- Konzentrationen von über 400 Bq/m³ aufweisen. Ab 100 Bq/m³ sollte nach der Ursache gesucht werden. Schutz kann etwa ein Abdichten des Kellers gegen die Erde sowie die Wohnräume bieten. Einen Überblick bietet die Radonkarte Österreichs.

Thermischer Komfort & Raumluft

Vorurteile widerlegt

Schadstoffbelastung, Schimmel, schlechte Wohnraumluft – Nach wie vor gibt es Vorurteile, nachhaltiges Bauen und Sanieren wäre ungesund. Doch längst haben Studien und Untersuchungen belegt, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Wer nachhaltig baut, profitiert auch durch gesünderen Wohnraum und gesteigertes Wohlbefinden.

Wohlbefinden durch die richtige Temperatur

Wer von Wohlbefinden im Wohnraum spricht, kommt am Thema thermischen Komfort nicht vorbei. Gemeint ist damit jener schmale Temperaturbereich, der zwischen Körperempfindungen der Blutfülle sowie des Schwitzens und dem Gefühl des Frierens liegt. Kann das thermische Gleichgewicht ohne Regulationsbemühungen aufrecht erhalten werden, so empfindet eine Person thermischen Komfort.

„Abhängig von der lokalen Kultur und dem lokalen Klima können durch angepasste Kleidung Temperaturen zwischen 16 und 32 Grad Celsius als akzeptabel angesehen werden, wie eine Auswertung von zahlreichen weltweit in verschiedenen Kulturen und Klimata durchgeführten Studien zum Wärmekomfort zeigen. Eine Umgebungstemperatur wird als „behaglich“ empfunden, wenn sich die Hautdurchblutung auf einem mittleren Niveau befindet und weder Schweißdrüsenaktivierung noch Zittern zur Regelung der Kerntemperatur eingesetzt werden müssen. Diese Behaglichkeitstemperatur hängt nicht nur von der Umgebungstemperatur, sondern auch von Kleidung, körperlicher Aktivität, Wind, Luftfeuchtigkeit, Strahlung und physiologischer Befindlichkeit ab. Die Behaglichkeitstemperatur liegt für den sitzenden, leicht bekleideten Menschen (Hemd, kurze Unterhose, lange Baumwollhose) bei geringer Luftbewegung (unter 0,5 m/s) und bei einer relativen Luftfeuchte von 50 Prozent bei etwa 25-26 Grad Celsius“, stellt dazu die Studie „Behagliche Nachhaltigkeit – Untersuchungen zum Behaglichkeits- und Gesundheits-Wert von Passivhäusern“, fest.

Energieeffiziente Gebäude sind klar im Vorteil: In ihnen kann hoher Komfort, Behaglichkeit und angenehmes Wohnklima bei minimalem Energieaufwand erreicht werden. Die Studienautoren: „Durch konsequente Dämmung werden Wärmeverluste so stark verringert, dass schon sehr geringe Wärmemengen ausreichen, um die Raumtemperatur aufrechtzuerhalten. Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses ist daher um bis zu einen Faktor 10 geringer als beim Durchschnitt des Gebäudebestandes. Im Passivhaus bedingen die hohen Innenoberflächentemperaturen im Winter ein Strahlungsklima, welches als sehr behaglich empfunden wird. Diese hohe Behaglichkeit wird bei Häusern, die nicht mit dem Energiestandard eines Passivhauses errichtet sind, nur mit Heizkörpern unter dem Fenster, einer Wandheizung oder einer Fußbodenheizung erreicht “

Schlechte Raumluft macht krank

Ähnliches gilt für die Raumluft: Auch sie hat starken Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. Durch Kochen oder Putzen beeinflussen wir die Qualität der Luft genauso wie durch Baumaterialien, Technik oder Textilien. Aus der Studie „Behagliche Nachhaltigkeit – Untersuchungen zum Behaglichkeits- und Gesundheits-Wert von Passivhäusern“: „Sogenannte schlechte Luft wird nicht durch einen Mangel an Sauerstoff hervorgerufen, sondern in erster Linie durch eine überhöhte CO2 -Konzentration. Der überwiegende Teil der NutzerInnen empfindet die Raumluftqualität als gut, wenn die CO2 -Konzentration Werte von 1000 ppm („Pettenkoferzahl“) nicht überschreitet. Die Außenluft weist eine CO2 -Konzentration von 300 ppm (bis 400 ppm in Stadtzentren, Anmerkung Redaktion) auf. Der Mensch atmet die Luft mit einer CO2-Konzentration von ca. 40.000 ppm (4 Vol%) wieder aus. Ohne Austausch mit der Außenluft steigt die CO2 -Konzentration in bewohnten Räumen schnell an. Eine erhöhte CO2 -Konzentration ist nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend. Ab bestimmten Konzentrationen können jedoch Befindlichkeitsstörungen wie z.B. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Unwohlsein und Kopfschmerzen sowie Beeinträchtigungen von Leistungsfähigkeit auftreten. Eine Zusammenschau von Studien zu gesundheitlichen Wirkungen von Kohlendioxid zeigt, dass sich mit abnehmender CO2-Konzentration die sogenannten Sick-Building- Syndrom-assozierten Beschwerden (z.B. Reizungen und Trockenheit von Schleimhäuten, Müdigkeit, Kopfschmerzen) ebenfalls verringern.“

Nachhaltig Bauen & Sanieren ist ungesund – oder doch nicht?

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation
Peter Holzer, IPJ Ingenieurbüro P. Jung
Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Hochbau
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut
Franziska Trebut, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT

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Kurzfassung:

Gesundheitsförderndes Bauen

„Wenn wir Zukunft positiv gestalten wollen, impliziert das den Beitrag des Bauens zu einer gesunden Lebensweise. Nachhaltiges Bauen und Sanieren muss gesund sein, – ansonsten würde „Etikettenschwindel“ betrieben“, stellt Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation, klar. Sie plädiert für ein gesundheitsförderndes Planen – , wie auch Peter Holzer, IPJ Ingenieurbüro P. Jung: „Bauen wir unsere Häuser unbedingt klimaschützend und ressourceneffizient, weil das die notwendige Basis für die bloße Chance auf eine wünschenswerte Zukunft der Gesellschaft ist. Und bauen wir sie mit der gleichen Empathie gesundheitsförderlich, also aus sich heraus behaglich und gleichzeitig dem Außenraum angebunden. Wenn nur eins davon fehlt, fehlt die Nachhaltigkeit ganz.“

Thermischer Komfort & Raumluft

Wer von Wohlbefinden im Wohnraum spricht, kommt am Thema thermischen Komfort nicht vorbei. Energieeffiziente Gebäude sind klar im Vorteil: In ihnen kann hoher Komfort, Behaglichkeit und angenehmes Wohnklima bei minimalem Energieaufwand erreicht werden. Die Studie „Behagliche Nachhaltigkeit – Untersuchungen zum Behaglichkeits- und Gesundheits-Wert von Passivhäusern“ analysiert die wesentlichen Faktoren für gesundes Wohnen: „Im Passivhaus bedingen die hohen Innenoberflächentemperaturen im Winter ein Strahlungsklima, welches als sehr behaglich empfunden wird. Diese hohe Behaglichkeit wird bei Häusern, die nicht mit dem Energiestandard eines Passivhauses errichtet sind, nur mit Heizkörpern unter dem Fenster, einer Wandheizung oder einer Fußbodenheizung erreicht “

Ähnliches gilt für die Raumluft: Auch sie hat starken Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Die Studienautoren: „Ohne Austausch mit der Außenluft steigt die CO2 -Konzentration in bewohnten Räumen schnell an. Ab bestimmten Konzentrationen können Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Unwohlsein und Kopfschmerzen sowie Beeinträchtigungen von Leistungsfähigkeit auftreten. Eine Zusammenschau von Studien zu gesundheitlichen Wirkungen von Kohlendioxid zeigt, dass sich mit abnehmender CO2-Konzentration die sogenannten Sick-Building- Syndrom-assozierten Beschwerden (z.B. Reizungen und Trockenheit von Schleimhäuten, Müdigkeit, Kopfschmerzen) ebenfalls verringern.“

Vorteile kontrollierte Wohnraumlüftung

„Ohne Lüftungsanlage müssten zumindest alle zwei Stunden die Fenster kurz geöffnet werden, um die CO2 -Rate auf Werte unter den hygienischen Grenzwert (1.500 ppm) zu senken, ein in der Praxis – vor allem während der Nacht – undurchführbares Unterfangen“, erklärt die Studie. Zusätzlich sorgt die manuelle Fensterlüftung im Winter für einen erhöhten Energie- und Wärmeverlust, Zugluft und Lärmbelästigung.

Trotz offensichtlich nützlicher Funktionalität wird die kontrollierte Wohnraumlüftung aber teils noch immer skeptisch beäugt. Die Studie „Lüftung 3.0: Bewohner-Gesundheit und Raumluft-Qualität in neu errichteten, energieeffizienten Wohnhäusern“ vom Österreichisches Institut für Baubiologie und Bauökologie IBO klärt auf: „Diverse Ansichten zu „Zwangslüftungsanlagen“ wie z.B. Schimmelbefall, vermehrtes Auftreten von gesundheitlichen Beschwerden oder verstärkte Luftzugerscheinungen wurden in der vorliegenden Studie nicht bestätigt. Generell wurden in Objekten mit Wohnraumlüftungsanlagen verglichen mit Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung im Durchschnitt deutlich geringere Schadstoffkonzentrationen in der Innenraumluft nachgewiesen.“

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Lüftungsart – mit oder ohne Wohnraumlüftungsanlage – einen hochsignifikanten Einfluss auf die Konzentration von Flüchtigen Organische Verbindungen (VOC) in der Raumluft hat und dass in Objekten mit ausschließlicher Fensterlüftung häufiger Richtwertüberschreitungen vorkamen. Ein signifikanter bzw. wesentlicher Einfluss wurde in Bezug auf die Konzentration an Formaldehyd, Kohlenstoffdioxid, Radon sowie bei Schimmelpilzsporen festgestellt. Keinen Einfluss hat die Art der Wohnraumlüftung bei Staubmilbenallergenen. Das Fazit zur Wohnraumlüftung: „Behauptungen, dass in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen vergleichsweise mehr negative Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden auftreten, konnten nicht gestützt werden. Die deutlich niedrigeren Schadstoffkonzentrationen in Wohnobjekten mit Wohnraumlüftungsanlagen lassen vermuten, dass sich diese Technologie langfristig positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirkt.“

Pro Wohnraumlüftung

Aus eigener 15-jähriger Erfahrung als Passivhaus-Bewohner berichtet Günter Lang, Passivhaus Austria: „Während wir in herkömmlichen Bauten immer das Bedürfnis haben, bei offenen Fenster zu schlafen – trotz Straßenlärm, Staubbelastung, Geruchsbelästigung von Auto- und Mopedabgasen sowie Zugerscheinungen – haben wir im Passivhaus dank der Komfortlüftung das Bedürfnis nach offenen Fenstern überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil stellen wir fest, dass wir in der Früh viel ausgeschlafener und kreativer sind – also im Passivhaus einen gesunden Schlaf im wahrsten Sinne des Wortes genießen.“ Die Vorteile der Wohnraumlüftung bestätigt auch Franziska Trebut, Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT: „Im Passivhaus kann eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sogar die konventionelle Heizung ersetzen. Diese durchaus effizienzsteigernde Tatsache verstellt in Punkto Lüftungsanlage allerdings den Blick auf das Wesentliche: Es ist dies eine Anlage, um ausreichend Frischluft in dichten Innenräumen bereitzustellen.“

Frischer Neubau: deutlich höhere Belastung

Die IBO-Studie zur Wohnraumlüftung bestätigt aber auch die Sorge vor Schadstoffen im Wohnraum. Insbesondere stellt sie ein erhöhtes Ausmaß an VOC-Emissionen bei neuerrichteten Gebäuden fest: „Gründe dafür sind einerseits vermutlich die Verwendung von Lösungsmitteln bei Bau-Chemikalien und Materialien der Innenausstattung als auch sekundär die zu niedrigen Zuluftvolumenströme in den Räumen. Mehr Gewicht muss daher auf eine Emissionsreduktion durch die Auswahl wenigemittierender, schadstoffgeprüfter Baustoffe und Materialien gelegt werden.“ Zusatz: „Nicht in allen Fällen reicht der Betrieb der Wohnraumlüftungsanlage als alleinige Maßnahme zur Expositionsreduktion aus.“

Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Hochbau, generell zu gesundem Raumklima: „Es ist eine grundlegende Aufgabe von Architekten, bei Bauherren und Nutzern ein Bewusstsein für diese Thematik zu schaffen. Wichtig ist z.B. zu verstehen, welche weitreichenden Auswirkungen die Baustoffwahl darstellt. Es geht dabei um viel mehr als nur um Optik, Haptik oder den Preis. Es geht auch um die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen.“

Ungesundes Dämmen?

Für gesundheitliche Bedenken sorgten kürzlich auch das Verbot des Brandschutzmittels HBCD, das u.a. in Dämmstoffen verwendet wird, aber auch die Verwendung von künstliche Mineralfasern als Dämmstoff. Erfreulich ist, dass die meisten österreichischen EPS-Hersteller bereits mit Jänner 2015 den Umstieg auf das alternative Flammschutzmittel pFR abgeschlossen haben. Heimische EPSProdukte der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (Marken Austrotherm, Austyrol, Bachl, Modrice, Röhrnbach, Brucha, EPS Industries, Flatz, Hirsch, Steinbacher, Swisspor) sind damit HBCD-frei. Ein aktueller Prüfbericht des Umweltbundesamtes über zehn übermittelte Proben liegt der Medienstelle vor. Allerdings: Rund 15 Prozent der in Österreich erhältlichen EPS-Platten werden importiert.

Dazu Robert Lechner, Österreichisches Ökologie-Institut ÖÖI und Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB: „Auch wenn Inhaltsstoffe von Dämmstoffen wie HBCD oder die grundsätzliche physikalische-chemische Beschaffenheit von Dämmmaterialien wie Mineralwolle in der Vergangenheit für einige besorgniserregende Erkenntnisse gesorgt haben, muss festgehalten werden, dass Panikmache fehl am Platz ist. Niemand in einem mit EPS oder Mineralwolle gedämmten Haus muss sich akut Sorgen um die Gesundheit machen. Sowohl die Gesetzgebung als auch die Industrie haben reagiert; als gefährlich oder bedenklich eingestufte Materialien wurden sukzessive aus dem Verkehr genommen und durch unbedenklichere Materialien ersetzt. Grundsätzlich muss bei allem Optimismus das Vorsorgeprinzip gelten: Wichtig sind mehr denn je zur Vermeidung von unbekannten Folgen deshalb alle nur erdenklichen Maßnahmen einer objektiven Technikfolgenabschätzung. Dieses Vorsorgeprinzip sollte aber für alle Lebensbereiche gelten, von der Ernährung über die Medizin, Telekommunikation, Bekleidung bis hin zum Bauwesen – Dämmstoffe brauchen dabei keine besondere Würdigung.“