Archiv der Kategorie: Thema Wirtschaftlichkeit

Nachhaltig Bauen & Sanieren ist nicht wirtschaftlich – oder doch?

Mit Ergebnissen aus neuesten Studien sowie Fach-Kommentaren von:

Renate Hammer, Institut of Building Research & Innovation
Johannes Kislinger, Innovative Gebäude
Günter Lang, Passivhaus Austria
Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI
Bernhard Lipp, Österreichisches Institut für Baubiologie und – Ökologie IBO
Martin Ploss, Energieinstitut Vorarlberg
Alfred Waschl, International Facility Management Association (IFMA) Austria

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Kurzfassung

 

Medienpaket zum größten Vorurteil Wirtschaftlichkeit

Trotz zahlreicher positiver Studien und Fachmeinungen bleibt es eine vieldiskutierte Frage beim nachhaltigen Bauen und Sanieren: Rechnen sich die baulichen Maßnahmen in Hinblick auf Ökologie und Energieeffizienz auch wirtschaftlich? Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen hat sich diesem Thema im Detail angenommen und bietet Medienvertretern und Interessierten ein umfangreiches, breit recherchiertes Paket an grundlegenden Informationen, Fachkommentaren von namhaften, österreichischen Experten und den wesentlichsten Fakten aus brandaktuellen Studien – frei zur redaktionellen Verarbeitung zu unterschiedlichsten Teilthemen.
Die detaillierte Gesamtfassung mit allen Texte, Grafiken (Rohdaten auf Wunsch), Pressefotos und allen Studien finden Sie auf der Webseite der Medienstelle unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt.

Volkswirtschaftliche Notwendigkeit

Wer denkt, der Energieverbrauch in den heimischen Haushalten sinkt aufgrund von Krise und Umweltbewusstsein, irrt: Der klimabereinigte Endenergieverbrauch je Österreicher steigt seit 2012 wieder und lag nach aktuellen Energieberichten 2013 um rund 26 Prozent höher als im Jahr 1995. 2,2 Millionen sanierungsbedürftige Wohnungen oder rund 60 Prozent des gesamten Wohnungsbestands bräuchten eine energieeffiziente Sanierung. Die Sanierungsrate liegt in Österreich seit Jahrzehnten bei etwa einem Prozent, sprich es dauert 100 Jahre, bis der Gebäudebestand komplett durchsaniert ist. Noch dazu machen die thermischen Sanierungen nur einen Teil der Gesamtsanierungen aus. Was ist also wirtschaftlich (und nachhaltig)? Impulse zu nachhaltigem Bauen wie ein Sanierungsscheck der Bundes, der 2013 mit 132,2 Millionen Euro Fördermittel nachhaltige Investitionen von 847 Millionen Euro unterstützt hat und 12.715 Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen hat? Oder durch den Klimawandel drohende Schäden in Höhe von bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich – alleine in Österreich?

Aktuelle Studien belegen Wirtschaftlichkeit

Dass nachhaltiges Bauen und Sanieren zwar eventuell geringfügig mehr kostet, aber sich langfristig rechnen kann, belegen neue Studien. Da in den nächsten Jahrzehnten mit höheren Energiepreisen jeder Art zu rechnen ist, sind Gebäudekonzepte mit Schwerpunkt auf Energieeffizienz im Vorteil.

Kosten für nachhaltiges Bauen sinken

Eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien hat zudem die Herstellungskosten im Vergleich zum Baustandard Niedrigenergiehaus gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die Kosten für nachhaltiges Bauen sinken aufgrund technischer Entwicklungen, zumindest im mehrgeschossigen Wohnbau. Die Autoren einer weiteren Studie „Preisentwicklung Gebäudeenergieeffizienz“ stellen fest, dass in den letzten Jahrzehnten viele Bauteile günstiger und hochwertiger geworden sind: „Angesichts der Ergebnisse dieser Initialstudie scheint die These von der „steigenden Energieeffizienz als natürlicher Feind des kostengünstigen Bauens“ nicht haltbar zu sein.“

Bekenntnis zu Nachhaltigkeit gefordert

„Fakt ist: Ohne Energieeffizienz gibt es kein nachhaltiges Bauen. Es geht nicht mehr darum, ob der Klimawandel stattfindet, sondern nur mehr darum, wie stark oder unvorteilhaft die Konsequenzen daraus sind. Wer CO2 sparen will, baut und betreibt seine Häuser energieeffizient und mit einem möglichst vorteilhaften Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Bereitstellung des Restenergiebedarfs. Wer Gegenteiliges behauptet, stellt sich auf die Seite derer, die schon an der mittelfristigen Zukunft kein allzu großes Interesse zeigen und denen es möglicherweise – wirtschaftlich betrachtet – eher um eine vorteilhafte Gegenwart geht“, meint dazu Robert Lechner, Österreichisches Ökologie Institut ÖÖI in seinem Fachkommentar.

Geringe Mehrkosten bei nachhaltigem Bauen

Aktuelle Studien und jahrzehntelange Baupraxis belegen die Wirtschaftlichkeit bei nachhaltigem Bauen. Lechner: „Im Rahmen zahlreicher von uns und ganz vielen anderen Expertinnen und Experten begleiteter Neubauten und Sanierungen kommen wir zu Investitionsmehrkosten von keinem bis wenigen Prozentpunkten für nachhaltiges, besonders energieeffizientes Bauen. Dabei spielen die verwendeten Materialien für den Hochbau eine weniger wichtige Rolle, als der technische Gebäudestandard. Vereinfacht: Null- und Plusenergie braucht heute (noch!) mehr Geld als Energieeffizienz; Energieeffizienz kostet unmerklich mehr als herkömmliche Stangenware.“ Und Günter Lang von Passivhaus Austria: „Im Idealfall kann der Passivhaus-Standard zu den gleichen Baukosten errichtet werden, die der Mindeststandard an Baukosten verursachen würde. Es kommt nur auf das Verhältnis zwischen Ausgaben für die thermische Gebäudequalität und für die Haustechnik an. Aber selbst bei Mehrkosten von zwei bis vier Prozent haben sich die eingesparten Energiekosten in wenigen Jahren mehrfach eingespielt. Und dabei sind die volkswirtschaftlichen Einsparungen noch gar nicht in Betracht gezogen.“

Neues Online-Tool belegt Wirtschaftlichkeit bei Dämmung

„Immer wieder wird in den Medien auf nicht ganz sachliche Weise gegen Wärmedämmung mobil gemacht: Teuer, nur für die Dämmstoffindustrie vorteilhaft, ineffizient, umweltschädlich, problematisch in der Entsorgung. baubook hat einen ökologischen Amortisations- und Wirtschaftlichkeitsrechner für Bauteile entwickelt, mit dem man selbst transparent überprüfen kann, ob sich eine Dämmmaßnahme rentiert und wie sie sich auf die Umwelt auswirkt. Klar ersichtlich ist aus den vielen Ergebnissen, dass sich Dämmen ökologisch und ökonomisch auszahlt“, präsentiert aktuell Bernhard Lipp, Österreichisches Institut für Baubiologie und – Ökologie (IBO), das AWR-Tool. Mit dem Rechner können verschiedene Dämmstärken, Baustoffe, Konstruktionen und Energieträger miteinander verglichen werden. http://www.baubook.at/awr/

Wirtschaftlich optimale Dämmstärke errechnet

Und noch eines zeigt der Rechner: die ideale Dämmstärke je nach Dämmstoff. Die ökologisch optimalen Dämmstoffstärken liegen meist im Bereich von 50 bis 120 Zentimeter. Ökonomisch betrachtet liegt der Optimalwert zwischen etwa 25 und 50 Zentimeter. Ein Beispiel: Bei mineralischen Wärmedämmplatten betragen die genaueren Optimalwerte ab mindestens 85 Zentimeter (ökologisch) für nicht erneuerbare Primärenergie und 23 Zentimeter (ökonomisch).

Ökologische Transformation

Johannes Kislinger, Innovative Gebäude: „Intelligent eingesetzte innovative Konzepte nutzen, um nachhaltige Lösungen zu finden ist das Ziel. Nicht mehr das Gebäude allein, sein Lebenszyklus und seine Nachnutzung stehen im Mittelpunkt, sondern der gesamte Kontext: Über das Gebäude hinausdenken heißt, globale Zusammenhänge mit seiner persönlichen Einstellung zum Miteinander in Einklang bringen, über die Nachbarschaft und Siedlung hinaus bis hin zu politischen Entscheidungen. Der Konsument bestimmt letzten Endes den Markt und macht damit Politik.“ Und Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation: „Es geht um einen Transformations-Prozess unseres Wirtschaftssystems weg vom Anspruch auf kontinuierlich mehr, hin zur Identifikation echter Bedürfnisse.“

Wirtschaftlichkeit: Neubau

Schlüssel Energieeffizienz

Welche Gebäudearten und welche Baumaterialien sind am Wirtschaftlichsten? – Diese Frage hat u.a. die aktuelle Studie „Innovative Gebäudekonzepte im ökologischen und ökonomischen Vergleich über den Lebenszyklus“ untersucht. Das Fazit: „Da der Energieverbrauch durch die Gebäudenutzung einen wesentlichen Anteil der Umweltwirkung von Gebäuden verursacht, muss auf selbigen das Hauptaugenmerk bei der Planung und Auslegung von Gebäuden gerichtet werden. Umfassende Gesamtkonzepte sind heute auch für kleine Objekte wie Einfamilienhäuser wichtig.“ Und: „An erster Stelle im Maßnahmenkatalog muss nach wie vor die Erhöhung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden stehen.“

Laufenden Kosten wesentlich

Auch wenn das Ergebnis der Studie nicht eindeutig für eine oder mehrere Gebäudevarianten spricht, kann doch eine wesentliche Schlussfolgerung getroffen werden, so die Studienautoren: „Das einzig selig machende und die Welt rettende Gebäudekonzept gibt es nicht. Die reine Betrachtung der Anfangsinvestition eines Gebäudes, d.h. ausschließlich der Errichtungskosten (Herstellungskosten), schafft niemals ein korrektes Bild über die wahren Kosten eines Gebäudes. Wenngleich eine Lebenszykluskosten-Bilanzierung auf diversen Annahmen beruht, zeigt sich im Projekt ganz deutlich, dass auch hier die Gesamtkosten über die angesetzte Nutzungsdauer (50 Jahre) sehr stark von den laufenden Kosten der Gebäudenutzung beeinflusst werden.“

Entscheidender Faktor: künftige Energiepreise

Zwei Haken hat die Studie allerdings: Zu den Berechnungen wurden nur die aktuellen Energiepreise herangezogen, künftige Preissteigerungen also nicht berücksichtigt. Zudem wurde mit recht hohen Herstellungskosten kalkuliert, die – durch andere anderen Studien belegt – inzwischen unterboten werden können.
Da in den nächsten Jahrzehnten mit höheren Energiepreisen jeder Art zu rechnen ist, sind hier Gebäudekonzepte mit Schwerpunkt auf Energieeffizienz – also Passivhaus sowie Null- und Plusenergiehaus – eindeutig im Vorteil. Unterm Strich werden diese Konzepte daher auch in der Gesamtkostenbilanz günstiger, wenn sie im Vergleich nicht sogar als Preissieger hervorgehen. Eventuelle Mehrkosten relativieren sich also, in welchem Ausmaß ist aufgrund der Energiepreisentwicklung leider nicht vorhersehbar.

Von Standard bis Hightech

Fest steht: Wie jedes Produkt kostet auch ein Haus je nach Qualität und Leistung mehr oder weniger. Die unterste Kategorie des nachhaltigen Bauens und somit auch Standard-Bauweise markiert das Niedrigenergiehaus, die höchste das Plusenergiehaus, welches in der Gesamtbilanz sogar einen Energieertrag abwirft. Dazwischen finden sich die Gebäudekonzepte Passivhaus und Sonnenhaus sowie Mischvarianten ein.

Kosten für nachhaltiges Bauen gesunken

Die Studie der Universität für Bodenkultur Wien „Nachhaltigkeitsmonitoring augewählter Passivhaus-Wohnhausanlagen in Wien“ hat die Herstellungskosten im Vergleich zum Baustandard Niedrigenergiehaus gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die Kosten für nachhaltiges Bauen sinken aufgrund technischer Entwicklungen, zumindest im mehrgeschossigen Wohnbau. Die Autoren: „Die Mehrkosten der ersten Wiener Passivhaus-Wohnhausanlagen lagen bei etwa 4-12 Prozent wobei in Zukunft durch kosteneffizientere dezentrale Haustechnikanlagen eher von einer Bandbreite von 4-6 Prozent ausgegangen werden kann.“

Die aktuelle deutsche Studie „Preisentwicklung Gebäudeenergieeffizienz“ hat dazu am Beispiel des Neubaus einer Doppelhaushälfte dargestellt, wie sich tatsächliche Kosten von 1990 bis heute im Lichte zunehmender gesetzlicher Anforderungen an die Energieeffizienz entwickelt haben – preisbereinigt über den Baukostenindex. Das Ergebnis: Zahlreiche Bauteile wie Porenbetonwand, Fenster, Dach oder Heizungspumpen kosten heute weit weniger bzw. erhält man eine weit bessere Qualität um den selben Preis. Die Autoren: „Angesichts der Ergebnisse dieser Initialstudie scheint die These von der „steigenden Energieeffizienz als natürlicher Feind des kostengünstigen Bauens“ nicht haltbar zu sein.“ Die Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass sowohl der heutige Neubau-Standard als auch sämtliche Zukunftsstandards bei guter Planung bereits heute die niedrigsten monatlichen Kosten aufweisen können als die vergangenen Standards der letzten Jahrzehnte.

Vorarlberger Energieinstitut und E7 errechnen Wirtschaftlichkeit

Die künftigen Energiekosten mit kalkuliert haben das Energieinstitut Vorarlberg und e7 Energie Markt Analyse. In der Studie „Analyse des kostenoptimalen Anforderungsniveaus für Wohnungsneubauten in Vorarlberg“ (2013) wurden verschiedene Gebäudetypen und Kombinationen – Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser, Massiv- und Holzbau, sowie Gas-, Pellets- und Wärmepumpenheizung – in Hinblick auf Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit über 30 Jahre errechnet und verglichen. Eingerechnet wurden die Anfangsinvestitionskosten für energierelevante Bauteile und Komponenten, Planungskosten, Wartungs- und Instandhaltungskosten sowie Energiekosten inklusive Preissteigerungen. Als Basis der Baukosten diente das vergleichsweise gehobene vorarlbergische Preisniveau.
Ergebnis: Zwar liegen die Investitionskosten der energetisch besten Varianten mit Solaranlage gegenüber den Varianten nach Baustandard Niedrigenergie und ohne Solaranlage höher, die tatsächliche Wirtschaftlichkeit zeigt sich jedoch in der Betrachtung über mehrere Jahrzehnte.

Die genannten Studien von unterschiedlichen Autoren und Auftraggebern zeigen deutlich, dass die Mehrkosten für optimal ökologisch und energieeffiziente Gebäude bei Betrachtung über mehrere Jahrzehnte egalisiert werden bzw. äußerst gering sind.

Wirtschaftlichkeit über Betriebskosten

Die Studie des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technik BMVIT „Betriebskosten- und Wartungskostenvergleich zwischen Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern“ aus dem Jahr 2013 verglich die realen Betriebskosten (inkl. Haustechnik) von zehn Passivhäusern und acht Niedrigenergiehäusern. Fazit: Mit jährlichen Betriebskosten von 5,3 Euro pro Quadratmeter sind Einfamilien-Passivhäuser um 2,1 Euro/m2 etwa 25 Prozent günstiger (Mehrfamilien-Passivhaus ebenfalls 2,1 Euro/m2 und 50 Prozent) als Niedrigenergiehäuser. Bei 100 Quadratmeter und einem Zeitraum von 50 Jahren beträgt die Ersparnis also 10.500 Euro – bei aktuellen Energiepreisen.

Pauschale Aussagen zur Wirtschaftlichkeit sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da die Bedingungen nicht direkt miteinander vergleichbar und künftige Energiepreise schwer abzuschätzen sind. Abseits des ökologischen Faktors sind aber auch Aspekte wie Wertsteigerung der Immobilie und deutlich gesteigertes Wohlbefinden von klarem Vorteil.

Vergleichszahlen für den Heizwärmebedarf

Durchschnittlicher Altbestand: 150-250 kWh/m².a
Neubau 1999: 75-90 kWh/m².a
Neubau um 2010: Etwa 50-65 kWh/m².a
Niedrigenergiehaus: unter 55 kWh/m².a (Baustandard)
Passivhaus: unter 15 kWh/m².a (nach PHPP)
Passivhaus: unter 8 kWh/m².a (nach OIB Richtlinie 6)

Wirtschaftlichkeit Sanierung

Wärmeverlust & Einsparungspotential (Grafik als PDF: Waermeverlust Grafik)

Energie wird sprichwörtlich aus dem Fenster geschmissen: Ganz allgemein wird bei der Bedeutung der einzelnen Bauteile für die Energieeffizienz von folgendem Schlüssel ausgegangen (wobei die Prozentsätze je nach Fachmeinung etwas variieren): Der Wärmeverlust bei nicht energieeffizienten Gebäuden liegt bei der Konstruktion (Wände, Dach und Boden) bei etwa 50 Prozent, bei den Fenstern bei etwa 30 Prozent sowie durch Lüften bei etwa 20 Prozent. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz FIW in München wollte es in der Studie „Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen“ ganz genau wissen und hat die Anteile der Wärmeverluste bei Bestandsgebäuden wie folgt kalkuliert: Wand 30 Prozent, Dach 20 Prozent, Keller 12 Prozent, Fenster 16 Prozent, Wärmebrücken 6 Prozent (auch im Bereich Fenster besonders relevant) sowie Lüften 14 Prozent. Interessant: Je energieeffizienter ein Gebäude ist, desto wesentlicher wird der Faktor Lüften, also das Nutzerverhalten bzw. der Einsatz von Wärmerückgewinnung.

Grafik Wärmeverluste RGB

Amortisation von Sanierungen

Eine Berechnung, welche Einsparung durch Sanierung möglich ist, hat das Forschungsinstitut für Wärmeschutz FIW in München in der gleichen Studie angestellt. Als Beispiel diente ein Einfamilienhaus aus der Gebäudealtersklasse 1968 bis 1979 (inkl Schwankungsbereich). Ganz besonders rechnet sich etwa eine Wärmedämmung eines alten Hauses, dessen Fassade sowieso saniert werden müsste.

Wirtschaftlichkeit Sanierung

Werden die gesamten Sanierungskosten laut Tabellenbeispiel von 67.780 Euro kalkuliert, ergeben sich bei der angeführten Einsparung ein Mehrkosten-Nutzen-Verhältnis von 2,28 Euro/kWh a und eine mittlere Amortisationszeit von etwa 16 Jahren. Als entscheidende Werte sind jedenfalls die Investitionskosten sowie die dadurch ersparte Heizwärme zu betrachten und das daraus zu errechnende Mehrkosten-Nutzen-Verhältnis (MNV). Darunter versteht man das Verhältnis der Mehrkosten infolge eines verbesserten Wärmeschutzes (energiebedingte Mehrkosten) zur jährlichen Heizenergieeinsparung. Das Mehrkosten-Nutzen-Verhältnis beschreibt also die energiebedingten Kosten pro jährlich eingesparte Kilowattstunde Heizenergie. Je kleiner das Mehrkosten-Nutzen-Verhältnis, desto wirtschaftlicher ist eine Dämmmaßnahme.

Die optimale Dämmstärke

Neue Ergebnisse über die optimale Dammstärke bringt ein Online-Rechner des Österreichisches Institut für Baubiologie und – Ökologie (IBO): Mit dem baubook AWR-Tool können ökologische und wirtschaftliche Amortisation von Dämmmaßnahmen schnell und transparent online berechnet werden. Dies brachte auch Optimalwerte ans Licht: Ökonomisch betrachtet liegt der Idealwert zwischen 25 und 50 Zentimeter. (Mehr dazu im Fachkommentar von Bernhard Lipp, IBO.) Ein Beispiel: Bei mineralischen Wärmedämmplatten betragen die genaueren Optimalwerte ab mindestens 85 Zentimeter (ökologisch) für nicht erneuerbare Primärenergie und 23 Zentimeter (ökonomisch).

Trotzdem gilt es zukunftssicher und damit möglichst energieeffizient zu sanieren, da davon ausgegangen werden kann, dass über den Lebenszyklus eines Gebäudes zumeist nur einmal saniert wird.

Status Quo & Volks-Wirtschaft

Energieverbrauch der Haushalte: Wieder um 26 Prozent höher als 1995

Tatsache ist, dass rund 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf das Konto des Gebäudesektors gehen, der damit auch das größte CO2- und Energie-Einsparungspotential ausmacht. Im Bereich der österreichischen Haushalte stellt die Raumwärme mit knapp 73,3 Prozent des Endenergieverbrauchs in Höhe von 272,5 Petajoule (Energiestatus Österreich) den größten Verbrauchsanteil dar. Wer denkt, der Energieverbrauch in den heimischen Haushalten sinkt aufgrund von Krise und Umweltbewusstsein, irrt: Der klimabereinigte Endenergieverbrauch je Einwohner (Anmerkung: Um die wetterbedingten Schwankungen des Endenergiebedarfes zu nivellieren, ist eine Klimabereinigung des Energieverbrauchs erforderlich.) stieg bis zum Jahr 2008, ging 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise markant zurück und stagnierte danach. Seit 2012 steigt er wieder und lag im Jahr 2013 um rund 26 Prozent höher als im Jahr 1995.

Gebäude-Altbestand: 60 Prozent aller Wohnungen sanierungsbedürftig

Insbesondere der Gebäude-Altbestand hat in Sachen Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit gehörigen Nachholbedarf. 2,2 Millionen Wohnungen oder rund 60 Prozent des gesamten Wohnungsbestands bräuchten eine energieeffiziente Sanierung („Effizienzpotenziale in der Österreichischen Wohnungspolitik“, IIBW 2012). Die Sanierungsrate liegt in Österreich seit Jahrzehnten bei etwa einem Prozent, sprich es dauert 100 Jahre, bis der Gebäudebestand komplett durchsaniert ist. Noch dazu machen die thermischen Sanierungen nur einen Teil der Gesamtsanierungen aus. Energie wird also sprichwörtlich aus dem Fenster geschmissen.

Wirtschafts- und Arbeitsmarktimpuls vs. Volkswirtschaftlicher Schaden

Dass nachhaltiges Bauen und Sanieren nicht nur einen wirtschaftlichen Aspekt jedes Haushaltes darstellt, sondern auch ein volkswirtschaftlicher Faktor ist, steht spätestens nach Einführung des Sanierungsschecks des Bundes fest: 2013 konnten mit 132,2 Millionen Euro Fördermittel nachhaltige Investitionen von 847 Millionen Euro unterstützt werden. Insgesamt wurden 12.715 Arbeitsplätze gesichert bzw. geschaffen und 3,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen eingespart.
Dem steht die Studie „COIN – Cost of Inaction: Assessing the Costs of Climate Change for Austria“ gegenüber, nach der Österreichs Volkswirtschaft bis 2050 Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden, in Höhe von bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich zu verkraften haben wird.

Faktor Energiepreise

Einen entscheidenden Faktor in der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit des nachhaltigen Bauens und Sanierens stellen die Energiepreise dar – insbesondere jener für Rohöl. Abseits dessen, dass fossile Energieträger begrenzt sind und in unbekannter, aber absehbarer Zeit zu Neige gehen, zeigten die letzten Jahre die Unvorhersehbarkeit der Preisentwicklung. Fest steht auch: Die Preise der fossilen Energieträger werden langfristig weiter steigen.

Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft dazu im Energiestatus-Bericht 2015: „Die letzten Jahre waren von teils dramatisch gestiegenen Energiepreisen – insbesondere der „Energieleitwährung“ Öl – gekennzeichnet. So kostete Rohöl (UK Brent) Anfang des Jahres 2005 noch etwa 45 Dollar/Barrel, Mitte 2008 jedoch bereits mehr als das etwa Dreifache (133 Dollar/Barrel). Danach folgte ein Preissturz auf rund 40 Dollar/Barrel (Ende 2008), womit die Preise wieder unter das Ausgangsniveau fielen, um in den Folgejahren wieder kontinuierlich bis auf knapp über 120 Dollar/Barrel zu steigen. In den Jahren 2012 und 2013 pendelte sich der Rohölpreis bei etwa 110 Dollar/Barrel ein. Seit Juni 2014 ist ein markanter Verfall der Rohölpreise auf etwas mehr als 60 Dollar/Barrel im Dezember 2014 zu verzeichnen.
Bei längerfristiger Betrachtung hat der Rohölpreis (inflationsbereinigt) 2003/04 wieder das Niveau zu Anfang der 1990er Jahre erreicht und ist danach dermaßen gestiegen, dass er im Jahr 2008 die Werte von 1980, dem Höhepunkte der 2. Erdölkrise, bei weitem übertroffen hat.
In den letzten Monaten von 2008 setzte ein Preissturz ein und 2009 lag der reale Ölpreis bei rd. 60 Dollar/Barrel, was etwa dem Niveau des Jahres 1982 entspricht. In den Jahren 2010 und 2011 zog der Preis neuerlich stark an und erreichte zuletzt mit rd. 102 Dollar/Barrel einen Rekordwert. Im Jahr 2012 lag der Preis bei knapp unter 100 Dollar/Barrel und damit um fast das Dreifache über dem realen Preis von 1990. Im Jahr 2013 ging er neuerlich leicht zurück und lag zuletzt bei rund 95 Dollar/Barrel. Die Preisentwicklung auf den internationalen Märkten hat naturgemäß die Energiepreissituation in Österreich stark beeinflusst.“
Anfang 2015 stürzte der Ölpreis auf unter 50 Dollar ab und lag zuletzt um die 60 Dollar.